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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-09-01 · No. 30 (September 1971) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 30 (September 1971)
Date
1971-09-01
Page
Seite 15 (sequence 1979)
Language
German
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Das jüdische Kurhospital in Bad Warmbrunn So lautete nämlich der Titel, den ich im Jahre 1912 über dem Eingang des Hospitals lesen konnte, als ich dorthin ging, nicht um als Kurgast die heissen Bäder in Anspruch zu nehmen, sondern um in der in diesem Hause untergebrachten Synagoge am Jahrzeitstage mit Minjan Kaddisch sagen zu können. Will man die Geschichte dieses Hospitals schreiben, muss man sich in den Anlauf des vorigen Jahrhunderts versetzen. Damals musste bei den schwierigen und zeitraubenden Verbindungen mit der Heimat einer armer, auf fremder Erde befindlicher Kranker in ärgste Bedrängnis geraten, wenn ihm nicht Warmbrunner Glaubensbrüder oder wohlhabende jüdische Kurgäste beige-_ standen hätten. Mit dem Beginn des Zeitalters der Eisenbahn wuchs der Verkehr und mit ihm der Zustrom jüdischer Kurgäste. — Es ist ein bleibendes Verdienst der Herren Wolff Fränkel und Scheimann Schneller, Heiman und Scheiman Schneller (Vater und Sohn) mit ihren Familien in Warmbrunn wohnend namhafte Beträge für die Erbauung eines Hospitals zusammenzubringen, um armen Kranken während der Kurzeit ein sicheres Asyl zu bereiten an Stelle der bis dahin tätigen Badearmenkasse. Schneller hat sich persönlich für diese Werke eingesetzt und seine Nachkommen sind dieser Tätigkeit treu geblieben. Einer der letzten Träger dieses Namens war Kurt Schneller, mit dem ich zu seinen Lebzeiten in Breslau befreundet war und dessen Witwe, mit der ich zusammen im “Beth Gila”, Jad Elijahu bei Tel Aviv weilen darf. Ich verdanke ihr die Festschrift zur Feier des 50jährigen Bestehens des Hospitals aus dem Jahre 1929. Unter den hochherzigen Spendern fehlt auch nicht der Name von Dr. Paul Schottländer, zum Andenken an seinen Vater, bekannt durch seine grosszügigen Stiftungen zum Bau des Jüdischen Krankenhauses Breslau, der jüdischen Altersversorgung, des Schwesternheimes, des Siechenhauses etc. Der Betrieb der Anstalt konnte aufrecht erhalten werden, während man früher die Spenden dem Kurhospital zur freien Verfügung überlassen hatte. So präsentieren jetzt die Wohlfahrtsämter, Frauenvereine und andere Fürsorgestellen die bedürftigen und geeigneten Kranken. Dass den Wünschen dieser Stellen um Aufnahme von mehr als 100 Petenten pro Kurzeit entsprochen werden konnte, ist nur dem Umstand zu verdanken, dass in den benachbarten Häusern geeignete Räume gemietet werden konnten, wenn das Hospital selbst besetzt war. Die ärztliche Betreuung der Kranken lag in den bewährten Händen von Dr. Sigismund Moses. Die Tätigkeit des Schriftführers versah der Hirschberger Gemeinderabbiner Dr. Biram und später sein Amtsnachfolger Rabbiner Dr. Nellhaus jetzt in Rosalindale, Mass. U.S.A., der im Januar dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feiern durfte. Ich sehe ihn als Absolventen des Jüdisch Theologischen Seminars Breslau in seiner schneidigen Uniform als Ohlauer Husar. Anfang August 1914 —! Vom Dach des Hauses weht die Flagge des Roten Kreuzes. Das Hospital ist in ein Lazarett umgewandelt und der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt worden. Die ärztliche Leitung lag weiter in der Hand des bewährten früheren Hospitalarztes, während die Pflege einer Diakonissin übertragen wurde, der Schwestern und Hilfsschwestern vom Roten Kreuz zur Seite standen. — Der Krieg ging zu Ende, aber für den jüdischen Volksteil kam zu dem Kampf ums Dasein noch die seelische Not, hervorgerufen durch den blinden Hass der durch gewissenlose Fanatiker aufgewiegelten Massen. Von Jahr zu Jahr wuchs die Zahl der Gesuche um Aufnahme, da infolge der Unterernährung und der elenden Wohnverhältnisse die Widerstandskraft unter den armen Glaubensgenossen stark zugenommen hatte. Hervorzuheben sei die Tatsache, dass das jüdische Kurhospital in Warmbrunn als einzige derartige jüdische Anstalt im Osten Deutschlands in einem Kurort mit heissen Quellen zur Behandlung rheumatischer und arthritischer Erkrankungen eine besondere Mission zu erfüllen hatte. Dass das im Laufe von 50 Jahren angesammelte Kapital mündelsicher z.T. angelegt, wie der Schnee unter der Sonne zusammengeschmolzen war, muss man verstehen. In der letzten Zeit ist seitens der