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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-09-01 · No. 30 (September 1971) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 30 (September 1971)
Date
1971-09-01
Page
Seite 7 (sequence 1971)
Language
German
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vereInTer’kempner m mm mm am mm mm mm mm ^ar a « mm t Der Verband ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel wurde von Dr. Wilhelm Seew Freyhan s.A. gegründet und hat sich im Laufe der Zeit seines Bestehens durch seine regelmässig stattfindenden gesellschaftlichen Veranstaltungen und durch das Erscheinen seines Mitteilungsblattes, namentlich unter der Leitung seines gegenwärtigen Herausgebers Erich Lewin einen Namen geschaffen. Allein durch seine Suchanzeigen hat er weite Kreise der früheren grossen Breslauer Gemeinde zusammengefasst. Die jeweils aus aller Herren Länder eingehenden Anfragen zeigen, welcher Anerkennung sich dieser Verband erfreut. Auch andere frühere Gemeinden Deutschlands haben ähnliche Vereinigungen geschaffen, wobei letzten Endes es hauptsächlich gesellschaftliche oder berufliche Gründe waren, die diese Zusammenschlüsse schufen. Auf etwas anderer Grundlage hat sich jedoch in Breslau s.Zt. der. “Verein ehemaliger Kempner” consolidiert. Kempen, dieses kleine an der deutsch-polnischen Grenze liegende Städtchen stellte ein Unikum besonderer Art dar. Schon in meinem Elternhause in Strehlen wusste unsere Grossmutter Eva, geborene Elias, die ihren Lebensabend hier verbrachte, von ihrer Kempner Kehillah (Gemeinde) zu erzählen, von ihren Einrichtungen und Gemeindemitgliedern, die wir frühzeitig kennen lernten. Diese Kleinstädter zeichneten sich durch Witz und Schlagfertigkeit aus und manches Apercu erreicht gerade noch die Grenze, um im Konversationslexicon für harmlose Leser Aufnahme zu finden. Für manche dieser tüchtigen Kaufleute war das Wirkungsfeld in der Kleinstadt zu eng, und sie gingen ins Ausland — gewöhnlich nach Amerika oder San Salvador, Guatemala, wo sie durch die von ihnen begründeten Kaffeeplantagen einen grossen volkswirtschaftlichen Erfolg zu verzeichnen hatten . Allgemein bekannt sind vielleicht die Brüder Liebes oder die Familie Schacher. Sie gewannen in den dortigen jüdischen Gemeinden führende Stellen, ja sie verstanden es, dank ihres wirtschaftlichen Einflusses sogar bei den Regierungskreisen gute Beziehungen zu schaffen. Aber immer wieder nahmen diese Männer des Erfolges den Kontakt mit ihrer Geburtsstadt Kempen auf. Aber auch in der Heimatstadt selbst wurde geschätfliche Tüchtigkeit und verwaltungstechnischer Weitblick geschätzt, und einer meiner Verwandten Bloch wurde beispielsweise als Mitglied des Stadtrates gewählt. Im allgemein muss man freilich feststellen waren die Frauen Herren in Keller und Küche. Die vorzüglich schmeckenden gewickelten kleinen Kuchen mit reichlichem Kalorieninhalt haben sich als “Kempner Kindel” einen Namen gemacht. Und wie man zu backen pflegte, weiss die Fama zu berichten. Als eine künftige Braut bei der Schwiegermutter ihren Antrittsbesuch absolvieren wollte, traf sie diese gerade beim Kuchenbacken an. Sie sass also am Tisch, auf dem die Kuchen ausgerollt werden sollten. Unter dem Tisch stand ein grosses Butterfass, aus dem die scheinbar unaufmerksame Backfrau mit einem grossen Löffel jeweils eine beträchtliche Portion Butter in den Teig hineingab. Aber siehst Du denn nicht, meinte die erstaunte junge Zukünftige, was für eine Menge Butter Du da hineinpraktizierst. — Nun, will ich denn wissen, wieviel ich nehme? war die