Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1972
- Issue
- No. 31 (März 1972)
- Date
- 1972-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Iwrith als Erlebnis in Breslau Olga Seiferl, München ist nicht mehr Es fiel dem Juden, der in Deutschland aufgewachsen war, schwer, Iwrith zu lernen; er sah sich vor die Aufgabe gestellt, ein trockenes Material von Vokabeln und Regeln in sich aufzunehmen, das ohne Beziehung zu seiner geistigen und beruflichen Existenz war. Anders war es in Breslau. Hier wurde seit den frühen zwanziger Jahren Iwrith zu einer lebenden Tatsache. Das brachte ein Lehrer ungewöhnlichen Formats zu Stande: J. Reznikow. Er kam aus Odessa und brachte mit sich das reiche Gut alter und junger hebräischer Kultur, das in den Juden jener Stadt lebendig war. In Breslau studierte er, — man wusste nicht recht, was. Aber er wusste “alles”, und er besass die grosse Fähigkeit, sich auf das geistige Lebensgebiet iesjenischen Schülers zu begeben, den er gerade vor sich hatte. Man lernte in seinen Kursen T’nach und Mischnah, mit oder ohne den Raschi-Kommentar, man wurde in die Welt von Rambam, Ibn Gabirol, Jehuda Halevi eingeführt, man hörte ein akademisches Kolleg über Achad Haam, oder fesselnde Vorträge über moderne hebräische Literatur, und er brachte den Humor eines Mendele Mocher Sfarim zu drastisch-lebendiger Anschauung. Der Schüler stand vor einer reichen Auswahl. Aber das war nicht alles; sondern sein eigenes Interessengebiet wurde“hebräisiert”. Da ich Jurist war, führte mich Reznikow in das alte Jüdische Recht ein; als ich im “Haolam” einen Aufsatz über den (damals noch sehr unbekannten) Philosophen Nikolai Hartmann las und Interesse daran äusserte, bekam ich von meinem Lehrer einen eingehenden Vortrag über dieses Thema zu hören. Er wusste, dass das Pauken von Vokabeln geisttötend ist, “Schreiben Sie das Wort nicht auf”, sagte er, “es wird wiederkommen, und dann werden Sie es sich merken”. Das rein Sprachliche und der geistige Inhalt seiner Kurse waren nicht voneinander zu trennen. Iwrith wurde zum Brennpunkt der Interessen seiner Schüler. Anstatt eines “Unterrichts” im hergebrachten Sinne, erwuchs eine lebendige Bewegung. Wir gründeten in Breslau einen hebräischen Klub. Auf seinen Zusammenkünften wurde selbstverständlich nur Iwrith gesprochen. Die Mitglieder hielten Vorträge über aktuelle Fragen (ich erinnere mich, dass ich 1930 einen Vortrag über das nationalsozialistische Programm hielt). Wir veranstalteten ein öffentliches Gericht über die — kürzlich stattgehabte — Aufführung des “Golem” durch die Habimah. Hervorragende Repräsentanten des modernen Iwrith hielten bei uns Vorträge und standen vor einem respektablen Publikum. Dr. Max Meyer leitete eine hebräische Kultur-Woche. Der General-Sekretär des Brith Iwrith Olamith warb bei uns Mitglieder. Reznikow gab eine hebräische Zeitschrift heraus. Sie hiess “Hagescher” und brachte Aufsätze aus dem jüdischen Leben, aber auch aus dem allgemeinen Bereich der menschlichen Gesellschaft. Neben dem weniger bekannten hebräischen Worte erschien in Klammern die deutsche Übersetzung. (Der Omer in Eretz-Israel hat das System nachgeahmt). Reznikows Schüler waren Mitarbeiter. Der Hagescher fand bald Verbreitung in vielen Orten Zentral-Europas. Einer seiner Abbonenten war der Pfarrer Maas in Heidelberg, der später durch seine standhafte Haltung gegen den Nationalsozialismus berühmt wurde. Wir gründeten auch einen hebräischen Chor und lernten die Lieder des arbeitenden Eretz Israel. Als ich im Jahre 1933 mit meiner Familie nach Eretz Israel ging, fand sich auf der “Italia” eine Gruppe von Schülern Reznikows zusammen. Wir fanden sofort Anschluss an Palästinenser, die mit uns reisten, gründeten auf dem Schiff einen hebräischen Chor und veranstalteten am 20. Tamus eine Herzl-Feier in Iwrith. Reznikow setzte in Breslau seine hebräische Sprachschule fort und bereitete viele künftige Olim sprachlich vor. Anfang 1939 konnte er nicht mehr bleiben. Er bat uns, ihm ein Certificat zu beschaffen. Es gelang auf einem ungewöhnlichen Wege; Seine ehemaligen Schüler, die schon im Lande waren, veranstalteten eine Kollekte. Jeder zeichnete 5 oder 10 oder 20 Pfund, bis über 1000 Pfund gezeichnet waren. Die Beträge wurden nie wirklich gezahlt. Aber das Eintreten der Schüler für ihren Lehrer musste Eindruck auf das Immigration Department gemacht haben; das Certificat wurde erteilt. Reznikow liess sich in Jerusalem nieder und eröffnete dort Schnellkurze für Erwachsene von 16—60 Jahren. Die Schüler erhielten 6 Monate lang Iwrith Unterricht von morgens bis nachmittags. Es war das Vorbild zum Ulpan. Später wurde er Lehrer an einem Gymnasium in Jerusalem. Seine