Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1994
- Issue
- No. 58 (1994)
- Date
- 1994-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Kronzeuge Von H.W. GOLDSTEIN Der Staat Israel hat von der Mandatsverwaltung Teile der britischen Rechtssprechung übernommen, zu der der Begriff des Kronzeugen gehört, des Ed Hamedina, der Im kontinental-europäischen Recht weitgehend ausgeklammert Ist. Auch das Jüdische Gesetz kennt den Begriff nicht, der sich vom “Witness of the Crown" oder “Witness of the King” ableitet, und der Im hebräischen Sprachgebrauch zum Ed Hamedina geworden ist. Zeuge des Staates. Die Untersuohungsbehörden, wie auch die Gerichte, machen es sich damit verhältnismässig einfach. Nach einer begangenen Tat, einem Gewaltverbrechen, oder Betrugsfällen, in denen meistens mehrere Schuldige verwickelt sind, wie Handel mit Rauschgiften etc., wird einer aus der Gruppe herausgenommen — wobei die Frage, wie das entschieden wird, und wer das Sagen hat, offen bleibt — und zum Kronzeugen erklärt. Seine Zeugenaussage wird vom Gericht selten in Zweifel gezogen, er müsse nur zugeben, irgendwie an dem Verbrechen oder Betrugsfällen beteiligt gewesen zu sein, und kann den oder die anderen als Hauptbeschuldigte festlegen. Der Begriff stammt aus dem 'Mittelalter, als in der Feudalzeit der König — oder der regierende Fürst — als oberste Rechtsperson seine Anhänger, Mitglieder der adligen Familien und Clans, schützen wollte und musste. Mit dem Volk, Amcho, wurde „kurzer Prozess“ gemacht: die wurden, schuldig oder nicht schuldig, verurteilt. * Es ist vielleicht zu bedauern, dass die israelische Rechtssprechung dieses System beibehalten hat. Nach dem Prozess staffieren die Behörden den ,,Ed Hamedina“ oft mit neuem. Pass aus und reichlichen finanziellen Mitteln, die es ihm ermöglichen sollen, im Ausland unterzutauchen und quasi ein „neues Leben“ zu beginnen. Es will scheinen, dass ein staatlich organisierter und finanzierter Exort von diesen Typen mithilft, das Image des Staaten zu schädigen. Man fragt, welche Beweggründe es waren und sind, immer wieder auf den Kronzeugen, den „Ed Hamedina“, zu verfallen? Entscheidungen, die wahrscheinlich unüberlegt getroffen werden, von gelehrten Personen, die im Elfenbeinturm sitzen, und nicht die Folgen übersehen können. Wir können nicht wissen, nach welchen Motiven oder Grundsätzen der „Ed Hamerina“ ausgewählt wird. Vielleicht gibt es auch hier, wie im Mittelalter, Familien oder Cliquen, einflussreiche Freunde. Manchmal sieht es so aus, dass dadurch der Hass und die Feindschaft zu neuen Verbrechen führen, zu Racheakten, ja, zu Morden. In den Zeiten, in denen in England eine Königin regierte, wie auch heute wieder, wurde aus dem “Witness of the King" der “Witness of the Queen", und damit haben wir das Stichwort, dass uns mindestens 2,500 Jahre zurückführt. Die Schrift gibt ein Beispiel und eine Warnung vor dem Begriff des „Zeugen der Königin“. Im ersten Buch der Könige, Kap. 21. wird folgende Geschichte erzählt: Ahab, König Israels, will sich seine Sommerresidenz in Jesre'el, einem Ort in dem heutigen Emek Jesre’el, dem Tal, in dem (Fortsetzung auf Seite 18) Treffen des V.E.B. am 15.6.1993 Am 15.6.1993 fand das Treffen des V. E. B. im Saale der „Ichud Schiwat Zion“ In Tel-Aviv statt. Herr Mosche Godstein eröffnete dieses Treffen. Er erstattete Bericht über die Tätigkeit des Verbandes im vergangenen Jahr. Es fanden 11 Sit. zungen des Vorstandes statt. Im Einklang mit dem Beschluss der letzten Versammlung wurde die soziale Tätigkeit erweitert und in ca. 40 Fällen Hilfe und Unterstützung gewährt. Herr Goldstein betonte die Wichtigkeit der „Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer“, welches oft das einzige Bindeglied zwischen älteren und vereinsamten ehemaligen Breslauern ist. Er erwähnte Insbesonders den Redakteur Herrn Mordechai Hauschner, welcher keine Mühe scheut den „Mitteilungen“ ein besonderes Gepräge zu geben und sie auf einem hohen Niveau zu halten. Auch drückten verschiedene Universitäten im Ausland ihre Anerkennung über den .Inhalt der „Mitteilungen“ aus. Der Vorstand traf sich mit dem deutschen Botschafter, um mit ihm das Problem der Vernachlässigung des Friedhofs Kosei zu erörtern. Gleichzeitig wurden Kontakte mit dem deutschen Aussenministerium in Bonn aufgenommen; desgleichen mit unseren Mitgliedern in Amerika und der deutsch-polnischen Kommission, welche für Zuweisung von Geldern verantwortlich ist. Diese Bemühungen hatten einen bestimmten Erfolg, denn der Verband erhielt die Nachricht, dass die genannte