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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1995-01-01 · No. 59 (1995) · p. Seite 11

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1995
Issue
No. 59 (1995)
Date
1995-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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STUFEN DER ZERSTÖRUNG (Fortsetzung von Seite 10) letzten nicht in Mischehe lebenden 18 Breslauer Juden von drei bewaffneten Schutzpolizisten zum Hauptbahnhof geleitet und ebenfalls nach Theresienstadt abtransportiert. Unter ihnen befand sich der letzte Vorsitzende der Breslauer Gemeinde, Dr. Georg Kohn, dessen Frau und zwei Kinder, der letzte leitende Arzt des (Krankenhauses, Dr. Siegmund Hadda, seine Ehefrau sowie drei Krankenschwestern. Damit war, wie die Gestapo Breslau in einem Schreiben vom 20. August 1943 feststellte — „die im Bereich der Staatspolizeileitstelle Breslau befindlich gewesene Reichsvereinigung der Juden durch Abschiebung aller Juden praktisch seit dem 10.6.43 aufgelöst. Das Vermögen ist weisungsgemäss beschlagnahmt und dem Oberfinanzpräsidenten Schlesien zur Verwaltung übergeben worden. Durch den Abtransport der Juden haben daher Krankenhäuser, Altersheime oder sonstige der ehemaligen Reichsvereinigung der Juden unterstehenden Betriebe oder Einrichtungen im Bereich der Staatspolizeileitstelle Breslau zu existieren aufgehört.”11) Nach über zweihundertjährigem Bestehen war damit das Ende'des Breslauer Jüdischen Krankenhauses besiegelt. Der grösste Teil des Inventars ging an das Amt für Volkswohlfahrt der NSDAP Niederschiesien, das hierfür einen symbolischen Betrag an den für die Verwaltung jüdischen Vermögens zuständigen Oberfinanzpräsidenten überwies. Das Gebäude, in dem sich das Krankenhaus zum Schluss befand, wurde in der Folgezeit als NS-Jungschwestemheim genutzt. Auch nachdem die überwiegende Mehrzahl der Breslauer Juden deportiert und sämtliche jüdischen Einrichtungen geschlossen worden waren, lebten noch etwa 600 bis 700 Juden in der Stadt,, vor allem solche, die entweder einen nichtjüdischen Ehepartner hatten oder aber nach den Rassegesetzen als „Mischlinge” eingestuft waren. Zur „gesundheitlichen und fürsorgerischen Betreuung" dieser zunächst von den Deportationen ausgenommenen Menschen war auf Befehl der Berliner Gestapo eine Neue Reichsvereinigung mit Sitz im Berliner jüdischen Krankenhaus gegründet worden. 'Gleichzeitig waren in 41 Städten des Reichs „Vertrauensmänner der Juden in Deutschland" ernannt worden, die als Vertreter der Neuen Reichsvereinigung deren Aufgaben vor Ort wahrzunehmen und zugleich monatlich statistische Übersichten über die in ihrem Bezirk lebenden Juden an die Berliner Zentrale einzureichen hatten. Eine wesentliche Aufgabe dieses Zwangsverbandes bestand in der Organisation der medizinischen Versorgung der jüdischen Bevölkerung, da diese entsprechend den nationaisozialistichen Bestimmungen nicht in öffentlichen Krankenhäusern behandelt werden durften. Da die meisten der vor 1933 bestehenden jüdischen Krankenhäuser — mit Ausnahme der Berliner Anstalt — bis 1943 geschlossen worden waren, wurden auf Befehl der Gestapo in mehreren Städten sogenannte Krankenstationen eingerichtet, die fcrmal der Neuen 'Reichsvereinigung unterstellt waren, ln Frankfurt aM. war eine n) Schreiben vom 20. August 1943 an den Oberfinanzpräsidenten Schlesien; APW, Urzad skarbowy Prowincji Dolnoslaskiej we Wroclawiu. Nr. 1397, f. 37. solche Station iim Sommer 1943;ln dem Gebäude Hermesweg 5/7 eröffnet worden; nachdem bei einem Bombenangriff am 4. Oktober 1943 das Haus schwer beschädigt worden war, wurde sie mehrfach verlegt und befand sich bei Kriegsende schliesslich in der Fichtestrasse 10. Ende 1944 waren hier neun Personen als Ärzte und Pfleger beschäftigt. Das Hamburger Israelitische Krankenhaus war zwischen 1941 und 1943 mehrfach beschlagnahmt und verlegt worden und zum Schluss im ehemaligen jüdischen Pfiege-und Siechenheim in der Schäferkampsallee untergebracht, wo es als Einrichtung der Neuen Reichsvereinigung bis Kriegsende fortbestand. Auch in Köln gab es, wie aus den Unterlagen der Reichsvereinigung hervorgeht, mindestens bis in den Herbst 1944 eine solche Krankenstation. In Breslau war Mitte Juni 1943 von der Gauleitung Niederschiesien der NSDAP die Eröffnung einer „Krankenstation für die noch in Breslau ansässigen jüdisch-arischen Mischehen” veranlasst worden. Vorgesehen war hierfür das ehemalige Verwaltungsgebäude auf dem jüdischen Friedhof Cosel, das von den Ärzten und Pflegekräften ' für diese Zwecke eingerichtet werden musste; „Vor diesem Verwaltungsgebäude auf dem Coseler Friedhof, der weit vor der Stadt lag, standen wir mit einem Leiterwagen voll armseligem Inventar, das man uns gegeben hatte: einige