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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-09-01 · No. 30 (September 1971) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 30 (September 1971)
Date
1971-09-01
Page
Seite 5 (sequence 1969)
Language
German
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KOL NIDRE Esther Rabin: Die Frage MASSADA PRESS LTD. RAMAT GAN — ISRAEL Esther Rabin ist eine von den wenigen aus Deutschland stammenden Israelis, der es gelungen ist, in hebräischer Sprache zu dichteh. Sie hat sich mit ihren hebräischen Kindergeschichten einen Namen gemacht. Jetzt hat sie ein Buch in deutscher Sprache veröffentlicht. Es ist ein Versuch, sich mit dem furchtbaren Geschehen der Nazizeit auseinanderzusetzen. In Anknüpfung an alte Agadoth (Erzählungen) aus Talmud und Midrasch geht sie zurück in die Zeit des Zusammenbruchs nach dem Bar- Kochba Aufstand, da der jüdische Jischuw von den Römern vernichtet wurde, ein der Nazi-Zeit paralleles Geschehen. In diesen Midraschim fragen die Frommen: Wie konnte G”tt das zulassen? Diese Frage beschäftigt die Erzählerin, und so gibt sie der ersten Geschichte sowie dem ganzen Buch die Überschrift: “Die Frage”. Sie zeigt einen furchtbar Geschlagenen, der die bittere Frage Hiobs stellt: warum hat G”tt mich den Ungerechten übergeben? Er schleüdert Rabbi Akiba und seinem Lehrer Nachum die Worte ins Gesicht: Hat ein anderes Volk G”tt besser gedient als Israel? Aber nach allem, was er die beiden weisen Lehrer von seinem Unglück und Leiden hat erfahren lassen, wird ihm auf seine Frage, warum die Gerechten leiden, die Antwort, dass die Gerechten die Säulen der Welt sind, die das Haus tragen, damit die Welt nicht ins Chaos zurückfalle und in der Auflehnung gegen G”tt sich selber vernichte. So wird ein innerer Sinn des Geschehens deutlich, der den Weisen offenbar war. Die zweite Erzählung führt in die Zeit nach dem Zusammenbruch des Bar Kochba-Aufstandes im Jahre 135. Nicht nur der schwere wirtschaftliche Druck der römischen Beamtenschaft, sondern der noch unerträgliche seelische Druck lastete auf dem Volk, das auf Plätzen und an Kreuzwegen, vor Theatern und Hippodromen, die auf Marmorpodesten sich erhebenden Götzenbilder sehen musste. Der Kaiser Hadrian hatte beschlossen, das geistige Sonderleben des jüdischen Landes, das die griechisch-römische Kultur seines Weltreiches störte, zu ersticken. Es war so weit gekommen, dass vor Rabbi Akiba in seiner Studierstube die Mitteilung der römischen Behörde lag, dass die jüdischen Lehrhäuser ihre Tore schliessen müssten und jeder Unterricht in der Lehre bei Todesstrafe verboten ist. Vor Akiba steigen Bilder auf: Schulkinder lauschen gläubig den Worten der frommen Lehrer, sehen vor sich die Jakobsleiter, die in den Himmel führt. Er weiss, wenn ein eiserner Vorhang herabfällt, der die Lehrenden von den Lernenden abschliesst, dann wird das Volk ratlos und wird den Mut zum Leben verlieren und er betete, dass die Lehre erhalten bleibe. Eine geheime Zusammenkunft der leitenden Weisen der Lehrhäuser wird einberufen, feste Beschlüsse zu fassen, wie sich das Volk unter den Zwangsmassnahmen der römischn Gewaltherrschaft zu verhalten habe. Hochzeitszüge sollen unterlassen werden, Beschneidungen heimlich in entlegenen Dörfern stattfinden. Aber die Arbeit am Schabbath muss von den Zwangsarbeitern fortgesetzt werden, denn die Gesetze sind für das Leben und sollen nicht den Tod der Frommen verursachen. Die Sorge für das Leben verdrängt die Vorschriften des Gesetzes — so beschlossen die Weisen. Nur 3 Verbote bleiben bestehen: Gegen den Götzendienst, gegen Unzucht und Blutvergiessen. Einzeln, wegen der stets drohenden Gefahr verliessen die Weisen den Versammlungsort im Morgengrauen. Doch Rabbi Akiba und die anderen Gesetzeslehrer unterrichten heimlich weiter, damit auch die Schüler dem Volke Weisung geben können: denn das Volk braucht das aufrichtende Wort. Lebendige Einzelszenen illustrieren die Zeit. Ein Jude, der in naher Beziehung zu Römern steht und ihre Feste mitfeiert, wird von einem römischen Zenturlon als Jude erkannt. Der will ihn zwingen, Wein zu trinken aus dem Schädel eines Bethar-Gefallenen, der zum Becher umgewandelt ist. Das kann auch er nicht. Er beginnt ihn zu schlagen und wird ins Gefängnis gebracht. Rabbi Akibas Gefangenschaft, in der er zuerst noch mit der