Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 30 (September 1971)
- Date
- 1971-09-01
- Page
- Seite 14 (sequence 1978)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Yomtov Prof. Dr. Ignaz Goldziher in Budapest entstammte einer aus Hamburg nach Ungarn eingewanderten jüdischen Familie und war schon mit 20 Jahren Dozent für Orientalistik. Er entfaltete einer sehr rege wissenschaftliche Tätigkeit und wurde allmählich einer der bedeutendsten Arabisten der Welt. Seine Bibliothek, die etwa 6.000 Bände von 2.600 Autoren umfasste, enthielt auch Drucke aus alter Zeit, die in keiner europäischen Bibliothek vorhanden waren. Verehrer des Gelehrten sandten ihm von überall her ihre Arbeiten, darunter auch in Indien gedruckte arabische Werke. Im Zuge seiner wissenschaftlichen Betätigung unternahm Goldziher eine Forschungsreise nach Syrien und Palästina und blieb dann für lange Jahre in Kairo, wo er als einziger Europäer an der Azhar-Moschee der islamischen Theologie arbeitete. Er erfreute sich grosser Verehrung in der arabischen Welt, die mit Verwunderung feststellen konnte, dass im jüdischen Volke ein grosser Gelehrter der islamischen Lehre entstanden ist. * Nicht nur der Judenstaat, auch die Jerusalemer Hebräische Universität verweilte damals noch im Schosse der Zeit. Aber das konnte den begeisterten Zionisten, den Arzt Dr. Josef Chasanowitsch aus Grodno (1854—1919) nicht abhalten davon, während der langen Wartezeit die Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem ins Leben zu rufen. Nach zwanzigjähriger unermüdlicher Arbeit gelang es ihm, die Bibliothek aufzubauen. Bis 1896 hatte er bereits 10.000 Bände nach Jerusalem geschickt. Er fand überall in der Welt begeisterte Anhänger, die für die Nationalbibliothek, die später dann der Hebräischen Universität angeschlossen werden sollte, Bücher und Gelder sammelten. * Prof. Goldzihr starb plötzlich im Jahre 1921. Im selben Jahre fand der 12. Zionistenkongress in Karlsbad statt. Dort erzählte mir ein alter Freund, ein führender deutscher Zionist, Prof. Heinrich Loewe aus Berlin, dass das Aktions- Komitee der Nationalibibliothek den Beschluss gefasst habe, die Goldziher-Bibliothek anfeukaufen. “Lieber Freund — sagte er mir — Sie wohnen in Wien, also einen Katzensprung von Budapest entfernt, sodass Sie ohne besondere Mühe die Verhandlungen mit der Familie Goldziher aufnehmen können. Unser Präsident Chaim Weizmann hat versprochen, den Kaufpreis in Amerika aufzubringen”. Ich habe natürlich mih lugendlichem Eifer ja gesagt. Nach dem Kongress, kaum zuhause angelangt, ging ich sofort daran, mit der Familie Goldziher in Verbindung zu treten. Ich machte einen nahen Verwandten der Familie in der österreichischen Hauptstadt ausfindig, der sofort nach Budapest telephonierte und für mich für einen der nächsten Tage eine Rendezvous mit Goldzihers Sohne, einem Dozenten, vereinbarte. Tatsächlich fuhr ich am nächsten Samstag abend mit dem Nachtzug nach Budapest. Sonntag vormittag machte ich einen Ausflug in die Ofner Berge, wo mich um 10 Uhr vormittag der Dozent Goldziher, Sohn des Verstorbenen, erwartetet. Er empfing mich sehr freundlich und wir gingen gleich in die Besprechung der Angelegenheit ein. “Die bedeutendsten Universitäten der Welt wetteifern mit einander” — sagte er. “Jede von ihnen würde sehr gerne die Bibliothek für sich selbst erwerben. Um zwei Hochschulen zu nennen: die Pariser Sorbonne und die Universität in Tokio sind am Erwerb der Bibliothek besondern interessiert. Nun bedeutet der Erwerb und die Aufstellung der Bibliothek an der Universität so viel, dass die betreffende Hochschule das Andenken Ludwig Bato meines seligen Vaters verewigen will. Das heisst nun, dass einerseits die Juden und anderseits die Nichtjuden dem Namen des grossen Professors Ehrerbietung zollen wollen. Nun bin ich der Meinung, dass wenn es die Nichtjuden tun, dies eine grösere Ehrung bedeutet, als wenn dies von' den Juden kommt, die seinen Namen ohnedies verehren”. Darauf erwiderte ich: “Verehrter Herr Professor, Sie haben den praktischen