Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1994
- Issue
- No. 58 (1994)
- Date
- 1994-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 JAHRE BNE-BRITH-LOGE Als im Jahre 1843 eine kleine Gruppe deutschsprachiger Juden unter der Leitung von Henry Jones eine Vereinigung — Bne-ßrith genannt — gründete, konnte wohl keiner ahnen, dass sich dieselbe einmal zu der grössten jüdischen Organisation entwickeln wird, welche 51 Logen in allen Ländern und Erdteilen umfasst. Die Gründer der Loge sahen die grosse Kluft zwischen den alt eingesessenen sephardischen Gemeinden und den neu-gegründeten Gemeinden der jüdischen Einwanderer aus Deutschland und später aus Osteuropa, einerseits; und andererseits die Konfrontation zwischen der neue-entstehenden Reformbewegung und den traditionellen Gemeinden. Die Gründer setzten es sich zum Ziel alle Juden, welcher Abstammung und religiöser Richtung sie auch seien, in einer Organisation zusammen zu fassen, unter der Parole „Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht“. iDie UOBB Logen waren in allen Ländern diejenige Organisation, welche eine grosse Rolle in dem Gemeindeleben spielte und Juden aller religiösen und politischen Richtungen zusammenfasste. Es gab keine jüdische Organisation welche soviel Sozialarbeit leistete, wie die ßne-Brith- Logen. Heute ist die grösste Bne-Brith-Loge ln Amerika, und ihr grosser Einfluss in allen Kreisen zu Gunsten des Staates Israel, der Juden in den arabischen Ländern und der ehemaligen Sowjetunion ist einer der wichtigsten Faktoren im jüdischen Leben. Irr unseren „Mitteilungen“ müssen wir auch der 4 UOBB Logen in Breslau gedenken — Lessing Loge, Heinrich Grätz Loge, Manuel Joel Loge und Zacharias Frankel Loge — in welchen sich Mitglieder aus allen? Kreisen der Gemeinde trafen und insbesondere die Rabbiner aller Richtungen. Die Gründung des Logenheims in Krummhübel (ein? Ferienheim) durch die UOBB Grossloge, ist auf eine initiative der Breslauer Loge zurückzuführen. Wir wünschen der Loge und aller ihren Brüdern und Schwestern eine weitere segensreiche Arbeit zum Wohle des ganzen jüdischen Volkes. M.E.H. „GEDULD UND VISION ii REDE DES EHREN -GROSSPRÄSIDENTEN RABBINER Dr. LEO BAECK AH 4. SEPTEMBER 1955 Als 1882 die Idee unseres Ordens nach Europa hinübergelangte, begann diese Idee eine neue Form zu gewinnen. Ideen, Ideale können nicht wie eine Ware oder ein Patent importiert und exportiert werden, sie können nur in einen Boden eirrgepflanzt werden, und aus diesem Boden muss die Idee ihre Kraft hervorholen'. Aus diesem Boden hervor muss sie sich entwickeln. In Amerika war unser Orden 1843 gegründet worden. Ein Problem hat jüdische Menschen dort beschäftigt, das Problem, sich in einer neuen Welt als Juden zurecht zu finden. Ein Jude hat es schwerer sich zurecht zu finden, als andere, denn 1er trägt eine Geschichte von Jahrtausenden in sich. Amerika war Jahrhunderte hindurch ein Einwanderungsgebiet gewesen, wie vorher nie in der Geschichte ein Land gewesen ist. Seit den Tagen der „pilgrim fathers“ waren immer wieder Menschen aus allen Bezirken Europas hinübergekommen. Das grosse Problem, das sich dort erhob, war das der „americanisation“: die Aufgabe, die Einwanderer aufzunehmen, sie nicht als Fremde zu betrachten, sondern von Beginn an als „new americans“ anzusehen, sie also mit aller ihrer Eigenart zu vollen Rechten aufzunehmen. Der Jude lässt sich nicht leicht einfügen. Er trägt Jahrtausende in siich. Er blickt in die Welt mit Augen, die Jahrhunderte