Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1994
- Issue
- No. 58 (1994)
- Date
- 1994-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Unser Lehrer, Ernst Meyer, begeht seinen 90. Geburtstag Eine wirkliche Freude für alle Breslauer, die sich seine Schüler nennen dürfen und die das Erlebnis hatten ihn nach einer Zeitspanne von vielen Jahrzehnten anlässlich des Schüler-Lehrer-Treffens der Rhedlger Schule, das der Verein Ehemaliger Breslauer am 24. Juni 1992 veranstaltete, wieder zu hören und zu sehen. Diejenigen unter uns, die die letzten Jahre vor unserer Alijah durch die Schrecken der Nazi-Verordnungen bedrückt aufwuchsen, dürfen noch heute dankbar sein, dass wir von Ernst Meyer so gütig und fröhlich geleitet durch unsere ersten Volks. (Fortsetzung von Seite 11) Oie Bestrebungen Max Hirschs gründen sich auf den gleichen Liberalismus, der auch den geistigen Hintergrund der Frauenbewegung bildete. Nach der Gründung des „Allgemeinen Deutschen Frauenvereins“ im Jahre 1865, der Keimzelle des „Bundes Deutscher Frauenvereine“ der sich 1894 konstituierte, lassen sich drei Aufgabenkomplexe deutlich fixieren: 1. die Realisierung des Grundsatzes vom Recht der Frau auf Arbeit aufgrund der Befreiung aus wirtschaftlicher und sozialer Gebundenheit: 2. die wirtschaftliche Befähigung der Frau zur Erwerbsbereitschaft und Erwerbsmöglichkeit, seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Sozialpolitik qualifiziert; 3. schliesslich das Streben der Frau nach persönlicher Bildung. Eng zusammen hing damit der Kampf um die Verbesserung des Erziehungs- und Bildungswesens für Mädchen. Diese Bestrebungen und die ihnen zugrunde liegenden Gedanken standen wiederum in einem innigen Zusammenhang mit den Erziehungsideen Friedrich Fröbels, die damals von einer grossen Anzahl von Frauen mit beeindrukkender Begeisterung aufgenommen wurden. Der 1. Weltkrieg brachte auf zahlreichen Gebieten die Anerkennung der weiblichen Arbeits¬ und Berufsleistung, das Jahr 1918 die politische Gleichberechtigung der Frau. Ohne die theoretischen und praktischen Vorarbeiten so vieler bedeutender jüdischer Männer und Frauen sind sie kaum vorstellbar. Ausser den genannten ist ihnen Anna von Gierke, die Tochter des Rechtsgelehrten Otto von Gierke und dessen jüdischer Frau Lilli Loening zuzurechnen, und zwar an hervorragender Stelle. Ihre sozialpädagogische Leistung gipfelte in der Schaffung des Berufs der Schulpflegerin im Jahre 1909. In engem Zusammenhang mit den Funktionen der Schulpflegerinnen steht die Einführung der Kinderspeisung. Sie ist auf Helene Simon zurückzuführen. Ihre programmatische Schrift „Schule und Brot“ wirkte wie ein Sauerteig im Sinne eines systematischen Ausbaus der Schulspeisungen. Energisch aufgegriffen wurden die Initiativen Helene Simons durch Anna von Gierke. Seit 1890 widmete sie sich der sozialen Arbeit, vor allem der Kinderfürsorge und Jugendwohlfahrt, die sie in Berlin in Zusammenarbeit mit der städtischen Verwaltung in Horten und Heimen auf- und ausbaute. So hoch man auch immer das Wirken der geschulklassen gehen konnten; dass wir gern und — wie nebenbei — viel Wissen und Erziehung durch Ernst Meyer aufnahmen. Wir wurden gelobt, wenn es am Platze war, und nachsichtig in unsere Grenzen verwiesen, wenn es zu fröhlich in der Klasse oder auf dem Hof zuging. Heute ist es uns klar, dass dieser Anfang unserer Bildung das Beste war, das wir erhoffen durften. Alle seine Freunde aus jener Zeit wünschen dem Jubilar gute, friedliche Jahre und das erhebende Bewusstsein in diesem unseren Land unter guten Freunden leben zu dürfen. L. S. B. nannten Personen für das Erziehungs- und Bildungswesen einzuschätzen hat, gleichzeitig auch die es begleitende, bisweilen sogar bestimmende sozialpolitische Komponente, so reicht es doch nicht an das Wilhelm Mertons heran. Ihn, der seine Aufgabe darin sah, die Menschen zu befähigen, den Lebenskampf aus eigener Kraft zu bestehen, beschäftigte die Anwendung seiner Erfahrungen als Kaufmann auf das Wohlfahrtswesen, das er mit Erziehungs- und Bildungsfragen eng verknüpft sah. Ferner ging er aus von der Errichtung von Wohlfahrtszentralen. Das Beispiel einer kaufmännisch organisierten und wirtschaftlich arbeitenden gemeinnützigen Unternehmung wurde die 1891 gegründete Gesellschaft für Wohlfahrtseinrichtungen. Sie hat insbesondere auf dem Gebiet der Volksernährung Hervorragendes geleistet. Von der kaufmännisch-wirtschaftlichen Einstellung zu Fragen der Wohlfahrtsorganisation abgesehen, war für Merton die Anschauung des Phänomens der Armut als eine Frage von wirtschaftlicher Bedeutung durchaus charakteristisch. Und schliesslich hat er auch die Problematik der Methodenfrage in der Wohlfahrtspflege mit feinem