Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1972
- Issue
- No. 31 (März 1972)
- Date
- 1972-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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25 Jahre nach dem "Nürnberger Gericht“ Mehr als 25 Jahre sind seit der Eröffnung des “Nürnberger Gerichtes” vergangen. Zu seiner Zeit erregten diese Gerichtsverhandlungen allgemeines Interesse in der ganzen Welt. Es war dies eine der interessantesten und eindrucksreichsten Veranstaltungen auf int. Ebene. Sie stellte einen Versucht dar, die führenden Persönlichkeiten eines Staates, der die niederträchtigsten und rohesten Verbrechen gegen Völker und Nationen beging, durch einen von den vier Grossmächten eingesetzten Gerichtshof abzuurteilen. Es bestand und besteht im Haag ein internationaler Gerichtshof zum Schlichten von Differenzen zwischen souveränen Mächten, aber es war kein Gesetzeskomplex vorhanden, auf Grund dessen man diese politischen Verbrecher zur Rechenschaft ziehen konnte. Daher wurde eigens zu diesem juristischen Ereignis ein Gesetz ah hoc geschaffen. Noch heute, nach einem Vierteljahrhundert, gibt es Menschen in rechtlichen und politischen Kreisen, die Zweifel an der Berechtigung und Gesetzmässigkeit dieses juristischen Forums hegen, durch dessen Einsetzung in der Familie der Völker ein Präzedenzfall geschaffen wurde. Es galt der Verrohung und Verwilderung des deutschen Volkes von noch nie dagewesenen Ausmassen Einhalt zu bieten und möglichst eine Wiederholung eines solchen unmenschlichen Ausbruchs ein für allemal eine Riegel vorzuschieben. Die Aufgabe, die sich das Gericht gestellt hatte, beschränkte sich darauf, einige Dutzend der führenden Persönlichkeiten des Dritten Reiches zur Rechenschaft zu ziehen, wenngleich Millionen Verbrecher und mit ihnen das ganze deutsche Volks zu Gericht sassen. Die Vorbereitungen zur Abhaltung dieses Gerichts fingen schon während des Zweiten Weltkrieges an, und alle von den Nazis angegriffenen Völker beauftragten Kommissionen Dokumente und Zeugnisse betroffener Personen vorzubereiten. Mit der Rückeroberung der besetzten Gebiete und der Eroberung des Reiches fielen den Verbündeten Archive und Geheimdokumente in die Hände, und eine grosse Anzahl von Wissenschaftern wurde mit deren Sichtung und Bearbeitung beauftragt. Der endgültige Beschluss über die Abhaltung des Gerichts und über dessen Form und Ausdehnung wurde endgültig im Juli 1945 auf der Potsdamer Tagung beschlossen und als Tagungsort Nürnberg, die “Stadt der Reichsparteitage” gewählt, weil hier vordem das deutsche Gericht getagt hatte und auch passende Räumlichkeiten vorhanden waren. Berlin kam nicht in Frage, weil es zur damaligen Zeit im wahrsten Sinne des Wortes ein Trümmerhaufen war. Die Organisation, die in jeder Hinsicht schwierig und problematisch war, lag in den Händen der amerikanischen Armee, die diese Aufgabe voll und ganz ausführte. Mehr als 2000 Menschen waren an dem Gericht beteiligt, und mehr als 400 Journalisten aus der ganzen Welt waren zugelassen. Für alle musste Unterkunft beschafft werden, und es war für reibungslose Verbindung mit der gesamten Welt Sorge zu tragen. Ferner galt es, eine riesige Menge von Uebersetzern in den vier Sprachen der Verbündeten zu organisieren sowie in entsprechender Zahl Stenotypistinnen in diesen Sprachen bereitzustellen. Auch verstärkte Sicherheitsmassnahmen mussten entsprechend dem eigenartigen und einzigartigen