Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 29 (April 1971)
- Date
- 1971-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Unser Ludwig Stössel feierte mit Lore Birn die Goldene Hochzeit Noch bis vor kurzem sah man in amerikanische Filmen und bei Television LUDWIG STOES- SEL als ausgezeichneten Darsteller. Der beliebte Künstler feierte kürzlich mit LORE BIRN seine Goldene Hochzeit, und so wollen wir uns in dieser Laudation an seine Breslauer Zeit erinnern, während der er ein berühmter Komiker der Operette * & i m war. Die Ära des Dr. THEODOR LOEWE im Breslauer Schauspielhaus (Operettenbühne) steht vor unserem geistigen Auge. Der Vorhang geht noch einmal auf — also lassen Sie mich von Ludwig Stoessel erzählen. Erinnern Sie sich? Ein Theatermann sagte einst in einem Programmheft zu einem heiteren Spiel: “Auw der Bühne stehen Menschen — Menschen mit ihren Vorzügen, Fehlern und Schwächen. Und oft ist es eine echte Komik, die aus solchen Situationen herauswächst, manchmal hingegen liegt in einem Bühnenwerk allein schon so viel Humor, dass es nur einem dieses Rollengebietes gelingt, von aussen her noch Komik heranaatragen. Beide Arten von Komik hat Ludwig Stössel in seiner Breslauer Zeit an der berühmten Opernbühne des Dr. Theodor Löwe nicht nur präsentiert, er hat sie beherrscht. Er hatte das Komödiantische, das ihn zum einfallsreichen Darsteller stempelte, er hatte eine eigene Note, die komischen Gestalten der Operettenbühne bezwingend darzustellen. Unübertroffen ergötzlich sein “Frosch”, sein “ZSUPAN”, sein “Kalchas”, “Ollendorf”, "Weps”, “Imari”, “Mirko Zeta”, "Joachim der Dreizehnte”, “Lindoberer”, “Bogumil”, und wie die unvergessenen komischen Gestalten der guten alten Operettenzeit alle heissen. Ludwig Stössel hat immer der Handlung Farbe gegeben, man lachte .wenn er aus der Kulisse heraus trat( wenn er die Szene beherrschte (und wie!), und auch wenn er abtrat, war das Vergnügen immer noch gross und als meist zentrale Partie war die Auswertung ihrer Komik durch diesen genialen Künstler entscheidend. Er verstand es, seinen Humor sicher und wirkungsvoll zu dosieren, nachdem er ihn folgerichtig aus der Auffassung klar umriss. Er hatte auch die Gabe stimmlicher Charakterisierung. In jeder seiner Rollen war er bezwingend komisch. Er hatte als Komiker, als Buffo persönlichen Charm und er passte nicht in die Reihe humorloser Komiker. Er drang in die Seele seiner Typen hinein, um das Menschenmöglichste an Komik, Witz, Persiflage, Karikierung menschlicher Schwächen herauszuholen. Die Komponenten der Komik löste er aus. WEST GERMANY 309 VERDEN/ALLER, FELDSTR. 5 Sehr geehrter Herr Lewin! Aus Tel Aviv erfuhr ich Ihre Adresse, leider auch die Nachricht, dass Herr Dr. Freyhan aus Breslau, Höfchenstr. 104 vor einigen Jahren gestorben ist. Sein Sohn könnte sich an uns nicht erinnern — natürlich; denn die 6 Kinler waren ja noch klein. Nun weiss ich wenigstens, dass Freyhans noch vor dem Zugriff des wahnsinnigen Hitler behütet wurden und unser liebes Breslau rechtzeitig verlassen konnten. Ob auch die Familie Sachs, die ich mal bei Familie Konitzky’s Tanzabend kennen lernte, ein sehr nettes Geschwisterpaar gerettet wurden? Sie wohnten mal Kaiser Wilhelm, Ecke Augustastr., wenn ich mich nicht irre. Meine Mutter, Frau “Direktor” Teichert in Bad Obernigk Krs. Trebnitz, Lindenallee 3, hatte s.Zt. eine Frau L. aufgenommen, die nach ihrem (auf der Carlstr.) verunglückten Töchterchen schwermütig war und sich bei meiner gütigen Mutter gut erholt hatte. Sie schickten später eine Geburtsanzeige, die ich noch aufgehoben habe — mit einer Zeichnung. Im Sommer 1940 war ich mit meinem 6jährigen Söhnchen einige Stunden in Breslau und sah auf der Augusta oder Viktoriastr. einen jungen Mann auf der Mitte der Strasse gehen mit einem David-Stern. Wir schauten uns lange an, er kam mir bekannt vor. Ich war auf dem Weg zum Bahnhof in Eile. Aber es arbeitete in mir: