Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 30 (September 1971)
- Date
- 1971-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 1970)
- Language
- German
- Belongs to
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I m I i—„In Palästina, Breslau und Anderswo —'■ Ja, so ist ein Kapitel des Buches von Hugo Hartung: “Deutschland deine Schlesier”, Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg, überschrieben Über Hartungs Buch: “Der Himmel war unten”, das die letzten Wochen Breslaus vor der Besetzung durch die Russen schilderte, berichtete ich 1967. Wir — mögen mit Schlesien noch bitterere Erinnerungen verbinden als die vertriebenen Deutschen. Aber wir freuen uns, dass humane Menschen, wie Hartung, die der verlorenen Heimat nicht vergessen und das Andenken an die Kultur der begabten Mischbevölkerung dieses Grenzlandes wachhalten wollen, auch die Bedeutung der jüdischen Bevölkerung ins farbenreiche Bild, das er in seinem Buche gibt, einfügen. Er erinnert sich an die Wirkung, die Arnold Zweigs Sergant Grischa in seiner Jugend auf ihn ausübte. Er gedenkt Paul Muehsams, des mystischen Gottsuchers, von dem das Wort stammt: "Die Menschheit hat nur einen Feind, sich selbst.” Er beschäftigt sich ausführlich mit Alfred Kerr, dem bedeutenden Kritiker und Journalisten und gedenkt des Maler-Dichters Ludwig Meidner. Auf anderem Gebiet lag die Wirkung Ferdinand Lassalles, die noch unvergessen ist. Wenn man seine Zusammenstellung der wichtigen aus Schlesien stammenden Wissenschaftler liest, so muss man staunen: Paul Ehrlich entdeckte (zusammen mit Behring) das Diphterie-Serum und das Salvarsan. Albert Neisser aus Schweidnitz war der Entdecker der Gonokocken und war Lepraforscher. Fritz Haber aus Breslau war der Erfinder des künstlichen Stickstoffverfahrens. Max Born aus Breslau war der Lehrer der Atomwissenschaftler; Oppenheimer, Teller und Ferri; Born selbst hat später, als er aus der Verbannung zurückkehrte in Bad Pyrmont an der “Vermenschlichung der Wissenschaft” gearbeitet. Wenn man die Zusammenstellung all dieser Leistungen auf wissenschaftlichen Gebieten erfährt, wird einem bewusst, was für eine ungeheure Bedeutung die jahrhundertelange Erziehung in der Disziplin der jüdischen Überlieferung gehabt haben muss, die als Erbgut mitgegangen ist. Hartung hat in Jerusalem den Direktor der Bezalel-Kunstakademie den aus Breslau stammenden Maler Isi Aschheim besucht, der ihm noch voller Freude erzählte, dass er Breslauer unter seinen Schülern habe; und Hartung vermerkt dabei, dass man sich also nicht zu wundern brauche, dass die “ausgestossenen Söhne der Mutter Schlesien” hier ihren Schlesierbund haben! Seine kurzweilig erzählte Kulturgeschichte berührt alle Lebensgebiete. Seine Literaturgeschichte führt von Angelus Silesius und dem Mystiker Jakob Boehme, der weltweites Echo besonders in England und bei den Quaekern (USA) fand, bis zu Gerhard Hauptmann, seiner Abstammung, Erziehung, Jugend und bis zum grossen Erfolg der Weber-Aufführung auf der Berliner Bühne im Zentrum des Reichs. Der Bericht aus den letzten Lebensjahren des Dichters interessiert uns besonders. 1942, als die Stalingradschlacht schon ihrem Höhepunkt entgegenging und das Ende des Nazireiches in Blut und Schrecken sich abzuzeichnen begann, sollte der 80. Geburtstag von Gerhard Hauptmann gefeiert werden. Ein ministerieller Geheimerlass erlaubte nur eine einzige Aufführung auf den Bühnen des Reiches, da ja Hauptmann als Judenfreund und Judengenosse allzu bekannt war, wenn man auch andrerseits auf ihn als Vertreter des geistigen Deutschland wegen des Auslandes nicht ganz verzichten wollte. Aber die Breslauer Bevölkerung brachte dem Dichter ein solches Mass von Liebe, Verehrung und Begeisterung entgegen, dass die Authoritäten höchst schockiert gewesen sind. Im Juni 1945 ist der Dichter gestorben. Von späteren Dichtem sei der Romancier und Kirchenliederdichter Jochen Klepper erwähnt, der nach einem ergebnislosen Gespräch mit Eichmann im Jahre 1942 mit seiner jüdischen Frau (geborene Gerstel) Selbstmord beging. (Ich habe seine erschütternden Tagebücher gelesen). Ein Kapitel widmet Hartung dem schlesischen Adel, dessen Haltung gegen die Nazis durch die Namen Helmut von Moltke, Generalfeldmarschall Erich von Witzleben und Peter Graf York von Wartenburg bezugt ist, die ihren