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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-04-01 · No. 29 (April 1971) · p. Seite 10

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 29 (April 1971)
Date
1971-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Die Sonnenblume Simon Wiesenthal hatte nach dem 2. Weltkrieg, nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches, sich nicht einer wieder normal gewordenen leichteren Existenz zugewandt. Er ist in der Konfrontation mit der furchtbaren Vergangenheit geblieben und hat sich die Aufgabe auferlegt, nach den Mördern zu fahnden. Er hat das Dokumentationszentrum des Bundes jüdischer Verfolgter in Wien gegründet. Ihm ist es gelungen, Eichmann aufzuspüren und vor den Richterstuhl zu bringen. Sein Buch: “Und die Mörder leben” ist von diesem Kampf erfüllt. In dem Buche “Die Sonnenblume” konfrontiert er sich selbst mit einem eigenen Erlebnis aus der Zeit des gespenstischen Geschehens, das er nicht vergessen kann. Mit schonungsloser Ehrlichkeit fragt er sich selbst, ob, im Augenblick, dar er aus der Kette der Leiden, aus der Passivität der nicht enden wollenden Passion heraustrat und zur Aktion aufgerufen war, nicht versagt hat. Sein tiefes Gerechtigkeitsgefühl, verwurzelt im Judentum von Uranfang (Abrahamsgeschichte, I, 18/) “zu üben Recht und Gerechtigkeit” konnte nicht dulden, dass die schrecklichsten Verbrechen straflos bleiben; aber eben so schonungslos fragt er sein Gewissen. So berichtet er in aller Schlichtheit, dass eine Krankenschwester ihn aus der Gruppe der Zwangsarbeiter herausholte und ins Hospital zu einem sterbenden S.S.-Mann brachte. Der Kopf des Sterbenden war verbunden; seine Augen konnte er nicht sehen. Aber er hörte seine Stimme. Dieser S.S.-Mann musste vor seinem Ende sprechen, musste scheckliche Untaten gestehen und wollte nicht dahingehen, ohne Verzeihung, Verzeihung von einem Juden, von einem jener Menschengruppe, die er gemordet hat. Doch er, der Gefragte, hat nicht sprechen, hat nicht antworten können und keine Worte der Verzeihung sagen können, trotzdem er verstehen musste, dass in jenem das Gewissen aufgewacht war. Über diese seine Haltung versucht sich Wiesenthal klar zu werden, indem er sich mit einigen andern Zwangsarbeitern ausspricht, die ihn freisprechen. Aber d$s Erlebnis lässt ihn nicht los und er stellt sich selbst dem Urteil der Zeitgenossen, dem Urteil der Welt, ob er damit Schuld auf sich geladen hat, dass er kein Wort der Vergebung vor dem Sterbenden aussprechen konnte. Er hat bedeutende Denker und Schriftsteller gefragt und sie haben versucht, seine Frage gerecht zu beantworten; sie betonen, dass die furchtbar,e Lage, in der sich der Fragensteller als Zwangsarbeiter befand, die Leiden, die ständige Todesgefahr, die dauernde Entwürdigung in Betracht gezogen werden muss. Der Dichter Hagelstange sieht darin, dass der sterbende S.S.-Mann nicht gemäss seiner Erziehung einem Priester beichten wollte, sondern einem Juden sein Schuldgeständnis machen wollte, eine tiefere Bussfertigkeit, eine urchristliche, wie er sagt, wofür man wohl auch eine ur-menschliche sagen dürfte, wie mir scheint. Dass der jüdische Häftling und Zwangsarbeiter kein Wort des Trostes sprechen konnte, das versteht Hagelstange wohl; eine versönhliche Geste wäre ihm wie ein Verrat an den Seinen erschienen. Der Theologe Helmut Gollwitzer sieht in Wiesenthals Bemühungen, die Mörder vor Gericht zu ziehen nicht Rachsucht, wie manche es genannt haben mögen, sondern er versteht, hier kämpft jemand für das Recht um der menschlichen