Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1963
- Issue
- No. 8-9 (1963)
- Date
- 1963-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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AN UNSERE MITGLIEDER! In dem Bestreben unsere „Mitteilungen” von einem Mal zum anderen interessanter und wertvoller auszugestalten, bitten wir alle ehemaligen Gemeindebeamten schlesischer Synagogengemeinden, Rabbiner, Kantoren, Lehrer über ihre frühere Tätigkeit, Berichte von einzelnen Juden über ihre Erlebnisse in der Nazizeit: im Beruf, Geschäftsleben, während der Deportierung, im K.Z.-Lager u.s.w. uns zur Veröffentlichung einzusenden. Wir werden diese sammeln und glauben durch ihre Veröffentlichung einen wesentlichen allgemeien interessanten Beitrag zur Geschichte der Juden in Schlesien während der national-sozialistischen Epoche zu leisten. Allen Mitarbeitern unseren besten Dank im voraus! Da uns aus den Kreisen unserer Mitglieder und Leser zu unserer Absicht, regelmässig Familienchroniken aus Breslauer Familien zu veröffentlichen, wiederholt zustimmende Briefe zugingen und man uns ebenfalls von massgebenden Stellen aus Kreisen der Familienforschung hierzu besonders beglückwünscht hat, so werden wir diese „Familien-Chronikbeilage” auch fernerhin bringen. In der nächsten Nummer wird die Chronik der bekannten Familie „Frankel” veröffentlicht werden. Wir bitten schon jetzt unsere Leser und Mitglieder uns bei diesen Arbeiten durch Einsendung von Material zu helfen, soweit solches von einzelnen Breslauer Familien vorhanden und bekannt ist. Altersheim: Da der Trakt im Altersheim des W.S.S., in welchem unsere Breslauer wohnen, z.Z. voll besetzt ist und eine Erweiterung d. Hauses vorläufig nicht möglich ist, haben wir beschlossen uns einem zweiten Altersheim anzuschliessen, da die Errichtung eines eigenen Altersheims mit zu grossen Unkosten und Schwierigkeiten verknüpft ist. Wir verhandeln bereits mit verschiedenen Stellen und bitten unsere Mitglieder bei jeder sich bietenden Gelegenheit unseres „Altersheim- und Sozialfonds” zu gedenken, damit wir recht schnell weitere Reflektanten unterbringen können. Jael—Frauendienst: Da der Mangel an ausgebildeten Krankenschwestern immer noch sehr gross ist, hat sich unsere Frauengruppe zur gemeinsamen Arbeit mit dem Jael—Frauendienst vereinigt und betätigt sich als „Frauenhilfe” im Donola-Regierungskrankenhaus in Tel- Aviv—Jaffa. Wir bitten herzlich diejenigen Damen, welche sich einen Vormittag wöchentlich regelmässig zur Mitarbeit zur Verfügung stellen können, sich auf unsere Veranlassung mit Frau Grete Baer, Auxiliary Women Service, Government Hospital Yafo, Phone 81800 in Verbindung zu setzen. Der Name „Jael” bedeutet: Jad Esra Lacholim, zu deutsch: Hilfe für die Kranken. HERZLICHEN DANK! Allen, die in so überaus freundlicher Weise meines Eintrittes in das neunte Lebensjahrzehnt gedacht haben. Das Lob für meine bescheidenen Verdienste um den Nebenmenschen möchte ich aber nicht für mich in Anspruch nehmen. Es ist die Gnade des Allmächtigen, die es mir ermöglicht bis in das hohe Alter meine Pflicht zu tun. Tel-Aviv, Lord Byron 4. Juli 1963. Dr. Wilhelm Freyhan Wir geben nachstehend einen Briefwechsel wieder, der zwischen dem „Bundesverwaltungsamt in Köln” und dem Vorsitzenden unseres Verbandes geführt wurde, da wir annehmen, dass er für weitere Kreise von Interesse sein dürfte: BUNDESVERWALTUNGSAMT Gesch. Z. II/2-3451 Köln Betr.: Wiedergutmachung für ehern. Bedienstete jüdischer Gemeinden und öffentlicher Einrichtungen gern. § 31d BWGÖD Bezug.: ohne Sehr geehrter Herr Dr. Freyhan! In einer hier anhängingen Wiedergutmachungssache sind Zweifel über das Verhältnis des Jüdischen Kulturbundes in Breslau zur Synagogengemeinde in Breslau aufgekommen. Nach den hiesigen Kenntnissen waren die Jüdischen Kulturbünde in Deutschland selbständige Einrichtungen, die dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland angeschlossen waren. Bei der Synagogen-Gemeinde in Breslau bestand vor der Gründung des örtlichen Kulturbundes ein Kulturkreis, der dann aufgelöst wurde. