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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-04-01 · No. 29 (April 1971) · p. Seite 21

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 29 (April 1971)
Date
1971-04-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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Einweihung der neuen Synagoge von „ichud Schiwath Zionu in der Ben Jehudastr., Ecke Smoienskin Die aus Deutschland eingewanderten Juden haben bereits im Jahre 1934 einen eigenen G”ttesdienst im Zentrum Tel Avivs eingerichtet und etwas später einen gleichen im Norden Tel Avivs. Die Gemeinde “Ichud” im Zentrum, die nur einen Beetsaal besitzt hat sich mit “Schiwath Zion” im Norden zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Diese Fusion geschah im Jahre 1938. So entstand Ichud Schiwath Zion. In der Ben Jehudastr. hatte man viele Jahre ein gemietetes Haus, das schön als Synagoge diente. Hier und auch im Ichud findet der aus Mitteleuropa eingewanderte Jude bezw. der Tourist den ästhetischen G”ttesdienst mit seinen überlieferten Nigunim, mit Ordnung, zu Herzen gehenden Gesängen, tiefgründiger Predigt und alles, was er in seiner Jugend einst vor sich gesehen hat. Da gerade die grossen Touristen Hotels in nächster Nähe der Ben Jehudastr. sind und die Gemeinde Ichud Schiwath Zion immer danach strebte, ein würdiges G”tteshaus zu erhalten, hat sie sich nach jahrelangen schweren Kämpfen und viel Schweiss in der Ben Jehudastr., Ecke Smolenskin ein Kulturzentrum geschaffen, das neben der im Hause befindlichen zwei Synagogen für Erwachsene und Jugend all das bieten soll, was man sich unter solch einem Zentrum vorstellt. Säle für Festlichkeiten, Vortragsräume, Bibliothek, Büroräume, Vorstands- und Rabbinerzimmer u.s.w. Am 1. April ist unter besonderer Feierlichkeit die grosse Synagoge eingeweiht worden. Die Thorarollen sind in feierlichem Zuge mit Tänzen der Jugend und der Alten in das neue Heim getragen worden und es herrschte wahre Festestimung, Stunden, die unvergesslich sind. Ohne Übertreibung kann man sagen vergleichbar mit der “Awoda” am Versöhnungstage “Glücklich das Auge, das dies alles sah”. Dieses Zentrum oder “Beth Kehilati”, wie wir es auf hebräisch nennen, ist zum Andenken an die tausende Synagogen, die am 10. November 1938 in Deutschland in Flammen aufgingen, gebaut worden. Der 'Einweihungstag wurde absichtlich auf den 1. April gelegt zum Gedenken an den Boykott im Jahre 1933, da das der erste Schritt war zur langsamen Vernichtung der Juden Deutschlands und Europas. Der Oberkantor der Gemeinde, Herr Jakob Samek, die Kantoren Weinreich und Feuer und ein Kinderchor umrahmten die Feierstunde. Der Vorsitzende der Gemeinde, Dr. Siegfried Landau, der mit hingebungsvollen Mitarbeitern Jahre hindurch an diesem Werk arbeitete, konnte eine nach hunderten zählende Gemeinde und Gäste begrüssen. Es sprachen ferner der sephardische Oberrabbiner von Tel-Aviv OWADJA JOSEF, Rabbiner DR. OCHS, Vizebürgermeister AWRA- HAM BOYAR, der Vorsitzende der Moetzeth Datit PINCHAS SCHEINMANN (die beiden letztgenannten haben viel zum Bau durch Geldaufbringung und Planung beigetragen), Rabbiner JEDI- DJAH FRAENKEL und als letzter der Rabbiner der Gemeinde Ichud Schiwath Zion RAW ANS- BACHER. Aus tiefstem Herzen kamen seine Worte gedenkend der Vernichtung des europäischen Judentums (er selbst war im K.Z.), erinnernd an den Schabbatg”ttesdienst in Guts verbindend mit den Planern des Baues einer Synagoge Dr. Schokken s.A. und Dr. Erwin Meyer s.A. und all der vielen, die diesen Tag nicht mehr erleben konnten. iMt dem Gesang “Ani maamin” klang die Weihestunde aus. Alle, die Tel Aviv besuchen, ob Hiesige oder Touristen aus allen Teilen der Welt — und Ihr, die Ihr diese Zeilen lest in Europa, Amerika, Australien, Neuseeland und anderen Ländern — vergesst nicht beim Besuch von Tel Aviv Euch dieses Gemeindezentrum anzusehen — es ist das Errinnerungsmal an unsere Synagogen, auf die wir stolz waren. Die Gemeinde macht alle geldlichen Anstren- Der Fall, den ich mich nun anschicke zu erzählen, ereignete sich im Jahre 1907, also vor 64 Jahren. Er ist mir aber in der Erinnerung geblieben, wie wenn er erst geschehen wäre. Die jüdischen Assimilanten hatten immer schon ihre eigenen Gebräuche, die ihre Sehnsucht, im Wirtsvolk unterzutauchen und zu verschwinden, getreu wiederspiegelten. In dieser Beziehung gab es auch lokale Bräuche. So hielten es auch die Assimilanten in Wien, denen Theodor Herzls prophetische Worte nichts bedeuteten. Sie schritten weiter auf dem Wege der Assimilation, obwohl dieser immer holpriger wurde. In ihrem Kreise kam nun eine neue Mode auf: Ostern in Rom statt Pessach