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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1994-01-01 · No. 58 (1994) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1994
Issue
No. 58 (1994)
Date
1994-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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Bücher aus Jüdischem Besitz in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen aus dem Jahre 1942 ln der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen ist in den vergangenen Jahren von Frau Elfriede Bannas eine intensive Aktion zur Klärung der Herkunft von Büchern durchgeführt worden, die jüdische Besitzer hatten und die von der Bibliothek im Jahre 1942 ersteigert wurden. Die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen möchte die Bücher, die 1942 in den Besitz der damaligen Staatsbibliothek Bremen gelangt sind, an diejenigen zurückführen, die aus unserer Sicht den eigentlichen Anspruch auf diese Bücher haben: Nachkommen, Verwandte oder Freunde. Anschriften an: Elfriede Bannas oder Annette Rath-Beckmann, Staats, und Universitätsbibliothek, Bremen, Bibliothekstrasse, 28359, Bremen. Lange Spurensuche im Magazinkeller UNI-BIBLIOTHEK: BÜCHER ZURÜCK AN JÜDISCHE BESITZER Von PETRA SPANGENBERG „Meiner lieben Enkelin Dora zum Andenken von Grossvater 5/3/37“. So steht es mit dunkelblauer Tinte geschrieben in einem kleinen jüdi. sehen Gebetsbuch aus weissem Lackleder. Zu ger. ne wüsste Elfriede Bannas, wer wohl der Grossvater gewesen ist, und wer die Dora, im Falle des kleinen Gebetsbuches muss sie passen. Doch das ist eine Ausnahme. Von den meisten der rund 1500 ganz besonderen 'Bücher der Bremer Staas- und Universitätsbibliothek kennt sie die Besitzer — zumindest dem Namen nach. Es sind 336 Juden, deren Besitz von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurde. Die Staats- und Universitätsbibliothek hat in einer für Deutschland bislang beispiellosen Aktion die Herkunft der Bücher aufgeklärt und will sie an ihre Eigentümer zurückgeben. Bibliotheksdirektor Egon Ditt: „Wir fühlen uns dazu moralisch verpflichtet“. Alles begann im Februar 1991, als der Bremer Klaus von Münchhausen eine Eingabe an den Senat machte und ihn aufforderte, die im Dritten Reich beschlagnahmten Bücher von Juden zurückzugeben. In der Wissenschaftsbehörde stiess dieser Vorschlag auf grosse Zustimmung. Die pensionierte Oberschulrätin Elfriede Bannas bot sich an, die mühsame Spurensuche im Bestand der 1,3 Millionen Bände der Staats- und Universitätsbibliothek zu übernehmen. Von Mai bis Dezember vergangenen Jahres verschwand sie regelmässig im Magazinkeller und machte sich an die Arbeit. Ausgangspunkt war das Jahr 1942, in dem nachweislich sogenannte Judenauktionen stattfanden, auf denen beschlagnahmter Besitz versteigert wurde. Schnell stiess Elfriede Bannas auf in den Büchern vermerkte Abkürzungen wie „J A“ oder „Jd Auk“, Kürzung für Judenauktionen. Wann die Bücher in der Bremer Bibliothek gelandet waren, machte die registriete Jahreszahl deutlich. „Anfangs waren wir noch davon ausgegangen, dass wir hier die Bücher von Bremer Juden finden. Doch das war ein Trugschluss“, sagt die engagierte Pädagogirr, die von Monat zu Monat mehr von ihrer Arbeit fasziniert war. Sie durchforstete die Bücher nach persönlichen Eintragungen, Orts¬ und Zeitangaben, die teilweise nicht nur vorne, sondern auch hinten zu finden sind. Mit Hilfe des Staatsarchivs stiess sie auf Dokumente, die zeigten, dass die Bücher Juden gehören, die grösstenteils vor Kriegsbeginn über Bremen auswanderten. Im Staatsarchiv aufbewahrte Packlisten von Betroffenen bestätigten dies. Oft half der Zufall, dass in allen Pack- und Speditionslisten Namen auftauchten, die auch Elfriede Bannas in „ihren“ Büchern gefunden hatte. Auch über sogenannte Rückerstattungsanträge, die Juden in den fünfziger und sechziger Jahren beim Amt für Wiedergutmachung in Bremen stellten, stiess sie auf Namen und familiäre Zusammenhänge. Zum Beispiel auf Otto Kahn, der einst als Korrespondent der Frankfurter Zeitung in Rom tätig war. Ihm wird unter anderen das Buch „Le opere di Dante“ (Die Werke Dantes) zugeordnet. 