Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 30 (September 1971)
- Date
- 1971-09-01
- Page
- Seite 16 (sequence 1980)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Breslauer Erinnerungen In einer früheren Nummer Ihrer Verbandszeitung las ich einen kurzen Artikel über einen um 1910 herum gegründeten Verein Junger Jüdischer Kaufleute, von Josef Walk. Der Name des Schreibers ist mir noch wohl bekannt aus meiner Arbeitszeit bei Joseph Kober, wo eine ganze Dynasty Walk meine Collegen waren. Samuel Walk expert im Russischen, Paul Walk und der jüngste Max Walk. Einer von diesen besonders tüchtigen Menschen dürfte wohl der Vater vom Schreiber sein. Der von ihm beschriebene Verein hatte einen Vorläufer gehabt, worüber ich kurz berichten will, obwohl ich nicht weiss, ob überhaupt für die heutigen Leser der Mitteilungen noch von Interesse sein wird. Am Schluss meiner Ausführungen führe ich den Grund an, was mich zur Veröffentlichung meiner Erinnerungen an diese für mich sehr interessante Zeit veranlasst. Etwa in den Jahre 1901 oder 1902 kam einer meiner Lehrcollegen auf die Idee, einen Verein zu gründen mit dem Zweck: Junge Jüdische Kaufleute zusammen zu bringen um Literatur, Kunst und Wissenschaft zu pflegen und sich darin weiter zu bilden. (Dies scheinbar um einem notwendigen Übel abzuhelfen). Dieser junge Lehrcollege war Martin Pniower, Lehrling, nicht bei Kober, sondern bei der weltbekannten grossen Firma I. Schwerin & Söhne. Bindfadenfabrik damals in der Alsenstrasse, nicht weit von der damals “Neuen Kirchstrasse”, wo Kober domicilierte. Ganz in der Nähe war auch die ebenfalls weltberühmte Fabrik von E.F.Ohles Erben, deren Hauptfabricat waren “Zinnfolien”. Ich erwähne dies, weil es eine ganz besondere Fabrication gewesen ist, die gewisser - massen der Stolz der Breslauer Industrie gewesen ist. Im Publicum wurde es Silberpapier genannt, und es war üblich, dieses nach Gebrauch zu sammeln und für Charitiezwecke zu verwenden. Es war zu dieser Zeit einst der teuersten Metalle, Nach dieser Abschweifung komme ich wieder zu unserem Verein. Martin Pniower traf ich fast täglich am Postamt am Friedrich-Wilhelmplatz, wohin wir immer Pakete hinbringen mussten und sonstige Erledigungen hatten und dabei unsere Meinungen austauschen konnten. Um unseren Gründungsplan zur Ausführung zu bringen trommelten wir eine Anzahl gleichgesinnter zusammen, so dass wir etwa 10 oder 12 hatten, von denen mir folgende Namen in Erinnerung sind. Neben Pniower, der uns alle um Kopfeslänge überragte, Arthur Silbergleit, ebenfalls Lehrling bei Schwerin und Söhne, der Expert im Russischen, Paul Walk und der jüngste — der sehr wenig auf sein Äusseres Rücksicht nahm, "Bernard Wollheim, Lehrling bei Wittenberg & Sohn, Siegfried Pionkowski, Kober Lehrling, zwei Brüder Nunberg, und so glaube ich auch ein Ludwig Meidner und meine Wenigkeit. Wir kamen in einem Zimmer in einem Restaurant in der Karlstrasse regelmässig zusammen und übten uns im Studium der alten Klassiker die wir mit grossem Eifer mit verteilten Rollen vorlasen. Goethe, Shakespeare, Heine, Schiller etc. Besonders erinnere ich mich, wie die Brüder Nunberg sich im Declamieren hervortaten. So waren wir alle beeindruckt, wenn Nunberg aus Julius Caesar declamierte “Und Brutus war ein ehrenwerter Mann’. In dieser Rolle hörte ich ihn später in Berlin auch in anderen Rollen. Arthur Silbergleit z.B. las damals schon einige seiner Gedichte vor, nach meiner Erinnerung sein Poem “Wilder Wein”. Aber ich glaube, er verstand es besser als wir, was er damit meinte. Diese drei und Ludwig Meidner brachten es tatsächlich zu einer berechtigten Publizität, während wir anderen im kaufmännischen Beruf ohne besondere öffentlichen Leistungen untertauchten. Von Martin Pniower wäre noch zu sagen, dass er sich besonders im arrangement von Vergnügungen hervortat. Er war Hahn im Korbe bei vielen Veranstaltungen und besonders in der “Bärschen Tanzstunde”. Was aus dem Verein nach meinem Weggang von Breslau im Mai 1904 geworden ist, weiss ich nicht mehr, da ich den Contact mit allen verlor. Es war mir interessant aber aus dem Artikel von Josef Walk zu lernen, dass auch andere zu jener Zeit ähnlichen Gründungseifer zeigten, wie wir damals. Was mir aber wesentlich zu zeigen ist mit meinen jetzigen Ausführungen ist: dass aus manchen jugendlichen Ideen, die in der sogenannten Sturm- und Drangperiode einen bewegen, auch Früchte entspriessen, die den Menschen Befriedigung später bringen, indem sie sich eines Erfolges im öffentlichen Leben erfreuen konnten, wie Silbergleit, Nunbergs-Meidner. Miami. Beach, August 1971, Salo Transleuter Belle Plaza Apt 712 20 Island Avenue Miami Beach, Fla 33139 