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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1995-01-01 · No. 59 (1995) · p. Seite 21

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1995
Issue
No. 59 (1995)
Date
1995-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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Jüd. Schule vor 169 Jahren (Fortsetzung von Seite 17) malige Israelit, der in seiner bis dahin befangenen ‘Meinung in dieser Neuerung einen scheinbaren Anschlag auf seinen Glauben ahnen konnte, musste durch die weise Institution des Stifters, der in seiner Stiftungsurkunde ihm sogar den Unterricht des Zeremonie!-Gesetzes vorschrieb, seine schüchterne Erwartung beruhigt und eine Bürgschaft für die Unantastung seiner ‘Religion finden. Und der weise König gab zuerst das nachahmungswürdige Beispiel, wie streitende Interessen und selbst verschiedenartige Religionsmeinungen durch gegenseitige Annäherungen zu vereinbaren und in Einklang zu bringen sind. Der Professor Joel Loewe ward der Schule leider zu früh durch den Tod entrissen, der Inspektor Wolfsohn musste aus Altersschwäche resignieren, und mit dem Abgang dieser beiden Männer schwand auch der Flor der Anstalt. Die Schüler wurden -unter der ‘Leitung des nunmehr zur christlichen Religion übergegangenen(i) Oberlehrer Herrn Neumann, ein ‘Mann von umfassenden, vielseitigen Kenntnissen, aber ohne Weltklugheit, nicht mehr, wie das Statut es vorschreibt, zur Religionsübung, nicht mehr zu den bis zu seiner Anstellung üblichen Morgen-und flamot Haschawim war eine der Siedlungen, welche -von Einwanderern aus Deutschland gegründet wurde. Sie spezialisierten sich auf Hühnerzucht und wurden deshalb „Eierjeckes” genannt. Da diese Siedler auf einem kulturell hohen ‘Niveau standen, hatte -das auch auf ihre Freizeitgestaltung grossen Einfluss. Daher war es selbstverständlich, dass diese Siedler den berühmten Dirigenten -Arturo Toskanini, als er 1938 über das damals neue, von Bronislaw Hubermann gegründete, philharmonische Orchester dirigierte (die -Musiker waren fast alle Einwanderer aus ‘Deutschland) in ihre Siedlung einluden. Abendgebeten angehalten, der Unterricht der hebräischen Sprache, deren Betreibung bei der Aufhebung der 'Nebenschulen immer dringender gefühlt wurde, ward fast ganz verabsäumt, oder In einem Grade betrieben, wie er dem geistigen Bedürfnis der Gemeinde nicht mehr entsprach. Die Schulzucht kam in Oek-adence, die Erfolge waren rückschreitend und so musste bei dem unserer Jugend eröf-fneten Zutritt in die für wissenschaftliche Ausbildung besser organisierten christlichen Schulen das ‘Interesse für die Wilhelm-Schule verloren gehen und sie musste 1n den Verfall geraten, in welchem sie dieselbe ‘jetzt vorfinden. Wir sind 'jedoch weit entfernt, durch diese Schilderung den gewesenen Vorstand dem bei dem eigenmächtigen willkürlichen Verfahren des Oberlehrers mehr eine- -leidende, als tätige Stellung angewiesen war, anklagen oder zu nahe treten zu wollen. Die Schuld fällt einzig und allein auf den Oberlehrer Neumann zurück und geschehene Dinge -können nicht ungeschehen gemacht werden. Aber unsere Absicht geht lediglich dahin, einer hochwohllöblichen städtischen Schulen-Deputation in gedrängter Kürze zu zeigen, wie sehr das Gedeihen der Schule an die Aufrechterhaltung der Religion genüpft ist, wie innig die Mitwirkung der .Gemeindemitglieder davon bedingt wird, wie sie, so lange nach Vorschrift des allerhöchsten Toskanini war überzeugter Anti-Faschist, welcher wea'er in Italien noch in Deutschland auftrat, und in seiner Wahlheimat New-York lebte. Der damalige ,,'Rosch iHamoaza” (Ortsvorsteher) war Professor Walter Steinitz (bekannter Herzspezialist, ehemals Breslau). Er empfing den Gast mit einer Ansprache. Die Siedlung schenkte ihm — dem