Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 30 (September 1971)
- Date
- 1971-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 1968)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS ENDE (Das Schlnsskapitel der Breslauer jüdischen Schule) In meinem Aufsatz um die “Judenschule” (Mitteilungsblatt No 28) versuchte ich den Anfängen der jüdischen Schule in Breslau nachzugehen. Wie sich aus meinen Nachforschungen ergab, war die 1920 erfolgte Gründung unserer ersten Schulklasse in der jüdischen Presse der damaligen Zeit übergangen worden. Das sollte sich dann in den nächsten Jahren zunächst vorsichtig, und nach der Machtergreifung Hitlers eindeutig ändern. Mit der Errichtung der sogenannten “Angerschule” (1934) erkannten auch die Liberalen grundsätzlich, wenn auch unfreiwillig, die Notwendigkeit und Bedeutung einer jüdischen Schule an. Die nicht immer friedlichen Beziehungen zwischen der “neuen” und der "alten” der Rhedigerschule (genauer: den Schulvorständen dieser Institutionen) sollen uns hier nicht beschäftigen, obwohl der 1937 unter dem Namen “Breslauer Schulkonflikt” bekannt gewordene Kampf um und zwischen den beiden Lehranstalten einer ausführlichen Beschreibung wert wäre. Der von den Nazis entfesselte “spontane” Progrom November 1938 traf jedenfalls Lehrer und Schüler beider Schulen unterschdieslos. Als der geregelte Unterricht nach einiger Zeit wieder aufgenommen werden konnte, musste die liberale Schule aus dem zerstörten Gebäude am Anger in die Räume des unversehrt gebliebenen Gemeindehauses in der Wallstr. übersiedeln (wohin übrigens auch der liberale G“ttesdienst verlegt werden musste). Die Rhedigerschule hingegen konnte ihren Lernbetrieb zunächst im Rhedigerheim weiterführen. Kurz nach zwangsweiser Unterstellung sämtlicher jüdischen Schulen im Reich unter die 'Reichsvereinigung der Juden in Deutschland” dem von den Nazis geforderten neuen Dachverband der jüdischen Bevölkerung hörte die Sonderstellung konservativer, zionistischer und liberaler Schulen auf. Vom 1.10.1939 an gab es in Breslau, wie an dersort auch, nur noch (oder wieder nur) eine “Judenschule” (wie die Nazis sie benannten, in der Lehrer und Schüler aller Richtungen mit- und nebeneinander Zusammenarbeiten mussten. Was die Ereignisse in den nächsten, letzten 3 Jahren des Bestehens dieser Schule anbetrifft, so sind wir — nachdem es ausser dem amtlich zensierten jüdischen Amtsblatt keine jüdische Presse mehr gab — auf die wenigen schriftlichen Berichte angewiesen, deren Glaubwürdigkeit allerdings keinem Zweifel unterliegt. Handelt es sich doch um schriftliche Mitteilungen, die von Breslau nach Hamburg gingen (und die sich in dem einzigartigen, unversehrt gebliebenen Archiv der dortigen Talmud Thoraschule — heute in dem Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem — auffand) oder aber um Niederschriften der von der Reichsvereinigung mit der Gestapo geführten Verhandlungen (die in den Akten der Reichsvereinigung vorliegen, deren Fundort ich vorläufig nicht angeben darf). Dazu kommen die Aufzeichnungen des leider auch umgekommenen Dr. Willi Cohn, des bekannten ehemaligen Studienrates am Johannesgymnasium, dessen Tagebücher aus den Jahren 1939—1941 im Archiv von “Yad Waschern” hinterlegt sind. Aus den stückweisen Nachrichten setzt sich das folgende erschütternde Bild des unaufhaltsamen Niederganges und schliesslichen Endes des jüdischen Schulwesens in Breslau zusammen. Nachdem Dr. Harry Abt noch im Herbst 1939 wenige Tage vor Kriegsausbruchs, Breslau verlassen hatte, wurde die Leitung der “höheren jüdischen Schule (so der offizielle Name) am Rhedigerplatz Frl. Dr. Gertrud Weyl übergeben, während die nun vereinte Volksschule von dem langjährigen Direktor der “alten” Schule Heimann Feilchenfeld weitergeführt wurde^ Aus einem Brief von Frl. Dr. Weyl an üiren Collegen in Hamburg erfahren wir, dass es Ende 1939, neben den ca. 500 Schülern der Volksschule, noch 80 an der "höheren Schule” gibt. Von der dauernden