Grundherrschaft unter Leitung hervorragender Fachgelehrten und Ingenieure mit einer Neugestaltung der Badeanstalten begonnen worden. Die Initiatoren dieses edlen Werkes erlebten zwar nicht mehr seine Vollendung. Der Sinn für anonymes Wohltun ist jedoch mit dem Namen Schneller verbunden. Als charakteristisches Zeichen möchte ich aus eigenem Erleben folgendes berichten: Als der mit uns auf der Gutenbergstrasse Breslau wohnende Kurt Schneller von dem Kohlenmangel erfuhr, schickte er zu Beginn der kalten Wintertage einen Lastwagen mit Hartholz, das nach Erfahrungen des Holzsachverständigen als besonders geeigneter Kohlenersatz galt, zu uns, damit unser erst einige Monate alte Junge nicht sein regelmässiges warmes Bad entbehren müsste. Als Assistent des Jüdischen Krankenhauses konnte ich mich nicht erkenntlich zeigen, möchte aber jetzt den Dank für diese Handlungsweise ausdrücken in Anlehnung an die Worte des lateinischen Dichters: “Du hast Dir ein Denkmal errichtet dauernder als Erz.” Dr. Seew (William) Boss Tel Aviv, Jad Elijahu, Margolinstr. 4 Beth Gila Das Mi Ein wahres Erlebnis von Es war im Februar 1940 in Berlin, und die elektrische Strassenbahn, die wir am Victoria Luise Platz in Schöneberg bestiegen, um nach dem Fehrbellinerplatz in Wilmersdorf zu fahren, war wegen Fliegergefahr verdunkelt. Hinter uns sassen 2 Damen der sogenannten guten Gesellschaft und unterhielten sich so laut, dass wir leider hören mussten, was sie sagten. Die eine fragte die andere: “Haben Sie Nachrichten von Ihrem Manne aus Polen? Wie geht es ihm?” "Oh, ganz ordentlich”, antwortete die Gefragte, “soweit sind die Nachrichten recht gut”. “Na war er denn nie in Lebensgefahr?”, fragte die erstgenannte. “Oh, doch”, erwiderte die andere, “mein Mann ist beritten, wissen Sie, und einmal, als sie ein Dorf passiert hatten, ritt er über ein Feld, das unterminiert war. Das Pferd trat auf eine Mine, flog in die Luft und krepierte. Mein Mann landete aber glücklich auf dem Acker, und ihm ist nichts passiert”. “Na, G-tt sei Dank”, meinte die Fragestellerin, “hat man irgend etwas getan, um die Südpark-Konzert von Jenny BRESLAUER Im SUdpark ist kein Plätzchen leer Beim Sinfonie-Konzert mit Behr. Ganz Breslau spitzet seine Ohr'n, Und manchmal dirigiert selbst Dohm! — Die gute Mutter hält schon Platz, Und es beginnt der erste Satz. — Wie lieblich plauscht sich’s bei der Weise, Die Stullenpäckchen knistern leise. Zwar hört dies mancher mit Verdruss; Denn sowas stört den Kunstgenuss. — Die Pause bringt ein neues Bild: Die Sommernacht ist lau und mild. Im Teiche spiegeln sich die Lichter, Der Jugend fröhliche Gesichter, Die munter auf und ab flaniert, Dabei ein bischen auch “poussiert”. Mama harrt plaudernd aus am Tische. Manch Pärchen schlägt sich in die Büsche. — Oh, welches Glück, die Benderhöhe Ist unbesetzt, und in der Nähe. Hier ist man gänzlich ungestört, Indes von fern Musik man hört, Man kann hier von der Liebe plauschen, Im Mondenschein ein Küsschen tauschen. Tief unten, am Teich, schwimmt “der liebe Schwan", Noch lächelte der Mond von fern, Verliebte Leute sieht er gern, Viel lieber als die Astronauten, Die sich zu ihm heraufgetrauten. Jetzt wissen wirs: Nur Krater gibt’s dort, oed und kantig. Doch damals gab es noch: MondscheinromantikI — Lang ist es her, noch lebt die Welt in Frieden. Wir waren heiter, imbeschwert, im Park in Breslau’s Süden. — Ein letzter Walzer tönt von Strauss, Verklingt; das SUdparkkonzert ist aus!- Doch in mir kling es weiter fort — Obgleich ich weit — durch Raum und Zeit, Entfernt vom lieben Ort — Es schenkt ein Lächeln mir noch heut. ... Jenny Breslauer Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 138 n e n f e I d Dr. Emst WARSCHAUER Minenleger zu strafen?” “Wissen Sie, was unsere Leute gemacht haben?’, erwiderte die Frau des berittenen Offiziers, “sie haben die J u d e n im Dorfe zusammengetrieben und über das Minenfeld gejagt, denen ist es schlecht gegangen!” "Gut so”, sagte die andere, “besser die Juden sterben als unsere Leute“. Ich konnte dem Impuls nicht folgen, mich umzudrehen und den beiden Weibern ins Gesicht zu schlagen. Wenn jemand dort Minen gelegt hatte, so waren es keinenfalls die Juden gewesen, wahrscheinlich die polnische Armee auf ihrem Rückzüge. Wir waren tief deprimiert. “Noch 2 Monate müssen wir in diesem verruchten Lande aushalten” sagte ich zu meiner Frau, “es ist schwer, aber die Erlösung winkt”. Dr. Ernst Warschauer 15

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