Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1994-01-01 · No. 58 (1994) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1994
Issue
No. 58 (1994)
Date
1994-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/7506414-7412178-7492873--135-7412183
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

60 Jahre Deutschsprachige Alija (1933 -1993) (AUS DER ANTHOLOGIE: KALEIDOSKOP ISRAEL) Anfang des Jahres 1994 wird die neue Anthologie KALEIDOSKOP ISRAEL — DEUTSCHSPRA¬ CHIGE EINWANDERER IN ISRAEL ERZÄHLEN herauskommen. Das Buch wird im Alekto Verlag, Kiagenfurt (Österreich) mit der Kooperation der Universität Klagenfurt veröffentlicht werden. Der Herausgeber ist Shlomo Erel, dessen früheres Buch NEUE WURZELN — 50 Jahre deutschsprachige Immigration in Israel im Bleicher Verlag Gerlingen (1983) erschienen Ist. Die hebräische Ausgabe ist unter dem Titel HAYEKIM Im R. Mass Verlag Jerusalem herausgegeben worden. Die Anthologie bringt sowohl neues als auch schon veröffentlichtes Material aus der Feder prominenter mitteleuropäischer Juden Israels, sie lässt aber auch „Amcho“ zu Worte kommen. Wir bringen hier die folgenden Beiträge aus der Anthologie: Vorwort — Haim H. Cohn; Aus der Einleitung — Shlomo Erel. VORWORT Jede Anthologie hat ihre Gefahren: eine davon ist, dass die Auswahl der darin aufgenommenen 'Beiträge den persönlichen Geschmack der Herausgeber, und Kompilatoren widerspiegeln. Angesichts schon vieler Anthologien fragte ich mich, wie sie wohl ausgesehen hätten, wäre die Auswahl mir oder sonst jemand Anderem überlassen geblieben. Die Frage erhebt sich natürlich auch angesichts der uns hier vorliegenden Anthologie, und ich weiss sie nicht zu beantworten. Daher muss ich mich mit der Feststellung begnügen, dass Schlomo Erel, der Herausgeber dieses Bandes, nicht nur bewährter Sachverständiger und Autor über die deutsche Alija nach Israel ist, sondern auch ein Mann von Geschmack und Urteilskraft, der volles Vertrauen auch noch so skeptischer und kritischer Leser verdient. Wir deutsch-erzogene und-verzogene, deutschgebildete und-eingebildete, Israelis neigen oft dazu, das Ausmass unserer Mitwiikung am Aufbau des Landes für irrelevant und unerheblich zu halten — nicht etwa aus falscher Bescheidenheit, auch nicht wegen sachlicher Unkenntnis oder mangelnder Statistiken, sondern eher als naürliches Ergebnis israelisch-nationaler Volkswerdung. Alle Stämme Israels haben, in grösseren und kleineren Massstäben, dazu beigetragen, und im nationalen metting-pot verschmelzen sich Unterschiedlichkeiten so schnell, dass ursprüngliche Eigentümlichkeiten zu Legende werden und nur noch Historikern und Schriftstellern Stoff zum Be. richten und Bedichten geben. Um so wichtiger erscheint es, die Aufzeichnungen Einzelner, die zum Aufbau beigetragen haben, der Vergessenheit zu entziehen. Hier handelt es sich nicht mehr so sehr um die Kollektivleistung der deutschen Alija als solcher, sondern um individuelle Erlebnisse und Erfahrungen, Erinnerungen und Planungen, Träume und Verwirklichungen, Der Gefahr, dass solche individuellen Einstellungen generalisiert und dem Kollektiv als charakteristisch unterstellt werden, wird dadurch begegnet, dass die zu Licht gebrachten individuellen Verschiedenheiten nur schwerlich auf eine gemeinsame Formel gebracht werden können. Schon die Einteilung der Autoren in Pioniere und Theoretiker, Künstler und Bauern, Akademiker und Kibbuzniks, Staatsmänner und Industrielle, deutet auf eine Mannigfaltigkeit in Vorbildung, Einstellung, Weltanschauung und Ausdrucksweise hin, die eine Allgemeingültigkeit ausschliessen muss. KALEIDOSKOP ISRAEL (AUS DER EINLEITUNG) Deutschsprachige Juden in Israel sind die Nachfolger der Generation von Karl Marx, Freud, Einstein, Kafka und vielen anderen Persönlichkeiten kultureller und sozialer Spitzenleistungen. Es ist kein leichtes Unterfangen, Nachfolger dieser Autoritäten internationalen Massstabs in der Moderne zu sein. Die Teilnehmer an der vorliegenden Anthologie darunter Martin Buber, Gerschom Scholem, Max Brod, Else Lasker-Schüler, Ernst Simon, Teddy Kollek und viele andere nicht so berühmte Autoren beweisen, dass der Baum auch beim Umpflanzen weiter blüht. Die Anthologie lässt viele deutschsprachige Einwanderer erzählen und berichten. Sie vermittelt wirklichkeitsnahe Eindrücke und gibt