Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 30 (September 1971)
- Date
- 1971-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 1967)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der gestirnte Himmel über mir Wie viel sind Deiner Werke, Ewiger! Sie alle hast Du in Weisheit geschaffen. Kant sagte bekanntlich, dass zweierlei Dinge ihn zwingen, an einen G-tt zu glauben: “der gestirnte Himmel über mir und die Stimme des Gewissens in mir’. Um den letzteren Teil gleich vorweg zu nehmen, so haben wir es da mit einem Fluidum zu tun, das nicht kontrollierbar ist; wir schaffen da mit einem Begriff, der für uns zwar unerschütterlich wahr und fest ist, der nur nicht gesehen werden kann, ebenso wie die Kraft der Elektrizität nicht geschaut werden kann und doch an ihrer Wirkung klar erkannt wird. Das wunderbare Geheimnis des elektrischen Stromes ist dem menschlichen Verkehr dienstbar gemacht, der Erdball ist mit einem Netz von Drähten überspannt, die Meere sind von telegraphischen Kabeln durchzogen. Und wie gewaltig sind die Wirkungen dieser unsichtbaren Kraft! Städte, Häuser und Schiffe werden erleuchtet, die Strassenbahnen und ganze Eisenbahnzüge werden bewegt, alles von der unsichtbaren Kraft. Immerhin sieht der Mensch den Draht, sieht in den Leitungsdrähten etwas Sichtbares, was die Wirkung der Kraft vermittelt. Nun aber wissen wir, dass ein Telegramm auch ohne Draht in die Ferne geschleudert und aufgefangen werden kann. Und wie ungeheuer gewaltig sind nicht schon heute die Wirkungen dieser völlig unsichtbaren Kraft! Sie lässt sich nicht bestreiten, diese Kraft; denn jeder Mensch erkennt sie an der Wirkung. So erkennen wir auch ganz zweifelsohne an der Wirkung, die wir erfahren, an der “Stimme des Gewissens in mir” das Dasein eines allmächtigen G-ttes, der mit dem Menschen in unsichtbarer Verbindung steht. Die Toren in der Welt aber glauben, dass etwas, das nicht gesehen werden kann, auch nicht existiere, und gegen den Wahn oder Toren kämpfen bekanntlich selbst Götter vergebens. Wir wollen nun aber einmal auf die Toren Rücksicht nehmen, wollen die Stimme des Gewissens ganz ausser Spiel lassen und uns nur mit dem ersten Teil des Kant’schen Satzes, mit dem "gestirnten Himmel über mir’ beschäftigen. Da haben wir es nämlich mit Dingen zu tun, die niemand, auch der grösste Tor nicht, bestreiten kann. Wenn wir den Blick zum Himmel richten, sieht unser Auge nur einen ganz kleinen Teil der Schöpfung. Doch ob wir nun in nordischer Winternacht die Lichter des Himmels funkeln sehen über dem Meer, oder ob selbst am Äquator wir schauen in die Sternen weit, immer redet das Firmament vom ewigen, allmächtigen G-tt. Willst du die wilden Stimmen, die ihren bewegten Streit in der engen Menschenbrust rechten, verstummen lassen;: wahrlich! so blick’ hinauf zum Sternenzelt. Lasse den Blick hinausdringen in die Abgründe der Unendlichkeit und begreife! Wenn die funkelnden Diamanten auf dem tiefdunkeln Samt der Himmelsdecke dir erst gute Bekannte geworden sind, dann lächelst du nur über die blöden Albernheiten deiner lieben Mitmenschen, die einander den Raum strittig machen, auf dem sie stehen. Die Gegenstände aller Erfahrungen, die der Mensch täglich macht, sind in einem winzigen Raume zusammengedrängt, und viele Begriffe, die in diesem Raume gelten, verlieren ihre Bedeutung, wenn wir hinaustreten ins Weltall. Das Herz geht uns dann auf im Fühlen der Weltengrösse. “Und G-tt machte die grossen Lichter: das grosse Licht, zu herrschen bei Tage und das kleine Licht, zu herrschen bei Nacht’. Welche Unendlichkeit umschliessen doch die paar .Worte. Allein die Oberfläche der Sonne ist 11,800 mal so gross als die Erde und ihr körperlicher Inhalt 114 Millionen Erdkugeln. Ein Zug, der in 5 Minuten eine Stunde Weges zurücklegt, braucht 316 Jahre bis zur Sonne. Eine Kanonenkugel, die mit 600 m Geschwindigkeit aus dem Geschützrohre saust, würde von der Sonne aus erst in mehr als 48 Jahren die Erde, in rund 1450 Jahren den Neptun erreichen. Der Sendbote des Lichts, der in der Sekunde 40,000 Meilen zurücklegt, braucht 8V4 Minuten von der Sonne bis zur Erde. Der uns am nächsten stehende Fixstern, der Stern “Toliman” im Sternbilde des Centaurs, ist 14 Millionen Sonneweiten von uns entfernt, und das Licht braucht 4'A Jahre, um von dort zu uns zu gelangen. Vom Sirius braucht das Licht 16 Jahre und bis an die Grenze der Milchstrasse ist es 7000 Jahre Lichtzeit, sodass wir heute erst sehen, was dort vor 7000 Jahren vor sich ging. “Denn sehe ich Deine Himmel, das einheitliche In wenigen Tagen hören wir wieder den dringenden und rängenden Ruf des Schofars. Wir beginnen ein Neues Jahr. Aber die Bedeutung der Jamim Noraim geht über den zeitlichen Beginn eines Jahrszyklus