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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-09-01 · No. 30 (September 1971) · p. Seite 17

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 30 (September 1971)
Date
1971-09-01
Page
Seite 17 (sequence 1981)
Language
German
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Rabbiner Dr. Jacob Bassfreund s.A. Hedwig simo» i.a. Der hier erwähnte und allseitig bekannte und beliebte Rabbiner Dr. Jakob Bassfreund s.A. ist am 11.4.1850 in Kempen (Provinz Posen) geboren. Das kleine Städtchen war damals eine lebendige jüdische Stadt und ist oft das Frankfurt a/M des Ostens Deutschlands genannt worden. (Siehe im gleichen Blatt “Vterein der Kempner” von Dr. Boss), (Anmerkung der Redaktion). 3000 junge Leute haben s.Zt. in den verschiedenen Jeschiwoth (Talmudhochschulen) gelernt oder wie man sie nannte “Bäte Midrasch”. Er war der Spross einer Familie aus der jahrhundertelang Gelehrte hervorgegangen sind. Die ersten Schiurim in Limude Kodesch in Tnach und anderen Lehrfächern erhielt er von seinem Vater Morenu Mosche David Bassfreund, der Vorbeter und Lehrer (More Zedek) in Kempen war und sein Brot als “Winkelkonsulent” in Vertretung von Rechtsanwälten verdiente. Bis zu seinem 16. Lebensjahre hat Jakob B. im Beth Midrasch (Lehrhaus) von Rabbi Simche Rehfisch s.A. gelernt. Profane Fächer wie Schreiben, Rechnen und Lesen lernte er bei seinem Vater und seiner Schwester. Im Jahre 1866 übersiedelte die Familie B. nach Breslau, wo der Vater kurz darauf (8 Tage vor Pessach 1866) starb. Da der hier erwähnte Jakob Bassfreund seinem Grossvater auf dem Sterbebette versprach, kein Gymnasium zu besuchen, da der Grossvater fürchtete, seine Frömmigkeit und sein Glauben werden darunter leiden, so bereitete er sich privatim auf das Abitur vor, das er als Externer 1870 ablegte. Der junge Mann war so gelernt, dass er als 9jähriger also ein Kind ganze Kommentatoren zum Talmud auswendig hersagte, für Kenner eine ganz ausserordentliche Leistung. Nach dem Abitur trat er in das Breslauer theologische Rabbinerseminar von Zacharias Fraenkel ein. Er gehörte dort zu den streng religiösen Hörern wie Ritter, Theodor, Gronemann u.a. Bis zu seinem letzten Atemzuge ist er als streng religiöser Jude dem treu geblieben, was er versprach und war in der Erfüllung der Mitzwoth (Pflichten) in all seinen Sparten fest. Nach Empfang des Rabbinertitels (Heter Horaah) übernahm er das Amt eines Stiftst und Seminarlehrers in Hannover, 1882 wurde er zum Rabbiner von Tarnowitz O/S gewählt und 1891 ging er als Oberrabbiner nach Trier, wo er bis 1918 verblieb und zog nach seiner Pensionierung wieder nach Breslau. Auch dort lehrte er Thora besonders im Kreise der Jugend, hielt in den ver- Der Obengenannte ist am 9. November 1856 als Sohn von Salomon Peritz, Chasan einer kleinen Synagoge, in Breslau geboren. Seine einzige Schwester heiratete einen Lehrer Wvtriyz, bei dem Peritz Mischna und Talmud lernte. Nach Absolvierung des Gymnasiums, trat er in das Breslauer Rabbinerseminar ein und vollendete seine Studien im Jahre 1884. Seine erste und einzige Stellung bekleidete er in Liegmtz. Er heiratete Martha Levy aus Berlin (ca. 1886) und aus dieser Ehe entstammt die Tochter Judith Peritz, die heute im Beth Jolles. Haifa Achusa, Tel Mane lebt, und als Schriftstellerin und Übersetzerin vom Hebräischen