Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1972
- Issue
- No. 31 (März 1972)
- Date
- 1972-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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UNSERE LETZTEN FERIEN IN DEUTSCHLAND VOR UNSERER AUSWANDERUNG ZUGLEICH EINE ERINNERUNG AN JÜDISCHE HELDINNEN Es war im Sommer 1938, als wir unsere letzten Ferien in Deutschland vor unserer Auswanderung in Reith im Winkel in den bayrischen Alpen verlebt haben. Wir fuhren zu einem uns empfohlenen Bauern, der uns in seinem schön gelegenen Besitztum ein Zimmer vermietet hatte. Ich hatte ihn vorher angefragt, ob wir obwohl Juden ihm willkommen wären und auch betont, dass wir ungestörte, angenehme Ferien verbringen wollten. Er hat diese Fragen als selbstverständlich bejaht und uns ein Willkommen als Gäste zugesichert. Es war der Typ eines Mannes, wie ihn Leibi durch seine Bilder verewigt hat, der uns beim Aussteigen aus dem Autobus in Reith freundlich begriissend behilflich war. Er führte uns in sein Haus und in unser Zimmer; alles gefiel uns ausnehmend, aber ich fragte doch etwas ängstlich, o b der Gemeindevorsteher, wenn er uns dort anmelden würde, nicht Schwierigkeiten machen würde, weil wir Juden wären. Unser Wirt erwidert lachend im bayrischen Dialekt, den ich leider nicht genug beherrsche, um ihn hier wiederzugeben, etwa: “Der Lackl wird unterschreiben, was ich ihm hinhalte und garnicht hinschauen.” Dann sagte er in etwas ernsterem Ton: "Ich habe Ihnen dieses Zimmer nach hinten heraus mit der schönen Aussicht auf den “WILDEN KAISER” gegeben, damit Sie tunlichst nicht mit den “Kraft durch Freude” Leuten in Berührung kommen. Ich muss diese Blase für eine Mark pro Kopf über Nacht beherbergen, so greulich mir das auch ist. In der Tat waren es wunderschöne Ferien, die wir dann dort verlebt haben, bis auf einen einzigen Tag, den wir dort nicht verbracht haben. An diesem Tage haben wir nämlich mit einem Autobus über die nahe gelegene Grenze und durch Zell am See einen Ausflug auf den Gross Glöckner in das eben von Hitler besetzte frühere Österreich gemacht. Es lässt sich nicht beschreiben, welche Unmenge gemeinsten antisemitischen Unflats in Bildern, Plakaten, Aufrufen und dergl. uns in allen Dörfern und auch in Zell am See entgegentrat. Es konnte einem davon richtig übel werden. Auf dem Gross Glöckner hatten die Nazis das Denkmal für Schuschnig, der diese schöne neue Alpenstrasse kurz vorher geschaffen hatte, beseitigt und die Hakenkreuzflagge gehisst. Wir waren glücklich, als wir wieder in Reith zurück waren. Dort gab es nur eine einzige kleine Tafel mit folgendem Gedicht: “Jud, bleib fort von diesem Ort”. Dieses Meisterwerk der deutschen Poesie hatte der “Stürmer” den Einwohnern von Reith aufgezwungen, die aber weder von der Tafel noch dem Inhalt irgenwelche Notiz nahmen. Zwei Jahre später, als wir schon in den USA waren — im Sommer 1940 — ist Frau Dr. Hildegard Boehme, die Leiterin des Provinzialverband für Jüdische Wohlfahrtspflege in der Mark Brandenburg, auf unsere Empfehlung auf das gleiche Bauerngut in Ferien gefahren. Als Sommergast erfuhr sie dort trotz gelbem Stern die gleiche herzliche Aufnahme, die uns zu teil geworden war. Sie schrieb uns in ihrem Dankbriefe, sie käme sich vor wie Rahel am Brunnen, wenn sie ihre Wäsche dort am Brunnen gewaschen hätte und im Garten aufgehängt