in Wien. So manchem reichen Juden in Wien bereitete es ein immenses Vergnügen, wenn sie die christlichen Osterfeiertage in Rom verbringen konnten, wo sich ihnen Gelegenheit bot, die Feiertagsbräuche an den heiligen Stätten der Kirche zu erleben. Vergebens wurden sie von ihren selbstbewussten jüdischen Bekannten daran erinnert, dass erst vor zehn Jahren der berüchtigte Karl Lueger mit seinem radikalen antisemitischen Programm die Lenkung d. österreichischen Haupt und Residenzstadt in die Hände bekam und dass er alles, was er seinen Wählern an Judenfeindschaft versprach, auch genau einhielt. Worauf unser Assimilant ihm die Antwort nicht schuldig blieb: “Ja, wissen Sie denn nicht, dass der Antisemitismus bloss eine vorübergehende Erscheinung ist.” Zu diesem eingefleischten Wiener Assimilanten gehörte auch Herr Feilbogen, Professor an der Wiener Handelsakademie, der mit Frau und Schwägerin in der Woche vor Ostern nach Rom fuhr, wo er sich sogleich an die österreichischungarische Botschaft wandte, die damals noch eine europäische Grossmacht vertrat. Diese besorgte ihm Karten zu der Messe, die der Papst selbst am Karfreitag in der Sixtinischen Kapelle, der Hauskapelle des Papstes, zu zelebrieren pflegte. Diese Messe galt als die weihevollste Feier der päpstlichen Residenz an den Osterfeiertagen. Dabei durfte natürlich der jüdische Professor Feilbogen nicht fehlen, namentlich wenn man bedenkt, dass bei dieser Messe der Papst selbst die Hostie in der Kapelle umherträgt, wobei die in der ersten Reihe stehenden Anwesenden j3 ein Stückchen von der Hostie abbeissen. Feilbogens erschienen pünktlich bei der Messe und erlebten folgendes: Als der Papst auf seinem Rundgang zur Familie Feilbogen kam, biss die vornstehende Schwägerin in die Hostie hinein und spuckte sie den Bissen sofort aus. Totenstille entstand im Saale. Papst Pius IX., der sich aus dem Bauernstand zum Stallum des Patriarchen von Venedig emporkämpfte und der nur in Ermangelung eines anderen entsprechenden Kandidaten auf den päpstlichen Thron gelangte, war ein einfacher, gutmütiger Mensch und gungen und es feit noch viel an finanziellen Mitteln, um alles so zu gestalten, wie der Plan ist. Das Büro der Gemeinde befindet sich bis auf weiteres in Tel Aviv, Frischmannstr. 12, dann später im Gebäude des Gemeindezentrums. Wendet Euch bei Euren Besuchen an das Büro und man wird Euch alles mit grösster Bereitschaft zeigen. Ihr werdet einen grossen Eindruck und eine Befriedigung mit nach Hause nehmen. schwieg. Er sagte nichts, umsomehr sagte aber die Weltpresse, die in diesem Vorfall eine grosse Sensation erblickte. Es entstand ein riesiger Skandal und ohne Übertreibung kann wohl gesagt werden, dass fast alle Blätter der Welt den Fall hinausposaunten und was sie schrieben, gereichte nicht zu Ehren der Sippschaft Feilbogen. Die Juden leugneten mit Entrüstung jede Gemeinschaft mit Feilbogen ab. Der Oberrabbiner von Wien, Dr. Güdemann, hielt am letzten Pessachtage — das Jüdische Fest fiel mit Ostern zusammen — eine phatetische Ansprache in der Hauptsynagoge, in der er Assimilanten a la Feilbogen, die sich in fremde Heiligtümer elnschlelchen und dem Judentum nur zur Schande gereichen, tüchtig den Kopf wusch. In den Kreisen der Handelsakademie begann man zn flüstern, dass Feilbogen, der einen Skandal heraufbeschworen und dadurch die Schule in Mitleidenschaft gezogen habe, eigentlich seiner Stellung enthoben werden müsste. Es muss in der Presse Sauregurkenzeit geherrscht haben, denn die Zeitungen wollten überhaupt nicht aufhören über die Fellbogen Affäre zu schreiben besonders über die Frage, was in aller Welt die Schwägerin veranlasst haben könnte, die Hostie auszuspucken. Eine italienische Zeitung kam zu der Erwägung, dass sie, eine fromme jüdische Frau sein müsse, die sich erst, nachdem sie die Hostie angebissen hatte, darauf besann, dass diese mit Sauerteig zubereitet und daher am Pessachfeste verboten sei, sadass sie glaubte den Bissen ausspucken zu müssen. Als Herr Feilbogen mit seinen Damen nach Wien zurückkehrte, konnte er sich zu seinem Entsetzen selbst davon überzeugen, dass seiner Professorenkariere die Entlassung drohe. Um nun seine Gegner zu versöhnen, trat er zu der alleinseligmachenden Kirche über und damit war sein Katheder gerettet. So endete die lehrreiche Osterpilgerfahrt eines jüdischen Assimilanten. STATIONER — BOOKSELLER Josef Freyhan formerly Dr. Wilhelm Freyhan Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTAEBEN Special-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 24 02 64 Jüdische Assimilanten im Vatikan YOMTOV LUDWIG DATO AUS MEINEN JUGEND-ERINNERUNGEN 21

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