Gespür empfunden. Zu ihrer Lösung und Überwindung stellte er sämtliche durch ihn gegründeten Einrichtungen in den Dienst der sozialen Ausbildung und Forschung. Aus Unterrichtsinstitutionen heraus, die der 1896 etablierten Auskunftsstelle für Arbeiterangelegenheiten angegliedert wurden, kam es im Laufe der Jahre über die Akademie für Sozial- und Handelswisser.schaften schliesslich zur Gründung der Universität Frankfurt. Bei ihrer Errichtung hat Merton sich mit grosser Energie für die Errichtung einer Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eingesetzt. Darüber hinaus bekundete er erhebliches Interesse an der wissenschaftlichen Analyse sozialpädagogischer Fragen. Er hat dafür bedeutende finanzielle Mittel bereitgestellt. — Zu seinen Gründungen gehört auch das Institut füt Gewerbehygiene, eine Einrichtung, die, wie der Rhein-Mainsche Volksbildungsverein sowie seine sämtlichen sonstigen Schöpfungen, stets in grosszügiger Weise durch ihn finanziell gefördert wurden. Im Jahre 1914 gründete Wilhelm Merton eine Stiftung für die wissenschaftliche Erforschung des Bildungswesens. Aus ihren Mitteln errichtete man an der Universität Frankfurt einen Lehrstuhl für Pädagogik, der den ersten dieser Art in Deutschland darstellte. Den Zielsetzungen Wilhelm Mertons waren die Anna Edingers, wenngleich auf einer anderen Ebene, nicht unähnlich. Von den naturwissenschaftlichen Ideen Ihrer Zeit erfasst, führte sie, die wie Merton aus Frankfurt stammte, in Ihrer Heimatstadt die Licht- und Luftbadpflege zu einer Zeit ein, als derartige Bestrebungen noch nicht ernst genommen wurden. Im Zusammenwirken mit der Zentrale für private Fürsorge suchte sie neue Wege der Jugendbetreuung. Dementsprechend veranlasste sie die Stadt Frankfurt zur Errichtung von Kinderspielplätzen sowie zur Ausbildung von Spielplatzpflegerinnen. Die Frankfurter Schulbehörde hat Anna Edingers Luftbadpflege ihren Ferienspielen in der Tat eingegliedert und sie bis in die Jahre des 1. Weltkriegs hinein finanziert. Lange vor 1914 setzte die Sozialpädagogin die Einführung des hauswirtschaftlichen Unterrichts in den Volksschulen durch. Darüber hinaus trat sie für die Fortbildungsschulpflicht der Mädchen ein. Und sie war ferner um die Förderung aller Arten weiblicher Weiterbildung bemüht, um dadurch bessere Berufsvoraussetzungen für Frauen und Mädchen zu erreichen. j Dem naturwissenschaftlichen Interesse Anna Edingers entsprach es ferner, ihr Aufgabenbereich auf sozial-hygienischem Gebiet zu sehen. Von der sozialhygienisch aufgefassten Kinderfürsorge ausgehend, stiess sie schliesslich zu dem umfassenden Aufgabenkreis von Fürsorge, Wohlfahrtspflege und Sozialpädagogik vor. Zu charakteristisch pädagogischer Bedeutung gelangte während und nach dem 1. Weltkrieg die Kleinkinderfürsorge. Dabei war der sog. Methodenstreit lange bestimmend. Dies bedeutet, dass es um die Frage ging, ob die Erziehungspraxis durch die Vorstellungen Friedrich Fröbels bestimmt werden sollte, der dem Spiel des Kindes entscheidende Bedeutung beimass, oder aber durch die Maria Montesoris, die die Aktivität des Kleinkindes auf praktische Arbeit lenken wollte. In Deutschland hat als erste Klara Grunwald für die Einführung der Montesori-Kindergärten gewirkt. Die Durchdringung der Jugendwohlfahrt In ihrer Gesamtheit, so der Verwahrlostenfürsorge ebenso wie der Kleinkindererziehung, mit Erziehungsgedanken sowie die hiermit zusammenhängende Verschmelzung mit dem Schulwesen begann im Anschluss an die Regelung der rechtlichen Voraussetzungen im Jahre 1924. Dabei hat Edmund Friedenberg ebenso mitgewirkt wie Emil Münsterberg, Walter Hertz, Ernst Kantorowicz, Friedrich Ollendorf und Hans Maier. Zu den typischen Kennzeichen der neuen Erziehungsweise gehören die Herbeiführung der sog. pädagogischen Situation, d.h. eines Vertrauensverhältnisses zwischen Erzieher und Zögling, ebenso wie die Betonung des Gemeinschaftslebens der Jugendlichen sowie die Betonug der Selbstverantwortlichkeit. Den theoretischen Vertretern dieser neuen Pädagogik ist u.a. Siegfried Bernfeld' zuzurechnen; praktisch bestimmt wurde sie nicht zuletzt durch Friedrich Georg Lennhoff. | Starken und nachhaltigen Einfluss auf die neue Pädagogik hatte die Heilerziehung, was wiederum die Psychologie zur Beschäftigung mit Fragen der Erziehungsfürsorge motivierte. Zu den frühesten Theoretikern und Praktikern der Heilpädagogik gehört Theodor Heller. Er war Verfasser des verbreiteten „Grundriss’ der Heilpädagogik“ sowie Mitherausgeber des „Enzyklopädischen Handbuches für Kinderschutz und Jugendfürsorge“. Ausserdem gründete er ein Institut für „schwierige Kinder“. Die erste heilpädagogische- (Fortsetzung auf Seite 19) DIE BEDEUTUNG DES DEUTSCHEN JUDENTUMS... 12