hätte. Es waren bestimmt ihre letzten Ferien im Leben. Denn Hildegard Böhme ist wie Cora Berliner und Paula Fuerst u. a. bis zuletzt auf ihrem Posten geblieben, obwohl grade diese Frauen die Möglichkeit gehabt hätten, in England zu bleiben imd sich so zu retten. Sie haben bewusst ihr Leben geopfert, um viele hunderte ihrer Glaubensgenossen aus der Nazihölle herauszubringen und so am Leben zu erhalten. Ehre dem Andenken dieser stillen Heldinnen! Dr. Emst Warschauer, 250 Cabrini Blvd., New York, 10033 PROF. DR. SCHLOMO SIMONSOHN DER NEUE REKTOR DER TEL-AVIVER UNIVERSITAET Mit grosser Freude können wir unseren früheren Breslauern in Israel und in der ganzen Welt davon Kenntnis geben, dass Professor Schlomoh Simonsohn (Sohn des verstorbenen Isi (Itzchak Simonsohn und seiner Ehefrau Dora geb. Wertheim aus Fulda) Neffe unseres unvergesslichen Rabbiners Dr. Max Simonsohn s.A. zum Rektor der Tel-Aviver Universität in geheimer Wahl ernannt worden ist. Wir wollen von dieser Stelle aus ihm, seiner Familie und seiner Mutter Frau Dora Simonsohn, Haifa, Rechow David Pinski 7-a unser herzlichstes Massai Tow sagen. Er ist direkter Nachkomme von Raw Jakob Ettlinger, Altona und Raw Jisrael Meir Freimann, mütterlicherseits von Reb Mendel Zell (Rosenbaum) dem Vorkämpfer für das bayerische Judentum im vorigen Jahrhundert. 1933 in Palästina eingewandert, besuchte er die Jawne Schule in Haifa (Lehrer Dr. Daniel früher Breslau) und die Maale Schule in Jerusalem. 1946 MA an der Jerusalemer Universität, 1947 Fortsetzung seiner Studien in London, die er unterbrach, um am Befreiungskriege 1948 teilzunehmen. 1952 Doktorat an der Londoner Universität (Arbeit über Leon di Modena). Spezialstudium Geschichte der italienischen Juden im Mittelalter. 1953 Studium in Italien. 1955 Mitbegründer der Tel-Aviver Universität, 1956 Offizier im Sinai Feldzug, 1956 mit dem Warburg Preis ausgezeichnet, 1957 Leiter der Abteilung für jüdische Geschichte der T.A. Universität. Beginn der Vorlesungen. Gründer und Leiter des Institutes “Geschichte der Juden in der Diaspora”. — 1963 Ernennung zum ausserordentlichen Professor, administrative und akademische Tätigkeit in der Universitäts Bibliothek gleichzeitig mit dem Studium für die Geschichte der italienischen Juden. 1965 Ben Zwi Preis. 1967 im 6 Tage Krieg besonders in Jerusalem. 1968 zum ordentlichen Professor ernannt. 1971 Wahl zum Rektor. Wir wünschen dem Endvierziger, der über ein so umfangreiches Wissen verfügt und dessen Begabung und Lebenserfahrung einen grossen Rahmen einnimmt, Gelingen, Zufriedenheit und Anerkennung in seinem grossen, verantwortlichen Amt und freuen uns, dass ein früherer Breslauer aus der bekannten Familie den Posten bekleidet, der ihm gebührt zum Besten der Tel- Aviver Universität, die sich eines sehr guten Rufes erfreut und zum Wohle des Staates Israel. In Verbundenheit Verband ehemaliger Breslauer in Israel ERNST TAUBER, 1. Vorsitzender BEBURIA Wir verweisen hier nochmals auf unser Bild in No. 30 unseres Blattes, das die Gründerinnen der “Beruria” in Breslau zeigt. 2 Namen waren s. Zt. nicht bekannt. Wir machen darauf aufmerksam, dass in der Mitte oben die Studentin META FRÖHLICH heisst aus Beuthen, Königshütte oder Gleiwitz O/S. Sie hat in Kattowitz die Studien Anstalt besucht. Die Apothekerin aus Schlesien, deren Namen auch nicht genannt wurde war ELLI HEPPNER. Tochter des bekannten hier so oft genannten Rabbiners Dr. Aron Heppner, Koschmin — Breslau, die dann nach Brieg Bez. Breslau heiratete u.z. Dr. Emst Böhm. Sie ist scheinbar im Jahre 1942 in Auschwitz umgekommen. ERINNERUNG AN MEINE GEBURTSSTADT BRESLAU In Breslau in der Hohenzollemstr. 