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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1972-04-01 · No. 31 (März 1972) · p. Seite 17

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1972
Issue
No. 31 (März 1972)
Date
1972-04-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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13.9. iB7* Ludwig Markowicz *3-9-1971 sei. And. zum Es ist zwar nicht allgemein üblich, dass der Sohn über seinen eigenen Vater schreibt, aber da die Redaktion dieses “Unübliche” gern annimt, f und daran interessiert ist, anlässlich des hundert- : sten Geburtstages von meinem Vater ein paar 1 Zeilen ihm zu widmen, so nehme ich diese Auf- ' gäbe gern, auf mich. i ( Ich glaube wirklich, dass unter den vielen “guten Juden”, die es in unserer Heimatsstadt ( Breslau gab, Ludwig Markowicz einen besonderen Platz einnahm, und ich glaube, die Breslauer, die ihn kannten, werden mit mir übereinstimmen. ( Ich möchte, wenn ich meinen Vater charaki torisleren soll, und das hervorheben will, was ihn L.uszeichnete, vor allem drei Züge seines Wesens kurz darstellen; die seinem Leben seinen be- . sonderen Stempel aufgedrückt haben, von seiner ( Jugend an, bis zum Ende seines langen Lebens, ( das er mit über 91 Jahren hier abschloss. Diese drei Züge sind sein ständiges Bildungsstreben, trotz seiner geringen Schulbildung, sein Zionis- ’ mus, mit dem er bereits in den Anfängen der , Bewegung verbunden war, und sein ganz besonders ausgeprägter Hang zur Wohltätigkeit. Mein Vater musste bereits mit seinem 12 i Lebensjahr die Schule verlassen, was zwar im i preussischen Posen, wo er aufwuchs, nicht ganz ] “ordnungsgemäss” war, aber die Notwendigkeiten 1 des Lebens zwangen seine Eltern, den Knaben i bereits in diesem frühen Alter in die kaufmännii sehe Lehre zu geben, um sobald als möglich Geld i verdienen zu können, und den Eltern behilflich ] zu sein. Sein Vater war jüdischer Gelehrter, am < Geschäft wenig interessiert, sodass die Hauptlast : auf der Mutter lag, die mit den älteren Kindern 1 die Sorge für den Lebensunterhalt auf sich nahm, Louis, wie mein Vater genannt wurde, fügte sich, i und ging brav in die Lehre, wurde auch bald “auf i Reisen” geschickt, nahm jedoch jede freie Minute i wahr, wie ich aus seinen Tagebüchern und Auf- ] Zeichnungen feststellen konnte, um sich in Sprachen, Literatur und Geschichte so gut weiterzubilden, wie dies nur möglich war, angesichts der beschränkten Mittel, die ihm zur Verfügung standen. Später, als er bereits mitten in seiner erfolgreichen Geschäftslaufbahn stand, — von der ich hier nicht sprechen, will, — liess er sich laufend von meiner Mutter, die eine bessere Schulausbildung als er genossen hatte, über gute Bücher, informieren, und benützte weiter jede Gelegenheit, sich weiterzubilden, besuchte Vorträge, Kurse, Theater, kurz, er tat alles, was seiner Vorbildung entsprechend geeignet war, sich auf ein höheres Wissensniveau zu heben. Natürlich legte er grössten Wert darauf, dass seine Söhne den Mangel, den er stets empfand, nicht zu spüren bekamen, sondern eine erstklassige Ausbildung erhielten, und genierte sich nicht, von diesen Söhnen zu lernen, und sich von ihnen Bücher empfehlen zu lassen, die ihn, weiterbringen konnten. Wir haben dies stets sehr anerkannt, und immer wieder bewundert, wie sehr er sein ursprünglich geringes Schulwissen erweiterte, sodass er, ohne sich zu blamieren, in den gebildeten Kreisen des Breslauer Judentums verkehren konnte, und über die Fragen des Tages, der kulturellen