durch Ab- und Auswanderung verursachten Fluktuierung abgesehen, die erst mit der endgültigen Sperre jeder Auswanderung am 1.10.1941 zum Stillstand kommt, scheint der Lernbetrieb ein Jahr lang ungestört fortgedauert zu haben. Zwar erwähnt Willi Cohn schon am 30.8.1940, dass der Luftschutz sich anschickt, das Gebäude am Rhedigerplatz zu beschlagnahmen (“eine neue Schikane”) und die Schule also wird umziehen müssen, doch schliesslich wird die Räumung bis zum 1.1.1941 aufgeschoben (so schwindet eine Position nach der anderen dahin kommentiert Willi Cohn diese am 2.11.1940 erfolgte Bekanntmachung). Der neue und letzte Aufenthalt der jüdischen Breslauer Schule werden die der Gemeinde gehörenden Räume im “Freundesaal” Neue Graupenstrasse 3/4, wie aus einem Schreiben der Leiterin der Erziehungsabteilung, der Reichsvereinigung, Paula Fürst, an die Schule hervorgeht. In diesen Räumen findet noch, wie das jüdische Nachrichtenblatt vom 24.1.1941 berichtet, eine (verspätete) Chanukkafeier statt, die Eltern und Kinder für wenige Stunden die feindliche, grauenhafte Umwelt vergessen lässt. Anfang Oktober 1941 gehört die Breslauer Schule noch zu den zehn “vollgegliederten” (d.li. zumindest 8-klassigen) jüdischen Schulen im Reich (neben Hamburg, Köln, Frankfurt a/M (2) und Berlin (5). Der Zahl ihrer Gemeindemitglieder entsprechen — die durch Zuwanderung aus den schlesischen Mittel- und Kleinstädten bis dahin sich relativ wenig verringert hat — steht sie mit 512 Schülern in 17 Klassen mit 21 Lehrern, nach Berlin und Frankfurft an dritter Stelle. Nur der Vermerk “mit Tommersdorf” in der Übersicht über das Schulwesen der Reichsvereinigung deutet auf die bereits begonnen “Evakuierung” der jüdischen Bevölkerung hin. Denn Tommersdorf (Kreis Rothenburg) ist nicht anderes als ein Arbeits- bzw. Ubergangslager, von dem der Weg nach dem Osten führt. Inzwischen ist auch dort ein Schulklasse eingerichtet worden, dessen Schülerzahl und Lehrkräfte nicht bekannt sind. Mit den in diesem Monat einsetzenden Massenverschickungen geht nunmehr die Schülerzahl in Breslau rapide zurück. Ende Oktober 1941 berichtet Dr. Ernst Hoff mann dem Leiter der Hamburger J. J. Schule, dass der “Oberbau”, der Überrest der einstigen höheren Schule, aufgelöst sei und gibt die Gesamtschülerzahl mit 420 an. Das bedeutet, dass unter den in diesem Monat 1500 evakuierten Breslauer Juden sich etwa 100 Kinder im Alter von 6—16 Jahren befinden. 26 dieser Kinder setzen ihren Unterricht unter Leitung von Lehrer Singer im Arbeitslager Grüssau (bei Landeshut) fort. 10 andre werden im Lager Riebnig vom Lehrer Baruch Freier betreut, wie es in einem Bericht der Reichsvereinigung vom 16.12.1941 an das Erziehungsministerium steht. So hat also die Breslauer jüdische Schule noch Ende 1941 ihre “Filialen” in Schlesien, die offiziell ihrer Aufsicht unterstehen. Die letzte direkte Nachricht stammt vom 19.5. 1942. In Aschaffenburg ist die jüdisene Volksschule nach “Abwanderung” sämtlicher Schüler (bis auf eine Schülerin) aufgelöst worden und die Reichsvereinigung vermittelt die Überführung der dortigen verwaisten Lehrmittel an die noch bestehenden jüdischen Schulen im Reich darunter auch Breslau. Fünf Wochen später, am 22. Juni 1942 ergeht der Geheimerlass, der die Auflösung sämtlicher jüdischen Schulen im Reich zum 30. Juni anordnet. Zu dieser Zeit gibt es in Breslau nur noch 4 voll- und 2 arbeitsbeschäftigte Lehrer, daneben eine unbesoldete Arbeitskraft, darunter die Schulleiterin Gertrud Weyl und die Lehrerin Ruth Witt. Dazu kommen noch je ein unbesoldeter Lehrer in den drei Arbeitslägern (Stand am 15. Juni 1942). Die “Judenschule” mit ihren Zweigstellen hört am 30. Juni 1942 zu bestehen auf. Ihr Ende kündigt die nahe Vernichtung der Breslauer Gemeinde an, der es bestimmt ist, den letzten Wg anzutreten, an dessen Ende der Untergang aller Lehrer, Schüler und Eltern steht. Dr. Joseph Walk, Jerusalem, Raw Herzogstr. 5 sWjuUis r* k FvBDaS 1 vDISCHE SCHVLttTEfiK SHESLÄV 4