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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1994-01-01 · No. 58 (1994) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1994
Issue
No. 58 (1994)
Date
1994-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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JÜDISCHE KULTSTÄTTEN IN SCHLESIEN Wer In Frömmigkeit sein Haus baut, in Gerechtigkeit seine Söller wölbt und auf Treue und Redlichkeit gründet seinen Bau, dessen Bauwerk wird ewig bestehen und dessen Ehre wird rrimmer wanken. Inschrift eines alten jüdischen Hauses in Glogau. Ruhelos zieht Israel durch die Länder und Völker, und wenn es glaubt, für lange Zeit eine Heimat gefunden zu haben, dann zwingt ein unvorhergesehenes 'katastrophales Ereignis den Wanderstab aufs neue zur Hand zu nehmen. Eines nur lässt es den Völkern, die es verjagen, zurück: Friedhöfe und mitunter alte Stätten der Andacht. Wohl gibt es schon lange Juden in Schlesien, aber nur an wenigen Stellen sind es die Nachkommen derer, die schon vor Jahrhunderten dort gesiedelt haben, die heute noch dort wohnene. Meist haben Austreibungen die Städte von den Juden befreit, und andere sind später zugezogen. Will man von der Vergangenheit der schlesischen Juden ein anschauliches Bild gewinnen, so muss man aus Breslau hinausfahren und das kleine Z ü I z in der Nähe von Neustadt O.-Schl. aufsuchen. Während ausser Glogau alle anderen Orte die Juden verjagten, hat es hier immer jüdische Bevölkerung gegeben. Die Synagoge, die heute dort steht, ist nicht die älteste an jener Stelle. Am 22. September 1769 wurde ihre Vorgängerin ein Raub der Flammen, und die neue, wie uns die Forschungen von Rabin gezeigt haben, wurde im Jahre 1774 vollendet. „'Es soll die Herrlichkeit dieses Hauses grösser werden denn des ersten gewesen ist“, dieser Spruch des Propheten Haggai wurde die Richtschnur für den Baumeister. Kein Prachtbau im modernen Sinne ist sie geworden, aber viele Generationen haben in Andacht hier gebetet und haben alles, was in ihren Kräften stand, zur Ausschmückung des Raumes getan. „Eine wundervolle Bank befindet sich heute im Besitz des Breslauer jüdisch-theologischen Seminars, denn diese Gemeinde, die einstmals der Stolz Israels gewesen ist, sie existiert heute nicht mehr. Der Von Dr. WILLY COHN Zug der Juden nach der Grossstadt hat sie verwaisen lassen. Und ihre Heiligtümer hat ein merkwürdiges Schicksal teilweise bis ins ferne Ostpreussen verschagen, wo die Thorarollen den Gemeinden überwiesen wurden, die ihre In der Russenzeit einbüssten. So verknüpft sich das Geschehen durch die Jahrhunderte Der Besucher von Zülz aber wird seine Schritte auch nach dem alten Friedhofe lenken. Sollte es nicht für die Verbundenheit, die wir mit unseren Vorfahren spüren, charakteristisch sein, dass wir das letzte daran setzen, die uns bekannten Ruhestätten vergangener Generationen zu erhalten und niemals freiwillig unsere Zustimmung dazu geben, dass sie dem Erdboden gleichgemacht werden. Dieser Zülzer Friedhof am „Kopiec“ führt bis ins 17. Jahrhundert zurück. Auch die Toten der Nachbarorte mögen auf ihm beigesetzt sein, und vielleicht haben 3000 Menschen dort ihre letzte Ruhestätte gefunden. 'In einem anderen Teile unserer Provinz liegt Dyhernfurth. Auch dort einstmals eine blühende Judengemeinde und heute nur noch ein Friedhof, der von ihr erzählt. Diese Stadt war bis ins 17. Jahrhundert ein Dorf und führt den slawischen Namen: Przig. Erst im Jahre 1661 hat Kaiser Leopold dem Orte Stadtrecht verliehen und gleichzeitig festgesetzt, dass er den neuen Namen zu führen hatte. Ein Druckereiprivilegium, das der Freiherr von Dyherrn erwarb und zu dessen Ausnutzung er einen jüdischen Drucker annahm, machte aus diesem Orte ein in der Welt des jüdischen Geistes geachteten Platz. Rabbiner Schabsze brachte die Druckerei zu einer hohen Blüte. Aber niemand von unseren Altvorderen hätte eine ruhige Minute haben können, wenn er nicht einen Platz gewusst hätte, wo er einstmals seine Gebeine zur letzten: Ruhe legen könnte. Aus dm Jahre 1689 besitzen wir einen Kaufvertrag zur Gründung des Friedhofes: „Es verkauft der Ehrenhafte und Wohlgeachtete Christoph Günter, Bürger und Schuhmacher allhier von seinem Acker und Wiesenwachs, was er hinter