Aufschluss über den besonderen Charakter dieser Gruppierung. Keine Abstraktion, keine Summierung des Besonderen, des Unverwechselbaren kann dieser Aufgabe gerecht werden — nur über das individuelle Erleben kann das kollektive Schicksal, können die Grösse und auch die Tragik dieser Bevölkerungsschicht dargestellt werden. Bei der Auswahl der Texte wurden im allgemeinen direkte Erzählungen und Berichte deutschsprachiger Personen in Israel bevorzugt, doch es wurden auch einige wenige Beiträge von Journalisten und kompetenten Persönlichkeiten verwendet, um das Material abzurunden und zu vervollständigen. Das Buch kommt zum 60. Jubiläum der Massenimmigration deutscher, österreichischer und tschechischer Juden nach Erez Israel heraus und gibt noch viel lebenden Menschen die Chance, zu Wort zu kommen. Shlomo Erel Wenn es aber doch ein Charakteristikum gibt, das die allermeisten Autoren in diesem Buche auszeichnet und miteinander verbindet, so ist es die Liebe zu einer neuen Heimat, die Begeisterung über neue Menschen, neue Landschaften, neue Aufgaben — und ein unbändiges (oftmals allzu optimistisches) Vertrauen in eine sichere, friedvolle, grossartige Zukunft. Haim H. Cohn ES WAR EINMAL - EIN PASSAGIERSCHIFF „TEL AVIV“ Von HEINZWERNER GOLDSTEIN Die Passagierschifffahrt stand im Lande unter einem schlechten Stern, angefangen von dem ersten Versuch 1936. Ein Zufall bringt ein Zeitungsblatt aus dem Jahre 1937, das „Berliner Tageblatt“, ln dem am 6. Dezember aus Hamburg von dem Prozess berichtet wird, gegen den Reeder Arnold Bernstein, Im Zusammenhang mit der ’Palestlne Shipping Company’, Palco, wegen Devisenvergehen. Es ging um 5 000 Dollar, die er zur Einlösung elne3 Wechsels ohne behördliche Erlaubnis ausgeführt haben soll. Aus dem Buch Margret Boverl's, „Wir lügen alle“, lernen wir, dass die Zeitung als Renomlerblatt aufrechterhalten wurde. So liest sich der Berich über den Prozess, auf dem die Gründung wie der Zusamenbruch der Firma besprochen wird, von auffallender Sachlichkeit. „Die Entwicklung dieses Unternehmens, mit dem der Reeder Bernstein den Versuch machte, die grosse jüdische Wanderung nach Palästina ge. schäftlich auszunutzen, stand von Anfang an unter einem unglücklichen Stern“. Aus dem „Dampfer“ „Hohenstein“ wurde die „Tel Aviv“, die man in Haifa voller Erregung erwartete. Sie brachte jüdische Seeleute und Wirtschaftspersonal, die auf deutschen Schiffen gearbeitet hatten. Dann wurden sie Zeugen des Zusammenbruchs. Oie „Tel Aviv“ lag monatelang am Wellenbrecher vertäut, bis sie für 25 000 Pfund Sterling verkauft werden konnte, wie dreissig Jahre später die Schiffe der „Sommerfin“-Gruppe. Lassen wir die Zeitung sprechen: „Die Finanzierung dieses Unternehmens war recht kompliziert. Die Ausländer sollten sich angeblich mit 24 000 Pfund beteiligen, insbesondere hatten die Zionisten einen Beitrag von 14 000 Pfund versproi chen. Gehalten wurde jedoch nichts“. Nachdem die „Palästinenser“, wie die Sochnut genannt wird, „ihre Zahlungsversprechen nicht einhielten, beteiligte sich schliesslich die New Yorker Agentur“, und „Später sei dann der Palco von einer ausländischen Mittelmeerreederei schwerste Konkurrenz gemacht worden“, eine taktvolle Umschreibung des italienischen „Lloyd Triestino". Auch wurde von dieser Seite ein Oruck auf die Zionisten ausgeübt..., und Ende 1936 sei das Schiffsunternehmen nicht mehr zu halten gewesen. Auch ein letzter Versuch, den er zusammen mit dem angeklagten Geschäftsführer, Gottschalk, bei dem Zionistenkongress gemacht habe, sei fehlgeschlagen, obwohl auch da Versprechungen gemacht worden waren die nicht gehalten wurden. Die Tatsachen, die man in Haifa wusste, sind schnell erzählt. Die Mandatsregierung gab der „Tel Aviv“ keine Postsendungen, die Jewish Agency keine von ihr finanzierten Einwanderer Gruppen. (In dem Jahr, indem in Berlin die Olympiade abgehalten wurde, ging die Zahl der Einwanderer drastisch zurück — aber das gehört in ein anderes Kapitell). Über die Gründe des Zusammenbruchs schwirrten viele Gerüchte, die man einfach nicht überprüfen konnte. Der Jischuw schenkte dem Versuch wenig Aufmerksamkeit, Seefahrt lag ausserhalb der cnaluzisch-zionistischen Träume jener Tage. Eine andere Hamburger Reederei, Fairplay, von (Fortsetzung auf Seite 19) 5

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.