Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1972
- Issue
- No. 31 (März 1972)
- Date
- 1972-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Marcus Pinczower s.A Der jüdische Friedhof in Kraskau (GRASENAU) Wer die Geschichte nicht kennt, wird sich schon oft die Frage vorgelegt haben, warum der Friedhof soweit von der Stadt entfernt und gerade in Kraskau liegt. Hier die Antwort: Es wird wohl niemals einwandfrei festgestellt werden können, wann die ersten Juden in die Kreuzburger Gegend kamen. Soviel aber ist sicher, dass bereits vor dem Jahre 1765 jüdische Personen in Kraskau wohnten, und zwar in grösserer Zahl. Wahrscheinlich haben sie schon viele Jahrzehnte vorher vereinzelt in Kraskau, Bodland und in anderen Dörfern bei Konstadt und Pitschen gewohnt. Nach einer alten Urkunde vom 22. Februar 1765 ist von der Commende Kraskau (Gut Neuhof) ein Stückchen Acker in der Grösse von 55 Ellen breit für ein Begräbnisplatz angekauft worden und zwar unter folgenden Bedingungen (Wortlaut der genannten Urkunde): Sofortiger Kaufpreis Speeles Dukaten, ein Reichsthaler für jedes Begräbnis, 6 gute Schnäuztüchel für den Herrn Commendator und 6 dergleichen für den Herrn heiligen Pfarrer von Kuhnau pro Jahr.” Im Jahre 1880 wurden diese Leistungen abgelöst. Später wurde eine weitere Parzelle angekauft, und der Friedhof wurde vergrössert. Ferner wurden in Kraskau angelegt wurde, Hessen sich die im Kreise Kreuzburg wohnenden Juden wahrscheinlich in Rosenberg. Zülz oder gar in Breslau beerdigen. Der Friedhof blieb bis zum Jahre 1848 der einzige jüdische Begräbnisplatz des Kreises Kreuzburg. Nach dem genannten Jahre wurden auch in Pitschen und Konstadt Synagogengemeinden gegründet, Prediger angestellt und Friedhöfe angelegt. Der Kraskauer Friedhof liegt etwa 15 Minuten vom Dorfe entfernt. Grabsteine lassen erkennen, dass dort auch Personen aus Pitschen begraben sind. Im Jahre 1850, also zwei Jahre nach Erlass des allgemeinen Judengesetzes, machte die Synagogengemeinde Kreuzburg eine Eingabe an die Regierung, ein Bethaus errichten zu dürfen. Die Genehmigung wurde erst 1856 erteilt. Im gleichen Jahre ist auf der Stoberstrasse ein Grundstück angekauft und dort eine Synagoge errichtet worden. Diese wurde später veräussert dafür entstand im Jahre 1886 die Synagoge an der Promenade, (die wir noch gekannt haben). Es sei hier noch bemerkt, dass aus Kraskau viele Gelehrte, Grosskaufleute und Bankiers stammen, die in Deutschland einen klingenden Namen hatunmittelbarer Nähe des Friedhofes eine Synagoge, eine Schule und eine Tauche (Badehaus) gebaut. Diese Baulichkeiten sind im Jahre 1876 abgebrannt. Bis zum Jahre 1850 wurde die Synagoge in Kraskau von den in Kreuzburg wohnenden jüdischen Bürgern benutzt. Das eine steht fest, dass im Jahre 1765 in Krasskau soviel Juden wohnten, dass dort eine Synagogengemeinde gegründet und ein Prediger angestellt worden ist. Bekanntlich durften die Juden damals im allgemeinen nicht in der Stadt wohnen. Sie siedelten daher in unmittelbarer Nähe von Städten an, damit sie den Handel mit den Bürgern betreiben konnten. Daher erklärt sich die verhätnismässlg grosse Anzahl der in Kraskau wohnenden Juden, sowie das Vorhandensein des Friedhofes und der früheren Synagoge, sowie des Badehauses und der Schule. Jedoch wurde einigen um die Stadt oder den Staat besonders verdienten Juden der Wohnsitz in der Stadt ausnahmsweise gestattet. Das geht aus einer Urkunde vom Jahre 1841 hervor, nach der sich die jüdische Gemeinde Kraskau darüber beschwert, dass schon seit 50 bis 60 Jahren die in Kreuzburg wohnenden Juden auf dem Kraskauer Friedhof begraben werden. Nach Erlass des allgemeinen Judengesetzes vom Jahre 1848 war allen Juden der Wohnsitz in der Stadt erlaubt. In diesem Jahre wohnten in Kraskau im ganzen nur 4 jüdische Familien, nämlich die Gebrüder Singer. Bevor der Friedhof in Z' f-z C-H Lfibfl Willst du gute Speisen speisen, lasse dich zu TCHELET weisen. Ob es Chuppe oder Briss, Eine Sache ist gewiss: Waller weiss auf alle Fälle, wie er dich zufrieden stelle. Glaub mir, wenn ich dir erkläre, — Dort das Fest hat Athmosphäre! „TCHELET" TEL-AVIV, SHEINKINSTR. 