Kommission die ersten Gelder zur Restauration des Friedhofs Kosel und der Storchsynagoge zur Verfügung gestellt hat. Herr Goldstein erstattete dann Bericht über die finanzielle Lage des Verbandes. Die Versammlung bestätigte die Tätigkeiten des Vorstandes. Danach wurde ein neuer Vorstand gewählt. Frau Chaja Bar-Or und Herr Mordechai Lopatka baten aus Gesundheitsgründen, nicht mehr als Vorstandsmitglieder gewählt zu werden. Die Versammlung dankte Frau Bar-Or und Herrn Lopatka für ihre Tätigkeit im Rahmen des Verbandes und wünschte ihnen beste Gesundheit. In den neuen Vorstand wurden gewählt: Herr Mosche Goldstein, Vorsitzender; Frau Edith Benda, Herr Arje Gradenwitz, Frau Lotte Lewald und Herr Gabriel Holzer. Ausserdem sandte die Versammlung die besten Wünsche an Dr. Richard Prager, dem ehemaligen Vorsitzenden des Verbandes. Nach der Beendigung des technischen Teils re- Dr. JEHUDA BEN.AWNER „YAKIR HACHINUCH HADATI“ | IN RAMAT GAN Wie wir kurz vor Redaktionsschluss er- | fahren, wurde unser verehrtes Mitglied . Dr. Jehuda Ben-Awner (als Lothar Markt in I Breslau geboren) als „Yakir Hachinuch Hadati (Würdenträger der religiösen Erziehung) I in Ramat-Gan ausgezeichnet. Als Lehrer * und 'Direktor war er in allen Sparten des I religiösen Erziehungswesen tätig. Seit vie- | len Jahren ist er Dozent an der Bar-Ilan . Universität und an der Offenen Universität I für neuzeitliche jüdische Geschichte. Seine Forschungsgbiete sind insbesonders das 1 Judentum in Deutschland und die Epoche des Holocaust. Wir wünschen Dr. Ben-Aw- I ner weiteren Erfolg in seiner so wichtigen I und interessanten Arbeit. . ferierte Dr. Jehuda Ben-Awner, Dozent an der Bar- Ilan Universität und an der offenen Universität, über das Thema: „Neue Gedankengänge über die Scho'ah im heutigen Deutschland“. Der Referent sprach über seine Eindrücke in verschiedenen Gymnasien, an welchen er Unterrichtsstunden über die Scho'ah gab, und das Interesse, welches die Schüler, besonders in den oberen Gymnasialklassen zeigten. Er sprach auch über den Dialog mit christlichen Theologen, sowohl katholischen wie auch evangelischen. Insbesonders erwähnte er die besonderen Beziehungen zwischen einem evangelischen Priesterseminar und der religiösen Bar-Ilan Universität. Dozenten der Bar-Ilan Universität veranstalteten Seminare in T’nach (Bibel) für die angehenden Geistlichen. Die Leitung dieser Seminare sind besonders daran interessiert, dass die Vorträge über Bibel und ihre Erklärung von religiösen Jüdischen Wissenschaftlern gehalten werden. Dr. Ben-Awner führte aus, dass gerade In diesen Kreisen das Schuldbewussten gegenüber der Nazivergangenheit gross ist. An diesen so Interessanten Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an. Viele meinten, dass bei dem heutigen Aufkommen der Neo-Nazis, viel mehr getan werden müsste, um die Greuel der Naziherrschaft nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dieses gut gelungene Treffen endete mit einem gemütlichen Zusammensein bei Kaffe und Kuchen. (Fortsetzung auf Seite 20) JÜDISCHE KULTSTÄTTEN IN SCHLESIEN (Fortsetzung auf Seite 4) er-, die Sklower-, die Landschule und manche andere. Und der, der gewöhnt ist, in einem grossen G“tteshaus seine Andachten zu verrichten, sollte es nicht verabsäumen, in einer so kleinen Schule zu weilen. Der älteste Friedhof Breslaus auf der Claassenstrasse in unmittelbarer Nähe des wogenden Betriebes des Hauptbahnhofes ist erst in der Zeit Friedrichs des Grossen entstanden. Für den Jüdischen Frontsoldaten hat das Grab des Leutnants Meier Hilsbach besonderes Interesse, der während des Freiheitskrieges im Jägerdetachement gekämpft, dreimal verwundet und dann gefallen ist. Von ihm schrieb die „Schlesische Zeitung“; „Das Andenken an ihn wird in Liebe und Verwunderung fortdauern. Seine Glaubensgenossen, aus deren Mitte er vor allen anderen auf Ruf seines Königs unter die Vaterlandsfahne trat, mögen es dankbar erkennen, dass sein Beispiel manche Zweifel beseitigte und ihren Jünglingen ein herrliches Muster aufstellte“. Noch gibt es manch andere alt-ehrwürdige Kultstätten!im schlesischen Lande. Auch Glogan wäre noch zu nennen. Die schlesischen Juden haben ein grosses Erbe zu verwalten. Sind die Formen des G“ttesdienstes vielleicht in weiten Kreisen andere geworden, haben unsere Friedhöfe ein anderes Gesicht gewonnen, so soll doch auch aus neuen G“tteshäusern der gleiche Geist hervorgehen, der die Juden Schlesiens durch die Jahrhunderte geleitet hat. (Der Schild, Zeitschrift des Reichbundes jüdischer Frontsoldaten, 16 April t-928). 17