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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1972-04-01 · No. 31 (März 1972) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1972
Issue
No. 31 (März 1972)
Date
1972-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Daa Haus stand ganz hinten, abseits von allen andern Häusern auf dem Berge Carmel. Von seinem flachen Dache aus konnte man weit über den tiefen Taleinschnitt, — das Wadi, — hinwegschauen, weit hinunter bis in das Räuberdorf Tirah. Nicht selten geschah es, dass bewaffnete Banden, aus Tirah kommend, harmlose Fussgänger oder vorbeifahrende Autos überfielen, die Menschen ausraubten und ermordeten. Es war die Zeit kurz vor der Proklamation des Staates Israel. Noch hielten die Engländer das Mandat über das Land Palästina in ihren Händen. In friedlichen Zeiten war das Haus nichts anderes gewesen als ein kleines Sanatorium, eine Stätte des Ausruhens. Erholungssuchende, die für kurze Zeit der Hitze des Flachlandes entfliehen wollten, kamen herauf und wurden von Schwester Ruth, der Leiterin, und ihren nicht sehr zahlreichen Hilfskräften liebevoll versorgt. Jetzt aber musste das Haus andern Zwecken dienen. Die Überfälle der Araber auf friedliche Bürger mehrten sich. Das jüdische Volk verstärkte die Selbstverteidigung. Im ganzen Lande, in allen Städten, Dörfern und in den kleinsten Siedlungen entstanden Stützpunkte der Bürgerwehr, der Hagana. Dat: einsame Haus, von dem aus man einen Teil der Zugangstrassen zur Hafenstadt Haifa beobachten konnte, wurde einer dieser Stützpunkte. Es wurde keine Kaserne, — im Gegenteil, — die Arbeit als Sanatorium ging ungestört weiter. Nur kamen täglich viele Besucher; am Tage die Frauen, am Abend die Männer. Unauffällig standen sie auf dem Dach, auf den Veranden, an den grossen Fenstern und beobachteten durch Ferngläser jed'j Bewegung unten im Tal. Die Mandatsmacht hatte den Besitz von Waf fen unter schwere Strafen gestellt. Aber wie hätte man sich ohne Waffen verteidigen können? Ausser Schwester Ruth wussten nur wenige Eingeweihte, wo sich das Waffenversteck befand. In einer Höhle Im Garten, durch Steine und dichte Sträucher verdeckt, lagen Säcke mit Handgranaten und einige Gewehre. Jeden Abend schob Schwester Ruth die grossen Steine vom Eingang der Höhle fort, langte in die Tiefe, und, nachdem sie ihre Angst überwunden hatte, — sie hatte den Gebrauch von Waffen nie gelernt, und so ein Sack mit Handgranaten könnte vielleicht in die Luft gehen, — holte sie einen Sack heraus und brachte ihn vorsichtig auf die Veranda, wo die Männer Wache hielten. Am nächsten Morgen trug sie ihn ebenso vorsichtig ins Versteck zurück. Dann kam der Tag, an dem Ruth alle Gäste fortschicken musste. Das Haus sollte jetzt seine wichtigste Aufgabe erfüllen. Flüchtlingsschiffe bevölkerten das Mittelmeer. Aus Hitlers Hölle Entflohene versuchten, den rettenden Boden des Heiligen Landes zu erreichen. Die Mandatherren gestatteten nur einer kleinen Zahl, das Land zu betreten. Der Rest der Verzweifelten, die “Illegalen”, wollten auf alten, zumeist nicht mehr seetüchtigen Schiffen, unter unsäglichen Strapazen die Blockade der Engländer durchbrechen. Die Berichte über diese Fahrten gehören heute schon der Geschichte an. War nun eines der legalen Schiffe im Hafen, oder eines der illegalen Schiffe irgendwo an der Küste gelandet, so mussten die Geretteten, besonders die “Illegalen” sofort untergebracht