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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1995-01-01 · No. 59 (1995) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1995
Issue
No. 59 (1995)
Date
1995-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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HAM4KOM erzaehlt von Klaus Aufrichtig-Arkwright. Hamakom — der Ort Ist einer der vielen Namen fuer den Ewigen. Das Beth-OIam, unser Haus fuer die Ewigkeit, nannten die Juden Deutschlands auch den „guten Ort”. An diesem Platz fuehlte man ein wenig das Beduerfnis unseren kurzen Lebensweg in die Perspektive des Ewigen einzuordnen. im stroemenden Novemberregen, in der Stille des guten Ortes, des Friedhofs Lohestrasse, standen wir, meine Frau Judith und ich, an dem Grabe meines Urgrossvaters Emanuel Aufrichtig und seiner Frau Cecilie, geborene Ring. Emanuel war der erste in unserer Familie, der als preussischer Staatsbuerger mosaischen Glaubens geboren war. Im Jahre 1905, vor neunzig Jahren war an dieser Grabstelle die ganze Familie versammelt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen1. Die Familie Aufrichtig war im Jahr 1905 am Hoehepunkt ihrer Entwicklung. Die Konfektionsfirma H. Aufrichtig in der Junkernstrasse war eines der ’Stammhaeuser der deutschen Damenkonfektion und die Gruenderjahre fuehrten zum geschaeftlichen und finanziellen Wohlsein der Familie. Eine herrschaftliche Wohnung im „Sueden” mit Bedienten, jaehrliche Ferien in 'Karlsbad oder Venedig, einen guten Platz in der Neuen Synagoge und Mitgliedschaft der Bnai-Brith-Lessing-Loge, das war das Leben meiner Grosseltern Isidor und Emma Aufrichtig. So war die Grabstaette der Urgrosseltern, mit den imposanten Grabsteinen, umgeben von Schmiedeeisengittern, ueberwachsen mit einem Rhododendronbusch, in „ewiger Pflege", ein Ausdruck der Liebe und Hochachtung fuer die Urgrosseltern. Bis 1942 haben wir diese Staette regelmaessig besucht und gepflegt. Der Rhododendronbusch ist noch da. Die Eisengitter und alles was aus Metall war, haben die Nazis schon waehrend des 'Krieges abgerissen. Der Grabstein war nicht zu finden. Die Russen haben die Festung Breslau vom Sueden und Westen her erobert und so sind waehrend der Kaempfe viele Grabsteine umgefallen; manche mit der Schrift nach oben und andere mit der Schrift nach unten. Das Laub der letzten . fuenfzig Jahre ruht darauf und Brennesseln und Unterholz ist unter den hohen Baeumen des Friedhofes gewachsen. Den Friedhof wieder voellig herzustellen ist nur ein frommer Wunsch. Die Stille inmitten der noc'n stehenden hohen Umgebungsmauern, die Schoenheit der ungezaemten Natur und die Mahnung der vielen noch stehenden Steine an die Vergangenheit, haben diesen Friedhof in ein Sammelhaus der Erinnerungen umgewandelt. Das Kinderfeld, auf dem die drei im Kindesalter verstorbenen Brueder, meines Vaters, Erich, Ludwig und Walter Aufrichtig, begraben sind, ist verschwunden. Die schoene Kastanienallee fuehrt auf einen freien Platz, auf dem einstmals die Leichenhalle, die Gaertnerei und der Vorplatz gelegen war. Jetzt steht auf diesem Platz ein 'kleine Huette, in der der freundliche polnische Waechter des Friedhofes mit seinem Hund wohnt. Daneben steht eine kleine Baracke, in der ein Steinmetz arbeitet der einige der historischen Graeber des Friedhofes langsam wiederherstellt. Dort fand ich den einzigen Ueberrest des Almemors der Storchsynagoge, die weissladkierten Bundestafeln, die den Aufbau ueber dem Torahschrein schmueckten. Auch eine 'Kopie der Bauplaene der Neuen Synagoge gibt es dort. Die groesste Ueberraschung war es, den einzigen ueberlebenden Stein der Neuen Synagoge in der Friedhofsmauer eingemauert zu finden. Nach dem 9. 11. 1938 hat die Gemeinde diesen Stein mit Genehmigung der Gestapo, in dem Vorraum der Storchsynagoge angebracht. Dort ist der Stein aus der Mauer ausgebrochen worden. Der Steinmetz hat den Stein dort gefunden und ihn in die Friedhofsmauer eingebaut. Welche Ironie des Schicksals, dass der einzige noch vorhandene Stein, dieses grossen G”tteshauses, von der Liebe und dem Opfertod der Juden Breslaus fuer das „deutsche Vaterland" im ersten Weltkrieg zu uns spricht. Wir gingen an den Graebern der Familie Milch vorbei, deren Nachkomme, trotz seiner juedischen Abstammung, ein fuehrender Offizier in der Luftwaffe des dritten Reiches war und der Familie Stein, aus der die 'Nonne Edith Stein hervorgegangen ist. Ihre 'Bitte an den Papst Pius XIU fuer die Juden Deutschlands, ist auf taube Ohren gefallen und sie ist als Katholikin juedischer Abstammung in Auschwitz 1942 vergast worden. Das Grab Ferdinand Lasalles ist wiederhergestellt. Der liberalen Geisteshaltung der Breslauer juedischn Gemeinde, die die Beerdigung des wegen seiner Liebschaft mit Helene von Doennigsen im Duell gefallenen Ferdinands, auf dem juedischen Friedhof erlaubte, verdanken wir, dass der Friedhof noch besteht. Die Polen hatten begonnen den Friedhof einzuebenen, aber auf die Fuersprache Willi 'Brands und der SPD Deutschlands, 'ist der Friedhof Lohestrasse wegen des 'Begruenders des Sozialismus in Europa, jetzt ein „historischer Friedhof”. Von dort fuhren wir nach Kosel. Der Wagenvorplatz und die noerdliche Ziegelmauer sind noch unveraendert vorhanden. Das Verwaltungsgebaeude und die Leichenhalle sind verschwunden aber die Tahara-Halle steht noch als eine Ruine und ein Teil der verrosteten Staalkostruktion des Wandelganges zwischen der Tahara-Halle und der Leichenhalle ist auch noch da. Die Gartenanlage zwischen dem Eingangstor und dem Ehrenfriedhof beherbergt die Graeber der nach 1945 vestorbenen 'Mitglieder der polnischen Gemeinde Breslaus. Das Kriegerdenkmal ist mit Moos ueberwachsen und auch mit farbiger Schrift verschandelt. Die Erbbegraebnisse, die die westliche Mauer des Fridhofes bildeten, stehen noch meistens. Die Metallgitter, Bronzebuchstaben und Grufttueren sind verschwunden. Der Drahtzaun an der Pilsnitzerchaussee und an der Ostseite des Friedhofes ist teilweise zerstoert und soll wiederhergestellt werden. Die Wege sind ueberwachsen und der Baumnachwuchs hat den Friedhof in einen Wald verwandelt. Die Suedostecke des Friedhofs wurde am 19. 8. 1944 Standortfriedhof fuer die deutsche Wehrmacht und dort sind die deutschen gefallenen Soldaten der Festung Breslau beerdigt. Der Friedhof Kosel hat wie alle deutschen Friedhoefe in Schlesien gelitten durch: 1. Kampfhandlungen; (Fortsetzung auf Seite 24) "ü -*•-11 / Vf??*■'*$* ÜiPt Eingangstor zum Friedhof Kosel Erbbegräbnisse auf dem Friedhof Kosel SSH" SK«* 22

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