entwaffnete Antwort. Wie tüchtig und weltgewandt sonst aber auch die Frauen in Kempen sein konnten, beweist die auch sonst wirtschaftlich erfolgreich tätige Frau Recha Rosenbaum. Als sie das Unglück hatte innerhalb ganz kurzer Zelt 3 Kinder an einer Infektionskrankheit zu verlieren, wandte sie sich durch Vermittlung des örtlichen katholischen Priesters an den Papst, und dieser gestattete die Begründung einer Krankenpflegeanstalt für Borromäer Schwestern. Ihrer aufopfernden Tätigkeit verdanken viele Leute in dankbarer Erinnerung Pflege und Hilfe, deren Fehlen bis dahin leider eine fühlbare Lücke darstellte. Solange Kempen politisch dem deutschen Reiche angehörte, waren solche Besuche üblich und zu Familienfesten fanden sich oft sogar entfernt wohnende Verwandte selbstverständlich immer ein. Dies änderte sich freilich als das Städtchen Polen zugesprochen wurde (1919). Jetzt war es schon schwieriger und kostspieliger ein polnisches Visum zu erreichen. Da war es nun ein Verdienst des Vereins der Kempner, ihren Mitgliedern den Besuch der Geburtsstadt am 1. Sonntag des Feiertagsmonats Elul zu ermöglichen. Durch Ausgabe eines Sammelpass beim polnischen Konsulat bei der Abfahrt der beiden Autobusse traf man sich mit Menschen, von denen man nicht einmal ahnte, dass sie Beziehungen zu Kempen hatten. Ich selbst hatte mit dem Collegen am jüdischen Krankenhause Dr. Leo Münz diese Fahrt ins Auge gefasst. Sein Grossvater war ja einst der geschätzte Kempner Raw L. Münz. Mit diesem Namen verknüpft sich eine lange Reihe berühmter Schriftgelehrter und Rabbiner seit dem nach seinem Hauptwerk bekannten “Schemen - Rokeach”. Nach der Ankunft am Bestimmungsorte besuchte man zuerst die Gräber seiner Lieben. Ich selbst stand am Grabe meines Grossvaters Ephrajim Aschkowitz und meiner Grossmutter Eva, die den Wunsch hatte trotz aller Liebe, mit der wir sie in meinem Elternhause umgaben, zur letzten Ruhestätte aus Strehlen in ihren Geburtsort überführt zu werden. Ich stand aber auch bewegten Herzens an der Ruhestätte meines unvergessenen Lehrers M. L. Cohn s.A., der mir in meiner Geburtsstadt ein für die dortigen Verhältnisse hohes jüdisches Wissen vermittelt hat. Der Mittelpunkt der Fahrt bildete der Empfang auf dem Marktplatz, an dessen blumengeschmückter Eingangspforte liebe Hände die Worte gesetzt hatten: “Willkommen zu Hause”. Und tatsächlich gestaltete es sich zu einem Familienfest wie der Vorsitzende des Vereins Dr. Isidor Horn, Breslau ausführte, wenn er vom Schicksalsfaden der Parzen sprach, der vielleicht politisch zerrissen wurde, der aber um so stärker in den Herzen wieder gefestigt wurde. Der anwesende Bürgermeister begriisste seine früheren Bewohner und der neugewählte Raw antwortete natur gemäss in polnischer Sprache. Der Besuch der altehrwürdigen Synagoge versammelte uns zum Nachmittagsgebet, das der frühere Hilfskantor an der Breslauer alten Storchsynagoge sichtlich ergriffen zelebrierte. Hatte man schon immer von der seltsamen heiligen Lade berichtet, war man doch überrascht, als bei ihrem öffnen Tauben herausflogen, die unwillkürlich zum andächtigen Emporblicken zwangen. Unbekannte jüdische Holzschnitzer hatten hier ein seltenes Kunstwerk geschaffen. Hier wäre auch Gelegenheit über andere Künstler zu berichten. Lediglich geleitet von der Liebe zur Musik hatte sich ein kleiner Kreis von Menschen zusammengeschlossen, um ohne Kenntnis von Noten, bei Hochzeiten der Gemeinde zu spielen. Durch ihr mitreissendes Spiel angelockt holte man sie aber bald überall hin, um festlichen Veranstaltungen erst den rechten Charakter zu geben. Ein