Charakter dieser Veranstaltung getroffen werden. Den meisten Delegationen der einzelnen Länder waren Juden zugeteilt worden, und unter ihnen waren eine Anzahl von ehemaligen deutschen, österreichischen und tschechischen Emigranten, und auch ein nicht unerheblicher Teil der Journalisten waren ebenfalls Juden. Oft kam es vor, dass die Vertreter der einzelnen Nationen unter den Anklägern sich in Jiddisch verständigten. So verbarg einer der Hauptkläger der Russen während löngerer Zeit seine Zugehörigkeit zum Judentum, bis man schliesslich doch entdeckte, dass er sogar eine traditionelle Erziehung genossen hatte. Das geschah nämlich, als er eine Abends von der tschechischen Delegation eingeladen, dort stark angeheitert plötzlich jiddische Lieder sang und sich mit seinem hebräischen Namen Naftali vorstellte. Unter den russischen Journalisten befanden sich u. a. auch Ilja Ehrenburg und David Kruglianow. Der Vorsitzende der jugoslawischen Delegation war Dr. J. Weiss, der nachmalige Vorsitzende des jüdischen Gemeindeverbandes. Auch zwei Journalisten aus Palästina waren anfangs anwesend. Nach einiger Zeit kam noch ein dritter Journalist vom Heiligen Lande dazu. Die Eröffnungssitzung war für alle Beteiligten eine gewaltige Sensation; besonders auch für die führenden Nationalsozialisten, die sich seit 7 Monaten nicht mehr gesehen hatten, und besonders für den Stellvertreter des Führers Rudolf Hess, der seit seinem abenteuerlichen Flug 1941 nach England seine “Machtgenossen” nicht mehr gesehen hatte. Zum Eintritt in den Verhandlungssaal bedurfte man einer besonderen militärischen Erlaubnis, und alle Besucher mussten besonders eingehende militärische Untersuchungen über sich ergehen lassen. Die Angeklagten wurden unter starker Bewachung einzeln in den Gerichtssaal gebracht und Am Dienstag, dem 9. November 1971, hat sich die neue Synagoge von “Ichud Schiwath Zion”, Tel-Aviv, Ben Jehudastrasse 86, mit andächtigen Männern und Frauen gefüllt, die in einer würdigen Gedenkstunde sich jener schrecklichen Nacht erinnerten, in der in Deutschland Hunderte von Synagogen angezündet, jüdische Gemeinden zerstört und Hunderttausende Juden in, die Konzentrationslager geschickt oder in Gefängnissen festgehalten wurden. Der Koordinationsauschuss der zentraleuropäischen Landsmannschaften hat mit Ichud Schiwath Zion gemeinsam diese Feier abgehalten. Sie wurde eröffnet vom Herrn Dr. Kaufmann (früher Köln) als Vorsitzender des Dachverbandes der deutschsprachigen Landsmannschaften, der besonders Ichud Schiwath Zion für die Bereitstellung der Synagoge für diesen Abend dankte, die als Andenken an die in Mitteueuropa verbrannten G’tteshäuser erbaut wurde. Er begründete Zweck und Ziel dieser Stunde. Rabbiner Jehuda Ansbacher, der geistige Führer von Ichud Schiwath Zion, verstand es, in besonders zu Herzen gehender Weise, in seiner Ansprache das wachzurufen, was seinerzeit geschah, und verband dieses “Nichtvergessen” mit der Forderung, der Gegenwart Opfer zu bringen für den Bestand und die Fortentwicklung dieses Gemeindezentrums, das ein lebendes Erinnerungsmal ist für all die Hunderte Synagogen, die nicht mehr sind. Er zeigte an einer Talmudstelle, was Hingabe und Opferbereitschaft vermögen, und betonte, wenn auch Mauern und Thorarollen zu Tausenden ln Flammen aufgingen, die Buchstaben stiegen empor zum Allmächtigen und konnten nicht verbrennen. Der Geist der Thora lebt und wir sind verantwortlich und Bürgen, dass