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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1972-04-01 · No. 31 (März 1972) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1972
Issue
No. 31 (März 1972)
Date
1972-04-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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1 Lea (Lilli) Glaser-Bar llan geb. Maass s.A. Vor einigen Wochen ging aus unserem Kreise Frau Lea Glaser-Bar llan nach schwerem Leiden heim. Sie ist in Filehne, Provinz Posen, geboren und hat in ihrer Jugend durch ihr Elternhaus und durch den Einfluss des regen jüdischen Lebens eine schlichte Frömmigkeit eingesogen. Sie lebte dann in Berlin und später in Tel-Aviv. Es ist sonderbar und einzigartig, dass sie mit ihrer ältesten Tochter bereits im Jahre 1925 in der Kwuzat Chatam Sofer zwei Jahre lang arbeitete, Strassen pflasterte und schwerste körperliche Feldarbeit verrichtete. Zeitweise wohnte sie damals in der Altstadt in Jerusalem und war dort sozial tätig. Der Krankheit ihrer alten Eltern wegen ging sie nach Berlin zurück und kam dann erst wieder mit der deutschen Alijah nach 1933 ins Land. Hier verband sie eine innige Freundschaft mit der Familie des Rabbiners Nobel, der in Filehne, Berlin und zuletzt in Tel-Aviv amtierte. Sie heiratete zum zweiten Mal den bekannten Chasan und Mitbegründer von Ichud Shivat Zion, Shmuel Bar llan (CBrllling), dem sie eine besonders gute Frau gewesen ist. Sie ist die “Eshet Chajil”, die in den Sprüchen Salomos erwähnt wird, immer bereit zu helfen, immer auf dem Wege Kranke zu besuchen, Alleinstehenden Gesellschaft zu leisten, so hat man sie im Rahmen von Ichud Shivat Zion, der bekannten Gemeinde der Juden aus Deutschland, geschätzt. Die Freitagabende für die "Alten” verschönte sie durch ihre warmen Vorträge, die oft humorvoll das Publikum unterhielten. Wenn Krankheit sie nicht hinderte, so erschien sie zu allen Schabbat-G”ttesdiensten. Ihre besondere Liebe galt ihren beiden Töchtern, Schwiegersöhnen und Enkelkindern, Diese Liebe ist ihr von ihren Kindern in reichlichem Masse erwidert worden. Bis zum letzten Atemzug haben sie versucht, ihrer Mutter das schwere Leiden zu erleichtern. Raw Jehuda Ansbacher von der Gemeinde Ichud Shivat Zion sprach bei der Beerdigung warme Worte des Abschieds. Möge die Erde Israels, die sie so sehr liebte, ihr leicht werden. E. L. ROSA GOLINSKI sA TEL-AVIV, JAD ELIAHU, Wir halten es für eine Ehrenpflicht, dieser besonderen Frau in unserem Verbandsblatt einige Zeilen des Gedenkens zu widmen. In Gross- Wartenberg (Schlesien) im Jahre 1894 als Rosa Pakulla geboren, heiratete sie im Jahre 1920 nach Bernstadt (Schlesien). Die Familie Golinski zog im Jahre 1938 nach Breslau und wanderte 1939 nach Shanghai aus. Da ihr Sohn in der Jüdischen Brigade diente, konnte er seine Eltern im Jahre 1948 nach Israel anfordern. Die Familie Golinski lebte bis zum Tode des Vaters 1961 in Rishon-Le- Zion. 1962 siedelte die Witwe, Frau Rosa Golinsksi nach dem damals neu eröffneten “Beth Gila” über, das von Frau Paula Barth in Jad Eliahu bei Tel- Aviv, Margolinstr. 4, in modernstem Stil errichtet wurde. Unserem Gründer, Dr. Wilhelm Freyhan s.A. ist es seinerseit gelungen, in diesem Heim einen Trakt für die “Breslauer” zu erwerben. Die erste Insassin dieses Traktes war Frau Rosa Golinski. Ihre besonderen Eigenschaften waren Güte, Menschenfreundlichkeit, Kontaktbereitschaft und gute Laune. Sie war immer bereit zu helfen und dadurch allseitig beliebt. Ihr ganzes Sinnen und Denken gehörte ihren Kindern. Enkeln und dem Kreis, in dem sie lebte. Die letzten Jahre ihres Lebens waren von schwerer Krankheit beschattet, aber sie nahm diese in ihrer geduldigen Art hin und niemals hörte man sie klagen. Wir sprechen den beiden Söhnen und ihren Familien unsere innigste Teilnahme aus. Gad Golinski, der eine Sohn, wohnt in Rishon-Le-Zion, Baron Hirschstr. 9, Israel. TOWA GERTRUD SCHNELLER S.A. Es fällt mir schwer, diese Zeilen als Nachruf für eine Frau zu schreiben, die ich mehr als 50 Jahre gekannt und mit deren Haus uns enge Kontakte verbanden. Als Tochter des bekannten Raws Bruckstein aus Danzig hat sie all die Vorbedingungen mitgebracht, die ein echt jüdisches Haus gewährleisteten. Neben jüdischer und grosser Allgemeinbildung war sie künstlerisch begabt, ein Erbe ihres grossen Vaters. Das Haus Kurt Schneller in Breslau, das durch beide Eheleleute gefestigt wurde, war Mittelpunkt jüdischen streng traditionellen, Lebens. Es war ein Haus, in dem man sich wohl fühlte, in dem man ohne jede Etikette aufgenommen wurde, in dem stark pulsierendes jüdisches Leben herrschte, das auf jeden übersprang, der mit ihm in Berührung kam. Die vielen, Lehrer und Lehrerinnen aus West oder