Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 29 (April 1971)
- Date
- 1971-04-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus Famielienpapieren Aus meinem Leben Dieses Einzelschicksal eines bekannten Breslauer Kaufmanns ist deshalb interessant, weil es zugleich leider dann das Schicksal vieler wurde und vom anderen Standpunkt gesehen G. s.D. das Schicksal vieler geworden ist. Deshalb bringen wir Auszüge aus dein Leben des Betreffenden: Ich bin im Jahre 1885 in Nicolai O/S geboren. Meine selg. Eltern Jakob Ludnowsky und Marie, geb. Lustig haben bis 1888 in Nicolai, im Hause meiner selg. Grosseltern gewohnt, wo mein Vater im Getreideu. Futtermittelgeschäft seines Vaters beschäftigt war. Bereits 1888 Ubersiedelten meine Eltern nach Breslau, Graupenstr. und eröffneten dort ein Haus u. Küchengerätegeschäft. Nach Besuch der evg. Realschule am Nicolaistadtgraben kam ich 1900 in die Lehre in das bekannte Strumpfu. Trikotagengeschäft Gustav Blasse, wo ich bis 1905 tätig war, dann zur Fa. I. Bernstein, später I. Traumann, Breslau, Carlstr. 27 und habe bis zum 1. Weltkrieg mehrere Firmen als Reisender vertreten. 1916 eingezogen, Ausbildung In Strehlen bei Breslau, an der Front in Russland, schwere Erkrankung, lange Zeit im Lazarett in Kowel, dann über Straussberg bei Berlin Kranken Aufenthalt zum Genesungsregiment 152 nach Stuhm i/W. Dort erkundigte ich mich nach einer jüdischen Gemeinde, es wurde nur zu den ‘‘hohen Feiertagen gebetet”. Da es kurz vor Schawuoth war, stellte ich mich als Vorbeter zur Verfügung mit allen Funktionen, erhielt auch vom Kommandanten die Erlaubnis, alle jüdische Soldaten zum Gttesdienst frei zu bekommen. Woher hatte ich diese Kenntnisse? Rabbiner Pinchas Neustadt richtete s. Zt. in der Sonnenstrasse einen Jugend Gttesdienst ein, wo wir alle ,die stimmlich in der Lage waren, zum Vorbeten, Leinen etc. herangezogen wurden. Oberkantor Rosenthal, der in diesem Blatte ausführlich erwähnt wird, wollte durchaus haben, ich solle Chasan werden, was aber gegen den Willen meiner Eltern wäre. So unterblieb es. Ich nahm aber Stunden bei den Oberkantoren Rosenthal und Cerini und habe seit meinem 18. Lebensjahr an d. “Jamim Noraim” immer vorgebetet. Es gab fast keine Synagoge in Breslau, wo ich nicht vorgebetet habe. In Stuhm wurde ich zu Schawuoth bei Familie Rosenthal eingeladen, deren Tochter dann meine Frau geworden ist. Wohnungsnot nach dem Kriege zwang uns möbliert zu wohnen, Gabitzstr., Freiburgerstr. und dann eigene Wohnung in der Nähe der Alt Glogauersynagoge, die Gartenstr. 36 war. Alles ging seinen Lauf bis am “Schabbath Sachor” 1933 die jüdischen Anwälte aus den Gerichten getrieben wurden. Das gab mir das Zeichen, dass in dem Lande für uns Juden kein Bleiben sein kann. Da kam der 1. April Boykottag, und ich fuhr nach Berlin, um meine Reise nach Palästina vorzubereiten. Ich bekam tatsächlich ein Visum für eine Besuchsreise, auf dem Schiff waren Zahnarzt Dr. Hugo Schachtel und Ministerialdirektor Dr. Badt. Die “Vulkania” landete in Haifa, und ich fuhr sofort nach Tel Aviv. Mein erster Weg war zu Leo Freund, der mit seiner Gattin bereits 1932 nach Palästina ging. Dort war der Treffpunkt aller Neueinwanderer aus Breslau. Ich mietete mir in ihrer Nähe ein Zimmer und beschloss keinesfalls wieder Kaufmann zu werden, sondern in die