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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1995-01-01 · No. 59 (1995) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1995
Issue
No. 59 (1995)
Date
1995-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Krankenhaus in Breslau ERINNERUNGEN EINES JÜDISCHEN ARZTES (Fortsetzung von Seite 5) zuständige Beamte der Ärztekammer zeigte sich, wie schon wiederholt, sehr hilfsbereit und so konnte ich mit seiner Unterstützung diese Klinik von der Gestapo zugewieserr erhalten. Natürlich war auch hier der Raum sehr beschränkt, aber ich konnte doch auf diese Weise alle chirurgischen Patiuien aus dem 'Siechenhaus herausnehmen und dadurch die dort durch derr Zugang neuer Patienten unhaltbar gewordenen Zustände bessern. Vom Ende September an bestand unser Krankenhaus aus zwei räumlich getrennten Abteilungen, der Inneren im Siechenhaus und der Chirurgischen in der Privatklinik. leider nur für kurze Zeit! Bereits Ende November 1939 wurde auch das Siechenhaus von der Militärverwaltung beschlagnahmt. Für die obdachlos gewordene Innere Abteilung stellte der Vorstand der Jüdischen Gemeinde ein Stockwerk der im Verwaltungsgebäude untergebrachten und kaum noch benötigten Jüdischen Schule zur Verfügung. Da hier genügend Waschräume und Toiletten vorhanden waren, machte es keine besonderen Schwierigkeiten, die Abteilung dort unterzubringen. inzwischen war auch die Chirurgische Abteilung zu klein geworden. Mit Genehmigung der Gestapo durften wir eine grössere leerstehende Privatklinik beziehen, die ursprünglich Platz für 40 Patienten und gute Operationsräume besess, auch über ein Laboratorium und eine ausreichend grosse Küche verfügte. Ein P.öp.tgcr.zimmor wurde eingerichtet, die Küche liess sich vergrössern, es Messen sich noch weitere Betten aufstellen, und so konnten wir dank der Bemühungen unseres Verwaltungsdirektors schliesslich 72 Patienten unterbringen. Für die Schwestern wurde im gleichen Gebäude eine Privatwohnung als iHeim eingerichtet. Allmählich konnte die Abteilung auf das Niveau einer guten kleinen Chirurgischen Klinik gebracht werden. Hier konnten wir bis November 1942 ungestört arbeiten. Leider waren wir nur in1 der Lage, die schwersten Fälle aufzunehmen, zumal wir viele chirurgische, meist in schlimmster Weise vernachlässigte, Patienten mit schweren1 Wundinfektionen aus den in der Umgebung Breslaus bestehenden Arbeitslagern1 erhielten. Es waren fast ausnahmslos Nichtdeutsche, meist Polen. Ein- bis zweimal wöchentlich wurden auch ambulante Patienten aus diesen Lagern unter Bewachung eines Beamten der Schutzpolizei zur Behandlung gesandt. Wie wir beobachten konnten, behandelten die Polizisten die Gefangenen sehr human, oft besorgten sie ihnen sogar Lebensmittel in der Stadt, da die Inhaftierten über Geld verfügten. Im Jahre 1941 setzten die Massendeportationen von Juden ein. Am 21. November wurden meine Frau und ich verhaftet, um abtransportiert zu werden, aber auf Intervention des Gemeindevorstandes freigelassen. Im Krankenhaus musste ich feststellen, dass man mir wichtigste Teile des Personals genommen hatte, die ich erst nach Monaten ersetzen konnte. Zu meinem Schrecken erfuhr ich, dass sich unter den etwa 1000 abtrsnsportierten Breslauer Juden mein unverheirateter 53jähriger Bruder Moritz befand, der, wie ich später erfuhr, mit seinen Leidensgenossen bei Riga ermordet worden ist. Bis zum Herbst 1941 war es mir möglich, die Schwesternschule, deren Leiter ich war, aufrechtzuhalten. Es fanden wie früher zweimal im Jahre unter Vorsitz eines Regierung-Medizinalrates die Staatsprüfungen statt, wobei ich bemerken muss, dass der letzte Vorsitzende, Dr. rned. Hoffmann, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, besonders einsichtig und entgegenkommend gewesen ist. Oie fehlenden Schwestern musste ich dadurch ersetzen, dass ich beschäftigungslose Gemeindemitglieder, fast ausnahmslos. 