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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1963-01-01 · No. 8-9 (1963) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1963
Issue
No. 8-9 (1963)
Date
1963-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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HANS LANDSBERGER (Haifa) Streiflichter von dem Deutschland-Treffen der Schlesier in Köln i. Sollte man einer unerwartet eingetroffenen Einladung nach Köln folgen, die zur Teilnahme an der grossen Tagung der schlesischen Landsmannschaft aufrief? überrascht stand ich vor dieser Frage. Vielleicht bot diese Reise Möglicnkeiten, endlich Klarheiten über den Verbleib meines Vaters und naher Verwandter zu erfahren, — vielleicht traf man Jugendfreunde, oder Mitschüler, mit denen man einst gemeinsam die harten Schulbänke des „Zwinger” gedrückt hatte. Alte Erinnerungen an die Heimatstadt wurden umso lebendiger, je näher der Termin für die Abfahrt heranrückte. Köln ist seit 1950 die Patenstadt von Breslau. Aus Köln waren Teilnehmer der I. Reisegruppe, die um Jahresende 1959 von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit organisiert, Israel besucht hatte. Den Gästen aus dem Rheinland gehörte die junge Schriftstellerin Dagmar Nick an, deren Vater — Professor Dr. Edmund Nick — als Komponist und Kapellmeister von der schlesischen Funkstunde und dem Lobe-Theater noch Vielen in Erinnerung ist. Dies ist insofern für Israel erwähnenswert, als in einigen Monaten ihr erstes Israel-Buch, welches in Zusammenarbeit mit einem hiesigen Fotografen entstand, erscheint. Der Reisegruppe von 1959 gehörte der für Köln zuständige Schuirat, Herr Giesberst an. Herr Giesberts war entschlossen, einen Weg zu finden der entscheidend für die Entwicklung besserer Beziehungen zwischen der aufwachsenden Generation in Deutschland und Israel sein könnte. Es gelang ihm, den damaligen Tel-Aviver Schulrat Dr. Schaul Lewin, für sein Vorhaben zu gewinnen, und viele Reisen von Schulgruppen folgten den Plänen von Herrn Giesberts. Vielleicht darf hier hinzugefügt werden, dass er auch veranlasste, dass zum Abschluss dieses Schuljahres, die Kölner Schüler ein von ihm geschriebenes Buch über Israel erhalten, dessen Drucklegung in Tel Aviv (— und nicht in Deutschland) auf ausdrücklichen Wunsch Giesberts erfolgte. II. Ein ungeheures Programm wurde den Gästen dieser 3 Tage dauernden Tagung geboten. Versammlungen, Kundgebungen, Aufmärsche, erwarten die aus allen Teilen der Bundesrepublik und auch aus dem Ausland kommenden Schlesier, die zum Teil in Massenquartieren untergebracht werden mussten. In der grossen Ausstellungshallen am Rheinufer fanden die Begegnungen der einzelnen Landsmannschaften statt. Auf den Tischen kündigen kleine Schilder die Namen der jeweiligen Städte an, wie z.B. Oels, Liegnitz usw., um die sich die früheren Bewohner scharen. Verkaufsstände bieten früher in Schlesien hergestellte und bekannte Erzeugnisse an, wie z.B. echtes Breslauer Pfefferminz, Liegnitzer Bomben und ähnliche schöne Dinge. Sonderbriefmarken werden ausgegeben, eine reiche Literatur über Schlesien ist ausgelegt. Die Tagung wurde eröffnet durch eine feierliche Gedenkstunde im grossen Saal des Gürzenich. Dort fand, im Anschluss an die Begrüssung der auswärtigen Gäste, die Verteilung der Schlesien- Preise an die in Breslau geborenen Schriftsteller Dagmar Nick, Arnold Ulitz und Prof. Friedrich Bischof, den früheren Intendanten der Schlesischen Funkstunde, statt. Am gleichen Abend lasen die Preisträger aus ihren Werken. Am zv/eiten und dritten Tagungstag fanden die grossen Kundmachungen statt, bei denen zwischen 80.000 und 200.000 Schlesier zusammenkamen. Der Bundeskanzler Adenauer, der Berliner Bürgermeister Willy Brandt und einige Minister richteten Ansprachen an die zu Tausenden nach Köln gekommenen Teilnehmer. Dabei ereignete sich ein Zwischenfall. In einer im Mai vom Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlten Fernsehsendung, hatte der bekannte Rundfunkreporter Neven Du-Mönt, einen sehr umstrittenen Bericht über Breslau, jetzt Wroclaw, geliefert. Diskussionen folgten in den grossen Tageszeitungen. Der gleiche Reporter hatte die Leitung der Fernseh-Übertragung der wesentlichen Kundgebungen der Kölner Tagung übernommen. Als das Publikum den Reporter erkannte, trat bereits eine gewisse Spannung und feindselige Stimmung gegenüber Du- Mont ein. Diese Spannung entlud sich in Anschluss an die Reden verschiedener Prominenter in der Kundgebung am Sonntag morgen. Du-Mont wurde unter Polizeischutz vom Festplatz weggeführt. Besonders eindrucksvoll gestaltete sich die Einweihung des Koitei-Archivs in dem historischen „Haus Saaleck”, in dem wertvolle schlesische Bücher und Kunstgegenstände unter der Obhut der Paienstadt Köln, zukünftig Aufnahme finden. Das Holtei-Archiv wurde in einem Festakt durch den Oberbürgermeister eröffnet. Im Verlauf dieser Tagung fanden in verschiedenen Sälen Begegnungen von Berufsgruppen, früheren Schülern, usw. statt. Ich besuchte ein solches Treffen der früheren „Zwingeraner”, leider aber waren frühere Schulkameraden nicht anwesend, hingegen zeigte es sich, dass ein grosser Teil der Teilnehmer dieses „Zwinger-Treffens, bei den gleichen Lehrern Unterricht erhalten hatte. Unter anderen, fand auch ein Treffen der früheren Arbeiter und Angestellten des bekannten Leinenhauses Bielschowsky statt. Anschliessend möchte ich hinzufügen, dass ich überall als Israeli eine besonders herzliche Aufnahme fand und sehr häufig nach den Namen früherer Schlesier, die jetzt in Israel wohnhaft sind, gefragt wurde. In fast sämtlichen Veranstaltungen wurde ausdrücklich mitgeteilt, dass ein Israeli der Tagung beiwohnte. Dr. Wilhelm Freyhon 5 Jahre ,,Verband ehemaliger Breslauer E.V.