Landwirtschaft. Nach vielem Herumfahren im Lande, wo wir viel sahen, entschloss ich mich, mit Adolf Wolff s.A. von der Carlstr., der bekannte Kaufmann, mit seiner Familie zusammen, in Pardess Chana Boden zu kaufen. Wir siedelten dort, aber der Pardes brachte sehr wenig ein. So nahmen wir Pensionäre auf. 20 Personen assen bei uns täglich 3 Mal, wir nahmen auch junge Leute zur Erholung auf, ausserdem hatten wir Hühner, Ziegen, Bäume und Gemüse und arbeiteten noch stundenlang beim Orangenpflücken. Wie jeder aus dem Bericht ersieht, bin ich zuerst allein ins Land gekommen und ich konnte meine Frau nur nachkommen lassen, wenn ich 1000 IL vorweise. Ich ging auf die Misrachibank, um mir diese zu besorgen und hatte Empfehlung an den Direktor Pinkas, dem späteren Minister. Ich traf dort den Breslauer Arzt Dr. William Boss, der mein besorgtes Gesicht sah und mich fragte, was ich hier suche. Um 1000 IL zu bekommen, brauchen Sie nicht die Misrachibank. Das werde ich Ihnen vorstrecken. Sie können mir höchstens die Zinsen bezahlen und so geschah es auch . Wir wohnten in Pardess Chana — Megged, räumlich einige Minuten entfernt. Unsere Wohnungen wurden abwechselnd für das Minj an zur Verfügung gestellt. Herr Adolf Wolff brachte eine Sefer Thora aus Breslau mit, und wir beteten dann in einem uns zur Verfügung gestellten Haus. Das in der Nähe befindliche “Beth Häjeledth”, das heute ein grosses Kinderdorf ist und eine herrliche Synagoge besitzt mit Kinderchor hat s. Zt. die Kinder uns zu Minjan geschickt. Ich habe im Laufe der Jahre hunderte von Kinder zur Bar Mitzwah vorbereitet und auch in der grossen Synagoge des Beth Häjeledth vorgebetet. Im Jahre 1945 erkrankte meine Frau schwer, und ich musste sie nach Haifa in ein Sanatorium geben. Die ständige Reise nach Haifa brachte mich auf den Gedanken, die Bewohner dort mit Eier zu versorgen, da diese damals knapp waren. Ich habe Im Laufe einer Woche mehrere 1000 Eier an Pensionen, Sanatorien etc. geliefert und wurde dann mit der Leitung der Station, die unter Aufsicht der Regierung steht, in Pardess Chana betraut. 20 Jahre habe ich den Machsah (Magazin) in Pardess Chana geleitet, und wir hatten einen Umsatz von 2 Millionen 500.000 im Jahr. Im Jahre 1967 gingen wir in das Elternheim nach Haifa, aber meine Frau musste nach kurzer Zeit das Heim für chronische Leiden aufsuchen, wo sie dann leider auch starb. Ich befinde mich weiter im Elternheim in Haifa Achusa und besuche täglich früh und abends die Synagoge und weiter an allem Geistigen interessiert. Wir waren 6 Geschwister, 4 Brüder und 2 Schwestern, aber ich allein bin von all denen auch von Seiten meiner Frau als Einziger übrig geblieben. Der grösste Teil ist von den Nazis umgebracht worden. Ich bin zufrieden in Israel als aufrechter Jude leben zu können. Karl Ludnowsky, Haifa, Elternheim, Rechow Michal 1 KOORDINATIONS-AUSSCHUSS Auf Veranlassung des Vorsitzenden ehemaliger Kölner und Rheinländer, Herrn Dr. Josef Kaufmann, Tel Aviv, ist unter dem Protektorat des Irgun Oley Merkas Europa eine Zusammenkunft zustande gekommen, die Herr Dr. Hans Tramer leitete. Alle deutschsprachigen Landsmannschaften haben zu dieser Sitzung ihre Vertreten enstandt. Es wurde beschlossen, dass jede Landsmannschaft zwar ihre eigene Arbeit in ihrem Kreis weiter fortsetze, aber ein Ausschuss gewählt wird, der die