Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 29 (April 1971)
- Date
- 1971-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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! Die Tel-Aviver i Hat eine andere Strasse ln Tel-Aviv mehr eine modische Atmosphäre, so Ist der Ben-Yehudastrasse eher das Geistige zu eigen. Was gibt es da für Buchhandlungen und Kunstgeschäfte, Schallplatten- und Musikläden, Souvenierboutiquen und Reisebüros! Man sieht Touristen, ganze Familien, man sieht Kibbuzniks, man hört sogar viel deutsch sprechen und die Buchhandlungen zeigen unter vielen anderen auch deutsche Bücher im Schaukasten. Kurz und gut, hier wird weniger über die Länge oder Kürze eines Damenkleides diskutiert, als vielmehr über das letzte Konzert im Mann-Auditorium! Und ob man nicht doch mal sich wegen der Zwölftonmusik den Schönberg anhören solle. Und warum es Zwölftonmusik heisst. Dort kommt der bekannte israelische Komponist Faul Ben Haim, man begrüsst sich und er erklärt dieses akustische "Kreuzworträtsel", das die Bezogenhelt von Melodien auf einen Grundton aufhebt. Alles natürlich in deutsch, in der vielen und uns geläufigeren “Fremdsprache” also, sind wir doch hier im “Kanton Ivrith” (kan’ Ton Ivrith). Es ist auch zu schwer, glauben Sie, manche wissen Immer noch nicht, ob dieses oder jenes Wort mit Alef oder mit AJin geschrieben wird. Wie wärs mit einem Monat im Ulpan? Es heisst natürlich Ulpan (letzte Silbe betont). — Sehen Sie dort drüben den Kapellmeister Singer, er kommt gerade aus einer Opernprobe, die Dame neben ihm istStella Richmond und der zweite Herr Ist Tibor Herdan, also 2 Hauptdarsteller aus der "Verkauften Braut”. Ich begrüsse die drei und versicherte, wie gut mir die Aufführung gefallen hätte. Es ist der grösste Opernerfolg seit Jahren hier in Tel-Aviv und man spielt — abwechselnd mit "Pariser Leben” von Offenbach — beide Werke serienweise. Weiter hinauf, vor der Frischmannstrasse gibt es ein führendes Musiknotengeschäft. Wen sieht man dort nicht täglich hinein- oder herausgehen! Joachim Stutschewsky, der jugendliche Achtziger holt Cello-Noten für seine Schülerinnen, Vera Lengyel sucht Werke von Messiaen aus, Lisa Steinberg, die Schwester Chaim Arlosoroffs, hat Interesse für Blockflöten und Alexander Buch findet Geeignetes für seine fortgeschrittenen Klavier-Schüler. Weiter nordwärts trifft man vor dem Neubau der Ichud-Shivat Zion-Synagoge den Vorsitzenden der Gemeinde. Man interviewt ihn gleich, wann denn die Synagoge eingeweiht werde. “Zu den Feiertagen", war die Antwort. Womit das kommende Pessach fest gemeint ist. Gut frequentiert sind hier die Self-Service Restaurants, wo man gelegentlich das Ehepaar Michael Taube antrifft. Bei Mersand, Ecke Frischmann, gibt es auserlesene Kuchen und Torten, hier treffen sich die Logenschwestem, hier werden Bridgepartien verabredet und hier wird der Purim- Neshef beraten. Mancher Filmregisseur bespricht hier seine geplante Besetzung. Journalisten. Übersetzer und Bühnenbildner finden sich zu einem Espresso hier ein. Und dann begegnet man der Direktorin der Oper; Frau Edis de Philippe sieht scharmant, wie stets, aus, ist von gewinnender Liebenswürdigkeit und meint am Schluss einer interessant sachlichen Unterhaltung: “Mr. Sachs — ich lese alle Ihre Opernberichte mit grösstem Interesse”. Ihren Namen hat die Ben-Yehudastrasse von dem “Erfinder” der hebräischen Sprache, von dem, der sie zur täglichen Umgangssprache machte. Einst, wo jetzt das El-Al Haus ist, war dort das Beth Am, in dem Konzerte der Philarmoniker stattfanden, wo auch das Matate-Theater seinen Sitz hatte. Dort gab es mal in den dreissiger Jah¬ Ben-Yehudastrasse - Vormittags j i ren Operette, "Land des Lächelns”, natürlich in Hebräisch. Und die Berliner Künstlerin, die auf Ivrith singen sollte: “ich bin bereit”, also “ani muchana” traellierte lustig “ani mechuna”, ich bin eine Maschine. Das Gelächter konnte nicht grösser sein! An der Ecke der Frishmanstrasse war zur Mandatszeit ein Postamt, dort, wo jetzt die Conditorel Mersand ist. Die Räumlichkeit war viel zu klein und die “Jeckes”, die ja enorme Korrespondenz führten, standen oft im Torr (Reihe) bis auf die Strasse. Ich war drei Tage im Lande und wollte Marken kaufen, verlangte diese in deutscher Sprache. Worauf mich die circa 17jährige "Christel von der Post” anzischte: “Warum redest Du nicht Ivrith, es ist höchste Zeit es zu lernen!”