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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1994-01-01 · No. 58 (1994) · p. Seite 11

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1994
Issue
No. 58 (1994)
Date
1994-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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DIE BEDEUTUNG DES DEUTSCHEN JUDENTUMS... (Fortsetzung von Seite 10) des 18. Jahrhunderts relevant wurden, in engem Zusammenhang stehend, hat seit dieser Zeit fast ununterbrochen Fortschritte gemacht. In Deutsch, land fand die Frauenfrage ihre geistige Grundlage in dem Kultur- und Gesellschaftsbegriff der idealistischen Philosophie; sie wurde hier vor allem zu einer Erziehungsfrage. So spielte neben den anderen Zielen der Kampf um die Verbesserung des Erziehungs- und Bildungswesen für Mädchen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts keine geringe Rolle. Häufig verquickten sich die hiermit verbundenen Gedanken und Probleme mit den Erziehungsvorstellungen Friedrich Fröbels, die durch eine Reihe von Frauen begeistert aufgenommen wurden. Zu den charakteristischen Repräsentantinnen dieser Strömung gehört Henriette Goldschmidt, die auch auf sozialpädagogischem Gebiet ein beeindruckendes Engagement entwickelte.0) Sie wirkte nicht nur durch ihre Schriften, so die beiden Werke „Die Frauenfrage, eine Kulturfrage“, 1870 publiziert, und „Ideen über weibliche Bildung“, 1882 erschienen; darüber hinaus versuchte diese führende Vertreterin der Frauenbewgung durch praktische Gründungen tätig zu werden. Die Einordnung des Kindergartens in das staatliche Schulwesen und der Gemeinden war ihr ein besonderes Anliegen. Als Leiterin der Erziehungskommission des Bundes Deutscher Frauenvereine trat sie für eine staatliche Regelung des Kindesgartenswesens ein. Die Erziehungsideen Fröbels, sowie der Frauenbewegung mündeten ein in das Bestreben, die allgemeine weibliche Bildung durchzusetzen. Diesen Intentionen entsprechend, richtete Henriette Goldschmidt „Wissenschaftliche Vortragsreihen für Damen“ ein. In dem 1878 gegründeten „Lyceum für Damen“ stand die Erziehungslehre Fröbels im Mittelpunkt. Den Schlussstein der theoretischen und praktischen Aktivitäten Henriette Goldschmidts bildete die Eröffnung der ersten deutschen Hochschule für Frauen im Jahre 1911. Bereits im Eröffnungsjahr waren hier 500 Studierende immatrikuliert. Ein Jahr nach dem Tod der Gründerin, 1921, wurde die Hochschule in ein sozialpädagogisches Frauenseminar umgewandelt. Das fortschrittliche und bis zu dem heutigen Tag aktuelle Denken Henriette Goldschmidts dokumentiert sich in einer Fülle durch sie erhobenen Forderungen und entwickelten Initiativen. So trat sie für das Recht der Frau auf Arbeit in bisher Männern vorbehaltenen Berufen sowie auf allgemeine höhere weibliche Bildung ein. Und sie war eine der ersten, die für die Zulassung der Frauen zum akademischen Studium eintraten, insbesonders dem der Medizin, eine Forderung, der erst Jahrzehnte später entsprochen werden sollte. Zu ihren Anregungen und Forderungen gehört ebenfalls ein Dienstjahr für junge Mädchen. Nach ihren Vorstellungen sollte es zunächst in Hospitälern sowie sämtlichen sonstigen sozialen Einrichtungen abgeleistet werden, später aber nur noch auf dem Gebiet des Erziehungswesen. Anlässlich der vorbereitenden Arbeiten zum Bürgerlichen Gesetzbuch war Henriette Goldschmidt an einer dem Deutschen Reichstag zugeleite'ten Petition des Bundes Deutscher Frauenvereine für die Verbesserung der