Widerstand mit dem Tod bezahlt haben. Seine schlesische Kulturgeschichte beschliesst Hartung mit den ihn noch immer bedrängenden Bildern der letzten Wochen in Breslau, jenen Frühlingstagen, da die Schneeglöckchen rotgerändert waren von Blut, die Türme von Maria Magdalena eines Tages abrasiert waren, der Bürgermeister Spielhagen, dem der Gauleiter schon die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen verboten hatte, auf dem Blücherplatz erschossen wurde, ihm selbst aber noch eine letzte schlesische Freundlichkeit geschehen war. Ein kleiner Beamter lief aus dem unterirdischen Kellerbüro der Theaterverwaltung heraus und. drückte ihm sein letztes Gehalt, das er, weil er im Lazarett gelegen hatte, nicht abgeholt hatte, in die Hand. Er schob’s zwischen Strumpf und Schuh und ging so auf den 300 km langen Marsch zu Fuss nach Westen. Dass Breslau sich schon zwei Tage vor dem Ende des Krieges ergeben hat, erfahren wir: seit Wochen hatten die Carlowitzer Frauen bereits ihre Bettücher als weisse Fahnen herausgehängt. Sie sagten damals: “Hätten wir nur schon früher aufgemuckt!” Ja — hätten sie! Anni Loewenstem (Priebatech) Ramat Chen, Chagaistr. 12 BERURIA In unserem letzten Verbandsblatt No 29 zu Pessach ist ein von allen Seiten sehr gerühmter Artikel über die V.J.A. (Vereinigung Jüdischer Akademiker) aus der Feder von Dr. Jacob Levy — Jerusalem, erschienen. Es ist gewünscht worden, auch etwas über die angeschlossene Frauen-Verbindung des V.J.A. “Beruria” zu berichten. Im Jahre 1917 ist sie gegründet worden gerade im Weltkrieg, wo es bereits sehr schwer war, und Frau Dr. Selma Wehl, geborene Lewin, jetzt in Brooklyn lebend hat sie mit Miss Greenwald und Miss David ins Leben gerufen. Aber zu gleicher Zeit sind in München, Würzburg und anderen Städten, wo jüdische Studentinnen an Universitäten arbeiteten und lernten, solche Verbindungen unter dem Namen “Beruria” entstanden. Man nahm die Verbindung mit all diesen auf. Wie Frau Recha Levy, Jerusalem s.Zt. Recha Katz erwähnt, war die “Beruria” bereits 1919 auf einem Kongress der Studentinnen, in Deutschland vertreten. Selma Wehl-Lewin kehrte 1919 nach Breslau zum Studium zurück, und der Kreis wurde durch Werbung und Veranstaltungen grösser. Der Zweck dieser Zeilen ist Mitglieder der “Beruria” aufmerksam zu machen, ob noch Material, Erinnerungen aus der damaligen Zeit vorhanden sind. Wer dazu beiträgt, kann versichert sein, dass dann ein ausführlicher Artikel erscheint. Zu den Begründerinnen gehört selbstverständlich auch Frau Recha Katz, jetzt Frau Recha Levy — Jerusalem. Die Prinzipien der strengen “Überlieferung Thora im Derech Eretz” sind gelebt und aufrecht erhalten worden. Viele dieser Mitglieder haben diese Prinzipien ins Leben hinausgenommen und verwirklichen sie. Frankfurt a/Main war besonders lebhaft in seiner Arbeit, wo mit der ORTHODOXE VERBINDUNG JÜDISCHER STUDENTINNEN ANGESCHLOSSEN AN DIE V.J.A. Breuer-Gemeinde, Friedberger Anlage gutes zuverlässiges Material vorhanden war. Wir können im Rahmen dieses kurzen Artikels nicht alle Namen der Leitung und der Mitglieder nennen. Unser Bild zeigt die Beruria Breslau im Sommer 1919. Die erste Reihe von links nach rechts: Eine geborene Jacobsohn, die den Zigarrenhändler Hirsch in Beuthen O/S heiratete, in der Mitte Dr. Selma Wehl, geborene Lewin, Brooklyn - New York, daneben Hanna Milner, geborene Preuss ass Kattowitz O/S, jetzt Jamaica - New York (volle Adresse siehe unter Gratulationen). 2. Reihe Dr. Selma Grünmandel, Kinderärztin, jetzt in London, daneben Dr. Herta Wrzesinski - Sgaller, dann eine Apothekerin aus Schlesien. Mitte oben eine Mitschülerin von Hanna Preuss aus Kattowitz O/S, deren Namen nicht in Erinnerung ist. Es würde uns sehr interessieren, wenn durch das Bild früheren Mitglieder der Verbindung, soweit sie sich in Israel oder in der grossen Welt befinden, wieder Kontakte aufnehmen würden. Dann hat diese kurze Schilderung ihren Zweck erreicht. G& xm&c Willst du gute Speisen speisen, lasse dich zu TCHELET weiten. Ob es Chuppe oder Briss, Eine Sache ist gewiss: Waller weiss auf alle Fälle, wie er dich zufrieden stelle. Glaub mir, wenn ich dir erkläre, — Dort das Fest hat Athmosphäre! „TCHELET" TEL-AVIV, SHEINKINSTR. ». TEL. 22 05 45 nsio nivi Redakteur: ERICH LEWIN Druck.: “OT”, Tel-Aviv, Wolfson Str. 48 Tel. 82 67 84 6