Veranstaltungen usw. mitreden konnte. Bis in sein hohes Alter war er bemüht, sein Wissen zu erweitern, und er las Bücher stets nicht um sich “abzulenken” oder als "Unterhaltungslektüre”, sondern stets, um daraus zu lernen, und sein Wissen zu erweitern. Stets fragte er uns, seine Söhne, “Könnt Ihr mir das empfehlen, kann man daraus etwas Wertvolles lernen?” i Hundertsten Der zweite wesentliche Zug seines Wesens war sein Zionismus. Er schloss sich, was im deutschen Judentum sicher eine recht seltene Erscheinung war, der zionistischen Bewegung bereits im Anfang des Jahrhunderts an, noch zur Zeit Herzls, und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass er uns, seine Söhne, bereits mit etwa 11 und 12 Jahren in den damals in Breslau von Josef Markus gegründeten Blau-Weiss schickte. Mein vest. älterer Bruder, Herbert M., der viel braver war als ich, ging auch sofort in den Blau- Weiss, und blieb darin, bis er später ins K.J.V. eintrat, mit dem jüngeren Sohn, dem Schreiber dieser Zeilen, hatte er weniger Glück, da ich aus angeborenem Widerspruchsgeist alles ablehnte, was von meinen Eltern kam, es daher ablehnte, in den Blauweiss zu gehen, und, da der Vater es streng verbot, in die Kameraden eintrat. Vater selbst war stets das Zentrum aller zionistischen Sammlungen in Breslau, wie ihm von Kurt Blumenfeld, Traub und anderen oft bestätigt wurde. Mit R. A. Jacobsohn, dem Führer der Breslauer Zionisten, — jetzt in Meged, und dem verst. Josef Marcus, sowie R. A. Lux, war er zionlistischer Vertreter in der Jüdischen Gemeindeverwaltung, unter den nicht-akademischen jüdischen Kaufleuten Breslaus sicherlich ungewöhnlich fortschrittlich und vorausschauend. Eigenartig war seine Begründung, mit der er mir gegenüber, — ich war inzwischen, seit 1923, bereits der zionistischen Bewegung beigetreten, — begründete, warum er trotz seiner langen zionistischen Betätigung nicht nach Palästina-Israel auswanderte: Er sagte: Palästina braucht Leute wie Ihr, junge Leute, die dem Lande etwas geben können, wir können in unserm Alter am meisten für das Land tim, wenn' wir von hier aus, mit Geld und Propaganda, den Aufbau unterstützen, und so sehe ich meine zionistische Aufgabe hier in Deutschland besser ausgeübt, als in Palästina. Er hat später buchstäblich Tausenden bei der Auswanderung geholfen, ihnen Wäsche und Ausstattung verschafft und dies alles unter den Augen der Nazibehörden. Als ich ihm im Jahre 1937, dem Jahre meiner eigenen Einwanderung, nahelegte, zum mindesten sein Geld zum merklichen Teil herauszuschaffen, wozu ich die Möglichkeit hatte, lehnte er dies kategorisch ab: “Illegale Sachen mache ich nicht, was Du tun willst, ist gegen das Gesetz, und wenn auch des Nazistaates, aber ich werde nicht gegen die Gesetze verstossen”. Er glaubte ausserdem nicht an eine Gefahr für sich selber: “Mir altem Mann, Soldat im Weltkrieg usw. werden auch die Nazis nichts tun”. Nun, er sah nach der Nacht des 9. November 1938 seinen Fehler ein, und schrieb mir: “Ernst, Du hattest Recht, versuche, uns noch herauszubekommen”, was uns, meinem Bruder und mir, glücklicherweise gelang. Meine Eltern kamen nach Israel nach Beginn des Krieges, im Oktober 1939; leider starb unsere lb. Mutter ein Vierteljahr später, im Januar 1940. Mein Vater hat dann mit seinen bereits G9 Jahren noch ein Geschäft hier auf gebaut, mit einem seiner ehemaligen Angestellten zusammen, in dem er noch bis fast zu seinem 80. Jahre mittätig war. Er pflegte nach der Gründung des Staates zu sagen: “Ich bin der glücklichste Mensch auf der Erde, wem ist