Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 29 (April 1971)
- Date
- 1971-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Breslauer Geschäfte von Gestern und Vorgestern Hier in Tel Aviv gab es kürzlich einen netten, lustigen Breslauer Abend, humorvoll wie stets, wenn Erich Lewin die organisatorische und der Unterzeichnete die künstlerische Leitung innehaben. Wir freuen uns stets, wenn der Abend gelingt! — In einer Pause winde von alten Breslauer Geschäften geplaudert, und ich habe zugehört und mitgeschrieben. Man war, sozusagen, wieder einmal im alten Breslau. “Wissen Sie noch”, — fragte der alte Herr Locker sein Gegenüber — und liess nicht locker — wo SOWA war? “Natürlich”, erwiderte sein vis a vis, “am Tauentzienplatz!” Wer sollte die SOWAS nicht kennen und sowas nicht wissen. — Aber noch viele andre Geschäfte sind im Gedächtnis geblieben, und man möchte, dass man sie nicht vergässe. Erinnern Sie sich an Rösler? Das war einst eine Bäckerei auf der Schweidnitzerstr., dort gab es famose Brötchen, Mohrenzöpfe. Und ein Fleich- und Wurstgeschäft auf der Nicolaistrasse hiess STRIEZEL, das hatte aber nichts mit Backwaren zu tun. Strietzel lieferte u.a. seine Fleischwaren nach Scheitnig in viele Kliniken. Und wenn der Lieferwagen schon unterwegs war, dann sandte Herr Striezel die Wurst mit der Elektrischen, die nach der Tiergartenstrasse fuhr und an der Hansastrasse stand ein Bote von der Klinik und nahm dem Strassenbahnführer das Paket ab. Die Nummer des Strassenbahnwagens war ihm telefonisch angesagt worden. — Haben Ihre Eltern nicht auch im Konsum gekauft? Die Hausangestellten betonten immer die erste Silbe. Die Freude der Hausfrau, wenn sie die vielen Rabattmarken am Jahresschluss umgetauscht bekam. Zwischen Ohlauerstrasse und Hintermarkt gab es auf der Schuhbrücke um 1900 einen “Kaufmann” Schampel und auf der Bischofstrasse einen ebensolchen August Gebauer. Weil wir nun gerade von Gebauer sprechen. So war die Zoologische Handlung von A. David am Christophoriplatz und eine am Blücherplatz. Was gab es da für Papageien, Kakadus und auch exotische Fische! Auf der Altbüsserstrasse und Schuhbrücke gab es solche Tierläden. Auf der Schmiedebrücke florierte das Geschäft von Huhndorf, nur war es beileibe keine Hühnerfarm. An ein Markengeschäft von Kretschmer wird man sich auf der gleichen Strasse noch erinnern. — Und die Schokoladengeschäfte von B. Pohl gab es in allen Stadtteilen. Büroartikel führte Betenstedt u. Winter in der Kornecke ebenfalls Fülleborn in der Albrechtstrasse. Für zeichnerischen Bedarf empfahl sich Strunk in der Albrechtstrasse und auf der anderen Seite Hilbig, erlesene Kuchen- und Eisgerichte. Gegenübei vom Oberpräsidium gab es einen Bäcker Kühn, wo man sogar am Sonntag früh knusprige Brötchen und Semmeln erhielt. Daneben war das bekannte Hutgeschäft von Märcker. Unsere Schulbücher kauften wir bei Priebatsch, Trewendt u. Granie, Ziebell, Schietter Leuckart am Ring 4 oder C. Bürckner letzterer in der Ohlauerstrasse. Eine wohlsortierte Leihbibliothek war die Buchhandlung I. Max u. Co., wo der Inhaber Herr Wellmann höchst beschlagen war, geistige Werte an den Mann oder an die Frau zu bringen. Nicht wie ein Elefant im Porzellanladen konnte man sich bei Knittel Schweidnitzerstrasse bewegen. Sonst wäre es um die herrlichen Gläser und Porzellane geschehen. Erich u. Karl Schneider, Schweidnitzerstrasse, das war ein Beriff für Feinschmecker und bei Hansen gab es nach dem Theater noch ein Stelldichein bei Wein oder Sekt. Im Savoyhotel kostete man natürlich die berühmte Kartoffelsuppe. — Den Kaffeesorten bei Gewaltig war man gewaltig zugetan und freute man sich königlich über die exquisiten Mischungen aus Kaisers Kaffeegeschäft. Ein Handschuhgeschäft für Damen hiess Roeckl, dort wurde man mit Glaceehandschuhen angefasst, führend in Gesellschaftsroben war Hugo Cohn nahe am Zwingerplatz, wo auch der Adel aus der Umgehend kaufte. Helena Knoch behütete die Damen. Einst gab es in der Reuschenstrasse ein Spielwarenhaus von Augustin. Anna May zog die kleinen Kinder an und Guttentag angemessen die grossen. Am Ring gab es Gebrüder Taterka (Herrengarderobe) und bei Gebrüder Grüttner kam man im guten Sinne “in die Wolle.” Böhm u. Taussig in der Teichstrasse war eine namhafte Druckerei. Sie brachten u.a. auch den beliebten Breslauer Theater-Almanach alljährlich heraus. — Kannten Sie das Juweliergeschäft Raimondo Lorenzi, welch brillantes Unternehmen? Die Ärzte fuhren gut mit dem bekannten Equipagen Verleih Hadasch in der Mehlgasse, Telefon 1978, und endlich gab es medizinische Apparate bei Härtel. Solange man die Schulhefte von D. Guttmann, Herrenstrasse 28 