Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1972
- Issue
- No. 31 (März 1972)
- Date
- 1972-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Begegenungen mit Landsleuten in Israel Ports, von Seite 3) Zwi Weisskopf holt meine Frau und mich vom Hotel in Tel Aviv in sein Dorf Kfar Jedidja ab. Wir erfahren auf der Fahrt gleich eine hübsche Geschichte. Sein Bruder hatte sich vorgenommen, entsprechend der im Lande verbreiteten Gewohnheit, seinen Namen ins Iwrit zu übernehmen, und dabei in Anlehnung an die Bedeutung von Weisskopf an den Libanon gedacht. Als er diesen Akt zugleich mit der Anmeldung des erstgeborenen Sohnes vollziehen wollte, fiel ihm plötzlich nur das andere nahegelegene Gebirge mit dem weissen Haupt ein, Hermon, so dass ein Teil der Familie nunmehr Hermoni heisst. Ob es sich tatsächlich so abgespielt hat,wer weiss das, denn Zwi Weisskopf kennt sich in den Schnurren eines Hugo Christoph, des alten Ratiborer Originals aus. Darum war es die erste Frage, mit der mich sein nahezu dreissigjähriger Sohn empfing, ob es denn überhaupt in Ratibor diesen Hugo Christoph gegeben habe und ob es richtig sei, dass dieser Mann die italienische Besatzung der Stadt während der Abstimmungszeit damit geschreckt habe, er wisse, dass in der Nacht die Brücke über die Oder gesprengt werde. Ja, es war an dem, denn nachts kam Hugo Christoph daher und sprengte die Oderbrücke mit einer Giesskanne. Ich konnte also bezeugen, dass der Vater seinem Sohn die richtigen Geschichten von Ratibor erzählt hatte. Die Geschichte der Stadt Ratibor wurde dann weiter aufgeblättert, als wir zu Isidor Weisskopf 50 km entfernt nach Jokneam, unweit Haifa fuhren. Jeden Montag ist Familientag, da versammelt sich die ganze Familie um den heute 86jährigen Kaufmann Isidor Weisskopf, der in Ratibor ein angesehenes Schuh- und Ledergeschäft hatte. Wir gehen gemeinsam die Neue Strasse entlang, denn dort waren die Geschäftsräume, halten Einkehr in der Zwingerstrasse, wo die Familie zuerst wohnte, dann bleiben wir im Eckhaus am Harzellusplatz, leider müssen wir auch das Ratiborer Zuchthaus erwähnen, denn wort war Herr Weisskopf von den Nationalsozialisten eingesperrt worden. Der Zuchthauswärter, der ihm freundlich zusprach, ist der Vater des bekannten Jesuitenpaters und Predigers Johannes Leppich gewesen. Unter den wenigen geretteten Habseligkeiten befindet sich sogar ein Schrank der Firma Tschauder und ein Tisch der Firma Koczi, Namen, die jedem Ratiborer auch nach 25 Jahren Trennung von daheim viel sagen. Der jüngste der drei Söhne, heute auch bereits über 50 Jahre alt, ist nicht weniger stolz auf seine oberschlesische Heimat als sein Vater. Er lässt sich mit dem Ausspruch deutlich vernehmen: Wir haben in Oberschlesien das beste, akzentfreie Deutsch gesprochen, ein Selbstlob, das die SHA00LY — GIFT — 'UHU GOLD and SILVER JEWELLERY ART OBJECTS Bib Selection of religious articles for BAR-MIZVA : Koscher Tfilin, Talith, Sidur, Bibles etc. Orders accepted and firwarded to any place in the world. Recomended by the Government Tourist Corporation. Tel-Aviv, 62 Ben-Yehuda St. — Tel. 220138 Oberschlesier gern im Munde führen. So wie man daheim an der Grenze gelebt hat, war es auch bis vor kurzem für Zwi Weisskopf nicht anders. “Früher