Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 29 (April 1971)
- Date
- 1971-04-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Von unser Tel-Aviver Oper und ihrer Direktorin Ursprünglich war in Palästina opernmässig gar nichts. Und obwohl viele Juden die Oper von jeher liebten, waren Anfänge zu einer Gründung erst in den zwanziger Jahren zu verzeichnen. M. GOLIN- KIN, ein Operndirigent aus Russland, unternahm es 1923, die ersten Opernaufführungen im Land zu veranstalten. Er hatte schon in seinem Geburtsland von einer palästinensischen Nationaloper geträumt. Tel Aviv hatte damals erst 3000 Einwohner, als er mit einer Aufführung von “LA TRA- VIATA” begann. Man "bespielte” Haifa, Jerusalem und kleinere Orte. Mehr als 20 weitere Opern kamen nach und nach in den Spielplan dieser “Palästina Oper”, wobei in hebräischer Sprache gesungen wurde. 1927 musste Golinkin wegen mangelnden Geldmitteln schliessen, ein Zustand, der sich bei öfteren neuerlichen Versuchen immer wiederholte. 1941 wurde eine neue Operngruppe gegründet, die PALESTINE FOLK OPERA (Opera Amamit), bei der Golinkin auch wieder tätig war, der ‘Spiritus rector’ war Georg Singer, der aus der Czechoslovakei eingewanderte hochbegabte Dirigent. Dieses Unternehmen konnte sich 5 Jahre erhalten. Aber — können wir ohne Oper leben? Unter Leitung von EDIS de PHILIPPE hatte es eine neue Gruppe nicht leicht sich zu halten, während die gleiche Direktorin dann erneut mit der “Israel National Opera” auf die Bühne trat. Seither ist das Opernleben mit dem Namen “Edis de Philippe” aufs engste verbunden. Welch schwieriges, dornenvolles und undankbares Amt hat diese wagemutige Frau übernommen! Leiter einer Opembühne sein heisst zunächst einmal, künstlerische Verantwortung zu tragen. Der Operndirektor hat dem Publikum das Gesamtkunstwerk nahezubringen, gestützt auf ein Ensemble “mit Gesicht”. Vernünftige Spielplangestaltung und Ensemblebildung sind weitere Erfordernisse. Es galt und gilt auch hier in diesem Sektor ein Zentrum musikalischer Kultur zu schaffen und speziell die Jugend an das Opernleben in geeigneter Form heranzuziehen. Noch viele andere Forderungen, die der Opernleiter zu erfüllen hat, seien hier gar nicht erwähnt. Aber, was früheren Direktoren nicht gelang, das hat Frau de Philippe zuwege gebracht: sie führt ihre Bühne seit über 20 Jahren und sie steuert sie durch die mannighaftigsten Fährnisse der stürmischen Opernwogen geschickt hindurch. Sie hat mit künstlerischer Erfahrung nach und nach völlig neu aufgebaut, wo kaum Operntradition in europäischem Sinne bestand! Die Schwierigkeiten sind bekanntlich mannigfaltig und es ist leicht, Kritik zu üben, wenn man die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze des Opernbetriebs nicht kennt. Mit geringen Mitteln künstlerische Qualität zu erzielen — wie macht man das? Eine andere Frage ist die divergierende Struktur unseres Publikums. Dann: wie macht man mit einem Haus das nur 800 Plätze fasst, einen Abend rentabel? Oft sind die Spesen höher als die Tageseinnahmen. Die Aufgaben, die Frau de Philippe hier im Lande zu bewältigen hat, sind mit den Gegebenheiten europäischer Bühnen überhaupt nicht zu vergleichen. Man muss — was hier auch geschieht — jeweils mit doppelter Besetzung arbeiten, weil es keinen Ersatz von benachbarten Bühnen im Krankheitsfalle gibt. Die Doppelbesetzung jedoch führt zu unerquicklichen Disputen! Dann sind die zu