Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 30 (September 1971)
- Date
- 1971-09-01
- Page
- Seite 13 (sequence 1977)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst Tauber zum 75. Erinnerungen an Dr. Theodor Loewes 70. Geburtstag Wir bringen anlässlich eines Geburtstages von Dr. Theodor Loewe (geb. in Wien am 9. Sept. 1855) den Bericht über die Feier seines 70. Geburtstages, den ein Mitarbeiter unserer Zeitung in seinem Theater-Archiv vorfand. Der Artikel ist aus der Breslauer Zeitung vom 11. September 1925, verfasst von Dr. Wilda. Er schildert ausführlich die Huldigungen, die sich über den Mann ergossen, der lange Jahre die erste künstlerische Persönlichkeit der Schlesischen Hauptstadt war: “Dass sich Dr. Loewes 70. Geburtstag zu einem Tage reicher Ehrungen und dankerfüllter Huldigungen für ihn gestalten würde, und dass die Empfangsfähigkeit des Jubilars auf eine harte Probe gestellt werden würde, war zu erwarten. Er hat die Probe glänzend bestanden. Nachdem er am Vormittag in seiner schönen, einem Museum gleichenden Wohnung dem Sturm der Gratulanten standgehalten, liess er in später Abendstunden in dem weiten Kreise der Gäste, die seiner Einladung in Hansens Festsäle gefolgt waren, und die er mit der ihm eigenen Liebenswürdigkeit mit seinen launigen Worten begrüsste, mit einer ebenso erstaunlichen wie erfreulichen Frische den unerschöpflich flutenden Strom oratorischer und künstlerischer Darbietungen zu seinen Ehren über sich hinwegbrausen, an Ausdauer die Jüngsten beschämend. Es mögen nicht viel weniger als 200 Personen gewesen sein, die an der festlich geschmückten Tafel Platz nahmen. Besonders stark war naturgemäss die Bühnenwelt vertreten, und auch ein guter Teil des geistigen Breslau hatte sich eingefunden. Als Vertreter der Regierung war Regierungspräsident Jaenicke, als Vertreter der Stadt Oberbürgermeister Dr. Wagner erschienen, Oberpräsident Zimmer und Polizeipräsident Kleiboemer, am Erscheinen verhindert, hatten herzliche Glückwünschtelegramme gesandt. Die lange Reihe der Trinksprüche eröffnete Regierungspräsident Jaenicke, der als Vertreter des Staates, der leider heute keine Auszeichnungen mehr zu verleihen habe, dessen Dank für alles das aussprach, was Direktor Dr. Loewe als kunstsinniger Theatermann für die Provinz Schlesien und für den Staat geleistet. Wenn man ihm, der einst die Breslauer Oper auf stolze Höhe gebracht, seinerzeit das Leben schwer gemacht habe, so werde das am heutigen Tage wett gemacht. Er fühle sich gedrungen, nach dieser offiziellen Würdigung der Verdienste des Jubilars, auch als Sohn der Stadt und als ihm freundschaftlich nahestehender Mann zu ihm zu sprechen. Und da wolle er, eine Erinnerung aus seiner frühesten Kindheit auffrischend, eines Wortes seines Vaters gedenken, der Dr. Loewe als den liebenswürdigsten Menschen in der Stadt bezeichnet habe. Er sei es auch heute noch und mit seinen 70 Jahren ein junger Mann. Er habe sich mit der Jugend der Kunst, oder Operette, vermählt, habe Berührung mit allem, was lebensfrisch, heiter und jung sei. Und in die Jugend, die ihm treu geblieben, nehme er die Liebe und Verehrung des Alters mit. Oberbürgermeister Dr. Wagner rief in seiner humorvollen Rede, in die er Verse des Jubilars einflocht, die Erinnerung an die Zeit wach, da Dr. Loewe sich um den Direktorposten des Stadttheaters beworben. In den Akten “Loewe” befände sich ein