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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1994-01-01 · No. 58 (1994) · p. Seite 14

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1994
Issue
No. 58 (1994)
Date
1994-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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ZUM ANDENKEN AN DAS JÜDISCHE MUSEUM IN BRESLiAU DIE ENTSTEHUNG DES JÜDISCHEN MUSEUMS Wie soll man unseren Kindern, wie Aussen, stehenden alte Kulte, alte Gebräuche unserer Religion glaubhaft machen, wie kann man sie ihnen nahe bringen? Es ist kein Zufall, dass in unserem auf das Auge eingestellten Zeitalter allerorten der Wunsch rege wird, jüdische Altertümer zu sammeln und auszustellen, um so die erwachende Renaissance des Judentums auch nach dieser Seite hin auszubauen und auszudehnen Als im Oktober 1927 die Soziale Gruppe für erwerbstätige jüdische Frauen und Mädchen in Breslau, wohl aus anderen Bewegründen, erstmalig in ihrer Ausstellung: Die jüdische Frau — Das jüdische Haus — einen Begriff vermittelte von den auch im Osten vorhandenen jüdischen Kult- und Kunstgegenständen, da war der Beifall so nachhaltig, dass im Vorstande der ßreslauer Synagogen-Gemeinde erwogen werden konnte, inwieweit die Zeit heute günstig wäre, aus dieser einmaligen Veranstaltung eine bleibende Einrichtung für unsere Grossgemeinde zu schaffen. Unsere Lage im Osten schien besonders günstig, diesen Plan in die Tat umzusetzen, weil aus den abgetretenen Gebieten besonders reichliches Material zum Vorschein kommen musste, das sonst unrettbar verloren sein würde. In klarer Erkenntnis der Grösse und Vielseitigkeit der Aufgaben, die ein jüdisches Museum in unserer Zeit zu erfüllen hat, wollte der Vorstand der Synagogen- Gemeinde den Plan nur dann durchführen, wenn sich Freunde fänden, die Lust, Zeit und Liebe Von Verwaltungsdirektor Dr. RECHNITZ opfern würden, um im Osten ein Wahrzeichen jüdischer Kunst aufzurichten. So wurde zur Vorbereitung und Absteckung des Aufgabengebietes ein Ausschuss eingesetzt, der in eifrigen Beratungen die Vorarbeiten zur Gründung des Jüdischen Museums-Vereins erledigte. Es kam nicht darauf an, einen neuen Verein zu schaffen, vielmehr musste diese juristische Form gewählt werden, um die Freunde und Förderer dieser Idee am wirkungsvollsten zusammen, zufassen. Die Versammlung vom 29. -März 1928 wählte den in Teil 4 genannten Vorstand, der sich in der Zwischenzeit bemüht hat, den Kreis seiner Freunde zu vergrössern', um so möglichst allen in Stadt und Provinz seine Idee nahe zu bringen. Dass ein jüdisches Museum nicht nur eine Angelegenheit unserer Glaubensgemeinschaft, sondern gleichzeitig eine Bereicherung der Allgemeinheit sein würde, erkannten massgeberrde Kunstkreise unserer Stadt. Insbesondere ist es Herrn Professor Hintze, dem Leiter des ßreslauer Schlossmuseums, zu danken, dass er in Erkennung der grossen und vielseitigen Aufgaben sich dafür einsetzte, dass im Schlossmuseum unsere Museumsabteilung ihr Heim aufschlagen darf. So können wir hoffen, dass wir mit der Eröffnung des Museums eine neue Stätte schaffen die unserer Stadt und Provinz, sowie unserer Gemeinde zur Zierde gereichen wird. Werden aber auch, so wird der Zweifler fragen, genügend Kunstgegenstände vorhanden sein, die eine Sammeltätigkei rechtfertigen. Trotzdem heute naturgemäss noch kein Überblick über die Gesamtschätze vorliegt, so bürgt die Geschichte Schlesiens und der abgetretenen Gebiete bereits für die Ergiebigkeit der Sammeltätigkeit. Man vergesse doch nicht, dass Ostdeutschland und insbesondere Schlesien durch das Zusammenstossen Wiener und italienischer, slawischer und böhmisch-mährischer mit deutscher Kunst reiche Aufschlüsse vermittelt, die anderen Landesteilen, welche weniger stark als Völkerbrücke in Frage kommen, fehlen müssen. Täglich stürmen auf die leitenden Persönlichkeiten des Vereins neue Anregungen ein, die neue Blickrichtung, neue Zusammenschlüsse ergeben. Eine Aufbauarbeit für ein 'Museum muss sich naturgemäss im Verborgenen abspielen. Hier, wo Kulturarbeit auf lange Sicht getrieben wird, kann nicht nach kurzen Wochen und Monaten von Erfolgen berichtet werden, das würde die Einstellung zur Gesamtarbeit gefährden. Je grösser der Kreis der Freunde und Förderer ist, desto schneller wird auch in immer weitere Kreise die Befruchtung dringen, die eine derartige Pflegestätte für Wissenschaft und Kunst bedeutet. Dass über dem Sammeln der Vergangenheit der lebende Künster im Osten nicht vernachläsigt werden wird, bedarf wohl keiner Erwähnung. Was soll das neue Jüdische Museum enthalten? Nachdem im vorigen Aufsatz die Gründe behandelt sind, die zur Konstituierung unseres Vereins geführt haben, sollen nachstehend die Richtlinien für den Auf- und Ausbau