Antifaschist welcher aus ideologischen Gründen seine Heimat verlassen musste — ein Stüokchen -Land -mit einem Pardess. Später wurde auf dieser -Parcelle ein Kulturzentrum errichtet. (Mitgeteilt von GIDEON SCHUTZ, Be’er Schewa, ebem. Breslau) Stifters verfahren wurde, so ganz das war, was sie nach Ihrer ursprünglichen Bestimmung sein sollte; was sie bei Abnahme der Leistungen der Lehrer wurde, und endlich, was sie in diesem Augenblicke ist. Die Frage, was sie in Zukunft sein soll, ist durch das allerhöchste Resci-pt d. d. 24. Juni bereits entschieden. ‘Die in demselben ausgesprochenen Zusicherungen gewähren uns die Beruhigung der Religionsßelassung, und so bleibt uns bei einer vertrauungsvollen Ergebung in Ihre Verheissungen nur noch übrig, Sie um die Gestattung des Wunsches zu bitten, dessen wir oben Erwähnung gemacht, und dieser bestehet darinnen; die hebräische Sprache kräftiger und nachdrücklicher lehren zu lassen, als dies bis jetzt der Fall war, und zwar aus folgenden Gründen: Oie hebräische Sprache ist für den Israeliten ein Besitztum, das ihm nicht nur in wissenschaftlicher -Hinsicht teuer, sondern auch als einziges Erbe von seinen Vätern schätzenswert bleiben muss. Aber weit nötiger noch als dieser zum Teil passagere Beweggrund fesselt ihn noch ein anderer an diese Sprache und legt ihm die Verpflichtung ihrer Beibehaltung auf, und zwar in Beziehung auf seine Religion. 'Wer nämlich auch nur einen schwachen Begriff von dem -Geist der Sprache, von ihrer Tiefe, ihrer Eingentümlichkeit und von den Erfordernissen eines israelitischen Theologen hat, wird sich überzeugen, dass der frühzeitigste Beginn, die beharrlichste Ausdauer, der angestrengteste Zeit- und Kraftaufwand dazu gehören, um ihn für diesen -Beruf fähig zu machen. Nun darf es nicht genügen, das ganze Alte Testament mit seinen begleitenden Attributen der Kommentare fast auswendig zu wissen, er muss nicht nur die rabbinische Auslegung eines jeden Verses kennen, sondern überdies sich eine Eindringlichkeit in die heiligen Bücher eigen machen, die ihn einst in den Stand setzt, selbst zu prüfen, zu erläutern, zu folgern, weil er nach unserem Dogma mit der Nacktheit des biblischen Gesetzes nicht ausreicht, und zur -Erlangung dieser Vollkommenheit werden Sie zugestehen, bedarf es gewiss einer Vorbereitung, die — bei dem Vermissen der ‘Nebenschulen — nur in der Wilhelms43chule, als nunmehrige einzige Pflanz-Anstalt für unsere künftigen Religionslehrer eingeleitet werden muss. Wo sollten wir sonst bei dem bestehenden Verbot, keine Ausländer im Lande aufzunehmen, unsere künftigen Rabbinen hernehmen? Wo solten unsere Volkslehrer, unsere Prediger, die alle der hebräischen Sprache mächtig sein müssen, gebildet werden, wenn wir hierzu kein Seminarium besitzen? Aber auch angenommen, wie eine hochwohllöliche städtische Schulen-Deputation uns erwidern kann, dass die für diesen Stand erforderliche Ausbeute in einer so organisierten Schule viel zu geringfügig sei, um dadurch ihren vorgezeichneten Lehrplan einer Abänderung zu entwerfen, bleibt unser Augenmerk doch noch immer unverrückt an die Tendenz der Sprache geheftet, wenn wir uns selbst fragen, woher soll der Israelit es lernen, seine täglichen Gebete, die er nach dem Ritual und selbst durch eine allerhöchste Auferlegung ausschliessend im Hebräischen halten muss, zu verstehen? Wir würden daher unmassgeblich vorschlagen, einen tüchtigen Hebräisch-Lehrer anzustellen, welcher wie einst der selige Siphri mit der vollkommensten Kenntnis der hebräischen Sprache den Ruf strenger Religiosität verbindet..." (.Jüdische Zeitung”, Breslau, August, 1927, 4. Jahrgang) Toskanini in Rrmot Haschawim, von links nach rechts: Dr. Steinitz im Gespräch mit Toskanini TOSKANINI IN RAMOT HASCHAWIM 21

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