Süddeutschland, die sich in die Mentalität der Juden Ostdeutschland schwer eingewöhnen konnten, fanden im Hause Schneller die Wärme, die Brücke, den Rat, die Hilfe, um sich dem neuen Milieu anzupassen. Die jüdische Schule in Breslau, das jüdische Gymnasium sind eng mit dem Namen Schneller verbunden. All die grossen Kämpfe um den Bestand dieser Schulen wurden mit Hilfe v. Schnellers ausgetragen. Gertrud Schneller stand ihrem Mann in jener Lebenslage zur Seite, geschäftlich, privat, im jüdischen Leben half sie mit und hatte Verständnis für all diese Forderungen, die oft weit das überstiegen, was im Bereich des Möglichen war. Ihre Gewandheit und ihr Weitblick im Leben waren bekannt und geschätzt. Oft begleitete sie ihren Mann auf seinen Geschäftsreisen im eignen Wagen und uuvergesslich sind die Stunden, die wir am Sonntag in einer kleinen Stadt mit kleiner jüdischer Gemeinde verbrachten, sie kamen, um all das zu sehen, was an jüdischem in Miniatur zu sehen war, aber auch naturliebend und das Leben von der positiven Seite betrachtend. Unvergesslich das offene Haus als Versteck für die ausgewiesenen polnischen Juden, die Oktober 1938 bei der Polenaktion, ganze Familien beherbergte, wissend, welche Gefahr sie auf sich nahmen. Es ist ihr gelungen, zusammen mit ihrem unvergesslichen Mann die Kinder so zu erziehen, dass alle Kinder und Enkel den Weg gehen, der ihnen vorgelebt wurde und die heute in geachteten Positionen sich der Tradition des Hauses Schneller würdig erweisen. Sie wird nicht nur bei ihrer Familie sondern bei allen, die sie kannten, verehrten und liebten, unvergessen bleiben. E. L. Am 14. Dezember 1971 verschied nach langem schweren Leiden im Alter von 85 Jahren unser verehrter Landsmann KURT NIEDERGESAESS in Wertheim/Main. Durch seine Liebe zu unserer gemeinsamen ehemaligen Heimat und das rege Interesse für unseren Verband und den Staat Israel war er uns eng verbunden. Wir werden seiner stets gedenken Verband ehemaliger Breslauer in Israel Hans Fingerhuf s.A. Zu spät für eine ausführliche Würdigung, erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser, von seinem Bruder und vielen Freunden betrauertes Mitglied Hans Fingerhut aus Breslau am 14. Juni 1971 im 61. Lebensjahre in New York von uns gegangen ist. Hans Fingerhut war vielen Breslauern als ein gütiger, allseitig hilfsbereiter Freund bekannt, der für Jeden Interesse und ein freundliches Wort hatte. Er arbeitete 25 Jahre im Pharmazeutischen College von Columbia University, in deren Geschichte er durch eine ehrende Resolution der Fakultät anlässlich seines Hinscheidens eingegangen ist. Er war ein alter Freund unseres Gründers Dr. Wilhelm Seew Freyhan, dem er bei der Beschaffung von Namen alter Breslauer Freunde in seinen Bemühungen für die Gründung unserer Vereinigung behilflich war. Er entstammte einer alten angesehenen Breslauer Familie, über deren Leben er in seinem Artikel “Die Papierfingerhuts” (No. 28 der Verbandszeitung) berichtete. Ungezählte Freunde betrauern seinen Verlust. GEDICHT Zum Andenken an Frau Betty Gesundheit — Nelken geb. Rosenthal, die dieses Gedicht ihrer Nichte, die s.Zt. 14 Jahre alt war, als sie es anlässlich ihres ersten Konzertbesuches verfasste, und uns für die Pessachnummer überliess aber leider nicht mehr im Druck sehen kann, da sie indessen heimging. Dieser Konzertbesuch war vor ca. 60 Jahren im Konzerthaus Breslau. Ein vollgefüllter Saal. Und alle blicken zum Podium, wo ein schönes Instrument schon seines Meisters harrt, und zum Entzücken kommt er der Künstler, den ein jeder kennt. Horch, ein Accord! und mächtig durch die Räume klingt Chopins Trauermarsch, ein jeder fühlt versetzt sich in das hehre Reich der Träume! Koczalski spielt. Mir ist’s als hör’ vom Turm ich das Geläute, Die Totenglocke ernst und traurig schlagen Und seh’ nen langen Zug, des Todes Beute, Des unbarmherzigen, zu Grabe tragen. Aus manchem Aug’ sich eine Träne stiehlt. Die Tasten unter seinen Händen leben! So endet unser Hoffen, unser Streben. Koczalski spielt! — Hat ihn der alte Liczt gelehrt zu spielen? Ist’s Chopin, des Vermächtnis diese Kunst? O, alle, die ihn hören, müssen fühlen: Ein solch Talent ist G’ttes Gunst! Wie herrlich die Musik, die uns zu weinen, Die uns zu jubeln wie darum befiehlt! Die scheint den Schmerz, die Freude zu vereinen. Koczalski spielt! — — — Die zweite Rapsodie, die wunderschöne, Den Blumenstrauss von süssen Melodien, Die spielt er und bald jauchzend hell, die Töne. Bald klagend dumpf zu unserem Ohre ziehn. Das Lied ist aus! — Im Saal herrscht tiefes Schweigen Im Bann des Spiels sich noch ein jeder fühlt. Vor seinem Genius sich alle neigen! Koczalski spielt! — — — Margot Peritz 20

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