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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-04-01 · No. 29 (April 1971) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 29 (April 1971)
Date
1971-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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1 Ober Beschneidungen In Breslau wurden die rituellen Beschneidungen zu meiner Zeit, da ich dort wohnte, vornehmlich vom Oberkantor der alten, der “STORCHSY¬ NAGOGE” Spiro, Vater des in USA noch lebenden bekannten Malers EUGEN SPIRO, vorgenommen. Wie mir später einmal die jüdische Hebamme erzählte, rühmte er sich, wochenlang: “Heut’ war es der 3000ste Brith, den ich vorgenommen habe”. Später übernahmen dieses Amt u.a. 2 Aerzte, Sanitätsrat Freudenthal und Dr. Josef Schlesinger. Als sie mit zunehmendem Alter diese Tätigkeit aufgaben, kam mir der Gedanke, als wir Nachkommen erwarteten, den evt. zu erwartenden Sohn selbst zu beschneiden, und als dies vor 52 Jahren aktuell wurde, hatte ich bereits 51 mal als Mohel fungiert. Für den damaligen Assistenten an der Chirurgischen Abteilung des Israelitischen Krankenhauses bestanden keine medizinische Schwierigkeiten. In kurzer Zeit war ich ein gesuchter Mohel. Nur einem gefiel diese meine Tätigkeit nicht: dem Frankfurter Raw Breuer. Er riet mir, diese Funktion nicht weiter auszuführen, da ich sie ja in erster Linie als Chirurg betätige, und der tiefere Sinn der Mitzwah in den Hintergrund trete. Ich fragte den Raw an, ob es einem religiösen Arzt versagt wäre, den eigenen Sohn zu beschneiden und auch bei anderen Neugeborenen diese Mitzwah zu erfüllen. Eine Antwort habe ich nicht erhalten. Der bekannte Rabbiner Sicher (später Prag), mit dem ich in Gräfenberg angenehme Ferienstunden verbrachte, fragte mich, ob ich bereit sein würde, in seinem Sprengel im Sudetenland eine Beschneidung vorzunehmen, da seit einiger Zeit der jüdische Frauenarzt und Geburtshelfer den jungen jüdischen Müttern riet, dieses “mittelalterliche Blutopfer” zu perhorrescieren. Ich sollte bei dieser Gelegenheit den dortigen z.T. wohlhabenden Juden klar machen, wie wichtig allein vom medizinischen Gesichtspunkte aus dieser Eingriff sei. Ich willigte gern ein, obwohl die Fahrt von Kudowa aus im offenen Auto bis Hronow im Dezember etwas beschwerlich war und an der tschechischen Grenze noch eine Unterbrechung erfuhr, da der Zöllner die mitgeführten Intarumente sorgfältig kontrollieren wollte. Nur mit Hilfe des perfekt tschechisch sprechenden Rabbiners Sicher konnte man dem Beamten klar machen, dass ein genaues Betasten die Instrumente und Verbände unbrauchbar und somit meine ganze Fahrt sinnlos machen würde. Noch einmal bedurfte ich der gütigen Mitwirkung des Rabbiners als Dolmetscher bei der Verständigung mit der alten, nur tschechisch verstehenden Hebamme, die ja in den ersten Tagen die Nachbehandlung übernehmen musste. Nach dem für die Gäste überraschend rasch vor sich gehenden religiösen Akt folgte ein mich nicht weniger überraschendes Frühstück mit echtem Bohnenkaffee, Schlagobers und Gupelhupf, und das in einer Zeit, da man sich in dem ca. nur 50 km entfernten Deutschland mit einer rationierten Brotration begnügen musste. Es gelang mir durch eine kurze Ansprache ärztlichen Inhalts die Anwesenden davon zu überzeugen, wie lebenswichtig der soeben erfolgte Akt wäre. Die Gäste konnten ja nicht wissen, dass unter einer nicht entfernten Vorhaut sich allerhand schädigende, entzündliche Prozesse, ja sogar Geschwülste verbergen könnten, die man durch die Beschneidung, rechtzeitig freigelegt, erfolgreich behandeln könnte. Ich konnte auch auf eine eben erst bekannt gewordene Beobachtung eines