Nachkomme dieser unter dem Namen “Kempner Klesmorim” bekannte Musici wusste zu berichten, dass sie sogar vor dem Kronprinzen, dem späteren Kaiser Friedrich dem Dritten ihre Kunst beweisen durften. Man besuchte Verwandte und alte Freunde wie die ehrwürdige Mutter des bekannten Herrn Jizchak Pagel, der in Tel Aviv im gesegneten Alter von über 90 Jahren von uns gegangen ist. Mich stellte der hier als Cicerone fungierende Herr Ehrlich der freundlich und gescheit blickenden Matrone Frau Pagel folgendermassen vor: “Dies ist Dr. Boss, Mitglied des Vorstandes der Synagogengemeinde Breslau”. Dies machte offenbar keinen Eindruck. Als er aber hinzufügte: “Das ist doch der Enkel Ihrer Schulfreundin Chawa Aschkowitz”. Da plötzlich umarmte und küsste sie den “Einikel” und segnete ihn wie es nur eine Mutter tun kann. Ich hatte auch die Freude ihre Schwiegertochter, geborene Rosenfeld aus Breslau, hier wiederzusehen. Im Hause ihres Vaters durfte ich als Gymnasiast und Student mehrmals in der Woche Talmud studieren. Später, bereits als Assistent am jüdischen Krankenhause, konnte ich ihm nur raten, jedoch nicht von seinem tückischen Leiden heilen. Ein in dankbarer Erinnerung von ihm dediziertes kostbares Werk lässt mich diesen klugen Menschen und grossen Sohn des Gollupper Raws nicht vergessen. Plötzlich trat ein älterer Herr an mich heran, stellte sich vor als Ehemann einer früheren Strehlner Bekannten Valeska Fr. und bat mich in deren Namen, einen früher von meinem Chef Professor Dr. Gottstein operierten Mann anzusehen, zumal ich als früherer Oberarzt am Jüdischen Krankenhause vermutlich bei dem operativen Eingriff zugegen gewesen sein dürfte. Ich machte darauf aufmerksam, dass ich hier nicht in einem fremden Staate praktizieren möchte. “Enttäuschen Sie uns bitte nicht”, sagte der Petent. Der Patient hat sich bereits im benachbarten Hotel ein Zimmer genommen und dort können Sie ihn ungestört untersuchen. Ich liess mich überreden und konnte den Untersuchten beruhigen. Selbstverständlich lehnte ich die als Honorar überreichten Zlotys ab und übergab sie dem Vermittler mit der Bitte, sie für gute Zwecke der Gemeinde zu verwenden. Aufgefallen war mir ein zunehmendes Gemurmel vor der Tür, und als ich das Zimmer verlassen wollte, fand ich den Korrider von einer beträchtlichen Zahl Menschen besetzt, die irgendwie erfahren hatten, dass ein zufällig hier weilender Arzt aus Deutschland untersuche. Nur mit allergrösster Mühe gelang es mir, den z. T recht zudringlichen Herrschaften zu entkommen, zumal unser Reisemarschall zum Bus drängte, der zurückfahren musste. Übrigens ist es meinem Collegen Dr. Münz ganz ähnlich ergangen. Auch ihn hatte man consultieren wollen, ein Zeichen, wie "anhänglich” die guten Kempner sind. Auf der Rückfahrt erwartete uns noch ein angenehmes Erlebnis in Trachenberg. Hier wurde nämlich eine Synagoge für die Gemeinde eingeweiht. Bei Anwesenheit der christlichen Honorationen der Stadt und der jüdischen Mitglieder hörten wir einen tonschönen Knabenchor, der mit dem Vortrag bekannter traditioneller Weisen einen würdigen Rahmen schuf. Der unerwartete Zuwachs erhöhte die Weihe des Augenblicks für die Bezirksrabbiner Dr. Wahrmann, Oels die geeigneten Worte fand. Keine Formel ist weit genug, um all das zu erfassen, was wir an diesem Tage erlebt hatten. Zusammenfassend kann man nur sagen, dass dieses Städtchen Kempen den Ruhmestitel verdient eine “Ir weem bejisrael”, eine Stadt und Mutter in Israel zu sein. Dr. Seew (William) Boss, Tel Aviv - Jad Elljahu, Margolinstr. 4, Israel 7

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