Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1995
- Issue
- No. 59 (1995)
- Date
- 1995-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Meine Rettung aus dem Holocaust von ERNST MITCHELL (ehern. SCHAMPANIER) Als die Nazis ans Ruder kamen, war ich Vorkliniker im zahnmedizinischen Studium, was so akademisch war, dass man damit kein Salz in die Suppe verdienen konnte. Meine Versuche, auf Zahntechnik umzuschichten, waren erfolglos, trotzdem ein „arischer” Techniker sich gratis und unter Gefahr fuer ihn selbst darum bemuehte. 1942 kam ich ins Ghetto Riga, das spaeter in ein KZ. aufgeloest wurde. Bei der Aufnahme und Berufsangabe warnte mich der iRegistrar, eine juedische Gefangene (eine lettische Schoenheit, die sich der ./Herr" Lageraelteste, ein „arischer" Wechselfaelscher aus Koeln, fuer sich „schnappte"). Sie warnte mich, nicht einen akademischen Beruf, sondern ein Handwerk, anzugeben, um zu ueberleben. Obwohl ich keine technische Ausbildung, sondern nur eine dafuer nutzlose akademische, hatte und ein lausiger Techniker war gab ich natürlich als 'Beruf Zahntechniker an. Ais ich koerperlich und moralisch so weit heruntergekommen war, dass ich einmal am Ende ein Tonnenadler wurde, d.h. fuer Essbares Im Lagerabfall suchte, wurde ich am naechsten Tag ln ein anderes „Kommando" geschickt, das mir wieder, wie so oft, das Leben rettete. Es war die Zahnstation des Kriegslazaretts in der Stadt Riga, wo bereits lettische oertliche Mitgefangene arbeiteten, die hochqualifiziert waren und schon in der Ghettozeit dort waren. Sie deponierten rechtzeitig ihr Geld bei dem Heizer des Institutes, in dem wir arbeiteten und ergaenzten so ihren Lebensstandart auf normal. In diese Gruppe kam ich als einziger Jekke, erst misstrauisch behandelt. Obwohl es sich herausstellte, dass ich hoechstens als Gipser brauchbar war, wurde ich nicht zurueck ins Lager und zum Hungertod geschickt. Unser Kommandant, Dr. Fritz Lamprecht, half uns mehr, als er durfte. Er erwirkte vom Lagerkommandanten, Sturmfuehrer Sauer, dass wir nach der Arbeit auf der Zahnstation keine zusaetzliche (Scher) Arbeit, wie ueblich, zu tun hatten and „Betten" angewiesen bekamen, d.h. Einzelkojen. Er erwirkte, dass wir aus der Soldatenküche taeglich Essen holen durften. Davon noch spaeter. Er liess uns Sonntags zur Arbeit holen, aber dort gab er uns nicht nur einen freien Tag, sondern liess uns das Soldatenbad gebrauchen, was uns frei von Ungeziefer hielt. Ausserdem erwirkte er uns einen „Haarschein” der uns vom Kahischeeren bewahrte. Auf amtlichem Papier wurde bescheinigt, dass „der Haeftling no... Jude... das Haar normal tragen darf”. Ein anderer „Spass” war „der Befehl vom Tage", der Vom Verein ehemaliger Giessener und der Umgebung ln der Redaktion erhielten wir einen Bericht über die Tätigkeit dieses Verbandes. Trotz der geringen Zahl der Mitglieder, versucht der Vorstand und insbesondere Herr Josef Stern, diese zu aktivieren. Der Verband ehemaliger Breslauer wünscht den ehemaligen Giesscnern guten Erfolg. Dienstplan. 'Er begann mit dem „Offizier vom Dienst” durch alle Raenge herunter und endete auf amtlichem Papier mit „Jude vom 'Dienst" und seinen Pflichten! Ich bedauerte immer, dass ich das Papier nicht behalten konnte. Bestrafung eines Juden war, noch eine Woche „Jude vom Dienst”, was ja nie vorkam. Ehe ich zum Volltreffer komme, will ich folgende Geschichte einflechten. Beim Warten vor der Soldatenkueche passierten zwei Soldaten, die fuer ihre Station Essen holten, und als die vorbei gingen, sagte einer zum anderen „timplige Lerge" und ich wusste, er kommt aus der ehemaligen Heimat. Das naechste Mal sagte ich zu dem lettischen Kameraden das selbe so dass der Soldat es hoerte, der natuerlich zu mir ebenso wenig sprechen durfte, wie ich in meiner Uniform zu ihm. Aber er fand eine Gelegenheit und ich bat ihn, einen Brief von mir mitzunehmen, ein Kapitalverbrechen fuer uns beide. Ich hatte liebe Freunde in Berlin, aber wenige in Breslau, hatte aber alle vor meiner Verhaftung mit einander bekannt gemacht. Es war Krieg und I Ortsangaben verboten, aber ich brachte es fertig, einen Brief zu schreiben, der fuer Uneingeweihte unverstaendlich war, aber alles ueber mein Leben berichtete. Ich gab dem unbekannten Soldaten den Brief natuerlich offen und addressierte ihn an eine unbekannte Freundin von Freunden