älter sind als die der Menschen rings umher, und auch seine Ohren sind um Jahrhunderte älter. Ihnen das Amerikanische zu geben und das Jüdische zugleich zu wahren, das war das Gebot. Dies haben die Männer erkannt, welche sich als die ersten B'ne B'rith zusammentaten. Sie schlossen sich zusammen unter dem Motto, das wir alle kennen. W. B. und £., Wohlwollen, Brüderlichkeit und Einigkeit. Sie wollten sich zunächst nur zusammenfinden, sich gegenseitig stützen. Der Jude ist Individualist, ein Individualist auch im Patriotismus. Das ist eine Grösse und eine Stärke. Für Individualisten, wie wir Juden, ist es fast ein Lebensfordernis, sich mit anderen zusammenzutun, mit Gleichgesinnten nicht nur, sondern mit Andersdenkenden auch. 1882 kam der Orden nach Deutschland und •dann nach anderen Ländern Europas. Es wurden Logen der B'ne B’rith, gegründet. Die Idee des Ordens in neuen Boden eingepflantzt. Sie konnte nicht dieselbe Form haben wie in Amerika, das wäre importierte Ware gewesen. Das Prinzip, das Motto, die Idee war die gleiche, aber sie wurde zu neuer Form entwickelt. Vor zwei Jahrzehnten hörten die mehr als hundert Logen auf dem Kontinent, in Deutschland, in Österreich, Polen, der Tschechoslowakei und den Balkanstaaten auf. Sie endeten, und wir müssen dankbar sein, dass die Logen der Peripherie, vor allem die Schweizer-Logen, das Banner aufrecht erhielten. Es ist auch wie ein Akt der Dankbarkeit, fast ein Symbol, dass die Leitung des neuen Distrikts hier in der Schweiz ist. Und nun ist dieser Distrikt „Europäischer Kontinent“ geschaffen worden. Das will sagen, eine europäische Aufgabe ist erkannt und gestellt. Die Aufgabe ist nicht die, den ersten Schritt dahin zu tun, wie vielleicht einige meinen, den Schritt dahin, dass eines Tages vielleicht, wenn einige Juden in Island leben, ein Distrikt Island gegründet wird. Nur als Distrikt Kontinental-Europa in seiner Einheit und Geschlossenheit wird die Logen-Idee in Europa weiterleben können. Jedes Land behält seine Besonderheit. Die Aufgabe unserer Logen in Europa: das jüdische Gewissen in Europa zu sein, dass ova»avMa>ararafarjvMiJVa ein jüdisches Gewissen in den Ländern nicht verstumme, dass Menschen da sind, die dem Gewissen das Wort geben. Das ist die grosse Pflicht der B’ne B'rith. Dazu gehört allerdings menschliche Stärke. Ein schwacher Jude ist eine contradictio in adjecto, ein Widerspruch in sich. Wenn er schwach wird, hört er auf innerlich Jude zu sein. Solange er wahrhaft ein Jude ist, wird er nie innerlich zerbrechen. Wir Juden haben seit wir leben — und wir leben dadurch — zwei grosse Eigenschaften: Geduld und Vision. Geduld ohne Vision könnte zum Fatalismus werden und Vision ohne Geduld zur Träumerei und Phantasterei. Vision und Geduld, das erhält in uns die Spannkraft des Willen zum Leben und den Willen zur Aufgabe. Dem dienen wir B’ne B'rith, dienen dem mit Wohlwollen ohne Rechthaberei und Überhebung. In brüderlicher Liebe, in gegenseitigem Verständnis, ohne Eigenbrödelei, ohne Parteisüchtelei, um der Eintracht mit der grossen jüdischen Gemeinschaft willen, der wir durch unsere Gemeinschaft dienen — dies ist die Aufgabe. Israelitisches Wochenblatt, No. 46, 19.11.1993) ■WM TT* •5>"* VOR 60 JAHREN TISOHTENNISMEISTER: BRESLAUER BAR KOGHBA-SPORTLER (Von links) die Spieler der erfolgreichen Mann;chaften Brieger, Wassertheil, Sczupak (heute in Rio), Luft, Fass, Ehrlich (Spitzenspieler, heute in Israel unter dem Namen Errel), Kwilecki (in Israel verstorben), Goldstrom, Angress, Frey. 6