Teil der Frage ganz ausser Acht gelassen. Nehmen wir an, die Bibliothek gelangt in die Sorbonne in Paris. Dort wird sie in einem Flügel des Riesengebäudes uritergebracht werden: im zweiten Hof, beim Eingang Nr. 5, im dritten Stock, schwer erreichbar und es ist fraglich, ob mehr als zwei-drei Studenten im Semester der Bibliothek ihre Aufwartung machen werden. Denn in Paris ist die arabisch-islamische Wissenschaft und Literatur eine wildfremde Pflanze, die dort nur wenige begiessen und pflegen werden. Hingegen, wenn die Bibliothek. in der nach zwei Jahren in der zu eröffnenden Hebräischen Universität zur Aufstellung gelangen wird, so käme sie in die Mitte der arabischen Welt. Im kommenden Jüdischen Staate wird die arabische Sprache eine wichtige Rolle spielen und von Jerusalem ist bekannt, dass die dortige Judenheit der arabischen Sprache mächtig ist. Dort wird die Bibliothek keine fremde Pflanze sein, man könnte sogar sagen, dass sie heimgekehrt ist. Damit war meine Entgegnung zu Ende und einige Minuten herrschte Stille im Raum. Plötzlich wandte sich Herr Dozent Goldziher zu mir und sagte: “Sie haben mich davon überzeugt, dass den Juden das Vorrecht zusteht. Wir sind bereit, die Bibliothek Ihnen zu verkaufen”. Ich verliess mit Freuden das Haus, ist es mir doch über Erwarten rasch gelungen zu überzeugen, dass die Bibliothek ihren Platz in Jerusalem habe. Bald langte aus London der Beauftragte der Zionistischen Exekutive an, der den Kaufpreis mit der Familie Goldziher aushandelte. Gleichzeitig versprach Präsident Weizmann, dass er das Geld in Amerika bald beschaffen werde. Und so geschah es auch. Und nun begann man die Bibliothek einzupacken. Da stellte sich plötzlich ein Hindernis in der Absendurg der Büchersammlung nach dem Auslande ein. Die ungarischen Behörden weigerten sich plötzlich, sie über die Grenze gehen zu lassen. Da hat die zionistische Leitung England mobilisiert, mit dem wir damals zufällig in freundschaftlichem Verhältnis lebten. Die Engländer haben denn auch interveniert und die Ungarn Hessen nach und so konnte die Sendung bald auf den Weg gebracht werden, sodass die Bücher sich bald auf ihrem Bestimmungsort befanden. Es ist interessant übrigens, dass fünf Jahre später die Ungarische Akademie der Wissenschaften sich mit der Bitte an die FamiUe Goldziher wandte, die Bibliothek des verstorbenen Professors ihr zu schenken. ISRAEL Israel, Du Land unserer Väter und Brüder, Wer Dich einmal sah, kann Dich nie vergessen! Immer wieder und immer wieder Seh’ ich Dich vor mir, wie ich rasch Dich durchmessen. Reich an historischen Orten und Schätzen Hat dieses Land viel Handlung und Wandlung erlebt. Sehr viel edles Blut tat den Boden benetzen, Heiliges Land, das von Fragen und Sagen umschwebt. Israel, einst Land unserer Vorfahr’n und Väter, Oft genug besetzt vor ungläubigen Horden, Bist Du jetzt zweitausend Jahr’ später Wieder von Neuem das Land der Verheissung geworden. So erscheint es uns heute, nachdem Hitler’s Horden versanken, Herzl und all seine Leute hatten schon damals den grossen Gedanken. Israel Jüdisches Land und bleibende Stätte Für des gequälten jüdischen Volkes Massen, Wer’s nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, könnte die neuen, modernen Wunder nicht fassen! Auf gebaut und quasi aus nichts geschaffen ist fruchtbares Land in Kürze erstanden, Ghetto-Menschen, bedroht im Galuth zu erschlaffen, haben hier tapfer durchaus ihren Mann gestanden. Städte, wie Haifa und Tel-Aviv waren sehr rasch und modern aufgebaut, “matauwu auholecho” wer dies einst ausrief, Hätt’ seinen Augen heut nicht getraut. Israel, kleines Volk harter Gegenwart, Israel, grosses heroisches Volk der Vergangenheit, Deine Wege waren immer steil und hart, Doch mit stolzen Glauben hofft’st Du auf bessere Zeit. Volk der Geschlagenen, aus fernen Landen vertrieben, hast Du geschaffen Dein eigenes trotz Hass und trotzdem, Jeder Einzelne sei dort eingeschrieben In dem grossen “Goldenen Buch” in Jerusalem! — Dr. Arthur A. Lowenstamm 1408 S O South Barry Ave, Los Angeles 90025 14