an Frau..., Polizeipraesidium Breslau, Einwohnermeldeamt, wo sie vor meiner Verfhaftung arbeitete, aber jetzt? Der Soldat lieferte den Brief persoenlich ab und so wussten meine lieben Freunde 1944, dass ich noch lebte. Ich fand sie wieder, sie hatten mir, als ich ging, Essen und Kleidung zum Sammelpunkt gebracht und ihre Freiheit, vielleicht ihr Leben, riskiert, und sie leben jetzt in meiner Naehe als treue Freunde ueber fast 60 Jahre. ich komme jetzt zu einer Art Haupttreffer mit Leutnant Dr. Lamprecht. Dr. Lamprecht war ein deutsch-nationaler, schlagende Verbindung, Reaktionär, aber ein Mann von Kultur und Erziehung. Waehrend man bei Schindler in Erwaegung stellen kann, dass er auch seine eigene Haut vor dem Zugriff zur Front retten wellte und ein Doppelspiel fuehrte, ist dieser Punkt bei Lamprecht nicht vorhanden. Selbst, wenn man sagen will, er moechte seine Leute fuer seine Arbeit retten, die folgende Geschichte wird zeigen, wie weit seine rein menschliche Toleranz ging und ich wuerde es keinem Zweifler uebel nehmen, wenn ihm meine Geschichte zweifelhaft vorkommt. Es war ein Sonntag, das Labor leer, die Soldaten frei und die lettischen KZ-!er bei ihren heimlichen verbotenen Mittagessen. Ich war allein, als Dr. Lamprecht ganz unerwartet und unuebiieh bis in den Gipsraum durchkam. Dort sah er erst die neueste Zeitung mit dem Ruf: Donnerwetter, sie haben eine neuere Ausgabe als ich!" Das allein war ein Kapitalverbrechen wie alles war. Aber dann entdeckte er eine offene Gipstonne, die aus Versehen offen war und aus der hochbepackt heraus leuchteten grosse Pakete mit richtiger Butter, gebratene Fische und Huehner usw. Dr. Lamprecht schuettelte seinen Kopf, er musste dreimal wiederkommen, um sich zu vergewissern, was er sah, war wahr. Er beschlagnahmte nichts und befahl seinem Feldwebel uns zu sagen, dass er nicht gezwungen zu werden wuenscht, zu sehen, was er nicht sehen will, obwohl er weiss, was vorgeht, und die Sachen besser zu verstecken!’ Er handelte erst, als er merkte, dass Wehrmachtsmaterial benutzt wurde, um fuer Mitgefangene Zahnarbeiten zu machen, aber meldete keinen. 'Ich fand ihn nach dem Kriege, weil ich dachte, er wuerde mich brauchen, aber er brauchte mich nicht und wir befreundeten uns, bis er starb. ilm Zuammenhang kann ich indirekt damit noch über 2 wunderbare Lebensrettungen berichten. Kurz nach meiner Ueberweisung zu der Zahnstation entwickelte ich einen Hautausschlag, entweder vom Hunger oder einer Backpfeife eines Kapo wegen des Tonnenadlers, und nichts half und ich war verzweifelt, da ich wusste, ich koennte nicht auf der Zahnstation bleiben. Da, auf nur eine Nacht kam ein beruehmter Hautspezialist durch das Lager, den ich nicht persoenlich kannte. Ich fand ihn in der kurzen freien Zeit, ich bezahlte mit Brot und er heilte mich. Am naechsten Tag war er fort. Die andere Gelegenheit war Folgendes. Unser Leiter Dr. Noim.tloh, als die Russen naeher kamen und wurde nicht gefunden und das Labor in das Lager verlegt. Einige Wenige, auch ich, wurden zurueck geschickt, um Material ins Lager zu bringen. Einer bat mich, eine illegale Goldkrone fuer ihn zuruedk zu bringen, was ich tat. Bei der Rueckkehr hatte ich kaum Zeit, die Krone hirzulegen.als ich ich zu dem Lageraeltesten im Laufschritt beordert wurde, der mich von Kopf bis Fuss untersuchte, und laufen liess. Es stellte sich heraus, dass ein lettischer Kamerad bei dem Herunterspringen vom Lastauto ein Buendel Geld aus der Tasche verlor, natuerlich ein Todesurteil, von dem ich bei weniger als eine Sekunde gerettet wurde. Und ein Drittes. Ein Mann von uns bot mir seine Kantine mit Suppe fuer unsere Kranken an, was ich taeglich tat, sodass ich zwei Kantinen hatte. Am Tor waren ja Untersuchungen, aber ich ging heil durch. Mein Engel arbeitete wieder Ueberstunden. SUCHANZEIGE Weiss jemand etwas über die Familie Herzberg? Herr Herzberg hatte in Breslau ein Spirituosengeschäft. Er wohnte vor dem Kriege aüf der Scharnhorststrasse und noch früher auf der Hohenzollernstrasse in einem Haus gemeinsam mit Edmund Nick und Herr Schweitzer. Familie Herzberg hatte zwei Kinder, Heinz und Hannchen. In der Pcgromnacht 1938 wurde sein Geschäft in der Höfchenstrasse auf besonders üble Weise zerstört. Anschriften für Dr. Klaus Ullmann an: „Verband ehemaliger Breslauer in Israel" P.O.B. 3591, 16035 Tel-Aviv.