'Mehr noch: Elfriede Bannas fand heraus, dass Kahn in den sechziger Jahren in Bremen war, eines seiner Bücher in der Bibliothek fand und eine Eintragung „beschädigt“ machte. Offenbar mochte Otto Kahn die damalige Bibliotheksleitung nicht auf sein Eigentum ansprechen und stellte sein Buch zurück ins Regal. Über Susanne Rosenthal fand Elfriede Bannas heraus, dass sie offenbar in Breslau zu einem Kreis kulturell engagierter Juden gehörte. Zwei Dichter widmeten der Frau ihre Bücher. Susanne Rosenthal wollte offenbar nach Lateinamerika ausyvandern, blieb aber in New York hängen. Ihr Eigentum sollte am 1. September 1939 mit dem Schiff nachgeschickt werden. Weil an diesem Tag der Zweite Weltkrieg begann, konnte das Schiff nicht ablegen. Susanne Rosenthals Eigentum, das bei einer Bremer Spedition lagerte, wurde im März 1942 von den Nazis beschlagnahmt und kurz darauf versteigert. „Die Arbeit hat mich sehr berührt, ich konnte sogar über die Widmungen in den Büchern Eheschliessungen nachvollziehen“, sagt Elfriede Bannas. Die meisten ihrer „Buchfamilien“, wie sie sie liebevoll nennt, kamen aus dem süddeutschen Raum, aus Breslau und Leipzig. Die Bremen am nächsten gelegenen Herkunftsorte sind Osnabrück und Nordhorn. Auswanderungsziele waren London, New York, Südamerika und Australien. Deutlich wird aus den Büchern, darunter wertvolle Kunstfolianten (in einem Fall mit Originalen des 'Malers Louis Corinth) und Bände in limitierter Auflage, dass ihre Besitzer Bürger mit einem besonders hohen Bildungsstand und grossem kulturellen Engagement waren. Gerade auch deshalb ist es Egon Ditt wichtig, dass die Eigentümer beziehungsweise ihre Nachkommen ihre Bücher zurückerhalten. Mit Hi'fe von Veröffentlichungen will man nun versuchen, an die Betroffenen heranzukommen. Ditt: „Es sind so viele Spuren ausgelegt, dass wir weitermachen können“. (Weser Kurier, 29.8.92) HANDSCHRIFT VON „PENTATEUCH“ UND „HOHES LIED“ fr*m mm Sie ist auf Pergament in zierlicher italienischer Quadratschrift geschrieben und aller Wahrscheinlichkeit nach Ende des 14. Jahrfoun. dorts entstanden. Die Ornamentik der Einbanddeckel weist allerdings ins 16. Jahrhundert. Die ersten Pergamentblätter enthalten Illustrationen vorwiegend zu Exodus, Kapitel 25 und 35—38. Die reproduzierten Tafeln haben folgenden Inhalt: 1. Altar- und Opfergeräte, 2. Ölkrüglein, 3. Musikinstrumente: Schofar und Posaunen, 4. Tisch (darunter ein Krug) und Schaubrote. DER KRONZEUGE (Fortsetzung von Seite 17) G”tt sät, durch den Ankauf eines Grundstücks, die Schrift spricht von einem Weinberg, vergrössern. Der Besitzer, Nabot, weigert sich, das im Erbbesitz befindliche Grundstück abzugeben oder gegen ein anderes zu tauschen. Der König findet sich mit der Entscheidung ab, aber nicht so seine Frau, Isebel, Tochter eines phönizischen Königs, die die israelische Mentalität nicht versteht. Sie schreibt an die Alten der Stadt, den Senatoren: Lasst ein Fasten erklären, und setzt Nabot oben an im Volk, stellt zwei niederträchtige Menschen vor ihn — die zeugen und sprechen, „du hast G’’tt und den König gelästert“. Die Entscheidung der Alten fällt nach dem Wunsch der Königin aus, ihre Zeugen haben ja ausgesagt. Nabot wird gesteinigt und der Weinberg geht an den König. Die Berichterstatter, die wahrscheinlich in Juda leben, sorgen dafür, dass das Geschehen bekannt wird. Der Vorfall wird Elijahu zugetragen, der den Mut aufbringt, vor Ahab zu erscheinen, ihm das j’accuse entgegenschleudert: „Du hast gemordet und auch ererbt!“ Falls einmal eine Geschichte der Rechtssprechung geschrieben werden sollte, kann dieser Fall nicht übergangen werden. Die .Niederträchtigen Menschen’, erste Zeugen einer Königin, erste Kronzeugen in der Geschichte. 18

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