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie zu der Frage des Rechtsverhältnisses des Kulturbundes und seiner Beschäftigten zur Synagogen- Gemeinde in Breslau eine Stellungnahme abgeben könnten, soweit es Ihnen als ehern. Vorsitzenden der Gemeinde möglich ist, eine Auskunft hierüber aus Ihrer Erinnerung bzw. auf Grund von etwa vorhandenen Unterlagen abzugeben. Sofern Sie noch im Besitz von entsprechenden Beweisunterlagen sind, wäre ich für eine kurzfristige Übersendung derselben zur Einsichtnahme dankbar. Für Ihre Mühewaltung darf ich Ihnen im voraus meinen besten Dank aussprechen. Hochachtungsvoll Im Auftrag gez. Besslich Wir haben hierauf erwidert: 10. März 1963 Bundesverwaltungsamt Köln 5 Köln 1, Postfach Betr.: Wiedergutmachung für ehemalige Bedienstete jüdischer Gemeinden und öffentlicher Einrichtungen gern. § 31d BWGÖD Geschäftszeichen: II 2 — 3431 Das Verhältnis des Jüdischen Kulturbundes in Breslau war wohl ziemlich das gleiche wie die Verhältnisse der Jüdischen Kulturbünde in anderen Gemeinden, welche dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland angeschlossen waren. Der Kulturkreis, welcher bei der Synagogengemeinde in Breslau bestand, war wohl nicht mit dem Jüdischen Kulturbund zu vergleichen, da der Kulturkreis mehr eine private Einrichtung war, während der Kulturbund in Breslau, wie die übrigen Kulturbünde, eine «V2 INSERATEN-ANNAHME FÜR ALLE ZEITUNGEN JERET (früher Breslau) TEL-AVIV, SHEINKIN3TR. 34 Art offizieller Einrichtung der Synagögengemeinde war, als Folge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und Ausschliessung der Juden von der deutschen Kultur. So z.B. bestand seit 1862 ein interkonfessionelles Dilettantenorchester in Breslau. Dieses Orchester machte bis 1933 viele Veränderungen durch, bis schlisslich das unter Leitung von Kapellmeister Behr stehende Dilettanten-Orchester, die „Behrsche Orchester-Vereinigung”, die letzte Erbschaft antrat. Auf nationalsozialistisches Geheiss wurden die Juden aus dieser Vereinigung entfernt und das nur aus Ariern bestehende kleine Rumpf- Orchester konnte sich wohl nur noch einige Monate halten. So entstand an dessen Stelle das Orchester des Jüdischen Kulturbundes in Breslau, an welchem die Synagogengemeinde in Breslau erheblich interessiert war, denn es ersetzte einen Kulturfaktor, dessen die Juden in Breslau bei ihrer musikalisch-kulturellen Einstellung dringendst bedurften. Man kann nicht sagen, dass die im Orchester und im Jüdischen Kulturbund selbst Beschäftigten direkt Angestellte der Synagogengemeinde waren, denn der Kulturbund sowie das Orchester suchten sich nach Möglichkeit selbst durch Eintrittsgelder zu erhalten. Auch stellten sich — abgesehen von den ohne Gehalt mitspielenden Dilettanten — alle Juden, die auf künstlerischem Gebiete etwas leisteten, im ganzen Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches zur Verfügung und begnügten sich, soweit es Berufskünstler waren, sowie die Dirigenten selbst mit geringen Vergütungen. — Aber man muss wohl unbedingt daran festhalten, dass die Synagogengemeinden und die Breslauer Gemeinde selbst ganz erheblich an den Darbietungen dieser Jüdischen Kulturbünde interessiert waren und wahrscheinlich solche gegründet hätten, wenn die Bünde und Orchester nicht aus der jüdischen Gesellschaft heraus von selbst entstanden wären. So hatte z.B. der Breslauer Jüdische Kulturbund innerhalb des Rahmens der Synagogengemeinde einen Ausschuss, der vom Vorstand der Gemeinde eingesetzt wurde und dessen Vorsitzender der Unterzeichnete war. Auch waren in den Budgets der Synagogengemeinde Beträge vom Vorstand der Synagogengemeinde ausgeworfen, welche dazu dienten, die bei den Darbietungen etwa entstandene Defizits zu decken. Die Beträge hierfür wurden im allgemeinen aus den allgemeinen Budgets des Wohlfahrtsamtes entnommen, da ja die betreffenden Berufskünstler nicht mehr in arischen Betrieben auftreten durften und auf diese Weise einen Zuschuss zu ihrer Versorgung erhielten. Hochachtungsvoll gez: Dr. Wilhelm Freyhan 3