Zukunft willen, der sich auch nicht frei von Schuld fühlt und von der Frage nach der göttlichen Vergebung bewegt ist. Salvador Madariaga, Diplomat und Schriftsteller wieder sieht im Unvermögen, ein Wort der Vergebung zu sprechen, die Reaktion des Stamvon Simon Wiesenthal VERLAG HOFFMANN & CAMPE, 1970 mesmenschen. Wiesenthal selbst hate wohl gesagt: “Viele werden mich verurteilen, weil ich diesem reuigen Mörder das Sterben nicht erleichtert habe”. So urteilt Madariaga, der universale Mensch sah den sterbenden Menschen, aber der Stammesmensch verschloss ihm den Mund. “Und so hat der Sterbende seinen (Wiesenthals) Frieden mitgenommen in den Tod”. Mir erscheint die Unterscheidung zwischen Universalen und Stammesmenschen wie das alte christliche Vorurteil. Der Theologe Gollwitzer hat die Situation von Wiesenthal tiefer verstanden. Dem S.S.-Mann selbst hat es offenbar genügt, dass Wiesenthal seine Beichte angehört hat, ohne ihm zu verzeihen. Denn — hat er wirklich dafür Verzeihung erwartet, dass er auf Menschen, die durch das Fenster aus einem brennenden Haus gesprungen sind, geschossen hat? Sein letzter Wille, nach welchem seine Halbseligkeiten Wiesenthal geschenkt werden, zeigt das. Kurt von Schuschnigg, der österreichischer Bundeskanzler nach der Ermordung von Dollfuss war und der seit dem Einmarsch der Nazi im Gefängnis und bis zum Kriegsende im K.Z. sass, gab eine andere Antwort. Verzeihen konnte er nicht, so sagt er, denn wie konnte er etwas verzeihen, was anderen geschehen war? Aber es sei menschlich von ihm gewesen, den letzten Wunsch, das Anhören seiner Worte, zu erfüllen. Dass er zu Jemand hat sprechen können, gab dem Sterbenden Erleichterung. Und so meint dieser Gefragte, dass das Buch “Die Sonnenblume” düstere, aber doch auch versöhnende Schatten wirft. Gleichzeitig bekennt er sich deutlich gegen die Tendenz, zu “Vergessen, was gewesen ist”. Denn der Durchbruch des Animalischen droht immer. Durch Schuschnigg erfahren wir auch, was es mit dem Titel: Die Sonnenblume auf sich hat. Man hat diese strahlende Blume in der verbrecherischen Vergangenheit missbraucht, um zahllose K.Z.-Mauern zu kaschieren. Das Erlebnis aus den dunklen Zeiten hat Wiesenthal nicht losgelassen, sodass er nach Kriegsende die Mutter des S.S.-Mannes aufgesucht hat. Doch hat er sie im Glauben gelassen, dass er als der gute Junge gestorben ist, als den sie ihn betrauerte. Dieses Bekanntwerden mit der Mutter des S.S.-Mannes lässt ihn fragen, wieso Eltern, die nicht vom Gift des Nazismus angesteckt waren, nicht den geringsten Einfluss geübt haben? Hat doch der sterbende S.S.-Mann (38) gesagt: “Mein Vater sprach nur noch selten mit mir. Und wenn, I dann war er vorsichtig”. Eine ähnliche Bemerkung | finden wir in Uwe Johnsons Buch über den ostdeutschen Radrennfahrer: “(68) Wenn er (der Vater) doch einmal geredet hätte: Aber er hat mich der Schule und der Hitlerscheisse völlig ausgeliefert." Darum ist es wichtig, dass jetzt, im Jahre 70 ein Buch wie die Sonnenblume erschien. “Das Gedächtnis ist das Fundament aller Zivilisation!” so beginnt Herman Kesten, der Schriftsteller, seine Antwort an Wiesenthal. “Ohne Gedächtnis wären wir fühllose Idioten. Wer uns aufgefordert hat, alles zu vergessen und zu vergeben, mutet uns zu, Barbaren zu werden!” Wiesenthals Buch ist ein solches Kulturinstrument, dass das Bewusstsein wachhält und das Gewissen schärft und das humane Leben der Gattung Mensch fortsetzt. Damit Eltern ihren Mund aufzumachen verstehen und nicht die Jugend wehrlos einer Ideologie ausgeliefert wird, die sie mit ungehemmter