nicht benützte, waren sie fehlerfrei. Nachher lag es am Schüler. Unvergessen ist Centaver in der Schmiedebrücke, Bielschowsky in der Nicolaistrasse, Herz u. Ehrlich am Blücherplatz. Hainauer war die bekannte Konzertdirektion auch Musikalienhandlung, ebenso C. Becher am Kaiser Wilhelm Denkmal, F. W. Gleiss in der Altbüsserstrasse, Offhaus, Königstrasse, Hoppe am Zwingerplatz und Geschwister Scholz in Wunschtraum]! Man träumte einst von einer Saat Die aufgehen wird in einen Staat, In welchem wieder vereint sein werden Juden, die lang verstreut auf Erden. Der Staat sollt sein ein Model-Reich, In welchem alle Menschen gleich. Sich sollen erfreuen an langem Frieden, Auch wenn nicht alles ist beschieden Was einst geplant als Preis für Frieden. Israel wie es früher war Ist kaum erreichbar heut für wahr. Kriege und Siege können nicht zwingen Die Völker, die ehrlich um Frieden ringen. — Ihr Leiter der Völker, an Euch geht der Ruf Zerstört nicht was Gott einst erschuf Das Leben an Menschheit und seid auf der Hut, Belehret die Welt, schonet kostbares Blut. Der Staat, man träumte so viele Jahr Israel war es, das auserwählt war Zu zeigen der Welt den Weg zum Frieden, Dass endlich der Menschheit Ruhe beschieden. August 2. 1970 geschrieben im Miamia Heart Institute. Salo J. Translateur Belle Plaza Apt. 712 20 Island Avenue Miami Beach, Fla. 33139 Phone 534-33490 der Nicolaistrasse. Bei Wollmann in der gleichen Strasse gab es alle Papierwaren und ein Uniformengeschäft präsentierte sich unter der Firma Emil Meyer am Blücherplatz. Herr Bandmann, der Vater unseres Dr. Bandmann führte ein solches in der Nicolaistrasse. In der Goldenen Radegasse gab es die koscheren Fleischereien von Grünpeter, später Kwilecki, Heinrich Sachs, später Moschkowitz, Militscher in der Graupenstrasse, in der Gartenstrasse eine solche von Glücksmann. Am Karlsplatz bestand lange die Konditorei S. Hahn, später Seelig. Hebräische Buchhandlungen existierten ebenfalls Brandeis, Karlsstrasse, Roth, Gartenstrasse, Witwe Meyer am Karlsplatz. Berühmt waren die Malzfruchtwerke von Meyer in der Graupenstrasse. Auch damals war der gute Strumpf Trumpf. Und deshalb sagte man der Dame mit der gefallenen Masche: “Fährst nach dem Ring mit der 2 Fahr nicht bei Albert Fuchs vorbei!” Wegen Kolonialwaren und Kaffee striebelte man gern zu Stiebler und die kleinen und grossen Leckermäuler wandten sich zu Wende, Hundeck u. Appelt, Brunies, wo sie — warm empfangen ihr “Gefrorenes” löffelten. Die Optiker Fiedler, Garai, Sitte und Heydrlch waren "sichtlich” erfreut, Sie augenblicklich zu bebrillen. Die Breslauer Faketfahrt mit ihren schmucken Gespannen machte das schwere Gepäck leicht und für eilige Nachrichten und noch eiligere Liebesbriefe gab es die “Roten Radler” in allen Farben. Manchmal wusste man nicht, wo einem der Schuh drückt. Also setzte man sich in die Klause bei Klausner, Ring 22, dort wusste man Rat. Bel Schirm Robert kam man nicht vom Regen in die Traufe. Und Gebrüder Meister zogen die Männerwelt “meisterlich" an. In Badeanzügen von Casparl sah die Dame gut ausgezogen aus. Sei dem wie dem wolle — für Seide und Wolle da war Hecht und David, Freund u. Kuttner unsre Freunde. B. Pfeifer hatte den richtigen "Pfiff” für Herrenausstattung, Sport und Reihe. Man kam immer gut an. Bilz - Sinalco war der Begriff für durstige Kehlen und mit Yoghurt von der Breslauer Molkerei machte man sich und sie gesund. In einem Minimum von Zeit reinigte und färbte Kelling die Kletasche wie neu. 15.000 Mitglieder kauften in 13 Filialen beim Konsumverein “Vorwärts”. Eingenartiger Weise hatte sich ein Fuchs mit einem Henel zusammengetan, zum Wohle der Breslauer Kauflustigen florierten sie bekanntlich am Rathause. Alle diese Geschäfte waren, wie im alten Breslau üblich, zuverlässig und gediegen. Güte, Geschmack und Preiswürdigkeit wetteiferten mit miteinander. Es gab keine Übervorteilungen und keine Überraschungen. Sie pflegten den Ruf und Namen ihrer Firma. Erst viel später organisierten sie sich im “Verband des Breslauer Einzelhandels” unter der rührigen Leitung ihres Syndicus Dr. Alfred Hirschfeld. Ich habe mich bemüht, eine Anzahl Breslauer Geschäfte zu nennen, die an diesem Abend erwähnt wurden. Keineswegs ist diese Reihe vollzählig, sondern nur als eine kleine Auslese anzusehen. - Erinnern Sie sich? Es war einmal... Haju smanim... Julius Sachs, Tel Aviv NEUERSCHEINUNG 1 RACHEL Ausgewählte Lieder Aus dem Hebräischen übertragen von RITA GOLDBERG Zeichnungen von DAVID DAVIDOV Das passende Geschenk für Ihre Freunde im In- und Ausland Herrlich gebundener Gedichtband, “DA VAR "-Verlag, Tel-Aviv Erhältlich in allen Buchhandlungen Preis IL. 11.— 9