seinerzeit von Dr. Alfred Klaar eingeholtes Gutachten, in dem dem Bewerber neben andern guten Eigenschaften unbedingt Zuverlässigkeit nachgerühmt wurde. Jetzt wisse man, was man an ihm gehabt habe, und werde dem Ausdruck geben. Redner schloss mit der lauten Beifall weckenden Mitteüung, dass die Büste Dr. Loewes im Foyer des Stadttheaters aufgestellt werden würde. Die Glückwünsche des Deutschen Bühnenvereins überbrachte seinem langjährigen Präsidenten Syndikus Dr. Wolf, der Dr. Loewe, der 33 Jahre in einer Stadt als Bühnenleiter sesshaft gewesen und der einzige akademische Theaterdirektor sei, der sofort von der Universität zur Bühne gekommen sei, als eine Ausnahmeerscheinung feierte, seinen idealistischen Optimismus und seine Verdienste um das deutsche Theater rühmte, mit dessen Geschichten und Geschichte der Name Loewe unlösbar verbunden sei. Er sei der berufene Mann, die fehlende Geschichte des deutschen Theaters um die Jahrhundertwende — Schlenthers Werk sei unvollendet geblieben — zu schreiben, und darin dürfe das Kapital Loewe nicht zu kurz kommen. Intendant Bamay wies auf die Verdienste hin, die Dr. Loewe, den man gemeinhin als den erfolgreichen Regenerator der Breslauer Oper feiere, sich um das Schauspiel erworben habe und widmete, den Dank der Schauspieler aussprechend, sein Glas dem Jubilar als dem berufenen Pfleger des Schauspiels. Weitere Reden folgten: Direktor Dr. Zickel sprach im Namen des Verbandes der Deutschen Privattheaterleiter, Dr. Loewe als Führer und Berater rühmend, Generalkonsul Schneiderhan gedachte des Menschen, der allzeit hifsbereit, ein Bringer des Guten und der Freude gewesen sei; Schauspieler Veit überbrachte die Glückwünsche der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, dem Jubilar den Dank für das den Schauspielern beweisende Wohlwollen aussprechend, ihm als Entdecker von Talenten rühmend, Frau Dr. Oehlke in sinnvoll anmutigem Zahlenspiel deutete aus der erreichten 70 die Wesenheit des Jubilars, Fritz Emst Bettauer liess der “berühmten Diplomatie” Dr. Loewes Gerechtigkeit widerfahren, Rechtsanwalt Bandmann führte das Wort für die Freunde des Stammtisches bei Hansen, und Paul Barsch gab seinen Gefühlen für den Freund in schönen, aus dem Herzen kommenden Versen Ausdruck. In poetischer Form huldigten dem Mann des Tages auch vereint Frau Barsch und ihre Schwester, Fräulein Muthreich. Besonderen Anklang fanden die erfrischenden humoristischen Dichtungen des Vorsitzenden des Verbandes der Schlesischen Presse Dr. Schlosser und des Herrn Kurt Peiser, dessen Kapuzinerpredigt als eine ergötzliche poetische Loewenjagd den Zuhörern viel Vergnügen bereitet; und auch die Verse des Herrn Sanitätsrats Dr. Sachs wurden mit grösster Heiterkeit aufgenommen. Zur Hebung der Stimmung trug ferner das von Frau Selma Hahn, der langjährigen treuen Mitarbeiterin Dr. Loewes, verfasste Tafellied bei; und köstliche Unterhaltung bot das “Loewen-Kabarett”, in dem die Mitglieder des Schauspielhauses Marauschek, Wendler, Fräulein Michaelis, Ino Wimmer und Lydia Petri, teils solo, teils zu zweien singend und mimend, sich mit durchschlagendem Erfolge betätigten. Den Vogel schoss der neue Spielleiter Julius Brandt ab, der mit dem Weaner Fiakerliede dem Heimatgefühl des Siebzigjährigen in schönster Weise genüge tat. Aus der langen Reihe der eingegangenen Glückwünsche gelangte ein Teil zur Verlesung. Ausser den oben bereits