Schüler liebten und verehrten ihn. Er ist leider in jungen Jahren gestorben. Megged — Pardess-Chana Max Jacobsohn Am 8. März 1972 ist Professor Dr. Michael Rabin vom Senat der Hebräischen Universität in Jerusalem mit 124 Stimmen zum Rektor für die kommenden drei akademischen Jahre gewählt. Professor Rabin (40 Jahre) ist der Sohn des verstorbenen Seminarrabbiners und Dozenten am Jüdisch - Theologischen Seminar zu Breslau Dr. Israel Abraham Rabin s.A. und seiner Ehefrau Dr. Ester Rabin. Er übersiedelte mit seinen Eltern 1933 nach Israel. Die Universität in Jerusalem ist die älteste u. die grösste der Universitäten in Israel. Die Zahl ihrer Studenten beträgt 17.000. An ihr wirken die bedeutenden Grössen jüdischer und allgemeiner Wissenschaft. Das architektonisch moderne und schöne Campus der Universitätsgebäude ist allen Besuchern Israels bekannt. Im letzten Jahre wurde auch das alte erste Campus auf dem Har Hazofim eröffnet. Professor Rabin schloss seine Studien an der Universität Jerusalem ab und erwarb den Doktorgrad an der Universität Princeton. Sehr jung zum ordentlichen Professor für Mathematik an der Universität Jerusalem ernannt, war er bereits 1960 von der Stadt Tel-Aviv für Forschung auf dem Gebiet der exakten Wissenschaften durch die Verleihung des Weizmannpreises ausgezeichnet worden. Seine mathematischen Forschungsergebnisse brachten ihm Anerkennung in der weiten wissenschaftlichen Welt ein. Seit vielen Jahren wirkt er als Gastprofessor an den wichtigsten Centren der Wissenschaft und im Auslande. Um einige zu nennen; Am Technikum in Haifa, am Weizmann Institut in Rechowoth, an der Sarbonne in Paris, in Amerika: An der M.I.T. (Massachussets Institut für Technologie in Boston), an den Universitäten Berkeley (Californien), Yale, Harward, New York. Im letzten Jahre wurde er am Courant Institut für mathematische Wissenschaften in New York nach einer Enquete unter den Studenten als Was Freunde schon eine Zeitlang befürchtet haben, ist leider eingetreten. Es betrübt und schmerzt alle, die sie kannten. Sie war wie eine echte Breslauerin mit allen guten Eigenschaften einer solchen, obwohl sie erst als junges Kind mit dem berühmten Sängervater Gröger und ihrer Schwester nach Breslau kam. Und gleich war Olly Gröger künstlerisch im Breslauer Stadttheater als Elevin der Tanzgruppe in den Jahren um 1910, später als Solistin tätig. Stets arbeitete sie mit am Breslauer Balletgeschehen. Unvergessen ist es, da sie nach ihren Tanzsolis den Beifall lächelnd entgegennahm bezaubernd anzusehen. Als Künstlerin des Spitzentanzes gab sie dem Opernballet neue Anregung, neue Entkicklungen. Später heiratete sie und es war eine glückliche Ehe mit Walter Seifert (Kaiserkrone), dessen Verlust sie nie verschmerzte. Aber ihr Haus in Nymphenburg blieb ein Breslauer Haus mit all seiner Liebe, Herzlichkeit und Toleranz. Mit der Tochter Ilse Dietrich und ihrem Gatten, mit der Schwester, den Enkeltöchtern und ihren Angehörigen trauert der grosse Freundeskreis um diese edle, liebenswerte Frau, die nicht und niemanden vergass. Auch wir wollen sie nicht vergessen. Julius Sachs Tel-Aviv Maze Str. 51 Israel. der “beste Lehrer” bezeichnet und durch Verleihung einer Ehrenplakette ausgezeichnet. In USA wirkte er als wissenschaftlicher Berater in der “Bel Telefon Compagnie” —. Er ist ständiger beratender Mitarbeiter in dem mathematischen Departement der Forschungsabtelung der bekannten I.BJM. Professor Rabin hat durch eine Anzahl von mathematischen Forschungsergebnissen zur Vervollkommnung des Computerwesens beigetragen. Er ist seit der Gründung der Direktor des Computerdepartements an der Universität Jerusalem. Wir wünschen ihm weiter viel Erfolg in seinem hohen Amte. Nachbemerkung der Redaktion: Wir sind stolz darauf, dass gerade 2 gebürtige “Breslauer” Rektoren der Universitäten in Israel sind. DAS LETZTE HAUS (Forts, von Seite 12) Bald ruhen alle. Die Lichter werden verlöscht. Das Haus liegt im Dunkel. Schwester Ruth geht noch einmal in den Garten. Es ist eine herrliche subtropische Nacht, still und friedlich. Wie dunkler Samt wölbt sich Himmel über der ruhenden Erde. Tief unten im Wadi heulen Schakale. Zweihundert Menschen schlafen jetzt in diesem kleinen Haus, das eigentlich nur für Fünfzig bestimmt ist, denkt Ruth. Morgen werden die Autobusse kommen und sie weiterführen, weiter in das Land hinein. Bald sind sie eingeordent, ein Bestandteil ihres Volkes, und werden am Aufbau des Landes mitarbeiten. Mögen sie von jetzt an Ruhe und Frieden finden! Wie sagte Ben-Gurion viel später: “Wer in Israel nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist”. Käthe Beutler Prof. Dr. Michael Rabin, Rektor der Universität Jerusalem 14