. Wer biegt hier um die Ecke? Plötzlich steht Bitosh Davidow vor mir, der bekannte Operetten- Regisseur. Und ich erzähle ihm, dass ich von meinem Freund Robert Stolz die neuen Marken erhielt, die die österreichische Post anlässlich seines 90. Geburtstages herausgab. . Da sind alle die Hauptdarsteller aus den netten Operetten abgebildet, die der Meister dirigiert hat, also Fledermaus, Bettelstudent, Vogelhändler, Lustige Witwe, Walzertraum, Zwei Herzen im Dreivierteltakt und so weiter. Ja wirklich — 90 müsst man nochmal sein! Also, dann trifft man Alice Holdheim. Sie be-' gutachtet als Journalistin die Modenschau, den Laufsteg. Sie hat den Bück für die neuesten Modeschöpfungen, für die kühnen Kreationen, für Kollektionen und Couture. Sie weiss aus dem Stegreif, wie eine Sache laufstegreif vorgeführt werden muss. Denn zum Kostüm für die kommende Saison ist nicht nur Stoff und Schnitt ausschlaggebend, sondern auch die Grazie, mit der das vorgeführt und getragen wird. Und wann und wo es getragen wird, ob zum Cocktail zum Neshef, ob gewagt, ob skuril, ob geschlitzt, ob die schöne Trägerin denkt: veni, vidi, vici oder mini, midi, maxi. Kurz und gut, das alles weiss Frau Holdheims geübter Blick uns in trefflichsten Schilderungen allwöchentlich zu servieren. Ihr modisches Leitmotiv — die “Linie” mit mehr oder meist weniger Drum und Dran — spricht für sich, und Frau Holdheim macht keine undurchdringliche Mauer um sich und ihr Metier. Sie ist, wie ihre Mannequins, nicht zuegknöpft, auch nicht snobistisch, im Gegenteil: Ihre Liebenswürdigkeit schafft ungezwungene Kontakte, gibt ein freundliches Echo und Wärme. Ihre Berichte sind wichtiger Gesprächsstoff, denn was wäre Paris ohne Tel-Aviver Modeschau, ohne Tozereth Israel! Welch “anziehender” Beruf! Mode hat ja bekanntlich mit Diplomatie recht viel zu tun. Was, zum Beispiel, ist ein Diplomat? Das ist ein Mann, der seiner Frau sagt: “Ein Nerz mach dich zu dick!” Oft erzählt man sich auf der Ben-Yehudastrasse Witze — alte und neue. Einen will ich gleich hier verkaufen!: In einem europäischen Staatstheater hatte ich etwas für einen unserer Dirigenten zu erledigen und verhandelte dort mit dem betagten Intendanten. Da kommt eine junge Balletteuse ins Buero, aufgeregt, weinend, jammert sie: Nein, so eine Schande, lieber geh ich ins Wasser! Der Intendant, voller Verständnis für menschliche Schwächen, fragt sie: “Was ist denn passiert?” ‘ O, ich bekomme ein Baby!” “Nun” sagt der Intendant, “hör mal, liebes Kind, das ist doch nicht so etwas Schlimmes! Ich hab Dein Fräulein Mutter gekannt, ich hab Dein Fräulein Grossmutter gekannt — die sind beide auch nicht gleich ins Wasser gegangen!”- Ja wirklich, ein sehr lebendiges Stück von Tel- Aviv — diese Ben-Yehudastrasse. Quod erat demonstrandum. Julius Sachs HAIFAER KUNSTBERICHT Rosa Feige, geb. Weyl aus Breslau hat in Haifa eine ganz neuartige Kunst ausgestellt. Wo andere zeichnen oder malen, gibt sie den Bildern künstleriscnen Ausdruck mit Nadel und Faden und diese Werke sind echte Erzeugnisse der Kunst. Ohne Verwendung von Farbe und Pinsel kann sie zarteste Farbennuancen wiedergeben. Sie zeigt mit ihren Werkzeugen (Nadel und Faden) Leben und Landschaft, ein vollkommenes Gobelin in Miniature. Rosa Feige besuchte die Kunstakademie in Breslau von 1916—1921 und kam 1933 mit ihrem Gatten Dr. Feige ins Land. Sie liessen sich in Jawniel bei Tiberlas nieder. Hier hat sie Bilder und Personen des Landes gestickt. Fellachen, Beduinen, Arbeiter, Bauern, Berge, den Kinnereth und vieles andere. Bei Übersiedlung nach Haifa stellte sie wieder 1946 zum 1. Male aus. Ihre Ausstellung, die jetzt in Haifa stattfindet, ist von einem erstklassigen Fachmann Gerson Knipsei aufs. Beste kritisiert. Rosa Feige ist die Tochter des Julius Weyl (früher Gebr. Weyl, Breslau, Carlsplatz), verheiratet mit Dr. med. Feige. Ihre Schwester Frau Berta Daniel, geb. Weyl auch Haifa war viele Jahre eine bekannte und geschätzte Lehrerin an der jüdischen Schule, Rhedigerplatz. Ihr Bruder Hermann, ein hochbegabter Maler, ist im 1. Weltkrieg 1916 gefallen. Wir wünschen Frau Rosa Feige weiterhin erfolgreiches künstlerisches Schaffen. Dr. Dagobert Nellhaus, jetzt Roslindale, Mass., USA, vollendete am 2. Januar 1971 sein 80. Lebensjahr. Bis 1938 war er, mit Sitz in Pirmasens, Pfalz, der Bezirksrabbiner für den Rabbinatsbezirk Zweibrücken. Vorher hatte er nacheinander in Rybnick, Oberschlesien, Stettin und bis 1931, in Hirschberg, Schlesien, amtiert. In Amerika, wo er seit über 30 Jahren lebt, war er viele Jahre als Bibliothekar am Hebrew Teachers College in Brookline, Mass., tätig. Der Jubilar stammt aus Breslau, wo er 1922 das Jüdsiche-Theologische Seminar (Fraenkelsche Stiftung) absolvierte. Von 1935 bis 1937 redigierte er das Mitteilungsblatt der Israelitischen Kultusgemeinde Pirmasens. TEANSLATIONS TYPING DUPLICATING IN ANY LANGUAE 26, ROTHSCHILD Blvd., TEL-AVIV PHONE 612123 14