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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-09-01 · No. 30 (September 1971) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 30 (September 1971)
Date
1971-09-01
Page
Seite 9 (sequence 1973)
Language
German
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Reisende Israelis im Kontakt mit Jüdischen Menschen aus aller Welt - (GEDANKEN ZU ROSCH-HASCHANAH) - Dass dieser Kontakt nun schon seit mehreren Jahren existiert und in den meisten Fällen sehr herzlich ist, oft auch zur Anbahnung einer wirklichen und beständigen Freundschaftsbeziehung führt, ist ebenso beglückend als unbestreitbar. Er verbindet beispielsweise ebenso den erholungssuchenden Israeli wie den jüdisch-amerikanischen Geschäftsmann mit seinen reisenden jüdischen “Brüdern und Schwestern” aus den übrigen freien Ländern, gestattet aber auch gleichzeitig den an den Orten dieser Zufallsbekanntschaften jeweils ansässigen jüdischen Bürgern eine engere Fühlungsnahme mit seinen Glaubensgenossen von “draussen”... Und so merkwürdig es klingen mag: Trotz aller geographischen Kleinheit unserer altneuen Heimat Israel, ist es doch gerade dieses Land, das in jeder Stadt, seinen Hotels und Erholungsstätten, immer wieder ein besonderes Interesse erweckt, sind es eben die Israelis unterwegs, die in Gesprächen und bei gesellschaftlichen Veranstaltungen mit einem besonderen Echo (erfreulicherweise) zu rechnen haben! Viele der uns begegnenden Menschen dieser Art waren entweder breits in Israel oder planen diesen Besuch, viele haben Anverwandte dort und ebenfalls nicht wenige haben auch dort schon einige Jahre miterlebt. Eine solche Rückwanderung muss nicht unbedingt zum bleibenden Aufenthalt am neuen Wohnort führen, manche dieser “Jordim” werden oder sind von neuem davon überzeugt, dass es sich heute doch besser, ja oft sogar sicherer als etwa im heutigen New York, dort leben lässt... Solche Gesprächshöhepunkte machen bei allem Enthusiasmus, mit dem sie meist erreicht werden, selbst den patriotischsten Israeli nachdenklich: Bei uns Zuhause, so folgert er, soll es irgendwie sicherer sein als im grossen freien Amerika? Wie ist das möglich? Dass es tatsächlich so ist, ist für ihn schwer glaubwürdig, doch wird er in mannigfaltigen Schilderungen hier wieder und wieder eines Besseren belehrt. Ist es doch vor allem dieses unzerreissbare Band menschlich-jüdischer Verbundenheit, das gerade in Israel trotz aller nur denkbaren Schwierigkeiten und auch trotz aller oft nur scheinbaren Gegensätze verschiedener Natur, alle gemeinsam umschlingt und das ja auch letzten Endes unser Volk nach der von uns allen mitdurchlebten unvergesslichen Katastrophe fester denn je zusammenhält. Allerdings, wenn man die ausländischen Synaagogen oder sonstigen Betstätten zum Gottesdienst auf sucht, vermisst man die klangschöne Aussprache des modernen Ivrith, weil man anstattdessen die veraltete Sprachwelse, vielen von uns noch aus ihrem “Religionsunterricht” in Kinder- und Jugendjahren erinnerlich, vernimmt. Doch sind die Melodien fast überall die gleichen geblieben — wo sie erklingen, fühlt man sich plötzlich “daheim” und nicht länger wie ein Fremder unter Fremden... Auch dass all-überall heutzutage an jedem Schabatt-Vormittag im Bethaus ein “Sonder - Mischeberach’ für Israel eingelegt wird, dass jeder zufällig anwesende Israeli hier seine “Mizwa” (und dies