erwähnten amtlichen Persönlichkeiten haben u.a. die folgenden dem Jubilar teils ernst-herzliche, teils launige Glückwünsche gesandt: Der Vorsitzende des Deutschen Bühnenvereins, der Verband der deutschen Bühnenleiter, Gerhart Hauptmann, Hermann Stehr, Vor einigen Wochen feierte unser Vorsitzender Ernst Tauber seinen 75. Geburtstag. S.Zt. hat er uns verboten, dieses Ereignis zu publizieren und diesen schönen Tag nur im Kreise der Familie und engsten Freunden in Natanjah gefeiert. Jetzt aber halten wir es für unsere Pflicht, ihm von dieser Stelle aus herzlichst Masal Tow zu sagen. Ernst Tauber, seit vielen Jahrzehnten Zionist, zeichnet sich durch grosse Bescheidenheit und Feinheit aus. In Breslau hatte er das Wohlfahrtsdezernat der Synagogengemeinde Breslau ehrenamtlich inne und verstand als richtiger Mann am rechten Platz seinen Mitarbeitern ein Vorbild zu sein und den “Wohlfahrtsempfängem” ein wahrer Berater, der mit Herzenswärme arbeitete, sodass dieses Dezernat bei allen Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, erfolgreich arbeitet. Hier im Lande hat er schon in bestem Mannesalter von neuem angefangen, sich der Landwirtschaft gewidmet und auch heute noch kann man ihn ganz früh bei der Arbeit antreffen. Als Vorsitzender unseres Verbandes ist er das verbindende Glied, das immer versteht Schwierigkeiten zu beseitigen und nur den Frieden sucht. Ein besondere Eigenschaft besitzt Tauber, er erkennt die Arbeit des anderen an und ist bereit zuzuhören und Dinge zum Erfolg zu bringen. Wir wünschen ihm mit seinen Kindern und der weiteren Familie Kraft, Gesundheit und Lebensmut bis 120. Der Sekretär des Verbandes Erich Lewin hat ihm bei der Feier in einer Ansprache das Buch “ ”Breslau so wie es war’ von Professor Ernst Scheyer als Andenken und Anerkennung für seine Arbeit überreicht. VEREIN EHEMALIGER MAKKABI-VEREINE DEUTSCHLANDS IN ISRAEL Da beabsichtigt ist (durch das Leo Baeck-Institut, Jerusalem), die Geschichte der Deutschen Makkabi-Bewegung zu schreiben, bitten wir, uns dementsprechendes Material (Zeitschriften, Fotos etc.) aus der Makkabi Tätigkeit zur Verfügung zu stellen. Ausserdem bitten wir, ehemalige Mitglieder der Makkabi-Vereine von Breslau und Schlesien, die unserem Verband beitreten wollen, ihre Adresse an M. LOPATKA, T.-A., Rav Fishman-Maimonstr. 12 mitzuteilen. Auch das eventl. vorhandene Material bitten wir, an obige Adresse zu senden. Im Namen des Vereins ehemaliger Makkabi-Vereine Deutschlands in Israel M. LOPATKA Hermann Sudermann, Dr. Hans Mueller, Georg Engel, Karl Roessler, Prof. Alfred Klaar, Maria Mayer, Engen Spiro, Oskar Straus, Schanzer, Welisch, Leo Jessner, Jean Gilbert Obigem Bericht ist noch hinzufügen, dass Herrn Direktor Dr. Loewe vom "Breslauer Bühnenklub”, vom “Verein der Bayern in Schlesien” und von der literarischen Gesellschaft ‘Der Osten” die Ehrenmitgliedschaft verliehen worden ist. Bel der Gratulationscour im Heim des Gefeierten, die sich von den Mittagsstunden bis zum Abend hingezogen haben soll, winden die Ehrenurkunden überreicht, wobei für den “Osten”, dessen Vorsitzender Dr. Klimpel die Ansprache hielt und Herr Kurt Peiser die Urkunde verlas. Der Geehrte, den auch das Orchester des Schauspielhauses unter der Leitung des Kapellmeister Sommer mit einem Ständchen erfreute, gab seiner Freude und seinem Dank in herzlichen, gehaltvollen Worten Ausdruck. (Mitgeteilt von Julius Sachs) 13