71 bin ich aufgewachsen und erinnere ich mich oft und gern an meine dortigen Jugendjahre. Drei Jahre besuchte ich die Joachimsthaler Schule in der Zimmer Str. und nachher die Pawelsche Schule am Koenigsplatz. In meiner Klasse hatte ich sehr nette Freundinnen; Paula Brück, Käthe Pilzer, Margot Bardasch, Suse Boehm, Edith Rottenberg und Anne-Marie Sochaczewski. Wie schön waren die Ausflüge mit der Schule nach Obernigk, Trebnitz, Zobten und nach Liegnitz zur Gugali-Ausstellung. In den zwei letzten Schlesier-Zeitungen waren Bilder von Pawelschen Schülerinnen. Auch ich habe zwei Bilder gefunden, das eine war mit zwei Lehrern beim Ausflug und das zweite ist die Direktorin Klara Pawel. Ich sandte die zwei Bilder dem Vorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien M.d.B. Dr. Herbert Hupka ein zu treuen Händen, der in der Schlesier-Zeitung auch meine Bilder veröffentlichen wird. Wir hatten viel Freude im Sommer in Breslau, in dem Schwimmbad Leerbeutel, aber auch im Winter gab es für uns Kinder in Breslau viel Abwechselung, rodeln auf der Liebigs-Höhe und Schlittschuhlaufen auf dem Stadtgraben. Wie schön waren die grossen Bälle in der Jahrhundert-Halle in Scheitnig. Auch die Theater waren für damalige Zeiten auf hoher Stufe. Die Schauspieler Käte Gold und Rudolf Platte hatten von Breslau aus grossen Erfolg. Durch die Abonnements-Karte im Lobe-Thalia und Stadt-Theater habe ich viel gesehen. Im Stadttheater war Willy Woerle zur Zeit der Opernsänger. Auch das Breslauer Schauspiel mit seinen Operetten war immer ein Erlebnis. Wir gehen nun den Pessach Feiertagen entgegen und erinnere ich mich gern an den feierlichen G”tesdienst der grossen Synagoge am Anger mit Rabbiner Dr. Vogelstein und Rabbiner Dr. Sänger. Leider wurde diese Synagoge am 9. November 1938 wie Tausende andere abgebrannt. Vor sieben Jahren sprach ich in der Strassbruger Synagoge Oberkantor Borin, der lange Jahre in der Synagoge am Anger amtierte. Herr Oberkantor Borin war sehr gerührt, als wir uns über alles vergangene unterhielten und er meinte, das war meine Glanzzeit in Breslau. So war es auch; denn Oberkantor Borin war nach dem weltbekannten Oberkantor Cerini eine Grösse. Leider weilt Oberkantor Borin auch nicht mehr unter den Lebenden. Ich lebte wirklich gern in Breslau, da wir eine grosse Familie waren. Zu Pessach sassen alle Familienmitglieder am Tisch unseres Grossvaters Neumann, Kinder, Enkel und Urenkel. Die Pessachabende werde ich nie vergessen, da sie feierlich und lustig waren. Jede Familie brachte ihr Essen mit und es begann eine lustige Unterhaltung, wer eigentlich die weichesten Knödel mitbrachte. Mein Gross vater mütterlicherseits war Samuel Blasse, der Bruder von Gustav Blasse. Mein seliger Vater und auch mein seliger Onkel ehrten den Namen Samuel Blasse sehr und so bestand das Kaufhaus S. Blasse in der Graupenstr. 6—10 bis 1933. Ich bin die Tochter von Leo und Klara Neumann geb. Blasse. Ich wünsche allen Breslauern recht angenehme Pessach-Feiertage und grüsse sie. Betty Schöngut, geb. Neumann, Tel-Aviv, Ruppin Str. 18 1«