Aussenwelt Verbindung halten konnte, wird beschrieben, bis der aus Rom zurückkehrrende römische Prokonsul Tinus Rufus das Todesurteil aussprach, dem Folterung vorausging. Die tiefe Überzeugung, dass der Götzendienst die Würde des Menschen fortwirft, ihn zum Tier werden lässt, das in Unzucht und Blutorgien versinkt, hielt Rabbi Akiba bis zum Ende aufrecht, als der weiss, dass er im Ebenbilde des Heiligen erschaffen ist. Die Tiefe des G”ttesbewusstseins dieser Menschen tritt uns in dieser Schilderung nahe. Es gelingt uns, der Dichterin zu folgen und wir verstehen, dass das Volk nicht in einem sich — von G”tt verlassen — fühlen zusammenbrach, dass es seine Selbstidentifikation nicht verlor; denn die Haltung dieser grossen Führer war unvergesslich und unwiderruflich. Dass sie es blieb, bis auf den heutigen Tag, manifestiert sich darin, dass die Dichterin diese versunkene Vergangenheit verlebendigen konnte für sich und für uns, sodass es einem fast scheinen will, man verlässt das Buch als ein anderer, als man es öffnete. Man empfindet die Verwandschaft dieser Geschichten mit Elie Wisels Bettler von Jerusalem. Hier versucht ein Rabbi seinem Sohn — in Uniform vor dem Sechstage-Krieg, der an die Gültigkeit der Tradition zweifelt, einzuprägen, dass er das “Bindeglied” — die Brücke ist zwischen den babylonischen Weisen und den kommenden Generationen. Bei Esther Rabin, wie bei Eli Wiesel ist die Frage, um die sich die Weisen bemühten, uns Heutigen nahegerückt und gestaltet. Anni Löwenstein (Prlebatsch) Ramat Chen, Haggaistr. 12 Im allgemeinen gratuliert man offiziell Menschen zu runden Geburtstagen. Wenn wir heute in unserem Verbandsblatt dennoch Herrn Dr. Bernhard Brilling zu seinem 65sten unsere herzlichsten Glückwünsche darbringen, so geschieht es aus zwei Gründen: 1.) ist der Jubilar als Archivar-Assistent bei Rabbiner Dr‘ Aron Heppner sei. Andenkens bereits in der jüdischen Gemeinde Breslau bekannt und beliebt. Brilling ist durch Fleiss und unerschöpfliche Arbeit vom Doktorat zum Ober-Custos und weiterhin zum akademischen Ober-Rat aufgestiegen. Was er durch seine Forschung über die Ju- I. AKAWJAHU Alle Gelübde, die wir gesprochen, Sind im tiefsten von uns schon gebrochen, Sind verändert im städtischen Gewühl, Und wir fühlten es nicht, Wie weit Wir Verarmten uns abgewandt, Wonach unsre Seele schreit. Unsre fünf Sinne Haben ständig wir ausgesandt Und für eine Sammlung in der Welt Verwandt, Doch — in der Regel — die Bilanz (für dich wie für mich sowohl) Trägt des Negativen Symbol. Vom vergangenen Versöhnungstag (der gänzlich verschied) Bis zu diesem Versöhungstag Der wie ein Gebetsmantel um uns glitt, (Doch unter dem sich nur enthüllt Das Alltagskleid, An dem man kein Blau, keine Schaufäden sieht) Wuchs und ward zwiefach gross Der Krebs des Defizit. Die Tage verschwendeten So mich wie auch Dich, Für dies und für das Und für wer weiss, was, Dass leer bis zum Grunde Wir endeten. Und der Schrei, der zur Vernichtung Gesendeten Wird nicht erhört: Alles bereuen wir, Alles bereuen wir! Und die Nacht ist empfindsam, Wo schweigend wir liegen, Doch gleichgültig auch Wie ein Mikrophon, Und flüsternd stiegen Aus dem Rauschen des Bluts Worte der Angst Und Verendungsgefühl. Und das mächtige Horn der Ewigkeit Übertönt das Rausschen in den Adern Bis zur Donnerskraft: Alles bereuen wir, Alles bereuen Bereuen wir... O, dass behutsam der Engel des Zorns mit uns ist! Dass der der feurige Engel Dich sacht nur lenkt, Wenn der schwarze Vorhang sich lautlos senkt! Und sich langsam und leise für immer schliesst... Übersetzt ins Deutsche von Judith Peritz Haifa Achusa, Tel Mane 9 den Schlesiens seit ihren Anfängen, über die Judentheit Westfalens und vielen anderen geschrieben hat, ist stich- und hiebfest .Als Mitarbeitr unserer Zeitung ist er durch seine klaren Ausführungen äusserst beliebt. Rabbiner Dr. Neufeld sagte unserem Redakteur wörtlich: Wir können nicht so schnell lesen, wie Brilling schreibt. Es ist unmöglich, in diesem Rahmen alles aufzuzählen, was Dr. Brilling alles schreibt. Und darunter Forschungen, die Jahrhunderte zurückliegen. Wir wünschen ihm auch weiterhin Kraft und Energie, um all das auszuführen, was er sich zum Ziele gesteckt hat. Unsere Gratulation gilt auch seiner lieben Familie. Bernhard Brilling zum 65sten Gebutstag 5

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