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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1995-01-01 · No. 59 (1995) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1995
Issue
No. 59 (1995)
Date
1995-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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STUFEN DER ZERSTÖRUNG (Fortsetzung von Seite 8) von iDr. (Hadda vom 29. Oktober 1939 hiess, „stark überaltert und teilweise pflegebedürftig" waren. Um wenigstens ein Mindestmass an medizinioher Versorgung 'aufrechtzuerhalten, benötigte das Krankenhaus ca. 140—160 'Betten. Auch für die noch zugelassenen jüdischen Ärzte, die nur noch In „jüdischen Gemeinschaftschäusem” praktizieren durften, mussten nach der Beschlagnahme andere 'Möglichkeiten zur Abhaltung ihrer Sprechstunden gefunden werden. Im Siechenheim gab es zwei provisorische hergerichtete Sprechzimmer, in denen täglich neun verschiedene Ärzte ihre Sprechstunde abhielten; weitere zehn waren in dem ehemaligen jüdischen Waisenhaus tätig. Noch im September 1939 mietete die IKVA daher eine aus zwölf Krankenzimmern sowie zwei kleineren OPJSälen bestehende Privatklinik in der Nähe des jüdischen (Krankenhauses an, um hier chirurgische Fälle zu behandlen. Nachdem Ende 1939 auch das Siechenheim geräumt werden wusste, wurde im 2. und 3. Stock des Verwaltungsgebäudes der Jüdischen Gemeinde in dier Wallstrasse eine Abteilung mit 80 Betten eingerichtet. Bis Ende 1942 bestand das Krankenhaus aus diesen beiden räumlich getrennten Abteilungen; zusätzlich hierzu betreuten die Ärzte und Pflegekräfte des Krankenhauses die Altersheime der Gemeinde, die ähnlich wie die Abteilungen des Krankenhauses auf verschiedene Gebäude in der Stadt verteilt waren. Die gesamte medizinische Versorgung der Breslauer jüdischen Bevölkerung wurde von einer geringen Zahl von Ärzten und Krankenflegern aufrechterhalten: In Sommer 1940 gab es noch 38 „Krankenbehandler" in der Stadt; im Oktober 1942, also nach Beginn der Deportationen, war ihre Zahl auf 17 zurüokgegangen. Schwieriger noch war die Situation bei den Pflegekräften: /m 'Sommer 1941 waren 25 Personen Pflegepersonal am Krankenhaus beschäftigt; zusätzlich hierzu wurden 20 weitere als Pflegekräfte ausgebildet. Oa die verschiedenen Abteilungen des Krankenhauses weit über die Stadt verstreut lagen, zudem die in der Ausbildung befindlichen Pfleger nicht alle anfallenden Arbeiten erledigen kannten, reichte diese Zahl bei weitem nioht aus. Bis weit in das Jahr 1941 hinein beschäftigte das Krankenhaus daher auch mehrere nichtjüdisohe Krankenschwestern, vor allem als Nachtwachen. Ausserdem war, wie Tausk in seinem Tagebuch schreibt, von der Gemeinde Ende des Jahres 1939 eine Jüdische 'Nothilfe eingerichtet worden, die sich auch um die Vermittlung von Arbeiten für die durch die Nothilfe Unterstützten bemühte: „Man sucht vor allem Leute für die Umzüge von armen Gememdemitgliedenn und zwecks Umlegung der Krankenanstalt; Leute zur Betreuung von alten, kranken, gebrechlichen, armen Gemeindemitgliedem, denen man Im Haushalt helfen müsste oder die notwendigen Wege abnehmen; Leute mit medizinischen und pflegerischen Kenntnissen für ambulante Krankenwartung, Tag- und Nachtpflegen (...)”