ins Deutsche bekannt und erfolgreich ist (siehe Gedicht Col Nidre ln dieser Nummer, Anmerkung der Redaktion). Im Jahre 1903 verlor er seine Frau infolge einer Operation, und er heiratete 3 Jahre später Anna Rosenstein, Tochter des Rabbiners aus Graudenz, Schwester des bekannten Chirurgen Professor Rosenstein — Berlin. schiedenen Bäte Knesseth (Synagogen) Vorträge, starb aber leider schon ein Jahr darauf im Jahre 1919. Literarisch war er immer tätig. U.a. schrieb er über das Fragmenttargum, Targum Jonathan- Jeruschalmi, der so oft heute immer wieder in Schiurim zitiert wird dann zur Redaktion der Mischna. Die Arbeiten sind in der Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums erschienen, die erste sogar schon in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Ausserdem hat er eine alte Machsor Handschrift gefunden, über die er schrieb und die er in der Trierer Stadtbibibliothek fand. Seine Werke sind vergriffen und nur noch im Bekannten oder Familienkreise zu finden. Aber er hat sein Lebenswerk fortgesetzt erlebt. Sein Sohn Rabbiner Dr. Bassfreund früher Rabbiner in Myslowitz O/S dann Kreisrabbiner in Eschwege lebt ad mea weesrim mit seiner Gattin und der weiteren Familie jetzt in Petach Tikwah (Israel) und hat nach schweren Einordnungsjähren jetzt für den Gebrauch des Schülers in religiösen Schulen und auch in allgemeinen leichtfassliche Handbücher zu verschiedenen Talmudtraktaten herausgegeben, die dem Lehrer und Schüler das Verständnis schwieriger Stellen erleichtern sollen. Seine Töchter (von Rabbiner Dr. Jakob Bassfreund) hatten in Breslau einen streng koscheren Mittagstisch, wo echt jüdische Atmosphäre herrschte. Später leiteten sie das Rhedigerheim mit grossem Erfolg. Mirjam und Salame Bassfreund bleiben uns Breslauern unvergessen ebenso der Sohn Hermann, der im Bankfach bei Bankhaus Reichenbach in Thale im Harz, und dann bei Bankhaus Hermann Löwy in Breslau eine geachtete Stellung innehatte und den der Verfasser dieses Artikels noch vor 7 Jahren in der Schweiz sprach. Die Familie Bassfreund gehörte in Breslau zu den geachtesten und sie verband das Prinzip von Rabbiner Samson Raphael Hirsch “Thora im Derech Erez”. (Thora gepaart mit weltlichem Wissen). Möge es dem Sohn Rabbiner Dr. Zwi Bassfreund, Petach Tikwah vergönnt sein, in Gesundheit seine wissenschaftlichen Arbeiten fortzusetzen, und er mit seiner Familie, der Gattin, den Kindern und Enkelkindern das fortsetzen zu können, was sein Vater in seiner grossen Bescheidenheit geleistet hat. E. L. Dr. Moritz Peritz war der Typ eines Rabbiners, Seelsorger im besten Sinnes des Wortes. Güte und Milde waren seine Eigenschaften. Als Religionslehrer im Gymnasium und in der städtischen Höheren Mädchenschule war er wegen seines Auftretens und seines grossen Wissens sehr geschätzt. Die akademischen Lehrer pflegten bei schwierigen Stellen zu sagen: “Wenn Dr. Peritz kommt, wird er es uns schon erklären. Dr. Peritz hat auch ein hebräisch-arabisches Wörterbuch verfasst, was u.a. für seine besonderen Geistesgaben Zeugnis ablegt. Unter seiner Leitung hatte die Gemeinde Liegnitz .eine der schlesischen Mittelgemeinden, einen ausgezeichneten Ruf, zumal dort das Leben neben den g’ttesdienstlichen Handlungen sich lebendig in Vorträgen in hebräischer und allgemeiner Kultur auswirkte. Rabbiner Dt. Moritz Peritz wird allen ehemaligen Breslauern, Liegnitzem