“ Am 13 Mai d.J. waren es 5 Jahre, dass der „Verband ehemaliger Breslauer” gegründet wurde. Es lohnt sich vielleicht mit ein paar Worten auf diese Gründung einzugehen, angesichts der Leistungen des Verbandes in diesen 5 Jahren und angesichts gewisser Widerstände, die er überwunden hat. Es lag von vornherein nicht in meiner Absicht zur Gründung eines Verbandes aufzurufen, um zu den zahlreichen in Israel und ausserhalb Israels bestehenden Vereinen noch einen neuen ... zigsten hinzuzufügen. Ferner war ich mir durchaus klar darüber, dass der Staat Israel nur bestehen kann, wenn nach und nach eine Annäherung der verschiedenen Landsmannschaften durch gegenseitiges Verständnis für die verschiedenartigen Belange und gegenseitige Duldung zu einander erfolgt. Aber ich fühlte mich einerseits verpflichtet für ein bleibendes Andenken an die zweitgrösste preussische und die drittgrösste deutsche Judengemeinde, deren Geschichte nachweislich bis in das Jahr 1203 zurückreicht, als der letzte noch lebende Vorsitzende dieser Gemeinde zu sorgen, andererseits hatte ich das Empfinden, dass eine grosse Zahl ehemaliger Breslauer Juden, die über die ganze Welt verstreut leben, deren Familien durch eine gewissenlose Mörderbande auseinander getrieben, beraubt und gemordet wurden, in Israel wie in den anderen Ländern, die ihnen eine neue Heimat geboten, einen Anschluss an alte Freunde und Verwandte suchen würden, wenn es möglich wäre, die noch aus den Klauen des Satans Geretteten mit einander in Verbindung zu bringen. Ich darf heut wohl nach 5 jähriger Tätigkeit des Verbandes sagen, dass es uns gelungen ist, beide Aufgaben zu erfüllen. Der Verband hat in dieser Zeit bewiesen, dass er auf dem richtigen Wege ist. Das Auffinden von Jugendfreunden und Verwandten und der Anschluss an diese muss nicht gleichzeitig zu einer Absonderung von neuen Freunden führen, muss durchaus nicht — besonders hier in Israel — einer Consolidierung der gesamten Volksgemeinschaft in Israel entgegen stehen, wie von den Gegnern befürchtet wurde. Im Gegenteil gerade hier in Israel führte die Verbandgründung durch den Zusammenschluss einer bestimmten Gruppe von gleichgesinnten Menschen zur Befruchtung einer sozialen Tätigkeit, die dem gesamten Staat nur nützlich ist. Der Verband hat durch seine Tätigkeit und Eidstenz bewiesen, dass die Fürsorge für ältere ehemalige Breslauer — in welcher Form auch immer — im Interesse des Staates liegt und dass der Zusammenschluss aller — auch der ausserhalb des Staates Israel Wohnenden — zur gemeinsamen Arbeit eine Art Fortsetzung der sozialen Tätigkeit der alten Judengemeinde Breslau zum Besten des Heiligen Landes zu werten ist. Der Verband hat bisher darauf verzichtet eine besondere gesellschaftliche Tätigkeit zu entfalten. Hierfür sorgen in der Tat nicht nur verschiedene Geselligkeitsvereine sondern die Regierung selbst und ihre verschiedenen Institutionen geben reichlich Gelegenheit hierzu. Daher kann der Verband um so mehr sein Augenmerk auf jegliche Art der Sozialarbeit richten und im Sinne der altjüdischen Überlieferung sowohl den Lebenden dienen als auch in Pietät dem Andenken unserer teuren Dahingeschiedenen und der Opfer jenes Naziterrors seinen Tribut zahlen. Die Einrichtung des „Goldenen Buches” des Verbandes, in welches auf Wunsch der Hinterbliebenen oder Freunde jeder eingetragen werden kann und die damit verbundene würdige Abhaltung der Jahrzeit ehrt für alle Zeiten die, welche nicht mehr unter uns weilen, um so mehr als die Spenden und Beiträge gleichzeitig der altbewährten jüdischen, jahrtausende alten Wohltätigkeit ein Denkmal setzen. So glaube ich, dass neben allen anderen Aufgaben des Verbandes die beiden grossen Ziele, welche mir bei der Gründung vor 5 Jahren vorschwebten — das Andenken unserer altehrwürdigen Gemeinde Breslau durch soziale Tätigkeit zu wahren und den Lebenden in jeder möglichen Form zu dienen — verwirklicht werden und dass nicht das Trennende sondern das gemeinsam Verbindende den Ausschlag unserer Tätigkeit gibt. Hoffen wir, dass die Unterstützung dieser Tätigkeit und das allgemeine Interesse, das der Verband bisher gefunden, uns auch fernerhin die Möglichkeit geben wird, seinen Zielen gerecht zu werden. 2

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