•) Oie verschiedenen Krankenhausabteilungan sowie die angeschlossenen Altersheime waren fast die einzigen jüdischen Einrichtungen, die nicht *) Walter Tausk, Breslauer Tagebuch 1933—4940, Hrsg. v. Ryszard Kincel, Berlin, 1975, s. 49. bis zum Jahre 1941 von den Nationalsozialisten aufgelöst, sondern unter strenger Kontrolle weitergeführt und schrittweise in die staatlnche Verfolgungspolitik mit einbezogen wurden. So wurde das Krankenhaus 'in zunehmendem Masse zur Versorgung jüdischer Zwangsarbeiter aus Breslau sowie der näheren Umgebung herangezogen. Bereits um die Jahreswende 1940/41 waren die meisten der Breslauer arbeitsfähigen Juden zum Arbeitseinsatz verpflichtet worden; Männer zwischen 16 und 60 sowie 'Frauen zwischen 16 und 55 Jahren wurden hierzu zwangsverpflichtet und teils für öffentliche, teils zur'Fabrikarbeit eingesetzt. Nicht wenige der zur Zwangsarbeit Verpflichteten erkrankten infolge Überanstrengung, da sie der schweren körperlichen Arbeit nicht gewachsen waren. Schliesslich wurden auch aus den zahlreichen Arbeitslagern in der Nähe Breslaus erkrankte Häftlinge unter Polizeibewachung in das Krankenhaus gebracht mit dem Ziel, sie möglichst rasch wieder „arbeitsfähig" zu machen. Wie viele Patienten unter diesen Umständen seit Beginn des Zweiten Weltkrieges noch versorgt wurden, ist nicht bekannt. Lediglich für 1942 existieren Angaben, die einen Eindruck von der Arbeit am Krankenhaus vermitteln: Insgesamt 1145 Patienten wurden danach in den verschiedenen Abteilungen behandelt, darunter 115 wegen Erkrankung der Kreislauforgane, 107 mit Magen- und Darmkrankheiten, 104 wegen Nervenleiden, 52 Patienten mit Krebs und sonstigen bösartigen Geschwülsten sowie 38 Lungen- bzw. Kehlkopfkranke. Unter den Patienten befanden sich auch 61 Kinder, von denen 24 im Krankenhaus zur Welt gekommen waren. Als diese Angaben zu Beginn des Jahres 1943 beim Breslauer Statistischen Büro eingereicht wurden, war bereits ein Grossteil der Breslauer jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager deportiert worden. Die Vorbereitungen zur Deportation der rund 9000 noch in Breslau lebenden Juden hatte im 'Frühsommer 1941 mit der systematischen Ausweisung aus. ihren Wohnungen und dem Transport in mehrere, ausserhalb der Stadt gelegene Lager begonnen. Ziel dieser „Judenwohnungsaktion", wie die Vertreibung im offiziellen Sprachgebrauch hiess, war es, durch die Ausquartierung Wohnraum für nichtjüdische Wohnungssuchende zu schaffen bzw. weitere Räumlichkeiten für militärische Zwecke freizumachen. 'In Breslau besonders betroffen waren in der 'Frühphase der Deportationen die verschiedenen Einrichtungen der jüdischen Altenpflege, deren 'Räumlichkeiten fast alle im Frühsommer 1941 beschlagnahmt wurden. Zur vorläufigen Unterbringung der obdachlos gewordenen alten Menschen hatte die Breslauer Gestapo in einer ehemaligen Pflegeanstalt für geistig behinderte Männer in Tormersdorf bei Görlitz ein Lager errichtet. Am 25. Juli 1942 erliess daraufhin der Breslauer Polizeipräsident eine Verfügung, mit der die „Judenwohnungsaktion” in Breslau offiziell begann. Wie es darin hiess, „werden die Breslauer Juden aus ihren Wohnungen entfernt und in das Lager Zoar (...) überführt." Unter Aufsicht der Gestapo verliess am 31. Juli der erste Transport mit 51 Personen Breslau in Richtung Tormersdorf, weitere folgten am 25. August sowie in den Tagen zwischen dem 10. und 15. September 1941. Insgesamt wurden etwa 700 Breslauer Juden in diesem Lager interniert. Bella Garlebach-Rosenak, die als Pflegerin den ersten Transport begleiten musste, hat die Verhältnisse im