geringen Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln ein wenig erfreuliches Kapitel. Denn ein Theater ist ja kein Wirtschaftsbetrieb, der nach dem Prinzip der Spesendeckung arbeitet, es ist ein Kulturbetrieb, der ohne ausreichende öffentliche Mittel nicht existieren kann. Zudem handelt es sich bei unserer Oper — wie bei jedem Opernbetrieb — um grosse Summen, die dauernd bereit stehen müssen: Solisten, Chor, Orchester, Dekorationen, Kostüme, Urheberrecht, Propaganda, Beleuchtung, Drucksachen und manches Andere muss bezahlt werden, vieles davon sofort. Theaterausgaben sind überall ständig im Steigen begriffen. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die allgemeine Preissteigerung. Erhöhung von Gagen und Kosten von Solisten-Gastspielen belasten den Ausgaben-Etat mehr und mehr. Es entsteht die Frage, ob Sparmassnahmen durchführbar wären, angefangen bei den Werbeausgaben, technischen Erneuerungen und Mieten. An Dekorationen und Kostümen sollte möglichst nicht gespart werden, denn nicht nur dem Ohr, auch dem Auge muss in der Oper vieles geboten werden. Eine weitere Sparmassnahme ist das Hinzunehmen der klassischen Operette (Suppö, Offenbach, Milloecker, Johann Strauss u.s.w.). Zwar muss man bei solchen Inszenierungen Sehenswertes bieten, also viel investieren, aber das macht sich bezahlt! Die Operette ist in Europa immer noch der Retter der Defizite der Operntheater. Alle europäischen Opernhäuser spielen wertvolle klassische Operette. Hier im Lande hat trotz Konzerten, Ausstellungen, Vorträgen, das Interesse an der Oper nicht nachgelassen. Deshalb sollte man von einer Erhöhung der Eintrittspreise absehen, da eine Erhöhung einen Besucherrückgang verursachen könnte. Zusammenfassend kann man sagen: Bei Beurteilung des Opernbetriebes geht es um ganz andere Dinge als nur um rein künstlerische. Die künstlerische Seite ist mit der finanziellen eng verbunden. Will man einen solchen Betrieb verstehen, konstruktiv kritisieren und dem hiesigen Kunstleben dienen, so wären Fragen zu erörtern über die inneren Einrichtungen, die modernen Ansprüchen anzupassen sind, über den baulichen Zustand, über die Erhaltung des Fundus und dessen Ergänzung und über viele andere verwaltungstechnische Schwierigkeiten. Wenn die Abendkassa einen bestimmten Betrag erbracht hat, die Ausgaben aber grösser sind, so ist eben ein Fehlbetrag da, der durch die schönsten Reden über Oper- und Gesangkunst nicht zu decken ist. Es entwickelt sich ein unmusikalisches Leitmotiv. Der Opern-Organismus ist so vielgestaltig und mannigfach, für so viele Dinge muss Vorsorge getroffen, Kosten aufgewendet werden, die direkt zum Theaterbetrieb gehören, an die aber der Laie nicht im entferntesten denkt. Nur mit grossen Mitteln sind hervorragende Kräfte zu halten. Höhere Subventionen von den zuständigen Stellen sind sachlich begründet. Alle Opernfreunde müssen mithelfen, auch in den anderen Städten. Es darf nicht sein, dass das Theater nicht genügend besucht ist. Will man sich die Opernbühne erhalten, dann muss man wohl weit mehr tun als nur das Minimum. HELFE EIN JEDER MIT! Gut, dass sie da ist, Frau Edis de Philippe, denn sonst hätte Israel vermutlich seit 20 Jahren keine Oper mehr. Es gibt von Adam eine Oper “KÖNIG FÜR EINEN TAG”. Seien Sie mal einen Tag Operndirektor in Tel Aviv, dann dürften Sie über Vieles anders denken! — Vor allem: Besuchen Sie unsere Oper, sooft Sie können, regen Sie Ihre Freunde zum Opernbesuch