und Schlesiern in bester Erinnerung bleiben. RAMOTH HASHAVIM, Am 20. November vorigen Jahres wurde sie 77 Jahre, vor einiger Zeit verstab sie. Sie war von der jährlichen Auslandsreise ganz plötzlich und unerwartet zurückgekehrt, wo sie eigentlich den Sommer verbringen wollte. Denn sie fühlte die Krankheit in sich, sie sollte und wollte nicht mehr gesunden. In Lod traf sie ihren Arzt und erschrocken fragte der sie: “Hede, was machen Sie denn hier allein?” Statt die Antwort abzuwarten, brachte er die Leidende sofort in's Krankenhaus, das sie nicht mehr verlassen sollte! Hedwig Simon war in Posen geboren. Die Familie, die dort ein renommiertes Wäschegeschäft betrieb, war sehr beliebt und geschätzt. Der Familienzusammenhalt, der Freundschaftssinn, galt als einer der Mittelpunkte ihres Kreises in der Stadt. Sie hatte noch zwei Schwestern und zwei Brüder, die, nachdem Posen polnisch wurde, ebenfalls nach Berlin zogen. Untätig wollte sie nicht sein. In Berlin lernte sie den Inhaber der Firma “Nordstern-Butter” kennen. Der fragte sie: "Welches Gehalt würden Sie verlangen, Fräulein Simon?”. Sie erwiderte: “Ich kann noch nichts, bin ungeschult, da kann ich doch nichts verlangen!” Gusowski, der Inhaber, stellte sie ein, und sie übernahm die Verteilung an die zahlreichen Stadtfilialen, eine für sie völlig neue Tätigkeit. Sie war gewissenhaft bemüht, nichts zu versäumen, und sie tat stets, was in ihren Kräften stand und was zu tun ihr für das Geschäft dienlich erschien. Von Natur aus kannte sie nur Pflichten und Pünktlichkeit, ihre Arbeit diente der Firma in erster Linie, ihr persönliches “Ich” kam erst später. Nie hätte sie wohl gestreikt oder mehr Gehalt verlangt, wenn sie es nicht durch noch grössere Arbeitsleistungen mithereinverdient hätte. Sie trug dazu bei, dass der Betrieb sich vergrösserte, sie wurde Vertrauensperson des Inhabers und disponierte in seiner Vertretung. Auf Hedwig Simon konnte er sich verlassen. Sie machte die Geschäfte ihres Chefs ln bestem Sinne zu ihren eignen. Jedoch — es kam der Umsturz 1933, und wir finden die Freundin als Umschichtlerin im damaligen Palästina wieder, wo sie mit ihrer Familie ln Ramoth Hashawim eine Hühnerfarm anlegte und aufbaute. Auch hier war Hedwig Simon bald beliebter Mittelpunkt eines Freundeskreises, und ging (wie einst, in ihrer neuartigen Beschäftigung) vollends auf. Vorübergehend übte sie eine ihr zusagende Tätigkeit bei Dr. Handtke aus, da die Landwirtschaft eine zeitlang wenig bares Geld einbrachte. Denn Hede Simon konnte ohne beglückende Geschenke an Andere nicht leben. Man liebte und verehrte sie auch ln dieser Position bei Dr. Handtke, in der sie verblieb bis sie durch eine schwere Krankheit im Gehen behindert war. Stets dachte sie an alle und an alles, was ihr am Herzen lag. Denn in ihrer Seele war alles tief eingeprägt. Vieles im Leben erfahrene, Jugend, Heimat, Sorgenvolles, Beglückendes, Freundschaft, Freundesliebe. Darin sah sie den Sinn des Lebens, in Hilfe für den Nächsten und im Dienst am Gemeinwohl. Wenn sie mit Freundschaft auszeichnete, dem tat sie das ein Lebenlang. Diese Frau von jüdischem Adel, vom Allmächtigen mit der Gabe, Liebe weiterzuschenken bedacht, wird nicht vergessen werden! Herta Sachs Tel Aviv, Mazestr. 51 Rabbiner Dr. Moritz Peritz s.A. LIEGNITZ i/SCHLESIEN 17

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