Lage des unehelichen Kindes sowie der Gewährung der elterlichen Gewalt an die Frauen beteiligt. Die Lösung der anstehenden Frauenprobleme sah Henliette Goldschmidt allerdings nicht in 1. Linie in der Erkämpfung von Frauenrechten und dem Anspruch der Frau auf Arbeit als vielmehr in einer grundlegenden Reform der Frauen- und Mädchenbildung in ihrer Gesamtheit. Zu den vielseitigsten Repräsentantinnen auf dem Gebiet der Pädagogik innerhalb der Frauenbewegung gehört Lina Morgenstern.10) In der sozialen Fürsorge Berlins tätig, insbesondere in der Kindererziehung sowie dem Mädchenschutz, gründete sie die ersten Berliner Volksküchen — 1866 —, den Kinderschutzverein und den ersten Berliner Hausfrauenverein — 1873 —. Zur Erziehung minderjähriger Strafentlassener Mädchen richtete sie 1880 eine landwirtschaftliche Hausindustrieschule ein. Unbestritten ist, dass Lina Morgenstern auf dem Gebiet der Fürsorge und Wohlfahrtspflege sowie bei der Unterstützung Minderbemittelter am eindrucksvollsten und nachhaltigsten wirkte. Diese Bereiche der öffentlichen Tätigkeit, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts völlig aus dem allgemeinen Gesichtskreis verschwunden waren und als reine Verwaltungsaufgaben angesehen wurden, rückten seit den 70er und 80er Jahren Wieder in den Vordergrund des Interesses. Dass dem so war, ist den Aktivitäten Lina Morgensterns nicht zuletzt zuzuschreiben. Sie wird daher mit Recht als Vorkämpferin der modernen Wohlfahrtspflege bezeichnet. Den bemerkenswertesten Schöpfungen der Frauenbewegung ist die 1866 zunächst als „Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts“ ins Leben gerufene Institution zuzurechnen; nach ihrem Gründer ist sie als „Lette-Verein“ in die Geschichte eingegangen. Er förderte die Bildung, die Berufsvorbereitung sowie den Berufseintritt von Frauen und Mädchen auf eigenen Lehranstalten und in eigenen Werkstätten, ferner durch Berufsberatung und Stellennachweise. Als erste Vereinigung dieser Art wurde sie vorbildlich für sämtliche späteren Berufsbildungsinstitutionen in Deutschland. Bis heute bestehend, unterhält der „Lette-Verein“ u.a. eine kaufmännische Fach-Schule mit angeschlossener Wirtschafts- und Sprachenschule, ferner ein Dolmetscher-Seminar, eine technische Fachschule mit Ausbildungsmöglichkeiten als Photographin, medizinisch-technischer Assistentin sowie als technischer und Elektro-Assistentin. Darüber hinaus werden unterhalten: eine gewerbliche Schule mit Fachklassen für Mode, Werbegraphik, textiles Kunsthandwerk, das Schneiderhandwerk und die Wäscheherstellung. Schliesslich unterhält der Verein eine hauswirtschaftliche Schule mit Lehrgängen für Hauswirtschaftsleiterinnen und Wirtschafterinnen. Mitgestalterin des „Lette-Vereins“ war neben Martin und Mathilde Stettiner vor allem Jenny Hirsch. Ehe sie ihre Wirksamkeit in diese Vereinigung, die zu ihrem Lebensinhalt werden sollte, begann, hatte sie in Zerbst eine Privatschule für Kinder aller Konfessionen gegründet und geleitet sowie die Zeitschrift „Der Bazar“ mitredigiert. Anlässlich der ersten Konferenz der deutschen Frauenbildungs- und Erwerbsvereine im Jahre 1869 referierte Jenny Hirsch hier über ihre Erfahrungen in und mit der Frauenbewegung. Und nachdem als Ergebnis der Konferenz ein Verband deutscher Frauenbildungs- und Erwerbsvereine ins Leben gerufen wurde, redigierte sie das Verbandsorgan „Oer Frauenanwalt“. Darüber hinaus war Jenny Hirsch an dem Sammelwerk “The Woman Question in Europe", der ältesten Darstellung der deutschen