des Museums erläutert werden. Die Ansichten über die Art der zu erwerbenden Gegenstände und die Art ihre Vorführung sollen den neuzeitigen Gesichtspunkten für museale Schaustellungen voll angepasst werden. Das Museum soll, nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen aufgebaut und geleitet, zwei Hauptgruppen aufweisen: eine rein gschichtliche und eine kunsthistorische. Wer weiss z.B., dass im Jahre 1689 R. Schabtai Bass, gebürtig aus Kalisch, ein jüdischer Gelehrter der Prager Schule, der in Amsterdam die Buchdruckerkunst und den Buchhandel gelernt hat, das mit der Herrschaft Dyhernfurth bei Breslau verbundene Buchdruckerei-Privileg in Erbpacht erhielt, und hier die erste jüdische Buchdruckerei im Osten betrieb, die ganz Ostdeutschland, Polen und Litauen mit den Büchern für den G”ttesdienst und die jüdische Lehre versorgte, die bisher fast ausschliesslich aus Amsterdam bezogen werden mussten, Er und sein Nachfolger, sein Schwiegersohn, haben hierbei nicht bloss auf die jüdische Wissenschaft, sondern auch auf die Entwicklung der Buchdrukkereikunst wesentlichen Einfluss geübt. Seine Mitarbeiter stammten aus Amsterdam, Berlin, Österreich, Venedig, Ungarn, Böhmen (Prag) und Süddeutschland, ein Beweis für die Vielseitigkeit des hier entwickelten jüdischn Kurrstgewerbes. Ähnlich verhält es sich bei den jüdischen Kunsttischlern, Gold- und Silberschmieden; denn die Juden sind dort, wo sie nicht durch Zunftverbote geknebelt waren, äusserst geschickte und vielsei- Von Prof. Dr. ing. ALFRED GROTTE tige Handwerker gewesen. Und da gerade die Geschichte der schlesischen Judenheit, ihr zäher Kampf um die jahrhundertalte Heimat, ihr Einfluss auf Kultur, Wissenschaft und Wirtschaftsleben des Landes so wenig bekannt ist, soll all dies in Drucken, Bildern, Kaufverträgen, Schutzbriefen, Judenquittungen, Familiendokumenten und königlichen Erlassen vor Augen geführt werden. Auch werden Landkarten und Stadtpläne dazu herhalten müssen, die Geschichte der jüdischen Gemeinden zu erläutern. Aus Grabinschriften und sonstigen Dokumenten soll jüdische Familiengeschichte eine wertvolle Ergänzung der Zeitgeschichte darstellen; so werden auch Büsten, Porträts, Medaillons und Münzen gesammelt werden. in dieser rein kulturhistorischen Abteilung soll aber auch einiges aus der ältesten und mittelallerlichen Zeit des Gesamtjudentums vor Augen geführt werden, ohne Beschränkung auf ostdeutsche und osteuropäische Verhältnisse, die unser Museum ja in erster Reihe berücksichtigen will, — Monumente aus dem Anfang der israelitischen Geschichte und Lichtbilder von alten und ältesten Kultstätten, Friedhöfen, Judengassen und Ghetti. Die zweite Gruppe des Museums soll kunsthistorische Gegenstände aufweisen. Erzeugnisse künstlerischen Gepräges für den kultischen Dienst in Synagoge und Haus; hierher gehören kostbare Silbergeräte, wertvolle Keramik, Gläser, Zinn, Messing, sowie Gegenstände in Textilarbeiten. Ergänzt soll diese Sammlung sein durch alte Gemälde, Porträts hervorragender jüdischer Persönlichkeiten, sowie durch Eirrzelstücke in Schwarz-Weiss-Kunst und Zeichnungen. In diese Abteilung sollen auch die einzigartigen und unschätzbaren Drucke und Handschriften aufgenommen werden, von denen Schlesien eine grössere Anzahl besitzt, und die kostbare Dokumente für die Geistesgeschichte der deutschen Judenheit darstellen. Ebenso, wie die handgeschriebenen Bibeln zu den wertvollsten Stücken nichtjüdischer Museen zählen, sollen hier Inkunabeln und Gebetbücher mit ihrer reichen farbigen Ausmalung das Interesse der Besucher wecken. Sie werden dartun, dass, wie einst die Mönche in stiller Klause in unermüdlicher Arbeit kostbare Miniaturen und Initialen in glühender Farbenpracht schufen, auch die mittelaterlichen jüdischen Schreiber mit unendlicher Liebe 'Illustrationen zu den Büchern der Erbauung lieferten, dilletantisch oft, aber auch mit dem künstlerischen Duktus jener Zeit, die für die Juden sonst so unsicher und märtyrerhaft gestaltet war. Aber mit diesen Schaustellungen soll der Zweck des Museums durchaus nicht erschöpft sein; Viele der uns zur Verfügung gestellten Stücke sollen, archivarisch geordnet, jenen zugänglich gemacht werden, die hier, im Museum wissenschaftlich arbeiten wollen, die an Hand des vorhandenen, hier im Osten an keiner anderen Stelle systematisch geordneten Materials wirken wollen, für jüdische Kunst und Wissenschaft. So soll und wird unser Museum segensreich wirken können; es wird das alte Vorurteil zerstören helfen von der rein materialistischen Einstellung des Judentums, von seiner angeblichen Kunstfeindlichkeit, es wird endlich den Anteil erweisen, den das deutsche Judentum des Ostens an Kultur und Geistesleben besitzt. 14

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