Vorfrag von R. A. Am Sonntag, den 23. Mai 1971, fanden sich im Saal der Loge ca. 80 Personen ein, um dem Lichtbilder-Vortrag unseres Vorstandsmitgliedes, des Herrn R. A. Dr. Richard Prager, zu lauschen. Aber, es war nicht nur ein Hören, sondern vor allem eine Augenweide “Eine Reise nach Spitzbergen’, im Bild zu erleben. Ausgezeichnete Aufnahmen mit besonders gelungener Belichtung, assistiert von Frau Prager, schienen uns, als wären wir selbst dabei gewesen. Von dieser Stelle aus nochmals besten Dank für diesen gelungenen Abend. Nach einer kurzen Pause am selben Abend fand die General-Versammlung unseres Verbandes statt. Nach einleitenden Worten unseres Vorsitzenden, Herrn Ernst Tauber, gab der Sekretär des Verbandes, Herr Erich Lewin, einen ausführlichen Bericht über unsere Arbeit. Er erwähnte eingangs, wie immer, den Gründer des Verbandes, Dr. Seew Wilhelm Freyhan, der ohne jede fremde Hilfe eine Kartothek anlegte, die Mitglieder in aller Welt umfasst. Diese Kartei hat der Verband nach seinem Ableben im Jahre 1965 mit allen Unterlagen übernommen. Sie war uns eine Grundlage für unsere weitere Arbeit. Wir konnten im Laufe der Jahre diese Mitgliederliste durch rege Korrespondenz, sowie Rundschreiben, die immer vor den hohen Festtagen, herausgehen, erheblich erweitern. In Israel zählen wir heute ca. 550 Mitglieder, in den anderen Ländern der Welt ca. 650 Mitglieder. Leider zahlen nicht alle pünktlich ihre Beiträge. jedoch durch Zusendung unserer Zeitung, die zwei mal im Jahre, zu Pessach und Rosch Haschana erscheint und zuletzt in 1500 Exemplaren gedruckt wurde und zum Versand kam, sind die Verbindungen mit allen Ländern geschaffen. Es kemmt oft vor, dass Mitglieder, die jahrelang ihre Beiträge nicht zahlten, plötzlich einen grösseren Betrag einsenden, um so gesichert zu sein, die Zeitung zu erhalten. Das Blatt ist doch das einzige Bindeglied mit unseren Freunden und Mitgliedern im Ausland. Wir stehen in Verbindung mit grossen Wiedergutmachungsbüros .in aller Welt. Arolsen, sowie andere grosse Zentralen für Verfolgte, einzelne Rechtsanwälte, Lands- und Amtsgerichte, Magistrate verschiedenster Städte, Heimat-Vereine wenden sich an uns um Auskunft, bezw. Hilfe. Wir versuchen durch ständige Suchanzeigen, durch SCHATTEN Phantastisch wie Nachtgespenster So schwankt im Laternenschein Ein Schattenspiel über mein Fenster Von Geisblatt und wildem Wein Doch schon färben Vogelstimmen Das Flüstern von Strauch und Wind. Die Lampen am Weg verglimmen, Das Schattengewirr zerrint. Nur ihr wollt mich nicht verlassen Ihr Schatten aus schwerem Traum, Was mischt ihr mir Lieben und Hassen, Verwandelt mir Zeit und Raum? Und lasst meine Hände fassen, Was längst schon zerging in Schaum, Ihr Nachtwandler seht die Terassen Aus Bernstein am Himmelssaum. Dr. Else Meidner, N W 2 London, 77 St Gabriels Rd. Dr. Richard Prager Photo-Copien unseres, in unserer Hand befindlichen Telefonbuches von Breslau, aus dem Jahre 1933, Nachweise zu erbringen. Wir geben zinslose Darlehen, Zuzahlung für Altersheime falls der erforderliche Betrag nicht ausreicht eine Einordnung vorzunehmen. Wir sitzen jetzt in einem gemeinsamen Ausschuss aller deutschsprachigen Heimats-Verbände, unter Vorsitz von Herrn; Dr. Josef Kaufmann vom Verband ehemaliger Koelner und Rheinlaender. Wir unterhalten einen Stipendiumfonds, um Kindern, oder Enkeln in gewissem Masse bei Studien zu helfen. In der Diskussion, die sehr rege war, ist betont worden, dass die Gelder zu verschiedensten Zwecken sozialer Art Verwendung finden sollen. So wie wir uns einem Altersheim anschliessen wollen, so ist auch in der Debatte angeregt worden, der Gemeinde “Ichud Schiwat Zion” einen grösseren Betrag zu ihrem Gemeinde Zentrum, das als Andenken an die vernichteten G”tteshäuser in Mittel-Europa gebaut wurde, beizusteuern, mit der Auflage, an angemessener Stelle die jüdische Gemeinde Breslau zu verewigen. Bei den Vorstandswahlen wurde per Akklamation, Herr Max Lopatka, Tel Aviv, hinzugewählt. Wir begrüssen Herrn Max Lopatka von. dieser Stelle aus nochmals und wünschen ihm erfolgreiche Arbeit in unserem Gremium. Herr Heinrich Cohn, der von ganz schwerer Krankheit, zum ersten Mal wieder im Rahmen des Abends mit seiner Gattin erschienen ist, wurde besonders herzlich begrüsst. (Siehe Leitartikel in heutiger Ausgabe von Heinrich Cohn). Zum Abschluss wurde trotz Protestes seitens unseres ersen Vorsitzenden unserem lieben und sehr verehrten Herrn Emst Tauber zu seinem 75zigsten Geburtstag nachträglich gratuliert. Unseren Freunden und Landsleuten in aller Welt wünschen wir ein gesundes und Friedebringendes NEUES JAHR SOCIETR OF FRIENDS FROM BRESLAU NEW YORK. Dr. Fred Singer President 16