es wohl so vergönnt wie mir, einem Ideal fast 50 Jahre nachzustreben, und es noch zu seinen Lebzeiten verwirklicht zu sehen, so wie ich den Judenstaat Herzls jetzt erleben darf”. So war und blieb der Zionismus das ständige Leitmotiv seines aktiven Lebens. Vielleicht noch bemerkenswerter für die Persönlichkeit meines Vaters war jedoch die dritte Seite seines Charakters, die ich hier hervorheben will, und dies ist seine unaufhörliche Hilfstätigkeit allen möglichen Gruppen gegenüber, die auf Hilfe angewiesen waren. Ob es sich um eine Sammlung für das berühmte Breslauer Jüdisch- Theologische Seminar handelte, in dessen Kuratorium er sass, und für das er, mit meiner Hilfe als Übersetzer, in Amerika Stefen Wise und Lessing Rosenwald besuchte, übrigens mit merklichem Erfolg, ob es sein Steckenpferd, das Jüdische Mädchenheim in der Graebschener Strasse war, das im wesentliche durch seine unermüdliche Hilfeleistung bestehen konnte, die wunderbare Leistungen der Leiterin, Frau Käthe Sandberger, mit der er eng zusammenarbeitete, soll natürlich durch diese Bemerkung nicht weniger geschätzt werden, ob schliesslich die Jüdische Schule in der Rehdigerstrasse, die Ludwig Markowicz in gemeinsamer Arbeit mit dem verst. Rabbiner Max Simonsohn s.A. von kleinen Anfängen zu einer der wichtigsten Bildungsstätten der jüdischen Jugend in Breslau machte, kurz, wo es sich um Wohlfartsarbeit handelte, war Ludwig M) mit dabei. So war es nicht zu verwundern, dass er als zionistischer Repräsentant in der Breslauer Jüdischen Gemeindeverwaltung das Wohlfahrtsdezernat innehatte, und dieser Aufgabe, oftmals zum leisen Aerger seiner geschäftlichen Mitarbeiter, mehr Zeit widmete als es, wie diese meinten, dem Geschäft guttat. Ich will seine private Hilfstätigkeit vor allem deswegen besonders hervorheben, weil er hierbei nie seinem Prinzip untreu wurde, dass beim Wohltun nie die eine Hand, die gebende, von der andern, der nehmenden, wissen durfte. Dieses Prinzip, den Empfänger nicht zu beschämen, nahm er sehr ernst, und er lehnte Gaben ab, wenn der Geber wissen wollte, um wen es sich handelte, ausser natürlich in solchen Fällen, wo der Empfänger dies ausdrücklich wünschte.“Es genügt, wenn ich Dir sage, dass ich für eine Brautausstattung, eine Ausbildung eines jungen Menschen usw. Geld brauche, und dass er selber in solchen Fallen an der Spitze der Gebenden stand, wussten alle. So hat er diese seine Zadakah-tätigkeit auch hier in Israel weiter ausgeübt, und nachdem er sich vom Geschäft zurückgezogen hatte, blieb dies seine Hauptbeschäftigung. “K’far Noar Hadati”, das “Jüdische Waisenhaus’ in Jerusalem, und andere Stätten kannten diesen Spender gut, und in Breslauer Kreisen wusste man, wenn Menschen aus Breslau in Not waren, an wen man sich zu wenden hatte, das brauche ich an dieser Stelle nicht zu betonen. So hat er diese seine Zedakah-tätigkeit auch gegangen, wir denken seiner jetzt, wo er hundert Jahre geworden wäre, noch in aller seiner Lebendigkeit, und versuchen, so wie er es uns, seinen Söhnen, auf seinem Sterbebette anempfohlen hat, in seinen Wegen zu gehen. Sein Andenken wird bei denen, die ihn kannten, nicht verlöschen! .no-nb pm ibt Dr. Ernst Markowicz 81, Aluf Davidstr. Ramat Chen, Israel Vorstehender Artikel über LUDWIG MAR¬ KOWICZ sollte eigentlich in der No. 30 zu Rosch Haschanah vorigen Jahres erscheinen, ist aber aus technischen Gründen s.Zt. nicht zum Druck gekommen, deshalb die Verzögerung, die wir zu entschuldigen bitten. Die Redaktion 17

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