meist an erster Stelle!) erhält, gehört zu den beglückenden und befriedigenden Begleiterscheinungen des reisenden Israeli unserer Tage! Im Zürischer wohlbekannten Restaurant “Hadar” trifft man zu jeder Zeit ältere und neuer Freunde, die an der Tradition festhalten. Hier ist die Umgangssprache sehr oft ivrith, man entdeckt sehr rasch längst bestandene freundschaftliche oder gar verwandtschaftliche Beziehungen und wendet sich mit seinen mancherlei Fragen, die bei jeden Touristen zwangsläufig auftauchen, an die hilfsbereiten Eigentümer oder das jugendliche Personal, das fast ausschliesslich aus waschechten “Sabres” besteht. Dass sich gerade die Schweizer Judenheit durch ihr besonders intensives Verbundensein mit Israel und seinem Schicksal und ausserdem durch ihre bekannte Gebefreudigkeit zugunsten Israels, dies auch aus Kreisen der nicht allzu Begüterten, auszeichnet, hat viel zur Erhöhung des israelischen “Image” während der letzten vier Jahre — seit dem Sechstagekrieg — beigetragen. Darüber hinaus hat es auch sehr beispielgebend auf die nichtjüdische Umgebung unserer schweizerischen Glaubensgenossen gewirkt — eine Tatsache, die im Gesamtkalkül nur allzu leicht übersehen wird und viel stärker beobachtet und gewürdigt werden sollte. Ganz anders verhält es sich — man möchte fast sagen, natürlich — mit den wieder bestehenden kleinen jüdischen Gemeinschaften in verschiedenen Gegenden Westdeutschlands. Obwohl nirgendwo von einem eventuellen akuten Antisemitismus gesprochen werden kann, erhält sich doch hier — aus vielerlei Berichten und Gesprächen deutlich hervorgehend — eben dieses Gefühl der Fremdheit, des Sich-nicht-zu-Hause-Fühlens, uns eigentlich klar verständlich. Auch wenn wir unterstellen, dass oft Alter, Krankheit oder das Problem der Nichteinordnung in den allgemeinen Arbeitsprozesse hier ihre entscheidende Rolle spielen, drängt sich uns doch in vielen Fällen die Frage auf nach einer trotz allem doch vielleicht noch bestehenden Möglichkeit, den Wohnort auch unter all diesen Aspekten noch einmal zu ändern. Natürlich gehört, dieser ganez Komplex durchaus in den Bereich des Individuellen und kann daher nur aus dieser Sicht beurteilt oder behandelt werden —i er ist und bleibt eben immer nur Sache des Einzelnen und seiner Entscheidung. Da erübrigen sich völlig sogenannte allgemeine Ansichten — wer von uns allen hätte ein Recht dazu? Dass alle diese Impressionen nun gerade in den Wochen der ineren Vorbereitung auf unsere nahenden “Jamlm noraim” gesammelt wurden, beweist einmal mehr, wie sehr uns die alljährlich wiederkehrenden Festtage mit ihrem Bitten und Beten, ihren Erwartungen und Hoffnungen für das kommende Jahr in besonderer Weise verbinden, uns alle, hier und dort! Jeder jüdische Mensch, ob in Israel oder in der Diaspora, hegt im tiefsten nun schon seit Jahren den einen, einzigen Wunsch nach endlichem, echten Frieden für das ewig gefährdete kleine Israel — möge er doch endlich erfüllt werden! Wo immer der jüdische Mensch auch heute steht, wohin ihn auch sein Schicksal gebracht haben möge — er bleibt immer und allüberall der “jüdische Soldat”, der Kämpfer, der auf seinem Posten auszuharren hat — ganz gleich, ob er effektiv Israels Grenzen bewacht oder als “Kibuznik” seinen Mann steht oder aber auch irgendwo im Ausland in aller Stille, fern von der Heimat, für diese sorgt und wirkt. Nicht nur allen Israelis, sondern gleichzeitig