'Damen der besten Gesellschaft, in einem sechswöchigen Kurse notdürftig ausbildete. Sie haben sich in der Folgezeit im Pflegedienst ausgezeichnet bewährt. Dem ersten Transport folgten weitere, bis nur noch wenige Kranke und Alte übriggeblieben waren. Viele der Verhafteten machten ihrem Leben freiwillig ein Ende, unter ihnen meine bewährte Oberschwester Toni Presser. Wir haben sie und mehrere andere durch Selbstmord der Deportation Entgangene auf dem Jüdischen Friedhof in Cosel der schlesischen Heimaterde anvertraut. Ende 1942 wurde unsere, nicht zuletzt durch die Rührigkeit unseres Verwaltungsdirektors Mehrländer, gut organisierte Chirurgische Abteilung zum dritten Male von der Militärverwaltung beschlagnahmt. Im zweiten Stockwerk der jetzt völlig ungenutzten Jüdischen Schule des Gemeindehauses in der Wallstrasse, wo sich bereits unsere Innere Abteilung befand, wurde in aller Ei-ie eine Chirurgische Station errichtet, die etwa 50 Betten zählte, zwei Operationsräume besass und einen Raum zur Behandlung ambulanter Kranker hatte. Hier blieben wir, von gelegentlichen Besuchen der Gestapo abgesehen, unbehelligt, bis das Krankenhaus mit der Deportation der letzten Juden aufgelöst wurde. Eine Jüdische Apotheke gab es längst nicht mehr. Wir erhielten den Bedarf an Medikamenten und Verbandsmaterial zugeteilt und mussten über den Verbrauch genau Buch führen, was eine Aufgabe der Oberschwester war, und allwöchentlich darüber abrechnen. DAS LEBEN DER BRESLAUER JUDEN NACH KRIEGSAUSBRUCH 1939—1943 Die Bedingungen, unter denen die Juden leben mussten, verschlechterten sich ständig. Kurz vor Kriegsausbruch wurde der jüdische Grundbesitz „arisiert". Auch ich verlor mein geliebtes eigenes Haus, in dem wir solange glücklich gewesen waren und musste eine kleine Wohnung im Jüdischen Krankenhaus beziehen, die ich aber mit dessen Beschlagnahme für Militärzwecke verlor. Zur Miete wohnende Juden durften vorläufig ihre Wohnungen behalten, mussten aber nach Kriegsausbruch noch andere Judenfamilien aufnehmen. Für gewöhnlich wurde jeder Wohnraum mit einer ganzen Familie belegt. Mehr Wohnfläche billigte die Gestapo nicht zu. Nicht selten kam es vor, dass im Hause lebende .Arier” die Juden bespitzelten. Dieses wurde namentlich dann ein Problem, als die strenge Bewirtschaftung der Lebensmittel begann. Wir Juden bekamen bis 1941 rrur eine sehr kleine Fleischration, die dann noch weiter verringert wurde und 1942 vollständig fortfiel. Der Fleischgenuss wurde dann sogar unter Strafe gestellt. Ebenso bekamen wir keine Eier mehr, deren Erwerb, auch wenn sie aus dem Selbstverbrauchsquantum von Hühnerzüchtern stammten, bestraft wurde. Diese Schikane traf uns besonders hart, weil Juden bekanntlich nur Fleisch essen dürfen, das von rituell geschlachteten Tieren stammt. Solches gab es nicht mehr zu kaufen, weshalb wir auf Geflügel und Eier ausweichen mussten. Mir ist ein Fall bekannt, dass ein jüdischer Kollege, der in einer solchen vorstehend erwähnten „Gemeinschaftswohnung” leben musste, mit allen anderen Bewohnern nach Ostpolen deportiertwurde, weil andere Hausbewohner den Geruch von gebratenem Geflügel auf der Treppe wahrgenommen haben wollten. In einem anderen mir bekannten Falle wurde eine alte Dame, Witwe eines Bankdirektors, verschleppt, weil sie von einer früheren Hausangestellten einige Eier erhalten hatte. Die Gestapo machte Haussuchung, fand noch zwei Eier und verhaftete sofort die Dame. Kurz nach Kriegsausbruch mussten die Juden ihre Rundfunkgeräte abgeben, wobei es wiederum eine bewusste Schikane war, die schweren Geräte am Tage des Yomkippurfestes zur Gestaposteile bringen zu lassen, denn an jenem Feiertage darf der gläubige Jude keine Nahrung zu sich nehmen. Da obendrein die Abnahme betont langsam durchgeführt wurde, brachen besonders ältere Leute unter der Last zusammen. Dieser Festtag wurde noch in anderer Weise gestört. An seinem Vorabend, dem Kolnidrei, bekam die Gemeinde den Befehl, die Julius-und- Anna-Schottländer-Stiftung, die grosse Jüdische Altersversorgungsanstalt Breslaus, bis zum nächsten Morgen zu räumen und in tadellossem Zustande der Gestapo zu übergeben. Die ganze Nacht hindurch mussten zahlreiche Gemeindemitglieder arbeiten, um die Anstalt am Morgen des Yomkippur in untadeliger Sauberkeit zu hinterlassen. Die alten Insassen wurden in den Räumen des Jüdischen Theologischen Seminars untergebracht, das einst an die Universität Breslau angegliedert war, um den Nachwuchs an deutschen Rabbinern auszubilden. Die kostbare Bibliothek war beschlagnahmt und verschwunden, weshalb die Räumlichkeiten leer standen und sofort nach einer gründlichen 'Säuberung bezogen werden konnten. Bis Ende 1941 durften Juden die Strassenbahn benutzen, mussten aber auf einer der Plattformen stehen bleiben. Infolge des Zwanges, den Judenstern tragen zu müssen, war das nicht Immer leicht, da man gelegentlich von „arischen" Mitfahrenden angepöbelt wurde. Als ich einmal (Fortsetzung auf Seite 14) 7

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