werden, und zwar an einem Ort, wo kein Engländer sie vermutete. Dafür war das abgelegene Haus auf dem Carmel wie kein anderes geeignet. Das Telefon klingelt. Schwester Ruth hebt den Hörer ab. “Hallo, Schwester Ruth, bereitet alles vor, es kommen heute hundert Personen aus dem Hafen zu Euch”. “Das ist unmöglich” antwortet, Ruth “wir haben nur 50 Betten". “Du musst es möglich machen, es wird schon gehen: in ungefähr einer Stunde sind die Autobusse bei Euch”. “Hallo”, ruft Schwester Ruth ins Telefon, “hallo”, aber die andere Seite hat schon abgehängt. “In einer Stunde für 100 Menschen Platz schaffen, wenn man nur mit 50 gerechnet hat? Aber es muss gehen. Man könne die Nachttische aus den Zimmern herausnehmen, die Betten näher zusammenschieben; im Vorratsraum sind noch paar Matratzen, — man wird es schon schaffen, ein paar Kinderbetten, einige Bettgestelle. Mit schnellen Schritten verlässt Schwester Ruth das Büro und gibt Gideon, dem Gärtner, der gleichzeitig Mädchen für alles ist, die Anweisungen. Aus den Autobussen quillt ein Strom von Menschenelend. Müde, hungrig, verängstigt stehen die Flüchtlinge zum ersten Mal auf dem Boden, der ihre neue Heimat werden soll. Seit vier Uhr in der Frühe sind sie schon im Hafen. Aber die Formalitäten, das Ausbooten, haben den ganzen Tag gedauert, und erst jetzt, zu beginnender Dunkelheit, kann ihre Hoffnung auf eine warme Mahlzeit, auf einen Platz zum Ausruhen, erfüllt werden. Ein alter Mann wirft sich hernieder. Er küsst den Boden, die heilige Erde. “Herr G”tt, ich danke Dir, dass ich diesen Tag erleben durfte. Schwester Ruth weist den Weg ins Haus. “Sie sind seit langer Zeit der erste Mensch, der höflich und freundlich zu uns spricht”, sagt eine Frau mit Tränen in den Augen. U|=m=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=m=iii=ui=iii=iii=iii3 ÜDas letzte Hausfi üj I auf dem Carmel S i l=IIIEIII=lll=lll=lll=IM=IM=lll=lll=lll=lll=lll=lll=MI=m=lll=(Ä “Von jetzt an wird niemand mehr unfreundlich zu Ihnen sein”, antwortet Schwester Ruth. “Sie sind in Erez Israel”. Seife und saubere Handtücher sind in den Waschräumen vorbereitet. Auf den Tischen im Speisesaal stehen grosse Terrinen mit dampfender, kräftiger Suppe. Schalen voll leuchtender Orangen aus den Gärten von Chedera, Pardes Channah und Rechowoth bilden den Tischschmuck. Die Teller werden gefüllt. Alle essen, alle werden satt. Man merkt es den Menschen an, wie gut ihnen das einfache, aber mit viel Liebe bereitete Mahl schmeckt. Schwester Ruth achtet darauf, dass die Brotkörbe immer wieder gefüllt werden. Sie weiss, dass alle Neuangekommenen, und nicht nur die Kinder, sich die Taschen voller Brot stopfen. Gern lässt sie es geschehen. Das kennt sie schon und erlebt es bei jedem Transport. Alle diese Menschen, die durch die Hölle gegangen sind, fürchten, dass es morgen kein Brot mehr geben könnte. Aber G”tt sei Dank, Brot gibt es genug im Lande. Niemand wird mehr hungern müssen. Zuerst werden die Kinder zu Bett gebracht, und auch die Erwachsenen begeben sich schnell zur Ruhe. Es ist inzwischen zehn Uhr geworden. Schwester Ruth geht in den Garten, um noch schnell etwas von der kühlen, frischen Luft einzuatmen, die der Wind vom Meer heraufträgt Alles ist ruhig und still. Nur aus der Küche hört man das Klappern der Teller, die noch abgewaschen werden. Aber was ist das? Es klingt wie Motorengeräusch. Vom Anbruch der Dunkelheit bis zum Morgen haben die Engländer strenges Ausgeh- und