Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1963
- Issue
- No. 8-9 (1963)
- Date
- 1963-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DOPPELNUMMER MIT DER BEILAGE: „BRESLAUER FAMILIEN-CHRONIKEN” (>UM .lllDAi; A iniw*2 iKbpna iuin iw my>"r> MITTEILUNGEN No. 8-9 m DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL E. V. Und Schlesien — Gegruendet 1958 (n"’l?n) in Tel>Aviv Aktions-Comite: Dr. William (Seev) Boss, Heinrich H. Cohn, Arthur Dombrowski, Dr. Wilhelm Preyhan (Tel Aviv, Lord Byron St. 4) Dr. Julie Freud, Dr. B. Grzebinasch, N. Heymann, Dr. Th. Rosenthal, M. Rosenfeld, (Maro), Dr. S. Schmerei, J. Sachs, E. Tauber Der Monat Tisehri 5724 - Feiertagsgedanken Von der Seele und dar Liebe zu G’tt! Das Judentum geht zum Unterschied von der Trinität des Christentums von einer reinen monotheistischen Auffassung aus, in der es nur einen G’tt, eine g’ttliche Macht in der Welt wie im Menschen gibt. Wir können uns von dieser Macht schlechthin keinerlei Vorstellung machen, daher ist es ja für den modernen Menschen so schwer, an einen G’tt zu glauben. Aber wir können Empfindungen irgendwelcher Art erfühlen. Nicht mit biologischen Gefühlen des Schmerzes oder der Wollust sondern mit einem Gefühl, das wir vielleicht als ein seelisches Empfinden bezeichnen können. Natürlich ist dies nur eine Bezeichnung, eine Formulierung. Denn kein Mensch kann sagen, was die Seele ist. Eine genaue Definition derselben hat bisher weder die Philosophie oder die Religion, die Medizin noch irgend eine andere Wissenschaft präzisieren können. Wenn d. jüdische Glaubensbekenntniss des bK~)W’ yau? die Liebe zum Schöpfer fordert mit den Worten: "...IP^xn nx nanxi „Du sollst deinen G’tt lieben... mit deiner ganzen Seele”, so stellt es eigentlich eine Forderung an den Menschen, die vom menschlich-selischen Standpunkt nicht ohne weiteres erfüllbar ist. Denn wie kann man zur Liebe zwingen oder sie vorschreiben und sagen: Du sollst lieben — Du musst lieben! und gar noch mit Deiner ganzen Seele lieben! Ist doch Liebe der gefühlsbedingte Ausfluss einer Gemütsbewegung, die man ebenso wie Gemütsbewegungen im allgemeinen nicht auf Befehl erzeugen kann. Die Liebe zu G’tt wird aber gefordert und zwar vom ganzen Menschen: mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele — und deinem ganzen Vermögen. Es ist bezeichnend, dass das Vermögen des Menschen, sein Hab und Gut an letzter Stelle gefordert wird. Wir können darin die Bedeutung erblicken, welche die mih der menschlichen Psyche zuteilt. Wir Menschen hängen an den irdischen Gütern mehr als an allem anderen. Die Tora kennt diese menschliche Schwäche. Sie weiss, dass wir Herz und Seele leichter opfern als unser Vermögen. Aber sie weiss auch, dass — wenn wir erst einmal mit Herz und Seele bei einer Sache sind — wir auch fähig sind, unser Letztes — als welches der Mensch sein Vermögen ansieht — zu opfern! Daher verlangt sie zunächst, dass der Mensch sich gefühlsmässig G’tt nahe, sich ihm verpflichtet fühle. Ist erst dieser persönliche Anschluss an G’tt erfolgt, fühlt erst der Mensch, dass ausser den irdischen Gütern noch irgend etwas Transcendentes, etwas nicht Greifbares mitschwingt, etwas, das man nur erahnen, erfühlen kann, dann spielen seine irdischen Güter, sein Vermögen nicht mehr die erste Rolle. Er ist bereit, materielle Opfer seiner Überzeugung zu bringen „er wird eine offene Hand für den Nächsten haben, Waisen und Witwen unterstützen, sich den sozialen Verpflichtungen nicht entziehen, die ihm auf erlegt werden”. Daher sagt die Tora: Erst öffne dein Herz, deine Seele der g’ttlichen Forderung, dann wirst du von selbst dazu kommen, Geld und Gut nicht mehr zu überschätzen. Aber wie kann diese Annäherung an G’tt zustande kommen? Wir wissen, dass Liebe und Gefühle nicht erzwungen, Herz und Seele schwer mit Gewalt