Wie könnte ich ihm irgend eine Freundlichkeit oder Hilfe erweisen? Zum Glück — muss ich heute einsehen — hatte ich kein Geld bei mir; hätte ich ihm etwas geben können, hätte ich ihn gefärdet. — Aber hinterher fiel mir ein, ich hätte zu meinem Söhnchen — vielleicht laut — die Adresse meiner Mutter nennen können, für alle Fälle. Es war sehr gefährlich, weil nebenan Lindenallee 5 Frau Gärtner Gotwald stets auf der Lauer lag — eine fanatische Nazi — die gern denunzierte. Meine Mutter hat es büssen müssen, dass sie Juden aufnahm —. Sie ging am 2.8.45 in Obernigk zu Grunde, meine Schwester am 20.8. sie hatten sich nicht von mir retten lassen wollen. — Wir d.h. mein Mann und ich Dr. W. Wetzell, waren Verfolgte des Naziregimes, weil wir in Eiterfeld bei Fulda die jüdische Gemeinde geschützt hatten. Rabbiner Dr. Oppenheimer, von ihm oder einem anderen Eiterfelder wüsste ich gern die Adresse, hatte uns nach unsren Umzug (dem Fürsteneck Bewohner, einem schrecklichen Nazi wollten wir aus den Augen kommen), nach Schlesien einen Dankbrief geschrieben, den wir aber vernichteten, weil uns Haussuchung drohte. Als wir ein Arbeitskommando von Buchenwald, das unser Kranichfelder Oberschloss aufbauen sollte, jahrelang recht unbequem für die Behör- Die damalige Breslauer Welt hat sich an ihm gesund gelacht. Man kann es kaum anders erklären, wie er es anstellte, dass man heute noch beglückt lächelt, wenn man an ihn denkt. Welch phantastischer Künstler der Lebensbejahung und Lebensfreude! Mögen wir ihm noch oft begegnen! Bis 120, und dann wird man weiter sehen! Der das schrieb, war einst in der Vorstellung der "Kino-Königin”, in der Lore Birn im Breslauer Operettenhaus auf Anstellung gastierte, zugegen. Natürlich wurde sie sofort engagiert, und seitdem spielt sie virtuos die Rolle von Ludwig Stössel's Lebensgefährtin. Und auch ihr gilt unser herzlicher Glückwunsch. Julius Sachs den — Erleichterungen durchsetzten, wurden wir zum K.Z. eingegeben. Doch unser Vorsitzender der Ärztekammer erklärte, er könne uns keinesfalls entbehren. Wir abgekämpften Schlanken hätten es auch nicht ausgehalten. Ob Sie Jemanden aus der jüdischen Gemeinde Eiterfeld Rhön ausfindig machen könnten, vielleicht zufällig? Sie werden jetzt andere Sorgen haben inbezug auf Ihr bedrohtes Land. Wie unlogisch? überall wird herausgetlftel, wer vor Jahrhunderten mal z.B. in Schlesien war, muss zurück in die Heimat bloss bei “Israel” wird es nicht anerkannt! Von den grossen arabischen Ländern nimmt Niemand die kleine Zahl der um Jerusalem wohnhaft gewesenen Araber auf, um des Friedenswillen, und gönnt den geplagten Juden nicht diese, seit Jahrtausenden in aller Welt bekannte Heimat. Aber das Volk Israel hat die Verheissung G’TTES und ER kann das Wunder vollbringen, dass es über die Überzahl der Feinde siegt. Als Mitglied der Freundeskreise der Hospitäler Lambareue und Yarina - Pucallpa möchte ich Ihnen eine kleine Freude bereiten mit diesem Bild des Mannes (Albert Schweitzer), der die Ehrfurcht vor dem Leben predigte und an die Welt appellierte Frieden zu halten! In Darmstadt habe ich bei den evangelischen Marienschwestern an einer Sabbath-Feier teilgenommen; ich bin überzeugt, dass viele Deutsche für Israel beten. Aus Sarah Beate Steckhans Buch “Stärker als die Angst” ersehen Sie, wie viele den jüdischen Flüchtlingen halfen, trotzdem bleibt die SCHAM über Hitlers Verbrechen. Das wollte ich Ihnen sagen und grtisse Sie in Verbundenheti der verlorenen Heimat Ihre K. WetzeU BEGEGNUNG Verwirrende Spiele ersinnt das Geschick, Es war nur ein aufleuchtend rascher Blick, Doch schien es, als hielt er der Erde Lauf Und das Verblassen des Lebens auf. Es war nur ein leicht hingeworfenes Wort, Doch griisste es heimlich an Jedem Ort, Und schwebte ein traumhafter Jugendklang über der einsamen Tage Gang. So flücht’ges Begegnen, verlorener Sinn, Befremdend, beglückend, Verlust und Gewinn. Dr. Else Meidner London 17