Fahrverbot über das ganze Land verhängt. Wer könnte wohl zu dieser Stunde auf dem Wege sein? In der Feme schimmern Lichter. Ruth sieht Autobusse herankommen. Der erste hält schon vor dem Eingangstor. Der Chauffeur steigt aus. “Wir bringen die gemeldeten Neueinwanderer. Sieh’ zu, dass sie schnell ins Haus kommen. Es ist Ausnahmezustand, wir müssen von der Strasse weg”. “Noch einmal hundert Neueinwanderer”, ruft Ruth entsetzt. “Das ist doch unmöglich. Die gemeldeten Hundert sind schon im Haus. Die schlafen schon. Es ist ein Irrtum. Ihr müsst woanders hinfahren”. Inzwischen sind auch die andern Autobusse angekommen. Die Chauffeure stehen neben Schwester Ruth und hören, was sie sagt. “Was sollen wir jetzt tun? Es geht nicht, dass wir mit diesen vollkommen erschöpften Menschen noch weiter herumfahren. Es ist doch nur für eine Nacht. Wenn man sie findet, werden sie eingesperrt oder deportiert, wer weiss wohin”. Wie soll ich noch hundert Personen unterbringen, denkt Schwester Ruth, im ganzen Haus ist kein Bett mehr frei. Sie steigt in den ersten Autobus. Waren die vorher Gekommenen schon müde, so sind die, die hier sitzen, am Rande der Erschöpfung. Kaum einer bewegt sich. Ruth unterscheidet Frauen, Kinder, junge Mädchen, Mütter mit Säuglingen im Arm, Greise. “Schalom”, sagt sie stockend, “seid herzlich willkommen. Ihr solltet wohl in ein anderes Haus gebracht werden, denn hier hat man schon alle Betten besetzt; aber es ist Ausnahmezustand, man kann Euch nicht weiter herumfahren. Wenn Ihr mit dem zufrieden sein wollt, was wir Euch geben können, dann steigt aus und kommt ins Haus hinein”. Ein jüngerer Mann, anscheinend der Sprecher der Gruppe, antwortet: “Wir sind mit allem zufrieden. Morgen wird G”tt weiterhelfen”. Er geht zu den andern Autobussen und erklärt dort die Situation. Ruth weckt schnell den Gärtner Gideon, die Köchin, die Mädchen, die sich schon zur Ruhe gelegt hatten. Alle helfen, die übermüdeten Menschen ins Haus zu bringen. Auch die Chauffeure fassen mit an. Sie sind froh, bald heimfahren zu können. In der Küche werden die Öfen angezündet. Schon kocht es wieder in den grossen Töpfen. Flaschen werden für die Säuglinge gerichtet, die Tische nochmals gedeckt, die Teller gefüllt. Während die Leute essen, geht Schwester Ruth nach oben in die Schlafräume. Behutsam und leise öffnet sie die Türen. Sehr schreckhaft sind diese Schlafenden; zuviel haben sie durchgemacht. Ruth schaltet das Licht ein und wartet, bis die Schläfer wach werden. Sie entschuldigt sich höflich und berichtet, was geschehen ist. “Wir konnten diese Leute nicht weiterschicken, bitte, helfen Sie mir! Wir müssen sie alle für diese eine Nacht unterbringen”. Ruhig erklärt sie, was zu geschehen hat. Niemand murrt, jeder ist einverstanden. Mütter holen ihre Kinder zu sich ins Bett. Die Männer rücken zusammen. Ein Bett muss für drei genügen. In kürzester Zeit sind mehrere Zimmer leer und können für die Andern vorbereitet werden. Matratzen und Wolldecken, alles was noch irgendwie verfügbar ist, wird auf dem Boden ausgebreitet. Die Frauen, die Kinder, die alten Männer sollen in den Betten schlafen. Die Jüngeren werden auf der Erde liegen müssen. Das wenige Gepäck bleibt im Speisesaal. Fast ohne zu sprechen strecken sich die müden Menschen zum Schlafen sus. Sie haben Vertrauen, sie spüren, dass man alles tut, um ihnen zu helfen. (Forts. Seite 14) 12

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