Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1963
- Issue
- No. 8-9 (1963)
- Date
- 1963-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BRESLAUER FAMILIEN CHRONIKEN Beilage zu den „Breslauer Mitteilungen 8-9." DR. B. BRILLING: us der Geschichte der Familie Freyhan Die am Schluss dieses Artikels abgedruckten Urkunden, die aus dem Archiv der ehemaligen Synagogengemeinde Breslau stammen, vermitteln uns Angaben über die Herkunft und die älteste Geschichte der bekannten, früher in Breslau lebenden Familie Freyhan. In den Dokumenten aus den Jahren 1776 und 1791 werden Michael Salamon Freyhan (geboren 1752 in Freyhan, gestorben 1826 in Breslau), der Begründer der Freyhanschen Stiftungen, und seine zwei Schwager erwähnt: Pinkus Joseph uns Rybnik OS, verheiratet mit der 1746 geborenen Gittel Salomon, und Hirschei Aaron aus Prag, verheiratet mit deren 1742 geborenen Schwester Breundel Salomon. Diese beiden Schwestern des Michael Salomon waren in Schätzke bei Prausnitz geboren, wo ihr Vater Salomon lebte, der wahrscheinlich mit dem dort 1737 erwähnten Toleranzsteuerzahler Salomon Abraham identisch sein dürfte. Aus diesen Urkunden ergibt sich, dass Salomon Abraham, der Vater des Michael Salomon Freyhan, zwischen 1730—50 in Schätzke bei Prausnitz lebte und später nach Freyhan zog, wo ihm 1752 der Sohn Michael geboren wurde. Ausser den bereits erwähnten Kindern Michael, Breundel und Gittel hatte Salomon weitere drei Töchter, nämlich Vögele, geboren ca 1745, (verheiratet mit David Mendel Leubuscher, auch Constädter genannt, zu Brieg), Esther, geboren ca 1750 (verheiratet mit Israel in Festenberg, der später den Namen Freyhan annahm) und Blume, geboren ca 1751, (verheiratet mit David Joseph in Festenberg, der 1812 den Familiennamen Hirsch annahm). Von den Nachkommen dieser Schwestern des Michael Freyhan nahmen die Kinder der Breundel und der Esther den Familiennamen Freyhan an, wahrscheinlich um ihre Verwandschaft mit dem bekannten Michael Salomon Freyhan und ihre Beziehungen zu der Freyhanschen Familienstiftung dadurch zu dokumentieren. Alle Träger des Namens Freyhan dürften also von diesen beiden Schwestern abstammen. Aus der Urkunde vom Jahre 1804 ist ersichtlich, dass die Kinder des Hirschei Aaron und der Breundel Salomon damals den Namen Aaron (nach dem Vater Hirschei Aaron) führten. Die Wwe. Breundel nahm 1812 den Familiennamen Hirschei an, während von ihren Söhnen der hier erwähnte Moses, der damals schon in Breslau wohnte, 1812 den Familiennamen Freyhan annahm. Ihr Sohn Aaron dagegen, der ausserhalb Breslaus wohnte, nahm zuerst den Familiennamen Breslauer an und liess sich erst nach seinem Zuzug nach Breslau (1815/16) seinen Namen zu: Freyhan ändern. Ihr Sohn Salomon dagegen nannte sich, wie seine Mutter, Hirschei und erhielt erst 1822 die Erlaubnis, den Familiennamen Freyhan zu führen. Im gedruckten Verzeichnis der jüdischen Staatsbürger aus der Provinz Schlesien aus dem Jahre 1812 gab es drei Träger des Namens Freyhan, der im Verzeichnis aber Freyhahn geschrieben wurde. Dies waren Michel Salomon Freyhahn in Breslau, Salomon Freyhan in Festenberg (Sohn der Esther und des Israel in Festenberg), sowie Moses Freyhahn in Breslau (Sohn der Breundel und des Hirschei Aaron). Der in Prag 1730 geborene Hirschei Aaron ist der älteste bekannte Vorfahre des heute in Tel-Aviv lebenden Dr. Wilhelm Freyhan, des letzten noch am Leben befindlichen Vorsitzenden der Breslauer Synagogen-Gemeinde, der am 11. Juli 1963 seinen 80. Geburtstag feiern konnte. Hirschei Aaron war wohl nach seiner Vertreibung aus Prag nach Zduny (Provinz Posen) gezogen, wo sein Sohn Moses (ca. 1770) und wohl auch sein Sohn Salomon (1767) geboren ist. Dann zog er nach Breslau, wo er unter dem Titel eines Bedienten (Famulizjuden) des Privilegierten Moses Heumann Barby Aufenthalts- und Handelsgenehmigung erhielt. Dort wurde sein Sohn Aaron 1780 geboren. 