er lebe und weiter gepflegt werde. Herr Oberkantor Jakob Samek umrahmte diese Feierstunde mit ausgewählten Stellen aus Thilim (Psalmen) und sang in ergreifender Weise das Jiskorgebet für die sechs Millionen Opfer und sassen in zwei langen Reihen. Hermann Göring sass in der ersten Reihe als erster und neben ihm Rudolf Hess, Rlbbentrop, Dönitz, usw. Vor jedem Angeklagten stand ein kleines Tischchen, an dem sein Verteidiger Platz nahm. Auf einem erhöhten Platz, den Angeklagten gegenüber, waren die acht Richter des Gerichtshofes untergebracht, je zwei Richter von jeder der vier Besatzungsmächte. Eine besondere Erscheinung stellte das Auftreten der Russen dar; alle ihre Vertreter beim Nürnberger Gericht erschienen in Offiziersuniformen, während alle übrigen Beteiligten Zivilkleidung trugen. In der Mitte des Saales sassen an vier Tischen die Ankläger, wiedertun an je einem Tisch die Vertreter der vier Besatzungsmächte, zu denen hervorragende Juristen zählten. Der Anführer der russischen Staatsanwaltschaft war General Rudenko, während an der Spitze der amerikanischen Ankläger der berühmte Richter Jackson stand. Die gesamten Verhandlungen wurden durch Dolmetscher in die verschiedenen Sprachen übertragen und jeder konnte sich die ihm entsprechenden Kopfhörer anlegen. Der Gang der Verhandlungen wurde auch gefilmt. In unserer kurzlebigen Zeit ist es angebracht, dieses damals im Mittelpunkt des Interesses der gesamten Welt stehende einzigartige Ereignis wieder einmal ins Gehächtnis zu rufen. Jakob Freudenberger Ramat Chen (Israel) Alexandroni 28 die zerstörten G’tteshäuser und Gemeinden. Mit dem gemeinsamen Kaddisch und dem “Ani Maamln” schloss die würdige Gedenkstunde. HANS HABE: “WIE EINST DAVID” (Walter Verlag, Olten) Die Touristik — die Ferien vom ich, vom Alltag — hat dem jungen Staat Israel bisher trotz Motorisierung, trotz Parkplatz-Atmosphäre nur genützt. Sie hat angeregt zu wirklichem Erleben, zum Geniessen dieser einmaligen Landschaft mit den uralten religiösen und geschichtlichen Hintergründen. So war es auch für Hans Habe. Er sagt selbst im Vorwort, dass es ein Bekenntnisbuch sein soll. Er nimmt unparteiisch Stellung zu allen Ereignissen, Erlebnissen, Eindrücken und Bildern, die sich vor ihm ausbreiten. Er entdeckt das Land Israel und seine Menschen täglich von neuem, er sieht sich überraschenden Einstellungen gegenüber. Er akzeptiert die Mentalität der Jugend, er spricht mit Orthodoxen, mit Intelleketuellen, mit Juden und ihren Gegnern, er durchleuchtet das gesamte israelische Leben; das jüdische Schicksal mit all seinen Problemen liegt plötzlich im hellsten Scheinwerferlicht. Und die Menschen in diesem Wunderland — so lesen wir — meistern die Probleme und ihr Leben. Wie sie mit allen Schwierigkeiten und Gegensätzen miteinander fertig werden, das zeigt dieses Buch von Hans Habe in grandioser Form. Es ist kein Bädecker, es ist keine Reise-Reportage im alten Sinne. Es ist eher geeignet, die Menschen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Wer einen eigenen Staat hat, hat Aufgaben besonderer Art, ihn hochzubringen und zu erhalten. Und zwischen den Zeilen dieses hochaktuellen Berichtes liest man wohl ein solches Ziel heraus. Man empfindet die ganze Liebe des Verfassers, der mit anderen Worten ausdrtikken will: Ich bin gern in Israel gewesen, mir war es ein Erlebnis, und mein Dank sei dieses Buch! Julius Sachs Erinnerung zur 33. Wiederkehr der Kristallnacht 13