englischen Tropenarztes hinweisen, der auf einer gleichmässig von Arabern und Christen bewohnten Insel feststellen konnte, dass Frauen, mit Christen verheiratet, häufiger an Unterleibskrebs erkrankten als die arabischen Frauen, deren Männer beschnitten waren. Durch sorgfältige klinische und pathologisch anatomische Untersuchungen hat man später feststellen können, dass sich unter der Vorhaut Substanzen finden, die krebserregend wirken können. Noch von einem anderen Gesichtspunkt betrachtet hat sich die Beschneidung, wenn auch nicht die rituelle vorgenommene, sogar als lebensrettend erwiesen. Durch Werfel’s Buch: “Die 40 Tage des Musar Dag” hat die Tat des damaligen deutschen Konsuls in der Türkei, Hermann, ihre historische Würdigung erfahren. Um möglichst viele Unglückliche dem Todeszug der deportierten Armenier zu ersparen, verbarg er sie im deutschen Konsulat, so weit Platz vorhanden war. Den Rest liess er durch einen befreundeten Arzt beschneiden. Da Armenier und Türken in ihrem Aussehen nur schwer zu unterscheiden waren, und die Armenier das türkische akzentlos beherrschen, konnte die Polizei bei dem summarischen Aufgreifen sich nur davon leiten lassen, ob im Gegensatz zu den Muselmanen die Armenier im Besitz ihrer Vorhaut waren. Durch die vorgenommene Circumcision wurde Hunderten das Leben gerettet. Es kamen die Jahre, da in Israel nicht selten Beschneidungen an Erwachsenen, gewöhnlich bei Soldaten, vorgenommen wurden, wenn sie jüdische Mädchen heiraten wollten. Auf Empfehlung des Oberrabbinats habe ich eine nicht unbeträchtliche Reihe von Offizieren in den Bund Abrahams aufgenommen. Der Akt erfolgte in örtlicher Betäubung in der Privatklinik ASSUTAH. Ein solcher junger Herr hat nach dem üblichen Segensspruch über Wein von dem man einem 8 Tage alten Säugling nur einige Tropfen auf die Lippen träufelt, den ganzen Becher in die Hand genommen und leerte ihn bis zum Grunde. Ein zufällig anwesender Arzt machte die Bemerkung: "Tat er das aus gewohnheitsmässig arischer Trunkfestigkeit oder bereits infolge jüdischer Chuzpe?“ Liessen sich diese “jungen Juden” für einige Tage im Hospital gute Pflege angedeihen, hat sich ein Priester, der bereits sämtliche Weihen bestanden hatte, aus tiefer Liebe zum jüdischen Glauben beschneiden lassen. In Gegenwart des Breslauer Oberrabbiners und des Dajans fand der Akt nicht im Spital sondern, wie bei unserem Stammvater Abraham, in der Wohnung statt bei erhaltenem Bewusstsein. Dieser wahre Sohn Abrahams, dessen Namen er jetzt auch empfing, wurde ein streng religiöser Jude, von dem unser verehrter Redakteur E. Lewin zu berichten weiss, dass er dem rechten Flügel, der orthodoxen “Agudath Israel” angehörte. Bei neugeborenen Knaben habe ich hier im Land nur noch die Beschneidung vorgenommen an Mitgliedern der Familie (Enkel oder Söhne von denen, die ich s.Zt. schon in Breslau beschnitten hatte). Im übrigen wurde diese meine Betätigung von Männern ungern gesehen, die sie gegen Entgelt Vornahmen. Es lag mir natürlich fern, ihnen diese Einnahmequelle ihrer Lebensbedürfnisse auch nur zu schmälern. Jedoch musste ich zu meinem Bedauern feststellen, dass ihre Tätigkeit oft nicht den Erfordernissen der modernen Medizin entsprach. Man brachte mir Kinder, die nach der Beschneidung entzündliche Prozesse hatten, und ähnliche Beobachtungen winden auch von dem Chefarzt**der Kinder-Abteilung der HADASSAH, Dr. Boger, gemacht und in der medizinischen Presse veröffentlicht. Als aber sogar ein Todesfall nach ritueller Beschneidung bekannt wurde, kam ich nach Rücksprache mit dem Direktor der Hadassah zur Überzeugung, dass diese Unglücksfälle nicht auf die Beschneidung zurückzuführen seien, sondern