an. Julius Sachs VORTRAG VON HERRN REDAKTEUR MARTIN BIELSKI IM HOTEL DAN, Tel-Aviv Am 5. Januar 1971 erschienen etwa 120 Mitglieder und Gäste zu dem von Herrn Redakteur Martin Bielski gehaltenen Vortrag über “Die Zukunft der Juden Lateinamerikas”. “Der in seinem Stil und Inhalt ganz ausgezeichnete Vortrag fand bei allen Anwesenden grossen Anklang”. Insbesondere erschienen auf Einladung die Neueinwanderer aus Chile und anderen Lateinamerikanischen Ländern. Rabbiner Dr. Löwenstein, Jerusalem früher Chile war auch mit Gattin erschienen, und die Diskussion, an der sich Hiesige und Neueinwanderer beteiligten, stand auf gutem Niveau. Herr Ernst Tauber, unser Vorsitzender begrüsste insbesondere die Neueinwanderer und auch die Touristen und bei dem an den Vortrag anschliessendem Empfang bei Kaffe und Tee waren ca. 50 Personen darunter allein 25 Neuankömmlinge, die sich durch persönliche Aussprache näherkamen. Herr Dr. Josef Kaufmann, Vorsitzender des Verbandes ehemaliger Kölner und Rheinländer schlug eine Dachorganisation aller Landsmannschaften vor, die neben der Arbeit der einzelnen Verbände, die Aufgabe habe, seelische Betreuung der Neueinwanderer zu pflegen. Der Abend war besonders gut gelungen und hat uns den Weg gewiesen, weiter in diesem Sinne zu arbeiten. Nachwort: Herr Ernst Rund von der Kupath Eser des Irgun Oley Merkas Europa war auch erschienen und fand sich bereit, stets beratend und wenn nötig, mit Geldmitteln den Neueinwanderern zur Verfügung zu stehen. J. S. STIPENDIENFONDS Es ist ein Fonds gegründet worden, um Kindern oder Enkeln früherer Breslauer, die an israelischen Institutionen studieren, Beihilfen zum Studium in begrenzten Rahmen zu gewähren. Anträge mit Angaben sozialer Verhältnisse sind zu richten an den Verband ehemaliger Breslauer (Erich Lewin), Ramat Gan, Mazadastr. 27, Telefon: 749754. Jeder Antrag wird streng vertraulich behandele. BESCHNEIDUNGEN (Forts, v. S. 7) auf aufmerksam, dass die sorgfältige Desinfektion der Hände und Anziehen der Operationswäsche und Handschube etwas Zeit in Anspruch nähme, zumal ich auch Wundnaht ausführen wollte, um unerwünschte Nebenerscheinungen auszuschliessen, da ich nicht in den ersten Tagen an Ort und Stelle sein würde. — Nachdem alles vorüber war, wurde ein opulentes Mahl aufgetischt, weil die Fürstin wusste, dass dies bei ihrem früheren Frankfurter jüdischen Bankier in derartigen Fällen üblich war. Ich begnügte mich, den Berg köstlicher Gartenerdbeeren aus den fürstlichen Treibhäusern zu verkleinern. Die Frage der Verwaltung nach meinem Honorar beantwortete ich, dass ich deren Regulierung dem Gutdünken des Fürsten überliesse. Dies wurde in der Tat in fürstlicher Weise erledigt. Dieser monitären Erledigung folgte aber noch eine angenehme persönliche Honorierung. Als nach einigen Wochen zu Beginn der Sommersaison Bad Salzbrunn seine Pforten öffnete, erschien auch unter den Klängen des Kurorchesters unerwartet die Fürstin von Pless mit Gefolge. Nicht umsonst bewunderte man die als europäische Schönheit berühmte Dame. Als sie den Tisch, an dem ich mit meiner Frau und einigen guten Bekannten Platz genommen hatte, passierte, erkannte sie mich wieder und besonders reizvollem Lächeln nickte sie mir zu. Wer von den neugierig gewordenen Gästen konnte auch nur ahnen, dass dieser Sondergruss mir galt, der vor kurzem bei ihrem jüngsten Sohn den Akt der Circumcision ausgeführt hatte. Dr. Seew William Boss, Tel-Aviv 8