1791 lebte er nicht mehr; in diesem Jahre wird seine Wwe. Breundel nebst 3 Söhnen und 2 Töchtern erwähnt. Die beiden Töchter hatten keine Nachkommen: Esther starb unverheiratet; Nache, Ehefrau des Schabthai Wartenberger in Loslau OS, starb kinderlos. Dagegen am kulturellen Leben der Stadt Breslau teil und waren tätige Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Adolf (geboren 1840) war Mitbegründer und später Ehrenvorsitzender der „Breslauer Dichterschule”, in der auch viele andere Breslauer Juden literarisch tätig waren. Er verfasste einige heitere Stücke für die Bühne und war auch Entdecker des schlesischen Schriftstellers Paul Bartsch. Ferner war er Vorstandsmitglied des Humbold-Vereins. Sein Bruder, Theodor David (1842—1909) war besonders im Breslauer Musikleben tätig. Wir müssen bei dieser Gelegenheit im Rahmen der Familienchronik einen Augenblick beim Musikleben Breslaus verweilen. Theodor Freyhan war Gründer des ersten „Breslauer Dilettantenorchesters für klassische Musik", in welchem er (seit 1862) ohne Unterschied der Konfession und politischen Anschauung die führenden musikalisch interessierten Diletantenkreise sam- :4 ' " T >' ■8| m t Ad. Freyhan M. S. Freyhan Th. Freyhan hatten seine drei verheirateten Söhne Salomon, Moses und Aaron Kinder, die den Namen Freyhan trugen, bzw. annahmen. Diese drei Söhne waren nach dem Tode ihres Vaters als Pflegekinder von ihrem kinderlosen Onkel Michael Salomon Freyhan angenommen worden und liessen sich später, nach ihrer Verheiratung, in Breslau nieder. Aaron Hirsch Freyhan, der jüngste Sohn, hatte ca. 1807 ausserhalb Breslaus geheiratet und sich niedergelassen. Dort wurden ihm seine ersten drei Kinder, Salomon (1808), Meir (1812) und Vögele (1815) geboren. Dann zog er nach Breslau, wo er, wie bereits erwähnt, anstelle des bisherigen Familiennamens Breslauer d. Namen Freyhan annahm. Aaron Hirsch Freyhan war mit Mirel geb. Levy verheiratet. Er war Kaufmann in Breslau und gehörte seit 1829 zu der Gruppe der angesehenen und gebildeten Breslauer, die sich in der „Gesellschaft der Brüder” zusammengefunden-"hatten. Er starb am 13.1.1835 in Breslau. Sein 1812 geborener Sohn Meyer (Meir) Freyhan liess sich gleichfalls in Breslau als Kaufmann bzw. als Handelsdisponent nieder. Im Jahre 1839 heiratete er Zerline (Zorel), Tochter des Breslauer Bürgers und Kaufmanns Hirsch Löbel Cassierer. Aus dieser Ehe stammten zwei Kinder, Adolf Aaron und Theodor David. Beide Brüder waren Kaufleute, nahmen melte. Hier wirkte er 25 Jahre. Seine Konzenrte, die lediglich der Pflege der klassischen Musik dienten und keine Einnahmequelle darstellten, erfreuten sich jahrelang des grössten Zuspruchs der musikalisch interessierten Breslauer, bis Musiker wie Bernhard Scholz und Professor Erich Bohn den von ihm vorbereiteten Boden in grösserem Ausmasse bearbeiten konnten. Das Orchester r'r u:'. Vereins für klassische Musik” bildete damals das Sprungbrett für bedeutenden Musiker des 19. Jahrhunderts, so z.B. für Otto Luestner, der von hier aus als Konzertmeister in die Hofkapelle nach Schwerin und dann weiter vom Grafen Otto von Stolberg-Wernigerode zur Bildung eines Streichquartetts berufen und vom Herzog zu Sachsen-Altenburg zum Kammervirtuosen ernannt wurde. Die Nachfolger des “Breslauer Dilettanten-Vereins für klassische Musik”, der bis zum Ende der 80-er Jahre existierte, trat der „Instrumental-Verein Philharmonie” an. Sein Orchester wurde zuerst von Musikdirektor Lehnert, dann von Oberlehrer Dr. Lange geleitet. Nach dessen frühen Tode bildete sich unter Leitung von Kapellmeister Hermann Behr die „Behr’sche Orchester-Vereinigung”, der sich gewiss noch manche Leser dieser Zeitung erinnern werden. Ihr erster Vorsitzender war Kapellmeister Hermann Behr selbst; Stellv. Vorsitzender: Max 5