erobert werden können. Wenn die Tora sagt, du sollst G’tt lieben, so muss sie auch dem Menschen die Mittel in die Hand geben, ihm den Weg weisen, wie sich diese Liebe auswirken soll, wie diese Liebe — wenn wir so sagen dürfen — von G’tt erworben werden kann. Und sie weist den Weg! Was fordert denn G’tt, Dein G’tt, von Dir, Israel? „Ihn zu fürchten in seinen Wegen zu wandeln und Ihn zu lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele zu dienen”. (5. B. M. 10, 12). Ja, aber diese Furcht gleicht nicht der Furcht, die der Schüler vor dem Lehrer, der Sklave vor seinem Herrn, der Schwache vor dem Starken hat. Die Furcht, die G’tt von uns fordert, ist „Ehrfurcht”, ist die Furcht, die das Kind vor dem Vater, vor den Eltern hat. Ehre, ehrfürchte Deinen Vater und Deine Mutter! Diese Furcht, diese Ehrfurcht wird Dich in ein Verhältnis zum Vater bringen, das Dir die Strenge des Vaters im richtigen Lichte erscheinen lassen wird. Du wirst bei richtiger Ehrfurcht vor ihm einsehen lernen, dass seine ganze Strenge Dir gegenüber nur aus Liebe zu Dir angewandt wird. Der Vater weiss, was dem Kinde frommt. Deshalb ergreift er die Mittel, die zu des Kindes Besten sind. Seine scheinbare Strenge ist der Ausdruck seiner Liebe. Und diese Liebe erzeugt Gegenliebe. Das Kind lernt diese Liebe begreifen und erwidern. Ähnlich ist es mit der Liebe zu G’tt, die uns die Tora befiehlt. Wir erkennen nicht immer G’ttes Güte. Wir sehen im Leben gewöhnlich die unangenehmen Ereignisse, die bei weitem einen stärkeren Eindruck auf uns hinterlassen als die schönen. Die schwarzen Tage im Leben, einen „dies ater” können wir kaum vergessen, während wir an den vielen kleinen, sonnigen Freuden, die gerade dazu geeignet sind, den Alltag zu erhellen,unbeeindruckt und achtlos vorübergehen. Wir sehen sie einfach nicht. Wir wollen garnicht von den tausend kleinen oder grossen Wundern sprechen, die wir fast täglich unter dem Namen Naturwunder oder g’ttliche Wunder zu spüren bekommen — die Entfaltung der Knospe zur Blüte oder die Entwicklung eines Kindes, was letzten Endes dasselbe ist. Da zieht der Frühling mit seiner herrlichen Blütenpracht ein, fast jede Woche kommt eine andere Blumenart zur Entfaltung, nach grauen Regentagen bricht die Sonne erneut duch die Wolken und macht die Menschen fröhlicher und aufgeschlossener oder ein heiteres Kinderlachen bezaubert uns, die Freude der Kinder am kindlichen Spiel und vieles andere. Nicht zuletzt gedenken wir des Schabbaths und der Feiertage, die schon bei ihrem Einzug trotz ihrer religiösen strengen Forderungen bei allen, die daran teilhaben, heitere Zufriedenheit und Glückseligkeit verbreiten. Alle Freuden des Lebens kann der Mensch gemessen, wenn er die Augen offenhält, um zu sehen, und aufgeschlossenen Sinnes ist — sie alle sind durch G’ttes Allmacht dargereicht, zu fühlen, wahrzunehmen und — zu gemessen. Denn der Lebensgenuss, in vorgeschriebenen Grenzen gehalten, ist uns auch von G’tt verliehen, ja sogar geboten. Er gehört vielfach zu den direkt von der Tora gebotenen Pflichten. Wir spüren ihn so lange wie wir ihn in unserer Gewalt haben und er nicht ausartet und Gewalt über uns gewinnt. Und wenn wir uns der Allmacht und Güte G’ttes bewusst werden, und uns klar darüber sind, dass alles das, was G’tt uns befohlen nur zu unserem Besten und nur aus Liebe zu uns alle die Mizwoth geboten wurden, dann, ja dann wird allmählich auch in uns jenes Gefühl der Liebe zu G’tt wach werden, und es wird keine Schwierigkeiten bereiten auch das Gebot -pp^X 'T nx ronxi »Und du sollst den Ewigen, Deinen G’tt mit Deiner ganzen Seele lieben” zu erfüllen. Dr. Wilhelm Freyhan LEO FREUND Inh.: ERICH LEW IN Tel-Aviv, Mikwe Israelstr. 1, vor dem Telegraphenamt Hausu. Küchengeräte — Geschenkartikel — Leihgeschirr. Nur Qualitätsware — Individuelle Bedienung wünscht niltJ ÜJV