Frauenbewegung, massgeblich beteiligt. Sie verfasste ferner eine Anzahl selbständiger Schriften über Frauenbildungs¬ und Erwerbsfragen. Durch ihre Übersetzung von John Stuart Mills Buch „Die Hörigkeit der Frau“ im Jahre 1882 konnte sie die Aufmerksamkeit weiter Kreise der Öffentlichkeit auf die sog. „höhere Bildung“ des weiblichen Geschlechtes lenken. Die Weiterentwicklung der Schule seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, die ihren sinnfälligen Ausdruck in ihrem fortwährenden Ausbau so, wie in der methodischen Vertiefung Ihrer Arbeit findet, Ist zu einem wesentlichen Teil auf das Wirken von Ulrike Henschke zurückzuführen. Zwar galt ihr Interesse dem Mädchenbildungs- und Erziehungswesen in seiner Gesamtheit, was ihre Arbeiten, ihre Forderungen von Mittelschulen für Mädchen, ihre Vorträge über die Reform der weiblichen Unterrichtseinrichtungen sowie ihre organisatorische Mitwirkung beim Zustandekommen von Gymnasialkursen für Frauen deutlich macht; stärker hingegen war sie bei der Gestaltung der Fortbildungsschule engagiert. Hier galt es zunächst und vor allem, die Verbindung von theoretischer und praktischer Arbeit herzustellen. In der Unterrichtspraxis ergab sich aus der Anstellung weiblicher Lehrkräfte zur Erteilung des Unterrichts in den kaufmännischen Fächern ein Problem besonderer Art, da es sich hierbei um ein Novum handelte. Den grundlegenden Anliegen der Frauenbewegung — dem Streben nach höherer Bildung sowie nach wirtschaftlicher Befähigung — versuchte Ulrike Henschke durch ihre Initiativen und Aktivitäten zu entsprechen. Hierbei stellen die auf dem sozialen Sektor eine spezielle Variante ihres Engagement dar. Sie wiederum hat man im ursächlichen Zusammenhang mit den geistigen Strömunegn der Aufklärungsepoche zu sehen. In jenen Abschnitt der Geistesgeschichte fällt nämlich die Emanzipation der Juden in Deutschland. Dadurch wurde ihnen die Verwirklichung sozialer und pädagogischer Ideen ermöglicht. Und daher sind bereits seit dieser Zeit jüdische Leistungen mit der emanzipatorischen Bewegung und den vielfachen von ihr ausgehenden Ausstrahlungen auf den unterschiedlichsten Ebenen derart eng verwoben, dass es unmöglich erscheint, sie im einzelnen zu exkulpieren und einen umfassenden Eindruck vom Anteil der jüdischen Bevölkerung an diesem kulturgeschichtlichen Prozess zu geben, ausgenommen das Erziehungs- und Bildungswesen. Festzuhalten hat man, dass es seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts durch die bereits angesprochene Frauenbewegung, ferner durch die Arbeiterbewegung, ebenso neue wie interessante Impulse erfuhr; ähnliches gilt für das Wohlfahrtswesen. Die soziale Reformrichtung der Arbeiterbewegung ist untrennbar mit Max Hirsch11) verbunden. Zunächst Verlagsbuchhändler in Berlin, später Kaufmann in Magdeburg, wurde er 1864 Mitglied des ständigen Ausschusses der deutschen Arbeiterbildungsvereine. Gestützt von führenden Mitgliedern der Fortschrittspartei, gründete er 1868 die „Deutschen Gewerkvereine.11) Damit legte er zugleich den Grundstein für die ersten deutschen Gewerkschaften. Neben seinen engagierten Bemühungen um die Arbeiterbewegung war die Hebung der allgemeinen Volksbildung das grosse Anliegen Max Hirschs. Sein Programm bestand in der Vereinigung von Bildungsreform und Lebensreform. Aus ihm erwuchs die Humboldt-Akademie, die spätere Humboldt-Schule; sie sollte die Grundlagen des allgemeinen Wissens vermitteln. (Fortsetzung auf Seilte 12) 11

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