Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1971
- Issue
- No. 29 (April 1971)
- Date
- 1971-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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LEBENSZIEL Im Jahre 1939 folgte Frau Selma Perlstein aus Kassel dem Ruf ihrer Kinder, nach Palästina zu kommen. Im 1. Weltkrieg verlor sie ihren Mann und als Witwe schnürte sie ihr Päckchen und wanderte aus Deutschland aus. Ihr Schwiegorsohn, Dr. Brüll, der als Medizinal-Assistent an einer Berliner Klinik gearbeitet hat, musste das Reich verlassen und lebte seit 1933 in einem von ihm und Freunden aus Deutschland gegründeten Bauerndorf, Kfar Jedidjah. Krankheitshalber tauschte er seinen Beruf als “Feldarbeiter” mit dem des Mediziners ein. Er sollte in die Stadt ziehen und es schnürten alle Drei ihre Ranzen und gelangten nach Ramat-Chen, einem Vorort von Tel-Aviv. Die damals bereits 70jährige Frau Perlstein wurde alsbald in einem gerade eröffneten Elternheim am Ort aufgenommen, in dem Einwanderer aus Europa ihren Lebensabend verbringen konnten. Sie fühlte sich jedoch noch sehr rüstig und tatendurstig zur Hilfe am Mitmenschen. Sie lernte eine Frau kennen, die ihre blinde Mutter betreute. Es fiel Frau Perlstein auf, dass die Tochter einer höchst mysteriösen Tätigkeit nachging. In ein Buch vertieft, stach sie mit einer Nadel unbekannte Symbole auf einen Papierbogen. Rasch erfuhr Frau Selma, dass ihre Bekannte für Blinde schrieb. Sie erklärte ihr ferner, dass auf Grund geordneter Zeichen, Blinde diese Schrift abstasten und deutlich verstehen können. Ein Funke zuckte in ihr auf und entlud sich zur flammenden Begeisterung. Frau Perlstein bedrängte heftig die Bekannte, ihr unbedingt diese Geheimlehre zugänglich zu machen. Sie erhielt eine Adresse und begab sich, sofort nach Nathanya, einer Küstenstadt am Mittelländischen Meer. Hier lebte damals ein Herr Ludwig Cohn, der seit seinem 7. Lebensjahr das Schauspiel der auf- und untergehenden Sonne nie mehr sehen konnte. Er war erblindet, jedoch mit Hilfe der Braille Methode gelang es ihm sieben Doktorate auf Universitäten abzulegen. Er war es, der den Grundstein zur berühmten Blindenbücherei gelegt hatte, die den Namen trägt: “The Central Library for Blind”, Nathanya. Hier leben Blinde, Kinder lernen in Klassen, Studenten der Universität entleihen hier ihre Lehrbücher in Braille, aber auch Erwachsene beschäftigen sich mit Handarbeiten und verschiedenen Bastelleien. Auch unsere Frau Perlstein erlernte hier mühsam und mit hartnäckigem Fleiss, das hebräische Alphabet in Blindenschrift zu übertragen. In ihrem vorgeschrittenen Alter gelang es ihr jedoch nicht mehr, die hebräische Schrift so zu erlernen, um alles zu verstehen. Bekanntlich werden nur Konsonanten gedruckt, Vokale dagegen punktiert. Allgemein erscheint nur Jugend- Literatur punktiert. So musste Frau Perlstein es mit Kindermärchen vorlieb nehmen, um wenigstens einen Teil ihrer “Werke” verstehen zu können. Im Jahre 1052 vollendete sie ihr erstes Buch, das sie der Blinden-Bibliothek übergeben konnte. Von diesem Institut erhält sie laufend die Bücher zur Übersetzung, die Schreibbogen und das Instrument (wie wir es auf dem Bild erkennen). Hier werden die Übersetzungen gesammelt und den Blinden zugänglich gemacht. Eine geldliche Belohnung steckt Frau Perlstein nicht ein, bedauert dagegen sehr, nicht mehr in der Lage zu sein, selbst mit Geldspenden diese Organisation unterstützen zu können. So stiftet sie ihrer Hände Arbeit für dieses Haus. Ein unbeschreibliches Erlebnis hinterliess einst der 1. Besuch bei ihren “Zöglingen" in Nathanya. Gebeugten Körpers, dennoch stolz aufrecht an Geist und Seele stand dieses Mütterlein ergriffen vor ihren Schülern für die sie schrieb. Den Jungen versagte die Natur das grosse Glück, ihre alte “Pflegemutter” von Angesicht zu Angesicht zu beschauen. Nur laben konnten sich die Kleinen an der sie umgebenden Mutterliebe. In diesem erhabenen Moment, den nicht viele Wohltäter der Menschheit erleben können, stand die jugendlich Alte demütig, beglückt, aber mit erstickten Tränen vor ihren “Sprösslingen”, denen sie ihren Lebensabend widmet, um ihnen den schwarzen, finsteren Alltag zu erleuchten. Heute ist Frau Selma Perlstein 82 Jahre alt und lieferte ihre 23. Übersetzung and die Central Library for Blind, ihre 24. Arbeit ist im Werden. Einmal erhielt sie ein Diplom für ihre erfolgreichen Leistungen. An der Wand in der Lesehalle im Elternheim hängt diese Urkunde oberhalb ihres Sessels, in dem Frau Selma täglich viele Stunden verbringt, beseelt von der