Betten, Tische, Küchenutensilien, Instrumente usw. (...) Das schon lange verlassene Verwaltungsgebäude wurde gesäubert. Die ßlumenhalle, in der man früher Blumen kaufen konnte, ehe man zu den Gräbern ging, wurde zum Operationssaal umgestaltet. Im Erdgeschoss gab es noch zwei Ärztezimmer, ein Büro, vier Krankenzimmer und eine Küche. Im ersten Stock waren das Laboratorium und ein Zimmer für die Isolation.”12) Fünf Ärzte, darunter ein Allgemeinpraktiker, ein Chirurg, ein Internist und ein Kinderarzt, sowie acht Pflegekräfte arbeiteten in der provisorisch hergerichteten Station auf dem jüdischen Friedhof und suchten unter äusserst degradierenden Bedingungen medizinische Hilfe zu leisten. Der Alltag in der Station war vor allem durch die permanente Präsenz der Gestapo bestimmt, die den gesamten Krankenbetrieb kontrollierte und bestimmte. Täglich fand sich ein Vertreter dieser Behörde, wie Karla Wolff in ihren Erinnerungen schreibt, auf der Station ein; „er bestimmte auch täglich, wer entlassen wird, wer operiert werden darf und wer arbeitsfähig ist. Bei jeder Operation hatten sie einen Beobachter dabei.” Die Aufnahme in der Station erfolgte nur unter der Voraussetzung, dass der Patient im Besitz einer Fahrgenehmigung für öffentliche Verkehrsmittel und einer polizeilichen Abmeldung vcn seinem Wohnsitz war; ausserdem musste er selbst Bettwäsche, seine Lebensmittel- und seine Kennkarte mitbringen. Unter diesen Umständen wurden bis Ende 1944 mehrere hundert Patienten, für die die Krankenstaticn die einzige Möglichkeit der medizinischen Behandlung darstellte, versorgt. Zumeist waren es ältere und unter chronischen Krankheiten leidende Menschen, die zum Teil Wochen und Monate auf der Station verbringen mussten. Zwischen 15 und 35 Patienten wurden hier, wie aus den monatlichen Berichten des Breslauer Vertreters der Neuen Reichsvereinigung hervorgeht, c) Wolff, Ich blieb zurück (wie Anm. 8), S. 32. behandelt. Hinzu kamen die zahlreichen Häftlinge der verschiedenen Breslauer Arbeitslager, die in regelmässigen Abständen unter polizeilicher Bewachung in die Krankenstation gebracht und hier notdürftig chirurgisch versorgt wurden. Zu den täglichen Arbeiten des Personals der Krankenstation gehörte auch die Bestattung zahlreicher jüdischer Häftlinge, die in den Breslauer Arbeitslagern gestorben waren; ,Aus den Lagern kam früh ein Anruf, dass man soundsoviele Tote zu erwarten hätte. Wir waren ja auch 'Friedhof und sollten für die Bestattung dieser unglücklichen Juden sorgen. Sie waren nicht ermordet, nicht erschossen oder vergast worden, sie waren „nur" verhungert oder an einer Krankheit gestorben oder auch oft zu rauh behandelt worden. Wir sahen die Zeichen.”13) Bis 'in die letzten Monate des Jahres 1944 wurde die Krankenstation auf dem Breslauer Jüdischen Friedhof weitergeführt. Die Tätigkeit der an der Station Beschäftigten war zunehmend durch den Kriegsalltag bestimmt, dessen Auswirkungen für sie angesichts des bevorstehenden Endes der militärischen Auseinandersetzungen lebensbedrohliche Ausmasse annahm. „Leute verschwanden über Nacht und kamen nie wieder. Es gab kaum Lebensmittel für uns, man wohnte in Judenhäusern und machte Schwerarbeit. Je schlechter die Kriegslage wurde, desto aggressiver wurde die Gestapo und auch die Bevölkerung.” Wie in zahlreichen anderen Städten des Deutschen Reichs begann auch die Breslauer Gestapo wenige Monate vor Kriegsende mit den Vorbereitungen zur Deportation der letzten in der Stadt lebenden Juden, iim Herbst 1944 erging an die meisten der etwa 700 Breslauer Juden der Befehl zum Transport, dessen Durchführung sich aber noch mehrere Monate hinzog. Anfang Januar 1945, wenige Wochen, bevor die Rote Armee die Stadt einschloss, wurden 150 Juden in das KZ Gross-Rossen deportiert. In diese Phase der Zusammenstellung der letzten Deportation Breslauer Juden fiel auch die Schliessung derßresiauer Krankenstation: Wie aus den erhaltenen Abrechnungen der Station hervorgeht, waren seit November 1944 keine neuen Patienten mehr aufgenommen worden. Die Entlassung der beiden letzten Behandelten ist datiert auf den 10. Dezember 1944. (Menora, 5, Jahrbuch für Deutsch-Jüdische Geschichte, 1994) 13) Wolff, Ich blieb zurück (wie Anm. 8), S. 34. Allein in der Zeit zwischen dem 20. Mai und 20. August 1943 wurden hier 16 Frauen und Männer beerdigt, die aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Polen in die Breslauer Arbeitslager verschleppt worden waren. APW, Urzad Skarbowy Prowincji Dolnoslaskiej we Wroclawiu, Nr. 1412, f. 300. Frau Lotte Meyer—90 ln diesen Tagen konnte Frau Lotte Meyer ihren 90.'Geburtstag feiern. Frau Meyer stand immer mit unserem Verband in enger Beziehung. Wir wünschen der Jubilarin alles erdenkliche Gute. Bis 120! 11

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