Gewalt ergreift und vergiftet und von der alles zerstört werden kann. Denn die Gefahr, “dass der Animalismus | durchbricht” besteht immer und immer wieder. Anni Löwenstein — Ramat Chen I HUMORISTISCHER UNTERHALTUNGABEND IN HAIFA AM 21. JANUAR 1971 Wir hatten die Absicht, unseren Haifaer Freunden und denen der Umgebung etwas besonderes zu bieten und haben neben den Zeitungsinseraten auch noch persönliche bezw. schriftliche Einladungen gesandt. Leider war der Besuch nicht so gut wie wir ihn uns vorgestellt haben, das liegt aber wohl an den grossen Entfernungen, der Benützung mehrere Autobuslinien bis man zum Ziele gelangt. Trotzdem war der Abend durch Herrn Mosche Noam mit seinem Begleiter ein ausgezeichneter Erfolg. Noam verstand es, das Publikum während des ganzen Abends auf die verschiedenste Art (Gesänge, Witze, Vortragskunst, Quitz) aufs Beste zu unterhalten. Erich Lewin, Tel Aviv, der diesen Abend vorbereitete, musste in letzter Minute absagen, und so begrüsste Herr Apotheker Julius Levy, Haifa die Gäste und Mitglieder. Er verstand es, sofort Kontakt mit dem Publikum zu bekommen. Von dieser Stelle aus soll herzlichst gedankt werden für die ausgezeichnete technische Vorbereitung des Abends und der Arbeit am Abend selbst den Damen: Frau Valerie Altmann, Haifa, Frau Ben Horin (Mutter unseres Botschafters Eljaschiw Ben Horin, Godesberg), Haifa, Frau Dr. Lotte Meyer, Tel Aviv, sowie Herrn Hans Sachs, Tel Aviv. Wir bitten die “Haifaer” an unser Büro ihre Wünsche und ihre Meinung kundzugeben, welcher Abend ihnen passender erscheint, damit wir nächstens ein grösseres Publikum begrüssen können. KONTAKTABEND DER EHEMALIGEN BRESLAUER in TEL AVIV am 25. FEBRUAR 1971 In einer künstlerischen Veranstaltung kurz vor Purim im Saal des Irgun Joze Litta konnte der Verbandsvorsitzende Herr Emst Tauber erfreulicherweise ein übervolles Haus begrüssen. Auch Vertreter der befreundeten Landsmannschaften der Kölner, Leipziger, Oberschlesier, Hannoveraner, Halberstädter und sogar Oley Joze Bukowina waren erschienen. Eine grosse Freude war ausserdem Neueinwanderer aus Chile und anderen lateinamerikanischen Ländern, sowie aus U.S.A., unter den Gästen zu finden. Wesentlichen Anteil an dem Gelingen des Abends hatten die mitwirkenden Künstler. Heintz Brotzen brachte als Humorist die Gäste in heiterste Stimmung. Er erzielte mit seinen Sketchen und Satiren, wenn man es so betiteln darf, bei seinen Zuhörern “eine Stunde Lachen ohne Ende.” Die Tel Aviver Sängerin Nora Meschullam vermittelte mit ihrer vielseitigen Gesangskunst einen Hauch jener Atmosphäre von Robert Stolz über klassische Operette zu Jodlern, jiddischen Songs und Israel Folklore. Begleitet wurde sie auf dem Piano-Akkordeon von Ester Pielmeister hochkünstlerisch, die auch ein Solo von Sarasate beisteuerte. Für die künstlerischen Darbietungen zeichnete Julius Sachs, für die organisatorische Leitung Elieser Lewin verantwortlich. Nach seinen herzlichen Dankesworten fand die Veranstaltung, die alle belustigt und erfreut hat, ihren Ausklang. H. G. TELEFONBUCH 1933 In unserem Besitz befindet sich das Telefonbuch 1933, das s.Zt. Herr Martin Friedländer s.A. aus Breslau mitbrachte und unserem Gründer, Herrn Dr. W. Freyhan s.A. übergab. Es hat bereits mehrmals bei Wiedergutmachungsansprüchen zur Erhärtung der Tatsachen genützt. . Wir sind bereit, Fotocopien bezw. Gelegenheit zur Einsichtnahme zur Verfügung zu stellen. Anfragen diesbezüglich an unser Büro. Briefadresse bezw. Telefon am Kopf der Zeitung ersichtlich. 10

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