Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1995
- Issue
- No. 59 (1995)
- Date
- 1995-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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von Heinzwerner Goldstein Gin Thema, das die Historiker umgehen, da es nicht ln ihr Bereich gehört, Ist die unbeantwortete Frage, wie es möglich sein konnte, dass die Parolen der Nazis mindestens während der ersten Jahre ihrer Herrschaft scheinbar von der 'Mehrheit der Bevölkerung nicht ernst genommen wurden. Der „Boykottag”, der 1. April 1933, verlief in den Grossstädten einigermassen ruhig. Es war ein Schabbat, wo an den 'jüdischen Geschäften, Werkstätten, Büros, grosse Plakate waren, und vor denen die SA marschierte, um die Bevölkerung „zu warnen". Anders war es in vielen kleineren Orten, wo die Rowdies zu sagen hatten. Zu allem Unglück, rückblickend betrachtet, folgten 1936 die Olympischen Spiele, wo die antisemitische Propaganda zurückgestellt wurde. 'Dazu kam noch, dass die jüd. Bevölkerung aus den Kleingemeinden in die 'Grossstädte übersiedeln konnten, dort Wohnung und Beschäftigung, mindestens bis 1938, fanden. Es war auffällig. dass die „Intellektuellen” jener Tage, Künstler, Dichter, weite Kreise der Akademiker, aber auch Gewerkschaftsbosse, Parteifürer der „linken Gruppen", keinen Laut der Empörung hervorgebracht haben; es schien 1933, als ob der Antisemitismus salonfähig geworden war. In einer Bibliothek finden wir ein vergilbtes Taschenbuch aus dem Jahre 1981, herausgegeben von Walter Zadek, „Sie flohen vor dem Hakenkreuz. Ein Lesebuch für Deutsche". Eine Sammlung von Briefen, Erinnerungen, Werken von Emigranten. Ein Brief, den der Wirtschaftsfachmann Fritz (Perez) Naftali, 1881—1961, an den „Genossen Hertz” .im Jahre 1933, wo er schon in Erez-'lsrael, ist, schreibt, regt zum Nachdenken an und gibt Antwort auf die oben gestellte Frage : .dass in jener verhängnisvollen Juni-Sitzung der sozialdemokratischen Fraktion, die' eine Mehrheitsentscheidung für Hitler brachte, 'in dem der Kreis der Menschen, die nun einmal das höchste Vertrauen der Partei erhalten hatten, es möglich war, einfach mit antisemitischen Argumenten zu arbeiten... war in der Tat mehr als ich... für möglich gehalten hätte. Dass bei den Gewerkschaften, deren Führer auch leitende Parteigenossen waren, der Antisemitismus nicht die geringste Hemmung für eine Verständigung mit Hitler gebildet hätte, vervollständigt das Bild, und der Spitze... entsprach der Körper unten, in Eichkamp z. B. haben Helfer der „Kinderfreunde" nach dem 5. März einen jüdischen Jungen—Sohn von Arnold Zweig — gebeten doch freiwillig auszutreten, da die Mitgliedschaft von Juden die Verständigung über das Fortbestehen erschweren würde!... Ich glaube, dass es bei einer Regeneration der sozialistischen Bewegung notwendig sein wird, auch diese geistige Seite nicht zu verschleiern... Es handelt sich dabei weniger um uns Juden als um die Sozialisten, die sich leider vor der Ansteckung an Seuchen so wenig geschützt haben". Wir wollen nicht mit der heutigen Sozialdemokratischen Partei diskutieren, wieweit sie heute vor dieser „Ansteckung an Seuchen” geschützt sind? Der Brief erklärt auch die Frage, warum es möglich war, am 2. Mai 1933 die Gewerkschaften in die Arbeitsfront umzuwandeln. Der Brief stellt eine Aussage dar, die bestätigt, dass der Antisemitismus in den Kreisen, die sich gerne als „Linke" bezeichnen, kein Problem darstellte, er war „Salonfähig" geworden, um dagegen zu opponieren. Die Nazis erhielten bei den Wahlen am 5. März, auf die sich der Brief bezieht, trotz Druck und Propaganda nur ungefähr 45% der abgegebenen Stimmen... Ablösungsteiegrfymjn zu Gunsten des jüdischen Schulwerks Breslau 23