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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1995-01-01 · No. 59 (1995) · p. Seite 19

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1995
Issue
No. 59 (1995)
Date
1995-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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DIE DOKTORTIIELfNTZIEHUNSEN JÜDISCHER EMIGRANTEN Dr. Rudolf Padezur Daniel AN DER UNIVERSITÄT BRESLAU (1938 - 1982) (Fortsetzung von Seite 13). nochmals vom Reichsinnenminister angeordnet. Der iReichsminister für Wissenschaft erhielt hierfür Auszüge aus den Ausbürgerungslisten mit Hinweisen auf Datum und Ort der Promotion, die an die Rektoren der in Frage kommenden Universitäten zur Verteilung gelangten. Über den Entzug der Doktortitel entschieden die unter Vorsitz des Rektors einberufenen Dekan- Ausschüsse. Die hierbei anzuwendende Prozedur und Voraussetzungen waren in den .Promotionsordnungen der einzelnen Fakultäten geregelt. Mit Runderlass vom 17. 7. 1934 wurden diese Ordnungen dahingehend ergänzt, dass eine Doktortitelentziehung auch dann erfolgen kann, wenn „der Inhaber des Titels sich durch sein Verhalten aes Tragens einer deutschen akademischen Würde unwürdig erweist”. Dies sollte in allen Fällen des Entzuges der deutschen Staatsangehörigkeit aufgrund des Gesetzes vom 14. 7. 1933 geschehen. Diese zunächst nur in Preussen angewandte Praxis wurde im Februar 1936 auf ganz Deutschland ausgedehnt und schliesslich im Gesetz über die Führung akademischer Grade vom 7. 6. 1939 festgeschrieben. Aufgrund von Akten des Senats der Friedrich- Wilhelms-Universität 'Breslau konnten 13 Sitzungen des Dekan^Ausschusses ermittelt werden, in denen Entschlüsse über insgesamt 211 Doktortitelentziehungen gefasst worden sind. Es waren 2 Sitzungen im Jahre 1938, mit 24, 5 Sitzungen im Jahre 1939 mit 22, 3 Sitzungen im Jahre 1940 mit 105, 2 Sitzungen im Jahre 1941 mit 45 und eine Sitzung im Jahre 1942 mit 14 Entziehungen. 'Betroffen waren 101 Promovierte der Medizinischen, 87 der Juristischen und 23 der Philosophischen Fakultät. Insgesamt 206 Entziehungen waren Folgen der Staatsangehörigkeits-Aberkennung, die restlichen stützten sich auf Gerichtsurteile. Bei den Betroffenen handelte es sich um Promovierte : 10 bis 1900, 32 aus den Jahren 1901—1910, 64 aus den Jahren 1911—>1920, 103 aus den Jahren 1921—1932 und 4 schon nach der Machtübernahme. JÜDISCHE GEMEINDEN ERWACHEN ZU NEUEM LEBEN (Fortsetzung von Seite 16) In Sommercamps mit Bibelstunden und Hebräisch-Kursen können die Gläubigen das verlorengegangene religiöse Erbe wiedergewinnen. Den Vizevorsitzenden der Breslauer Juden, Jenzy Kichler, 47, schickte die Lauder-Stiftung zum Studium auf eine amerikanische Talmud-Schule. Kichlers grösste Aufgabe ist die Restaurierung der „Weisse-Storch"-Synagoge, eines 1827 bis 1829 vom preussischen Architekten Carl Ferdinand Langhans entworfenen Gotteshauses in der Wlodkowica-Strasse. Noch s;nd die Eigentumsverhältnisse ungeklärt: Offizieller Eigentümer ist eine Baufirma, die das Gebäude als Entschädigung für offene Reparaturrechnunr.cn des letzten Nutzers übernahm. Auch Krakaus Juden kämpfen um die Rückgabe zahlreicher Gebäude, die einst der Gemeinde ge- Deutlich erkennbar ist, dass nach dem 1. Weltkrieg in 'Breslau die Zahl der jüdischen Doktoranden gestiegen ist, was ein Beweis für die grosse Anziehungskraft der hiesigen Universität ist. Diese Tendenz dauerte bis 1926 an. Vom Wirkungskreis der Breslauer Universität zeugen auch folgende Zahlen. Von den insgesamt 211 'Betroffenen waren 89 in Niederschlesien geboren (71 in 'Breslau, 4 in Liegnitz, 3 in Glogau, 2 in Glatz), 54 stammten aus Oberschlesien (u. a. 7 aus Kattowitz, je 6 aus Beuthen und Oppeln, 4 aus Hindenburg, 3 aus Neisse), weitere 32 stammten aus der 'Provinz Posen und die restlichen 36 aus 29 Orten Deutschlands (darunter 8 aus 'Berlin). 