Lager in ihren Erinnerungen beschrieben: „Die vielen schrecklichen Einzelheiten der Ankunft, die Schilderung der noch vor zwei Tagen gewesenen Irrenanstalt, erregt mich noch Jetzt beim Schreiben. Einige nicht schwer kranke Geisteskranke blieben noch im Haus. (Man konnte keine 'Fenster öffnen, keine Türen schliessen. Toiletten funktionierten nicht. Wasser musste man von der Strasse holen — und jeder Insasse musste helfen. (...) Uns gegenseitig zu besuchen in den Nachbarhäusern war uns nicht erlaubt.'") Tormersdorf war eins von insgesamt drei Lagern, die zur Internierung der in Breslau und Schlesien lebenden Juden dienten. Die beiden anderen Lager befanden sich in der Nähe des Dorfes Riebnig bei Brieg und In dem bekannten Kloster Grüssau. Die Lebensbedingungen In den Lagern waren geprägt durch extreme Raumknappheit, katastrophale hygienische Bedingungen und rigorose Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der internierten. Wie aus der erhaltenen „Lagerordnung Riebnig" 'hervorgeht, durften sich die Lagerinsassen nur in dem Wohngebäude aufhalten: „das Begehen der Ortsgemeinschaft Riebnig ist vorläufig nicht gestattet.” Das Verlassen des Lagers war nur möglich unter der Bedingung, dass es „zur Versorgung und Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes” notwendig war, und musste in jedem einzelnen Falle von der Breslauer 'Gestapo genehmigt werden. Die hygienischen Zustände in den Lagern, die in zum Teil jahrelang ungenutzten Gebäuden eingerichtet worden waren, verursachten zahlreiche Erkrankungen. So waren beispielsweise in Riebnig einen Monat vor der Inbetriebnahme des Gebäudes keine Kochgelegenheiten, Wasserversorgung, Lichtanlage, Heizungsmöglichkeiten und Abortanlagen vorhanden. Dr. Hadda, der zahlreiche Internierte ln dem Breslauer Krankenhaus behandelte, hat in seinen Erinnerungen die Verhältnisse in den drei Lagern beschrieben. Mit Beginn der Sammeltransporte wurde auch der Betrieb am Breslauer Jüdischen Krankenhaus zunehmend auf die Betreuung der Internierten und schliesslich auf die Zusammenstellung der Transporte in die Vernichtungslager ausgerichtet. Wie aus der für 'Riebnig erhaltenen „Lagerordnung”, die sich fast ausschliesslich mit der medizinischen Versorgung der Internierten befasst, 'hervorgeht, wurden auf Befehl der Gestapo vor allem Ärzte und Pflegepersonal des Krankenhauses mit der Organisation des Lagerlebens betraut. In Riebnig war als Lagerleiter der Arzt Dr. Georg Heidenfeld eingesetzt worden, der zugleich für die ärztliche Betreuung der Insassen zuständig war. Ausser ihm waren vier Krankenschwestern nach Riebnig gebracht worden, die die pflegerische Betreuung der anfänglich 300 Internierten übernehmen mussten. Die benötigten Medikamente, auch dies war in der Lagerordnung geregelt, wurden aus einer Apotheke im nahegelegenen Poppelau, Kreis Oppeln, bezogen. ,,Zur Abholung und zum Einkauf der Medikamente" war eine Krankenschwester berechtigt, die zu diesem Zwecke eine Genehmigung zum Verlassen des Lagers erhielt. In besonders schweren Krankheitsfällen schliesslich, die eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich machten, musste „sich der Krankenbehandler Or. Heiden- (Fortsetzung auf Seite 10) T) Bella Carlebach-Rosenak, Meine wunderbare Rettung, in: Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel, Nr. 39 (April 1976), S. 9 f. 9

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