fast durchweg, auf den gleichen Mohel, der sich noch nebenbei als Geflügeischächter betätigte. Unwillkürlich musste ich an die unheilvollen Todesfälle von Kindbettfieber zur Zeit von Semmelweis denken, die durch Kontakt mit unsauberen Händen von Studenten bedingt wurden. Ich fühlte mich verpflichtet, das Oberrabbinat auf diese Vorkommnisse hinzuweisen und bat, diesen schadensverursachenden Mann auszuschalten. Während der langwierigen Verhandlungen kam glücklicherweise die Angelegenheit zu Ohren der Israel-Regierung und diese erklärte kurzerhand: nur diejenigen als die von ihr anerkannten Mohelim amtieren, die sich einer von ihr eingesetzten Kommission vorgestellt hätten. Sie stand unter der Leitung des Regierungsarztes Dr. Frankel, und ich gehörte ihr gleichfalls an. Es erfolgte eine ärztliche Untersuchung des Gesundheitsstandes der Mohelim, und vor allem der Instrumente, die sie bei Beschneidung verwandten. Es ergab sich, dass eine gewisse Zahl erfahrener Praktiker geeignet waren, bei denen man auf eine ärztliche Überwachung bei dem Akt verzichten könnte. In einigen Fällen wurden allerdings die vorgewiesenen Instrumente als unzuläglich zurückgewiesen. Bekannt dürfte es sein, dass die männlichen Mitglieder des englischen Königshauses beschnittenl werden. Dass dieses Vorgehen auch für die spanische Königsfamilie Geltung hatte, erfuhr ich, als ich telefonisch angefragt wurde, ob ich Beschneidungen vornehme. Es spräche die Verwaltung der Fürstlich-Pless’schen Güter, und ob ich geneigt wäre, den jüngsten Prinzen zu beschneiden und wie hoch sich die Kosten belaufen würden. Eine derartige Anfrage seitens der reichsten europäischen Magnaten, dessen Gemahlin eine spanische Prinzessin war, liess mich an eine Mystifikation denken, die sich mitunter einer meiner Freunde erlaubte. Ich antwortete, ich könnte zu der Anfrage erst Stellung nehmen, wenn ich persönlichen den “jungen Prinzen” besichtigt hätte. Ich erklärte mich bereit, dies am Sonntag vormittag zu tun. Nicht wenig war ich erstaunt, als meine Sprechstundenschwester etwas aufgeregt in die Privatwohnung kam um mitzuteilen; vor der Tür stände das Auto des Fürsten von Pless, um mich verabredungsgemäss nach Schloss Füstenstein abzuholen. Die \Vi — stündige Autofahrt durch den schneebedeckten Fürstensteiner Grund ging glatt vonstatten, nur fiel mir auf, dass der Chauffeur plötzlich das Tempo verlangsamte. “Ja, verehrter Herr Doktor, die Königliche Hoheit, die Mutter des Prinzen, hat mir befohlen, nicht vor 12.30 Uhr zurückzukommen, um Sie persönlich begrüssen zu können”. In der Empfangshalle flüsterte mir der Haushofmeister, als er mir den Pelz langsam abnahm, ins Ohr: “Vielleicht müssen Herr Doktor erstmal austreten”. Ich erwiderte ihm, es wäre eine immerhin seltsame Begrüssungsanfrage, die ich vom medizinischen Gesichtspunkt nach diesem Winterausflug wohl zu schätzen wisse. “Sie müssen nämlich wissen, Herr Doktor, ich pflege diese Anfrage an sämtliche Wintergäste zu stellen, da sich nicht selten bei nachfolgenden Audienzen recht peinliche Situationen ergaben”. Nachdem Ich den “hohen Patienten”, der bereits 12 Monate alt war, besichtigt hatte, erklärte ich, ich möchte den an sich kleinen Eingriff nicht ohne allgemeine Bestäubung vornehmen. Ich möchte mich für diesen Zweck nicht auf die sicherlich ausgezeichneten Säuglingsschwestern verlassen, sondern wollte einen zuverlässigen Anästehsisten mitbringen. Als wir zur verabredeten Stunde erneut ins Schloss kamen, fanden wir die Mutter nicht anders wie eine “jüdische Mamme” am Bett des Kleinen, und sie wünschte gutes Gelingen. Ich machte noch dar- (Forts. S. 8) 7

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