'Es wäre gewiss von Interesse die Laufbahnen unci späteren Schicksale der Auswanderer verfolgen zu können. Dem Verfasser fehlen dazu entsprechende Unterlagen und auch jegliche Vorarbeiten. Lediglich für 95 der Ausgewanderten, d. h. für 45,4%, konnte der Ansiedlungsstaat ermittelt werden. Es waren bei 21 die Vereinigten Staaten Nordamerikas, bei 16 Grossbritanien, bei 12 Palästina, bei 10 Chile, bei je 4 'Frankreich, die Schweiz und Shanghai, bei je 3 Südafrika. Bolivien und Holland, bei je 2 die Philipinen, Cuba und Uruguay sowie je einer in Belgien. Brasilien, Tschechoslowakei, Spanien, Indien (Holländ.), Island, Jugoslawien, Belgisch-Kongo und Paraguay. Paralell zu den vorgestellten Massnahmen liefen die Beschlagnahmen und Einziehungen des in Deutschland verbliebenen Vermögens der Auswanderer. Dem hier nur kurz angesprochenen Thema der Doktortitelentziehungen an der Universität Breslau liegt ein ausführlicher Text zugrunde, der im Band 17 der Schriftenreihe „Studia nad Faszyzmem i Zbrodniami Hitlerowskimi” im Rahmen der „Acta Universitatis Wratislaviensis” 1994 veröffentlicht wurde. Diesem Text ist eine Dokumentenauswahl und die Liste der 211 Betroffenen mit Angabe der 'Personalien, der Promotions-, Ausbürgerungs- und Entziehungsdaten beigefügt. hörten. An erster Stelle ihrer Wunschliste stehl das historische Kultbadehaus in der Szeroka- Strasse, in dem derzeit ein Standesamt untergebracht ist. Im alten jüdischen Stadtteil Kazimierz, wegen seiner legendären Synagogen und seines Friedhofs mit den Gräbern berühmter Gelehrter und Rabbis Pilgerstätte von gläubigen Juden aus aller Welt, arbeitet ein Kulturzentrum. Leiter Janusz Makuch will mit Vorträgen. Filmvorführungen und Konzerten dazu 'beitragen, “das Viertel zu beleben". Die Chancen dafür stehen nach dem Welterfolg von “Schindlers Liste" gut. Der Film hat Scharen von Touristen nach Krakau gelockt, die cif der Suche nach Mystik Häuser und Innenhöfe durchstreifen. Der Neu-Anfang in Warschau hatte unerwartete Folgen: Bei der 'Renovierung des Gemeindezentrums in der Twarda-Strasse, einer früheren Tuberkulcseklinik, fanden Arbeiter unter den Fussbödsn Lebensmittelkarten, Fotos, Schulhefte und Briefe ehemaliger Einwohner. Die 180 überra- Kurz von Redaktionsschluss erreichte uns die traurige Nachricht vom Ableben unseres verehrten Dr. Daniel. Noch vor einem Jahr konnten wir ihm in unserer Zeitung zu seinem 85. Geburtstag gratulieren und seine vielseitige Betätigung in Breslau und seit 1939 in Erez-Israel würdigen. Als Absolvent des 'Breslauer Rabbinerseminars und der Universität, vereinigte er tiefschürfendes jüdisches Wissen mit einer umfassenden Kenntnis der allgemeinen Bildung und insbesondere der klassischen Wissenschaften. So war er wie kein anderer befähigt einer der Hauptstützfeiler des jüdischen Gymnasiums in Breslau zu sein. Wir werden s.G.w. seine Persönlichkeit noch ausführlich würdigen. Seiner verehrten Gattin gilt unsere innige Anteilnahme. rraxjn D. R. SUCHANZEIGEN Frau Ilse Sternberger-Naumann sucht Menschen welche ihren Vater — Rechtsanwalt Kurt Naumann, bis 1937 in Gross-Strelitz und dann bis 1942 nach Theresienstadt verschleppt und von dort in das Vernichtungslager Mali- Trostinec. Ausserdem wird eine Dame gesucht, der die Kinderauswanderung unterstand und welche Frau Sternberger-Naumann bei ihrem letzten 'Besuch in Breslau 1939 Dokumente für 150 Kinder gab um sie in England unterzubringen. Frau Sternberger-'Naumann ist besonders interessiert mit Überlebenden in Kontakt zu kommen, welche mit dem Woburn House in London — eine Abteilung der dortigen jüdischen Gemeinde, die von der englischen Regierung die Kinder-Einwanderung regulierte — in Verbindung standen. Anschriften an: Association o'f former Breslauers In Israel Tel-Aviv 61035, P.O.B. 3591 * Dr. med. Klaus Wendtland (ehemals Breslau, Körnerstr. 35/37) sucht Mitschüler aus dem Elisabet-Gymnasium welches er von 1931—1939 absolvierte. Anschriften -an: Dr. med. Klaus Wendtland, D 45768 Marl, riervesier Strasse 6. sehend gut erhaltenen Dokumente gehören zu den wenigen übriggebliebenen Zeugnissen aus dem Alltag des Warschauer Ghettos. Bewahrt blieb auch die Rede zum Chanukka- Fest von Mosche ßurstein, einem jungen Mann, der in einer Ghetto-Sozialstation arbeitete. In perfektem Hebräisch schrieb der in Treblinka Ermordete: “Der Tag wird sicher kommen, an dem das Teuflische, das uns umgibt und das uns zerstören will, verschwinden wird wie Rauch. Eines Tages werden die Unterdrücker Israels vernichtet und die Juden ein freies Volk in ihrer Heimat sein.” (Spiegel, 28/1994). 19

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