auch allen jüdischen Menschen in aller Welt entbieten wir unsere guten Wünsche für ein Jahr des Friedens, der Gesundheit und Zufriedenheit, des echten Erfolgs im Sinne unserer unvergänglichen Tradition — das wünschen wir zu Roschhaschanah: “Schanah tovah u’mevurechet — chag sameachl” Frieda Hebel Gebet zu den hohen Feiertagen Der DU unerreichbar thronest in des Weltalls Ewigkeiten und seit unsern Erdenzelten eng umschlossen — in uns wohnest, Mach’ uns frei von allen Nöten! Lasst uns beten: HERR, in DEINEM Himmelszelt bewirke, Dass EINMAL werde, was dem weissen Haar Der Väter schon verheissen war, dass FRIEDE werde unserm Weltbezirke! Unser armes Erdenwallen mag nach kurzem Traum zerfallen, wen nur an dem Ziel DEIN NAMEN Leuchtend steht, G^T — VATER! Amen! G. P. DR. HERBERT HUPKA, MITGLIED DES BUNDESTAGES UND LANDESVORSITZENDER DER LANDSMANNSCHAFT SCHLESIEN ZU SEINEM 3. BESUCHE IN ISRAEL Im Mai dieses Jahres kam Dr. Hupka M. d B. und seine Gattin zum 3. Male ins Land und haben sich wie auch bei den früheren Reisen keiner Gruppe angeschlossen, die geführt wird und der man sich unterordnen muss, sondern sind allein durchs Land gepilgert, um die Meinungen Einzelner aus allen Schichten der Bevölkerung zu hören. Am Flugplatz Lod wurden sie von einer Delegation des Verbandes ehemaliger Breslauer und Mitgliedern des Vorstandes ehemaliger Oberschlesier empfangen. Von der ersten Minute — beide sind uns allen von ihren früheren Reisen gut bekannt — war ein besonders freundschaftliches Verhältniss zwischen den Ankommenden und uns zu spüren. Die Stunden mit Beiden waren wirklich erfreulich, zumal Dr. Hupka die politische und wirtschaftliche Seite des Landes gut kennt, eine grosse Zahl früherer Schulkameraden (er ist in Ratibor O/S geboren und hat auch dort das Gymnasium besucht) hier hat und seine Reise eher eine Strapaze als eine Erholung war; denn Hupkas wollten viel sehen und sich ein Bild vom Leben in Israel machen. Es gelang uns im "Dan Hotel” einen Abend in zwangloser Art mit ihnen im Beiseln geladener Gäste abzuhalten, der zwangslos in freundschaftlicher Aussprache mit angeregter Diskussion viel zum Verständnis heikler Fragen beitrug. Dr. Hupka, ausserordentlich geschult im Umgang mit Menschen, klar denkend und dabei ganz legär, hat uns in seinem Vortrag Dinge vorgetragen, die einem jeden heute unter den Fingern brennen. Ein grosses Erlebnis für ihn und seine Gattin war der Besuch der Knesseth, wo wir mehrere Stunden verbrachten, Abba Even und viele andere bekannte Knessethmitglieder zur Frage Ostjerusalems hörten, die Führung durch die Vizepräsidentin Frau Tova Sanhedrai und Herrn Josef Goldschmidt, M. d K., die am Schluss der Führung verschiedenste Fragen Dr. Hupkas beantworteten, die ihn parallel zu Israel beschäftigen, der Ausflug auf die Golanhöhen, die Frage der Minderheiten etc. Seine Eindrücke hat Dr. Hupka in einem ausführlichen sehr beachtenswerten Artikel in der “Deutschen Presse” niedergelegt, wo er vor allem Aussprachen mit dem einfachen Mann der Strasse, beim Friseur, beim Kellner, bei höher gestellten Persönlichkeiten hatte, die ihm ein klares Bild vermittelten, das ihn auch weiter beschäftigt. Wir danken Herrn Dr. Hupka und seiner so liebenswerten Gattin für Ihre Aufgeschlossenheit und wünschen auch weiter Erfolg in seiner so schweren verantwortungsvollen Arbeit. E. L. 9

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