Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1994
- Issue
- No. 58 (1994)
- Date
- 1994-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Rabbiner Egon Israel Löwenstein Vor einem Jahr konnten wir an dieser Stelle in unserer Zeitung Rabbiner E. I. Löwenstein zu seinem 80. Geburtstag gratulieren. Heute haben wir die traurige Pflicht, dem unlängst Verstorbenen einige Zeilen des Gedenkens zu widmen. Der am 2. Oktober 1912 in Berlin Geborene trat 1934 in das Breslauer Rabbinerseminar ein, an welchem er seine rabbinischen Studien 1938 beendigte. Sein Vorbild, welches sein Verwandter und auch sein Lehrer am Seminar war und auf ihn einen grossen Einfluss ausübte, war Prof. Isaak Heinemann (Onkel Isaak, wie er ihn immer nannte]. Schon in seinen Studienjahren am Seminar, übte er rabbinische Funktionen an der kleinen, aber sehr schönen Synagoge „zum Tempel“ auf der Antonienstrasse aus, und war bei allen Mitgliedern dieser Gemeinde sehr beliebt. Nach seiner Entlassung aus dem berüchtigten Konzentrationslager Oranienburg, wohin auch er bei dem Novemberpogrom 1938 verschleppt wurde, kam er als Rabbiner nach Gleiwitz O/S. Doch im Juli 1939 musste er, infolge von der Bedrohung durch die Nazis, diese Gemeinde verlassen und dank eines Visums nach Chile, welches er bekam, konnten er und seine Gattin gerettet werden. In ln einer Gesellschaft behauptet plötzlich einer der Anwesenden, dass ein Gesprächspartner ein „alter Philister“ sei. Einige der Gäste lächeln. Sie verstehen den Hinweis. Im Sprachgebrauch wird ein kleinlicher Mensch als „Philister“ bezeichnet, nicht aufgeschlossen. Büchmann, der ja für alles eine Erklärung findet, bezieht das Wort auf die Bibelstelle, die berichtet, dass die Philister Jizchak um seinen Besitz an Feldfrüchten und Vieh beneiden, die Brunnen verstopfen, die die Knechte Abrahams gegraben haben. * Mit dem Wort wird ein nichtsemitisches Volk bezeichnet, das in der historischen Periode, in der die Israelstämme Ägypten verlassen, das Land Cana’an von Osten aus besiedeln, das südliche Küstengebiet erobern, ihren Besitz durch den Ausbau von fünf Städten sichern. Ein früherer Versuch dieser Gruppen, in Nordafrika zu landen, wurde von Ramses III. abgewehrt, trotz ihrer damals so modernen Bewaffnung mit Kampfwagen und eisernen Speeren. In Cana'an sind sie den Stämmen der Hebräer überlegen, denen es nicht gelang, sich an der Küste anzusiedeln. Sie rauben die Bundeslade, das fahrbare Heiligtum der Stammgemeinschaft. In der Schrift wird von Samson berichtet, der erfolglos versucht, sie zu bekämpfen. Der junge David besiegt Goliat, den Heiden aus Gat, aber nach einer verlorenen Schlacht, in der König Saul gefallen war wie sein Sohn Jonatan, fürchtet er die feindliche Propaganda: „Sagt es nicht in Gat, verkündet es nicht in den Strassen Aschkelons, dass die Töchter der Philister sich nicht erfreuen“. Als König rekrutiert David seine Leibgarde aus „Kreti und Pleti“, aus Kretern und Philistern, eine Art „Fremdenlegion“, um die Neider im eigenen Lager niederzuhalten. Chile wurde er Rabbiner an der grossen Einwanderungsgemeinde in Santiago, welche er bis zu seiner Alija im Jahre 1970, zusammen mit seinem Kollegen, Rabbiner Dr. Manfred Lubliner sA„ betreute. Darüber hinaus war er in vielen Jüdischen Organisationen tätig, wie, z.B., die zionistische Organisation, die Bne-Brith Loge, die jüdischen Jugendverbände und als Präsident des latein-amerikanischen Rabbinerverbandes. Nach seiner Alija wurde er zum Rabbiner der Emet we-Emuna Gemeinde in Jerusalem berufen. Auch da erfreute er sich von allen Seiten grosser Beliebtheit. Rabbiner Löwenstein war ein markanter Vertreter, der positiv-historisch konservativen Schule Im Geiste Sacharja Frankels. Oie Beiträge und Würdigungen über seine verehrten Lehrer am Seminar, welche er auch in unserer Zeitung veröffentlichte, zeugen von seiner Verbundenheit mit dem Seminar und seinen Lehrern. Seiner verehrten Gattin, welche ihn in allen Stadien seines Lebens begleitete und unterstützte, sprechen wir an dieser Stelle unser innigstes Beileid aus. Die Bibel bezeichnet die Philister auch als „Seevölker“, sie dringen über das Meer ein, vom Westen. Sie hinterlassn leider keine „Besuchskarten“, keine beschriebenen Stellen, Obelisken oder Tontafeln, die den Stammesnamen preisgeben Die Israelis nennen sie „Philister“, Plischtim, Eindringlinge, und Paleschet das von ihnen besetzte