konnte ich keine Nacht ruhig schlafen, denn nur 8 km entfernt war die Grenze zu Jordanien. Immer wieder knallte es, musste ich mit dem Schlimmsten rechnen. Jetzt, seit dem Juni 1967, ist es anders”. Im Gegensatz su seinem jüngeren Bruder Shalom Hermoni, der als Fachmann auf dem Gebiet des Jugend- und Schulsports viel in der Welt herumkommt, hat Zwi Weisskopf Israel noch nicht wieder verlassen, seitdem er vor mehr als drei Jahrzehnten ins Land gekommen war. “Die Welt kommt zu mir, kommt zu uns, was soll ich in die Welt ziehen”. Und er führt gleich als Beweis für seine Behauptung an, dass ich aus Bonn zu ihm gekommen sei, dass eine Reisegruppe aus der Schweiz sein Dorf besucht und besichtigt habe, dass ein junger Elektriker aus der Kölner Gegend zweimal nicht nur zu Besuch da gewesen sei, sondern hier auch gearbeitet habe, indem er ihm, Zwi, der selbst als der Elektriker des Dorfes tätig ist, tüchtig zur Hand ging. Man stösst häufig auf diesen Israeli, der im Lande bleibt und dies ganz bewusst. Man möchte dort, wo man nunmehr fest Wurzeln geschlagen hat, ebenso fest verwurzelt bleiben, wie die Orangenhaine, die man erst hat pflanzen müssen, und die Wälder, die nun gerade 25 Jahre alt sind. Als die Strasse kurz vor Jokneam durch schöne Wälder führt, erzählt unser Begleiter Zwi von einem Besuch, der zum ersten Mal ins Land gekommen war und an dieser Stelle meinte: Da habt Ihr aber Glück gehabt, dass Ihr in eine so waldreiche Gegend habt kommen können, worauf dem Besuch erst klar gemacht werden musste, dass die Wälder das Produkt der Arbeit gewesen sind und nicht die Arbeit zu den Wäldern kam. Der andere Schulkamerad, Dr. Franz Pick, der an unserem Gymnasium als das Zahlengenie galt, weil er sämtliche Rekordzeiten der Leichtathleten ständig im Kopf hatte, nennt zwar auch Israel seine Heimat, aber ebenso häufig trifft man ihn auch auf Konferenzen des Steuerrechts und der Finanzwissenschaften oder auf Geschäftsreisen diesseits und jenseits des Ozeans. Vor wenigen Jahren erst hat er, weil ihm dies unter der Hitler- Diktatur nicht möglich war, sein Dr.-Diplom an der Universität von München nachgeholt, denn es sollte unbedingt ein deutscher Doktorhut sein. Bei ihm stossen wir auf einen Königshütter, der nach all dem, was inzwischen in deutschem Nameh an Grausamen geschehen ist, auch das neue freie Deutschland kritisch beäugt, vielleicht sogar überkritisch, eine Erscheinung, die aber sonst kaum noch in Israel anzutreffen ist. Die jüngsten hässlichen Begleitumstände der deutschen Kulturwoche müssen als Ausnahmeerscheinung registriert werden. Als kürzlich im deutschen Kulturinstitut in Tel Aviv Hans Daiber — nicht anders als es auch in seinem Buche steht — einen äusserst kritischen Vortrag über Gerhart Hauptman gehalten hate, stand Dr. Alfred Frankenstein, früher Berlin, auf und bezog die Gegenposition, nämlich für Gerhart Hauptman. Ein bemerkenswertes Ereignis: der modische Deutsche musste sich von dem Israeli eines Besseren belehren lassen. Bevor ich das Land wieder verlasse, soll ich vor einem geladenen Kreis beider schlesischer und oberschlesischer Organisationen ein kurzen Referat halten, um dann für eine ebenso fair wie intensiv geführte Diskussion zur Verfügung zu stehen. Als ich vor drei Jahren zum