59. TEL. 22 05 45 t * i i i i i i i i i i i i i ten. Und nun zum Kraskauer Friedhof selbst. Der Friedhof ist etwas 70 Meter lang und 50 Meter breit und liegt auf erhöhtem Gelände. Grosse Birken, die an den vier Seiten innerhalb des Platzes, der von einer niedrigen, weissgetünchten Mauer umgeben ist, verliehen ihm ein würdevolles Aussehen. An der Nordseite steht die im Jahre 1890 umgebaute Leichenhalle, wo bei Beerdigungen die Zeremonien abgehalten wurden. Der älteste Grabstein datiert aus dem Jahre 1765, also aus der Zeit, da der Friedhof angelegt worden war. Die Hälfte des Friedhofes ist zum grössten Teil eben. Da und dort steht zwischen hohen Grashalmen ein alter Grabstein, verwittert, ins Erdreich versunken mit fast unleselicher hebräischer Inschrift. Da die Mitte des Friedhofes auffallend eben ist, kann angenommen werden, dass dort die ersten Toten beerdigt worden sind. Mithin waren es die ältesten Grabstätten, die einfielen. Die ältesten Grabsteine sind durchweg aus Sandstein ausgeführt, die Inschriften natürlich hebräisch. In den letzten Jahrzehnten wurden kostbare Grabsteine aus weissem und schwarzem Marmor errichtet. Die Anzahl der dort Begrabenen mag etwa 450 betragen. Da in Kraskau jedoch seit langer Zeit keine Juden mehr wohnen und der Weg von der Stadt aus dorthin sehr weit und besonders bei ungünstiger Witterung sehr beschwerlich ist und sich ferner bei Beerdigungen allerlei Hindernisse in den Weg stellten, hat die Synagogengemeinde etwa um 1927 an der Oppelnerstrasse neben dem katholischen Friedhof Gelände angekauft und dort eine neue Beerdigungsstätte errichtet. Der Platz ist von einem Eisenzaun umgeben. Eine prächtige, im orientalischen Stile gehaltene Leichenhalle zierte den Eingang zum neuen Friedhof. Der Vater und Förderer des Gedankens in der Stadt einen neuen Friedhof zu schaffen, Kaufmann Fritz Grünberger, konnte der Einweihung desselben und der Leichenhalle nicht mehr beiwohnen. Er war der erste, welcher auf dem neuen Friedhof zur letzten Ruhe gebettet wurde. Soweit der Bericht! Was später aus der Synagoge und dem jüdischen Friedhof wurde, wissen wir alle noch. Mitgeteilt von Herrn Manfred und Frau Rose David-Löwkowitz, London N W 2, 16 Princess Court, Shoot up Hill, früher Kreuzburg/OS. In diesen Blättern ist Leben und Wirken von Elieser Pinczower s_A. gewürdigt worden. So möge auch eines anderen angesehenen und verdienstvollen Mannes, meines Grossvaters Marcus Pinczower, eines Vetters von Elieser Pinczower gedacht werden. Mein Grosvater, 1845 in Sandowitz Kreis Gross Strehlitz O/S geboren, führte dort zusammen mit meiner Grossmutter, ein “Kol Bo”, wo es alles gab. Die Gemarah (den Talmud) auf dem Ladentisch, in jeder freien Minute in sie vertieft. Meine Grossmutter war die Schwester der in der Breslauer Gemeinde hervorragenden Brüder Joseph, Wilhelm und Aron Kober, Inhaber der bekannten Metallfirma, Breslau Willmannstr. Nach der Verheiratung ihrer Töchter zogen meine Grosseltern um das Jahr 1905 nach Breslau und lebten als Rentiers und von ihrem Mietzins in der Neuen Antonienstr. Bei meinem Grossvater als dem Senior der Familie pflegten sich Onkels und Tanten am ersten Rosch Haschanah Abend zu treffen, Glückwünsche auszutauschen und die Entwicklung der Familie zu überdenken. Mein Grossvater widmete nun seine ganze Kraft und Zeit dem Lernen der Tora. Er hielt sich viele Jahre einen Raw Chawer (einen befreundeten Rabbiner) Raw Jehuda Ster, der durch sein ausserordentlich grosses Wissen, seine aussergewöhnliche Kenntnis auf allen Gebieten des Talmuds bekannt war (Anmerkung der Redaktion), und lernte und lehrte Tora, Mischnah, Gemarah (Talmud) und Dinim (Gesetzesvorschriften). Jehuda Ster: Verfasser von “Die talmudische Pädagogik als Wegweiser für Schule und Haus”. Wie ich mich genau erinnere, lernten beim ihm noch als junge Leute: Dr. Wilhelm Freyhan (Gründer dieses Verbandes), Dr. Meyer Falk, Martin Friedländer, Dr. Adolf Pinczower, Kurt Schneller, sein Neffe Dr. Samy Kober, (leider alle bereits verstorben), sowie Max Ehrlich und Dr. Max Kober, beiden ad mea weesrim. Ausserdem gab mein Grossvater Marcus Pinczower noch einen Schiur (Lehrzirkel) im Rahmen des V.J.A. Verein Jüdischer Akademiker, an der auch junge Kaufleute teilnahmen: Dr. Max Ebstein, Dr. Hans Freund, Gustav Fulder, Gabriel Feuchtwanger. (leider bereits heimgegangen), sowie Eugen Falk, Max Naumburg, Martin Miloslawer und der Schreiber dieser Zeilen. (Bis 120 Anmerkung der Redaktion). Allen seinen Schülern wurde gemeinsam, dass sie das Gelernte in ihr Leben, in seinem Sinn übertrugen und in ihren Kindern und Enkeln fortsetzen. Im Jahre 1923 zwang ihn ein Augenleiden Lernen und Lehren aufzugeben, 1929 verschied er im Hause seiner Tochter Bianca Wiener. Meine Eltern wohnten im selben Haus wie mein Grossvater. Mein selg. Vater Abraham Berlinger unterrichtete viele Schüler, Generationen in der Religionsschule I in der Wallst., sowie im Gymnasium am Zwinger und in der Viktoriaschule. Menko Menachem Berlinger, Schawe Zion (Israel) (Nachmerkung der Redaktion): Abraham Berlinger war als Religionslehrer wegen seiner besonderen Lehrmethode, seiner grossen Aufrichtigkeit und seiner Milde, mit der er die Atmosphäre in den Stunden schuf, bekannt und beliebt. 11