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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1994-01-01 · No. 58 (1994) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1994
Issue
No. 58 (1994)
Date
1994-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Dr. Rudolf Pedazur Daniel - 85 Unser verehrtes Mitglied Dr. R. P. Daniel vollendet s.G.w., am 4.4.1994 sein 85. Lebensjahr. Viele von uns, welche die Rhedigerschule besuchten, waren seine Schüler. Er promovierte an der Breslauer Universität zum Dr. phil. und beendigte zur gleichen Zeit das jüdisch-theologische Rabbi, nerseminar in Breslau. In den Jahren 1933—1939 war er Lehrer an der jüdischen Schule Rhedigerplatz für Hebräisch, Bibel, Talmud, Geschichte und Latein. Insbesondere half er den vielen Schülern, welche nach 1933 von den staatlichen Gymnasien in das jüdische Gymnasium am Rhedigerplatz kamen, sich an die neue Umgebung anzupassen. Er war es, der die Gruppe dieser neuen Schüler in der Welt des Talmud einführte. Ausserdem war er in vielen Institutionen tätig: Im Vorstand der Jüdi. sehen 'Lehrervereinigung in Schlesien, Mitglied der Ritualkommission der jüdischen Gemeinde Breslau, im Vorstand der Zionistischen Vereinigung und Misrachiortsgruppe in Breslau, Repräsentantenstellvertreter der jüdischen Volkspartei Breslau. Nach seiner Alija nach Erez Israel im Jahre 1939 setzte er hier seine pädagogische Tätigkeit Zu den Minhagim, den Gebräuchen, die endgültig vergangen sind, gehörte das Memorbuch, Erinnerungs- und Tagebuch vieler jüdischen Gemeinden. Die Forschung hat diesen Aufzeichnungen wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der erste, der einen Teil des Nürnberger iMemorbuches, 1898, veröffentlichte, war Siegmund Salfeld, 1843—1926, Rabbiner in Mainz, darin die Liste der Märtyrer, das Märtyrologium, die die meisten Memorbücher führen. Er zählte 59 weitere Bücher auf. Im Jahre 1924 erschienen die Untersuchungen über das Wesen der Memorbücher von M. Weinberger, der 29 teilweise beschreibt, und der später eine Darstellung der Memorbücher in Bayern veröffentlichte. Die ältesten bekannten Memorbücher sind die aus Mainz, 1296, aus Metz und Deutz, 1349, dem Jahr des Schwarzen Todes, das für viele der jüdischen Gemeinden zum Pogromjahr wurde. Viele der Bücher enthalten eine Märtyrerliste, die mit den Ausschreitungen 1096, der Zeit des ersten Kreuzzuges, beginnen, und so glaubt man, dass die Sitte im elften Jahrhundert aufkam. Die Bücher hatten einen liturgischen Teil, Gebete, Segenssprüche, Pijutim, religiösen Dichtungen, die sich in den Gemeinden entwickelt haben und zu lokalen Gebräuchen wurden. Nachrufe für die 'Grossen in Israel’ wie die der Gemeinde. Die oft zerlesenen Bücher mussten gewechselt werden, Eintragungen übertragen. Lange Listen wurden oft mit der Hand geschrieben. Das 19. Jahrhundert bringt das gedruckte Gebetbuch, von den grossen Gemeinden ausgehend, :und damit eine Standardisierung, die Sitten der Kleingemeinden geraten in Vergessenheit. Die Listen der Rabbiner, Vorsteher, auch die Sterberegister werden in die Amtsstuben verlegt. In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts benutzten nur noch einige Kleingemeinden, insbesondere in Hessen und Nordbayern, ihre Memorbücher, aus denen zur Seelenfeier „gememert“ wurde, wie man die Vorlesung nannte. In Haifa fort. Zuerst im Jawne Gymnasium, Beth Ja'akow Schule und nachher stellvertretender Direktor an der Leo Baeck Schule sowie am Lehrer. und Kindergärtnerinseminar Gordon in Haifa. Auch hier waren seine Unterrichtsfächer Hebräische Sprache und Literatur, Bibel, Talmud, Judentumskunde, Geschichte und Latein. Nach der Gründung der Universität Haifa wurde er an dieselbe als