letzten Mal hier war, fragte man mich wiederholt nach der NPD, dieses Mal wird das Problem des Rechtsradikalismus nur noch einmal erwähnt. Hingegen möchte man jetzt sehr viel über die Beurteilung Israels durch die offizielle Politik der Bundesregierung wissen und über den Kurs der gegenwärtigen Ostpolitik. Immer wieder drehen sich die Fragen im Grunde um Israel, weshalb einen bisweilen der Eindruck befällt, dass es wohl nicht schlecht wäre, wenn man auch erwarten darf, auch für die Sorgen der anderen, etwa die der Deutschen etwas aufgeschlossener wäre. Die Schlesier, die nun schon seit über einer Generation im Lande leben, sind treue Staatsbürger Israels, daran gibt es nicht den geringsten Zweifel. Aber die Treue zum Herkommen hat darunter nicht gelitten. Man ist gern Schlesier, fühlt sich ohne lange Umschweife auf Breslau oder Beuthen, Kattowitz oder Ratibor angesprochen.. Darum lässt es sich auch der Sohn von Julius Sachs, dem feinsinnigen Kenner des Breslauer Theater- und Musiklebens bis zu Hitlers Machtantritt, lässt es sich Hans Sachs nicht nehmen, in der Früh meine Frau und mich zum Flugplatz nach Lod zu begleiten, nachdem man uns mit Blumen in den schlesischen Farben weissgelb so festlich begrüsst hatte. Für Köln drückt mir Heinrich Cohn ein sehr schönes Brunnenglas aus Bad Reinerz in die Hand. Es trägt im Schliff auch noch die Jahreszahl 1884 und gehörte zu den Erinnerungen an die Mutter, die in Bad Reinerz zur Kur war, und an die schlesische Heimat. Das Glass soll noch vielen Schlesiern Freude machen, darum nehme ich es für die Breslauer Sammlung der Stadt Köln, bekanntlich Patenstadt für Breslau, mit. Es wäre überhaupt eine empfehlenswerte Tat, wenn die Patenstädte hier in der Bundesrepublik in ihre Patenschaft auch die gebürtigen Schlesier jüdischen Glaubens miteinbezögen. Eine in diesem Sinne geäusserte Anregung hat Kölns Oberbürgermeister Theo Burauen bereits aufgegriffen. Die Landsleute in Israel sind für jeden Gruss von daheim, auch wenn es nur ein stellvertretender Gruss von daheim ist, dankbar. Sie möchten die in den letzten Jahren neu geknüpften Fäden zwischen den Landsleuten nicht nur nicht wieder abreissen lassen, sondern fester knüpfen. FREIHEIT ALS HERAUSFORDERUNG (Forts, von Seite 1) laam — ich nehme Euch mir zum Volke und ich werde Euer G’tt sein. Nur wer bereit ist, die Freiheit als Voraussetzung für den wahren Dienst auf sich zu nehmen, ist wahrhaft frei. Nur wer sich freiwillig den religiöse ethischen Normen des Judentums — im weitesten Sinne — unterwirft, erreicht die Stufe, auf der Erlösung möglich wird. Überall in der Welt gibt es die Möglichkeit der Freiheit für uns Juden. Für die Erreichung dieser 4 Stufen ist der Ort einzig unser Land — Medinat Israel. Nur hier kann der Jude ganz frei werden. Erst dann wenn Israel diese-seine-Normalität findet, haben wir auf das neue Freiheitsbewusstsein unseres Volkes die Antwort gefunden, die der Welt des Judentums entspricht. Diese Freiheit ersehnten die Generationen unseres Volkes. So verstanden, ist unser Sehnen nach Freiheit nicht nur Ausdruck unseres Wunsches normal als Volk unter den Völkern zu leben sondern eine Herausforderung an unsere materielle, physische, intelektuelle und religiöse Kraft auf dem Weg zur Erlösung. 4