Genugtuung, für diese Ärmsten etwas tim zu können. Sie hat ihr hohes Ziel erreicht. Die Welt, in der sie lebt in Nächstenliebe, Glück und reiner Zufriedenheit, das ist der Preis, mit dem sie für ihre Arbeit besoldet wird. Dankend quittiert sie ihn stolz. Es möge bei der Gelegenheit nicht unerwähnt bleiben, dass auch noch drei andere Heim-Insassen ihr Werk nachahmen und unter gleichen Bedingungen aktiv die Blindenbücherei beliefern . Kurt Schlomoh Stapler NACHWORT: Dr. Ludwig Cohn, der den Grundstein zur Blindenbibliothek in Natanya gelegt hat, ist uns “Breslauern” von seiner grossen Tätigkeit als ausgezeichneter Redner, als herrvorragender Mensch, als tiefer Psychologe, der sich in die Welt der Blinden — da selbst erblindet — hineingelebt hat und vielen geholfen aus dem Leiden das “Positivum” fürs Leben herauszuholen. Er hat oft stundenlang am Bett der verwundeten Soldaten gesessen und sie durch seine Lebensbejahung wieder angespornt, die Lust zum Leben nicht zu verlieren. Die ausserordentlich grosse Persönlichkeit in Breslau und dann hier im Lande ist von unserem selg. Dr. Freyhan bereits vor Jahren in unserem Verbandsblatt gewürdigt worden. Die Redaktion Lebensbilder berühmter Kantoren HERAUSGEGEBEN VON ARON FRIEDMANN 1927 Hermann Josef Rosenthal wurde am 16. Mai 1852 in Zdunskawole, Polen, geboren und genoss, durch den Tod seines Vaters früh verwaist, bei seinen Verwandten in Grabow eine gute Erziehung. Für talmudische Wissenschaften besonders begabt, erhielt Rosenthal, noch in jungen Jahren, von dem berühmten Gelehrten R. Simche Rehfisch den Morenu-Titel. Inzwischen entwickelte sich bei Rosenthal eine wohlklingende, kräftige Baritonstimme, die ihn veranlasste, von Liebe zur Musik zugleich getragen, sich dem Kantorenfache zu widmen. In den Gemeinden Kobyln und Haynau, wo er amtierte, fand er durch seine Fähigkeiten allgemeine Anerkennung. In den Musik-wissenschaften wie Theorie, Klavier, Violine, sich stets weiterbildelnd, gelang es ihm, die Stelle in Gleiwitz neben Winkler zu erhalten. Hier hatte er besondere Gelegenheit, seine chasonischen Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen, so dass sich die Nachbargemeinde Ratibor um ihn bemühte. Auch diese Gemeinde wusste Rosenthal mit seinen stimmlichen und musikalischen Kenntnissen zu befriedigen. Durch sein vornehmes Wesen war er bei den gebildeten Familien ein gerngesehener Gast. Von Ratibor aus erhielt Rosenthal einen Ruf nach Haag. Sein Probevortrag gefiel ausserordentlich. Die Rezensenten, die zu demselben eingeladen wurden, rühmten Rosenthals ausgiebige Stimme, seinen musikalischen, abgerundeten, edlen und vornehmen Vortrag. Allein Rosenthal, auf den die Wahl fiel, nahm dieselbe nicht an. Ihn zog es mehr nach der schlesischen Residenz, Breslau. Und in der Tat, auch die Behörden Breslaus richteten ihr Augenmerk auf den Ratiborer Kantor Rosenthal, dessen Ruf über seine Wirkungsstätte hinausging. Der Breslauer Vorstand berief Rosenthal an die Seite von Spiro, der in der altehrwürdigen Storchsynagoge als Oberkantor amtierte. Auch in dieser Stellung verstand es Rosenthal durch seine gottesdienstlichen Leistungen und durch sein entgegenkommendes Auftreten, sich Freunde zu verschaffen. Nach dem Hinscheiden Spiros eröffnete sich für Rosenthal ein weites musikalisches Arbeitsgebiet. Er reorga-, nisierte den Chor, führte Gesänge der klassischen Meister Sulzer, Deutsch, Lewandowski u.a. ein, und seine sabbatlichen und Feiertagsleistungen fanden bei den Betern immer mehr Anerkennung. So gelang es Rosenthal durch sein ernstes Streben und durch seine vielseitigen Kenntnisse selbst in der Gemeinde, wo ein Moritz Deutsch mehrere Jahrzehnte amtiert hatte, sich zu behaupten. Leider war es dem biederen Fachmanne nicht vergönnt, sein ihm liebgewordenes Amt längere Zeit in Breslau zu verwalten. Schon nach 18jähriger segensreicher Tätigkeit wurde er von einer schweren Krankheit befallen, und am 12. Februar 1917 hauchte er seine edle, fromme Seele aus. Die Gemeinde widmete ihrem Oberkantor Herman Josef Rosenthal einen tiefempfundenen Nachruf, worin sie seine herrlichen Stimmittel, sein grosses Verständnis beim Vortrag der Gebete, sein liebenswürdiges Wesen und seinen makellosen Lebenswandel hervorhob. \ Gtsr | | Willst du gute Speisen speisen, | I lasse dich zu TCHELET weisen. | I Ob es Chuppe oder Briss, Q I Eine Sache ist gewiss: I I Waller weiss auf alle Fälle, | | wie er dich zufrieden stelle. J r Glaub mir, wenn ich dir erkläre, — | | Dort das Fest hat Athmosphäre! I | „TCHELET" | I TEL-AVTV, SHEINKINSTR. 59. | | TEL. 2205 45 5 6