Gebiet, eine Bezeichnung, die hellenistische Händler für das Land übernehmen. Der Name, Palästina, wird von Hadrian im Jahre 135, nachdem der Bar Kochba Aufstand niedergeschlagen war, ein politischer Begriff, da Juda capta, Juda besiegt war. Die Bezeichnung verschwindet mit dem Ende der byzantischen Epoche, 634. Die Kreuzfahrer nennen ihr Gebiet „Königreich Jerusalem“: unter den Osmanen, 1516—1917, ist es Südsyrien. Die Briten greifen auf den Namen Palästina (Palestine] zurück, der ihnen insofern geläufig ist, nachdem die Ausbreitung des Christentums in der römisch-bysantischen Zeit stattfand. Selbst Hadrian dachte nicht daran, wie der Name tausend Jahre vorher entstand, ein Land, in das man eine „Plischa“ gemacht hatte, eingedrungen war. * Einige Theorien versuchen, Ursprung und Herkunft der Philister zu erklären. Die Seevölker können von der kleinasiatischen Küste kommen, wo achäische Stämme siedelten, wo Troja stand, oder von ägäischen Inseln, oder aus Kreta. Keramikfunde, in Aschdod freigelegt, zeigen gewisse Ähnlichkeiten mit der mykenischen Kultur. Bei Arnos, 9/7, heisst es: „Habe ich nicht Israel aus Ägypten geführt, und die Philister aus „Kaphtor“, wobei einige Forscher Kaphtor mit Kreta identifizieren. Ihren Siedlungen lassen sie die semitischen Namen. Asa, aus dem die Griechen Gaza machen, ist der gefestigte Platz. Das Wort wird heute für ein feines Gewebe angewendet. Aschkelon kommt von Schekel, der gewogenen (Münz) Einheit. Ein Wort, das im Jahre 1813 die Engländerin Lady Hester Stanlope anregte, nach den „Schätzen“ zu suchen, die in einem Ort mit dem Namen vergraben sein müssten. Sie Hess die Kunstwerke freilegen und zertrümmern, um das „Gold und Silber“ zu finden. Der Name lebt in einer Zwiebelart fort, die über Aschkelon exportiert wurde. Aus der Ascalonia der Lateiner wurde Escallion, die die Deutschen Schalotte nennen. Aschdod, heute wieder eine Hafenstadt, bedeutet soviel wie Hang, Abhang, ein Wort, das mehrmals als geographische Bezeichnung benutzt wird. Gat ist die Weinpresse, aber auch die Zisterne. Der Stamm des Wortes Ekron hat mehrere Bedeutungen, das Wichtigste, das Hauptsächliche. In der Entwicklung versuchen die Städte Ihren Charakter zu erhalten, lange nachdem die „Philister“ von der Bühne verschwunden waren. Eine geschickte Lokalpolitik erhält den Orten den Status „Freier Handelsstädte“. Nach dem Alexanderzug werden sie hellenistisch. Herodos baut Aschkelon um die Zeitenwende aus. Das, was wir heute als Ruinen bewundern, stammt aus Jener Epoche. Im siebenten Jahrhundert, dem Ende der bysantischen Herrschaft, verliert das Küstengebiet die wirtschaftliche Bedeutung. In der Kreuzfahrerzeit erleben die Hafenstädte einen neuen Aufschwung, der 1270 mit der Zerstörung Aschkelons endet. Nur Gaza bleibt ein kleines Handelszentrum, am Karawanenweg nach Ägypten, dem „Philisterweg“ der Bibel, der via maris der Römer. Auf und an den Ruinenhügeln werden erst in unseren Tagen neue Orte errichtet. Aschkelon, Aschdod, mit dem Tiefseehafen, Kirjat Gat Im nördlichen Negew. * Vielleicht buddeln die Archäologen noch Tonscherben aus, mit einer entzifferbaren Inschrift, die Hinweise mit den Namen der „Seevöl'ker" bringt, auf die Piischtim, die Eindringenden jener Tage. In Ermangelung einer besseren Bezeichnung werden sie weiter Philister genannt, das Land Paleschet, aus dem Palästina geworden ist. Über die Philister besteht eine vielbändige Literatur, über das Volk, das namenlos in die Geschichte eingegangen ist, aber nicht anonym, und das einem Land den Namen gab, Philisterland, Palästina. BBBI BBB BOB BBS mm* UM DER HÜTER DER TRADITION (Fortsetzung von Seite 7} Teuerste, weil er es als Offenbarung eines die Menschheit leitenden G”ttes betrachtete...“ (Volkstümliche Geschichte der Juden, III. S. 360). Das Judentum Deutschlands, welches die Heimat der Wissenschaft des Judentums war, besteht nach dem Holocaust nicht mehr. Aber diese Wissenschaft des Judentums lebt weiter in den wissenschaftlichen Institutionen in Israel und Amerika. Daher wäre es wünschenswert, wenn dieses so interessante und wichtige Buch in hebräischer und englische Sprache erscheinen würde, wie z.B. das Buch von Rivka Horwitz über Zacharias Frankel und seine Zeit, welches in hebräischer Sprache im „Merkas Salman Schasar“ in Jerusalem erschien. M.E. H. PHILISTER ÜBER DIR EIN VOLK OHNE NAMEN GIBT EINEM LAND DEN NAMEN Von HEINZWERNER GOLDSTEIN 16