seelische Einordnung der Neueinwanderer aus Lateinamerika sich zur Aufgabe macht. Der Ausschuss besteht bisher aus den Herrn Dr. Josef Kaufmann (ehemaliger Kölner), Heinz Getz (ehemaliger Oberschlesier), Karl Dublon Sehr geehrte Schriftleitung! Ich finde in unseren Familienpapieren nachfolgende Mitteilung des “Isr. Familienblattes” (17. Februar 1916), die als Beispiel hier veröffentlicht werde, und die hoffentlich viele Nachfolger finden möge. “Hirschei Neisser aus Kätscher in Schlesien war einer der ersten, die dem Rufe des Königs Friedrich Wilhelm IU. “An mein Volk” im Jahre 1813 gefolgt waren. Er meldete sich als Freiwilliger in Breslau zu den Fahnen und machte den ganzen Feldzug mit. Er kehrte nach Vollendung des Krieges als Wachtmeister, geschmückt mit dem eisernen Kreuz, nach Kätscher zurück. 1815 gründete er dort den Kriegerverein, dessen eifriges Mitglied er sein ganzes Leben hindurch blieb. Er starb 1842 und wurde mit militärischen Ehren und unter Glockenläuten der katholischen Kirche zu Grabe geleitet. Dieses Glockenläuten hatte eine ganz eigenartige Geschichte. Der Vorstand des Kriegervereins, dessen Mitglieder zum Teil auch dem Vorstande der Kirchengemeinde angehörten, beschloss in Würdigung der Verdienste des Verstorbenen, dass die Beerdigung nicht nur durch militärische Ehren, sondern auch durch Glockenläuten sich auszeichnen sollte. Gegen diesen Beschluss protestierte nur ein Mitglied, der Apotheker Eike, mit der Begründung, dass trotz aller Verdienste des Kriegers es unchristlich wäre, beim Leichenzug eines Juden die Glocken einer katholischen Kirche läuten zu lassen. Er wandte sich, als sein Einspruch nicht half, mit einer Beschwerde an die königliche Regierung in Oppeln. Die Regierung entschied aber, wenn die Bürger den Verstorbenen für würdig erachtet und beschlossen haben die Glocken zu läuten, habe sie keine Veranlassung dagegen einzuschreiten. Die Beerdigung fand also mit Musik, Fahnen und Glockenläuten statt. Die ganze Gemeinde und Umgegend beteiligte sich an der Trauerfeier. Da die jüdische Gemeinde orthodox war, so durften die Fahnen und Musikkapelle den Friedhof nicht betreten und mussten vor dem Tore ihre Aufstellung nehmen. Der Apotheker Eike gab sich übrigens mit dem Bescheide der Regierung in Oppeln nicht zufrieden, und er wandte sich mit einer Klage an das Kabinett König Friedrich Wilhelms IV. nach Berlin, dem Juden Neisser seien bei der Beerdigung zu viele Ehren erwiesen worden. Die Antwort des Königs aber lautete, man könne einem verdienstvollen Veteranen nicht Ehren genug erweisen.” Dr. Hugo Gossmann '(VEKR), Erich Lewin (ehemalige Breslauer), sowie neu hinzugewählt Herr Rabbiner Israel Löwenstein, Jerusalem als Neueinwanderer aus Chile. Der Ausschuss hält regelmässig Sitzungen ab und werden feste Tage bestimmt, an denen Neueinwanderer ihre Landsleute in einem bestimmten Lokal zur Aussprach treffen können. GRUSS AUS CHILE Bodo BORCHHEIM aus Noerenberg in Pommern, wohnhaft in Santiago de Chile, Clasaficador 497, langjähriger Einkäufer im Leinhaus Bielschowski, Breslau und Kaufhaus N. Israel, Berlin, beging Mitte August seinen 80. Geburtstag und gleichzeitig mit seiner Lebenskameradin Frau M. Borchheim, geb. Zahn .Breslau, seine goldene Hochzeit. Er war jahrzehntelang Mitglied des Herzl-Bundes. Er grüsst alle ehemaligen Bbr. Bbr. 16