dem Thiergarten rechtmässig laut seines Kaufbriefes zu geniessen hat, um ein gewisses Jüdische Grubenarbeiter in Schlesien Im Jahre 1912 (19. Juli 1912} veröffentlichte die „Allgemeine Zeitung des Judenthums“ einen Artikel von S. Wiener, über jüdische Grubenarbeiter in Schlesien. In diesen Jahren kamen viele Juden aus Polen, infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse dort, nach Deutschland und hauptsächlich nach Schlesien. Die Kattowltzer Gemeinde suchte Mittel und Wege, um diese Flüchtlinge zu produktivisieren, damit sie Ihren Lebensunterhalt verdienen können. So entstand das Projekt der jüdischen Grubenarbeiter. Alle waren von der Arbeit am Schabbat und Feiertagen befreit. Da sie am Schabbat nicht arbeiteten und Sonntag der allgemeine Ruhetag war, ordnete man ihnen eine besondere Nachtschicht, am Mozae Schabbat (Schabbatausgang). Um 4.30 morgens hatten sie jeden Tag Minjan und auch ein Minjan zum Abendgebet. Sie hatten besondere Wohnhäuser und Esssäle mit koscheren Mahlzeiten. Es gab jüdische Kantinen mit koscheren Nahrungsmitteln. Kranken- und -Unfallsversicherung hatten sie wie alle anderen Arbeiter auch. Sie verdienten so viel, so dass sie sich und ihre Familien ernähren konnten und sogar im Laufe einiger Jahre so viel Geld sparen konnten, um nach Amerika auszuwandern. Sie bekamen von den Gruben ein Zeugnis, und fanden dann dort als gelernte Grubenarbeiter leicht eine Stellung. So gelang es der Kattowitzer Gemeinde alljährlich 6000 Menschen auf diese Weise die Mittel zur Auswanderung zu beschaffen. Die jüdischen Organisationen, wie der Hilfsverein, Grossloge und der Deutsch-Israelitische Gemeindebund gaben ihre volle Sympatie und Unterstützung dazu. M.E. H. Geld, benenntlich siebzehn Thaler schlesisch dem Herrn Sabatki nebst den noch allhiesigen Juden, die allhier wohnen oder in das Künftige wohnen möchten zu ihrem Eigerrthum und Begräbnis, dass sie ohne alles Verhindernis ihre Leichen dahin begraben möchten...“ Oftmals hat es im Laufe der Zeiten Streitigkeiten um diesen Friedhof gegeben, aber immer Ist erreicht worden:, sei es auf dem Wege des Vertrages, sei es auf dem Wege des gerichtlichen Urteils, dass der Friedhof erhalten und der Zugang zu ihm für pietätsvolle Besucher freibleibt. Als schon die meisten von Dyhernfurth weggezogen waren, bemühten sie sich doch um die Erhaltung der Ruhestätte. Wenn man heute das Abkommen liest, durch das der Bestand des Friedhofes gesichert und jenes andere, durch das ein massiver Zaun errichtet wurde, der ihn nun vor böswilligen Händen schützt, da packt uns insofern eine gewisse wehmütige Stimmung, weil wir feststellen müssen, dass so manche Familie, die sich einstmals für die Erhaltung des Freidhofes eingesetzt hat, heute dem Judentum den Rücken kehrt. Der Weg in die Grossstadt hat oftmals zur Auflösung geführt. Alte schlesische Kultstätten finden wir aber auch in Breslau. Wenn in der Stadt selbst nur wenig Juden siedeln durften, so hatten doch die, die zu Handelszwecken den Markt von Breslau aufsuchten, doch vor allem den Wunsch, nach der Sitte ihres Heimatsortes zu beten. Man lächelte vielleicht über jenes Zusammengehörigkeitsgefühl, dass sie überall zwingt, die Gemeinschaft ihrer Heimat wenigstens im Gebet herzustellen. So entstanden in Breslau die „Schulen“, die heute noch das Erbe der Vergangenheit bewahren, die Gogau- (Fortsetzung auf Seite 17)' ARBEITSBEDINGUNGEN DER JÜDISCHEN GRUBENARBEITER Wie wir aus der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums“ erfahren, waren die Arbeitsbedingungen wie folgt: 1) Die jüdischen Arbeiter haben das Recht am Sonnabend (Sabbat) zu feiern; 2) Für jüdische Küche wird gesorgt werden; 3) Verpflichtungsdauer: 6 Monate mindestens; 4) Tägliche Arbeitszeit; 10—11 Stunden täglich; 5) Taglöhne: Von 2.80 bis 3.00 Mark; 6) Akkordlöhne: als Füller von 3.00 bis 4.50 Mark und darüber; als Häuer: 4.00 bis 6.00 Mark und darüber; 7) Die Lohnzahlung erfolgt am 15. jedes Monats; am 1. jedes Monats kann eine Abschlagzahlung gewährt werden; 8) Die jüdischen Arbeiter werden in einem besonderen Hause, gesondert von den anderen Arbeitern untergebracht. Schulzik, Fahrsteiger Laurahütte, den 8. Juli 1912. I I I I I I I I I I I I I I 4'

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