hinaus. Der Begriff der Zeit wird mit Gedanken über Verantwortung und Gericht verbunden. Sie verleihen diesen Tagen ihre Feierlichkeit und Lebensschwere. Sie führen uns über die Erinnerung an Vergangenes hinaus. Der Schreiber dieser Zeilen erlebt die Jamim Noraim mit dem Gefühl besonderer Dankbarkeit. Zum ersten' Mal dürfen wir diese in Medinat Israel erleben. Uns erfüllt — wie niemals vorher — das Gefühl der Sicherheit desjenigen, der sich im weitesten Sinne des Wortes in seinem eignen Haus fühlt. In Medinat Israel wird nicht nur das Dasein einer Familie und einer Gemeinde vom Ruf des Schofars und seiner Gedankenwelt bestimmt — sondern der Lebensrythmus eines ganzen Volkes. Hier dürfen wir der Vorsehung dafür dankbar sein, dass, sie unser Volk in tragischer Zeit hat die Verwirklichung der Vision des Propheten Jeremia erleben lassen, die wir am 2. Tag Rosch Haschana in allen Synagogen hören: “Das Volk, das dem Schwert entronnen ist, hat Gnade gefunden in der Wüste: Gehe hin, ihm Ruhe zu bringen, Israel”. Unsere Generation darf an diesem historischen Werk teilnehmen. Wir dürfen mit der Hilfe des gesamten jüdischen Volkes uns um Ruhe für Israel bemühen. Und dies, nachdem uns das Schwert bedroht hat wie keine Generation zuvor. Aber das Ringen um Ruhe in und für Israel ist nicht auf einen geographischen Raum beschränkt. Wir sind uns zwar bewusst, dass die Entwicklung, die sich auf dem räumlich begrenzten Gebiet unseres Staates Israel vollzieht, im religiösen, geistigen und kulturellen Leben des gesamten Volkes Wellen schlägt. Aber es wird auch immer sichtbarer, dass wir alle — Juden in Israel und Juden in der Welt — gemeinsam die Verantwortung für unsere geistige und religiöse Zukunft tragen. Je drängender diese religiöse und geistige Problematik unserer Generation wird, desto entscheidender hängt ihre Lösung von der Antwort ab, die jeder Einzelne von uns findet. Niemals in unserer Geschichte haben wir die Sehnsucht nach Ruhe nur im Sinne individueller Sorglosigkeit verstanden. Wir begreifen Ruhe als den Frieden desjenigen, der mit ruhigem Gewis- Werk Deiner Finger, Mond und Sterne, die Du in ihre Bahn gesetzt”, „was ist dann der Mensch, dass Du sein gedenkest, der Menschensohn, dass Du ihn bedacht!” Es lässt sich ein System ergründen, eines sich ans andere fügen und doch kommen wir nie zum befriedigenden Schluss. Und wenn wir auch noch so viel wissen, den Urquell alles Seines mit unseren Sinnen zu finden, ist uns nicht vergönnt. So viel wissen wir: ein G-tt ist’s, der alle diese Wunderwerke geschaffen. Und so wie “G-tt jeden Stern bei seinem Namen ruft, und in die Bahn gewiesen, die er zu wandern hat”, so nennt er auch uns mit Namen und hat uns die Bahn gezeichnet, die wir zu vollenden haben. VTN HD DDTN 502 in\y "Ewiger, unser Herr, wie mächtig ist doch Dein Name über der ganzen Erde!” David Tichauer, Hendon, London N W 4 3 Charsworth Avenue sen vor seinem Schöpfer stehen kanh. Das erinnert uns an die berühmte Anekdote, die von Rabbi Schneur Salman, dem Gründer der religiösen Chabadbewegung, erzählt wird: “Ein russischer General fragte den weisen Rabbi, ob er die biblische Frage, die Gott an den erster Menschen richtet, versteht: “Ajeka — wo bist Du” Ist denn Gott nicht allmächtig? Wusste Er nicht, wo Adam ist? Warum musste er nach ihm fragen? Der Rabbi antwortete dem Militär: “Gott wusste wohl, wo Adam ist. Aber er — der erste Mensch — war sich nicht bewusst, wo er war. Gott stellte ihm diese Frage, um ihn zur Verantwortung aufzurufen. Der Mensch muss wissen, wo er ist, damit er den rechten Weg finden kann. Darum geht es heute in unserem individuellen und kollektiven Leben. Alle jene, die in den Tag hineinleben als Teil einer undefinierbaren Masse, werden in den Jamim Noraim gefragt: “Ajeka” — wo bist Du? Du sollst Dich fragen, wo Du stehst. Du sollst auf die Fragen antworten können: Was wird von mir erwartet? Rechtfertige ich mit meinem Leben die Erwartungen, die in mich gesetzt werden? Wo braucht man mich? Lebe ich wie ein Mensch, der weiss, woher er kommt, vor wem er steht und welches seine künftige Bestimmung ist? Wer so fragt und um Antwort ringt, entdeckt, dass er nicht nur selbst Ruhe findet, sondern auch zu denen gehört, die Israel Ruhe bringen. Wir vereinen uns in diesen Tagen' in dem Wunsch nach Frieden für uns und für die Welt und in der Hoffnung, dass wir gemeinsam auf die Frage: “Wo bist Du?” die Antwort finden, die Israel Ruhe bringt. DIE FÜHRENDE WURSTFABRIK IN ISRAEL "Naharia Viutst“ wünscht allen Freunden und Bekannten im ln- und Ausland herzlichst naiü m» Familien SOGLOWEK - KWILECKI früher Breslau - Beuthen O/S Telefon Nahariah: 922116-7-8-9 Ein Rasch Haschana Gruss aus Israel Rabb. EGON ISRAEL LOEWENSTEIN, Jerusalem 3 L