Dozent für Latein und Deutsch berufen. Er war auch bei der Herausgabe des Deutsch-Hebräischen Wörterbuches Lagenscheldt-Achiasaf und beim Lesen der Korrekturen desselben beteiligt. Seine vielseitige Arbeit half ihm über die schweren Schicksalsschläge, die ihn und seine Gattin trafen, hinweg zu kommen. Seine Schüler und alle Mitglieder unseres Ver. bandes wünschen dem Jubilar alles erdenkliche Gute und noch viele glückliche Jahre mit seiner verehrten Frau Gemahlin. Masal-Tow — bis 120! Sicherlich gab es in den Gemeinden östlich der Elbe auch Gedenkbücher, ohne dass der Name dort gebräuchlich war, man kannte auch nicht das Zeitwort 'memmern' und man weiss wenig über diese Aufzeichnungen, wie es auch keine genaue Aufstellung gibt, in welchen Orten Memorbücher geführt wurden* Unter den von Weinbergs besprochenen stellt das aus der Klaussynagoge in Fürth insofern eine Ausnahme dar, als es in Wien begonnen wurde. Eine Familie Fraenkel bringt es 1670 bei der Judenausweisung nach Fürth, der Stadt aus der man fünf Memorbücher kennt. Die Eintragungen beginnen 1633. Ein polnischer Schreiber hat ein Gebet für Wladislaw IV., 1632—1648, in den liturgischen Teil eingeflochten, aber später den Namen des Deutschen Kaisers, Ferdinand III., 1637—1657, darüber geschrieben, ohne den Namen der Gattin des ersteren, Anna Maria, zu ändern. Die Wiener Eintragungen enden 1670, die aus Fürth beginnen 1691, und wurden bis Pessach 1921 weitergeführt. Das Memorbuch aus Fulda hat die erste datierte Eintragung 1597, mit Nachtragungen seit 1550, bei der Vertreibung der Juden 1671 wird es nach Amsterdam mitgenommen, später nach Fulda zurückgebracht. — Die Eintragungen erfolgen nicht immer in chronologischer Reihenfolge. Bel Platzmangel werden Flächen ausgenutzt, die Ränder beschrieben, auch auf Seiten, die anderen Themen gewidmet sind. Die Frage, wie die Memorbücher, die viele Gemeinden Jahrhunderte begleiten, zu ihren Namen gekommen sind, ist nicht entschieden. Vielleicht da das Buch auf dem Vorbeterpult, dem Almemor lag, ein Wort das aus dem arabischen AI Minbar, die Kanzel kommt, die man schon in den Synagogen des Gallil im 3., 4. Jahrh. kannte. Andere bringen das Wort mit dem lateinischen Memor, dem Tage- und Erinnerungsbuch in Verbindung, oder mit dem hebräischen Amar, das Gesagte. Es ist zu bedauern, dass die Memorbücher grösstenteils nicht untersucht und bearbeitet wurden. Der Begriff sagt dem Heutigen wenig. Ein Teil konnte gerettet werden, es existieren vielleicht noch andere, die irgendwohin mitgnommen wurden Der Laie kann mit den hebräischen Handschriften, von verschiedenen Schreibern und nicht immer deutlich geschrieben, wenig anfangen. Die Memorbücher könnten helfen, die Geschichte der Gemeinden zu vervollständigen, im Allgemeinen Zentralarchiv der Geschichte des jüdischen Volkes, The Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, befinden sich an die vierzig Memorbücher und Photokopien anderer, einige sind in der National- und Universitätsbibliothek, Jerusalem, das aus Hamburg im Israel Museums, zwei Abschriften in Frankfurt/M je ein Memorbuch im Leo ßaeck-lnstitut, New York, Amsterdam, Leeds. Der Geschichtsforschung wie den Histographen jüdischer Vergangenheit sind Möglichkeiten geboten, aus den noch erhaltenen Memorbüchern die Geschichte dieser Gemeinden zu vervollständigen. Wie die Aufstellung zeigt, befinden sich etwa 10% der Erinnerungsbücher in den Archiven wissenschaftlicher Institutionen. Man spricht von 500 Gemeinden. HEIMANN FEILCHENFELD, der Leiter der jüdischen Volksschute Rhedigerplatz, in Breslau, mit seiner Klasse. M.E.H. ■ ■«■■■■■■■■■■ MEMORBÜCHER Van HEINZWERNER GOLDSTEIN 13

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